fukkIch höre schon die Unkenrufe: „Plastic Bomb rezensiert Rapmucke. Da hätte auch 'ne Punkplatte mehr besprochen werden können“ etc. pp. Tja, Leben ist kein Wunschkonzert und 2017 scheinen sich die Sub- und Gegenkulturen immer mehr anzunähern und zu fusionieren. Es wird referenziell. Da verwursten ANTILOPEN GANG u.a. SLIME- und KNOCHENFABRIK-Zitate, FEINE SAHNE-Sänger Monchi taucht in diversen Musikvideos als Gast auf und GENETIKK haben noch auf ihrem letzten Album „Achter Tag“ TOTEN HOSEN in Form eines Samples aus „Wünsch dir was“ zitiert. Damit ist die Referenz gegeben, mal sehen, ob wir Relevanz hinbekommen.
GENETIKK sind eine Hip Hop-Crew aus dem Saarland, die sich u.a. aus Produzent/DJ Sikk und MC Karuzo zusammensetzt und einmal mehr auf „Fukk Genetikk“ dem Old School Rap fröhnen. Beats und Samples der alten Schule treffen auf jede Menge Rap- und Kulturreferenzen treffen auf einen Flow mit hohem Wiedererkennungswert.
Was macht GENTIKK so besonders? Was lässt sie herausstechen? Was könnte man als Punker daran finden?
Neben Punkreferenzen wie das eben genannte HOSEN-Zitat sicherlich die immer wieder in den Songs aufflammende Sozialkritik. So zeigt das Cover der aktuellen Scheibe nicht umsonst brasilianische, maskierte und bewaffnete Favela-Kids. Es gibt zwei Songs auf portugiesisch. Hier wird angeprangert und aufgeklärt. Hier wird symbolisch gegen den weißen Mann gehetzt, der schon so viel auf dieser Welt zerstörte. Aber gleichzeitig sehen sich GENETIKK ebenso als Kinder ihrer Zeit und fröhnen in ihren Liedern auch dem genreüblichen Geld-, Frauen- und Markenfetisch. GENETIKK gerieren sich auf „Fukk...“ einmal mehr als Underdogs ihres eigenen Games und besingen sowohl das Elend dieser Welt als auch selbstironisch ihre eigene Dekadenz. Immer zwischen Mittel- und Zeigefinger. Das Einräumen und Aufzeigen eigener Fehler macht einige Texte dieser Scheibe nicht unbedingt weniger pathetisch, aber lässt GENETIKK als Gesamtkunstwerk mit Masken, Widersprüchen, Texten und Systemkritik doch realer und einfach ehrlicher wirken als so viele andere Deutschrapkollegen, die schon lange der Realsatire anheim gefallen sind. Das hier ist kein Zeckenrap, auch nicht die nächste Audiolith-Combo und auch nur ganz bedingt mit ANTILOPEN GANG zu vergleichen, aber eines ist klar: wer ein offenes Ohr für Rap hat und es auch nicht immer politisch korrekt braucht, der kann als Punk auch gern mal reinhören und wird vielleicht überrascht sein, wieviel ihm/ihr gefällt. (Selfmade Rec.) -Iron Rob-

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