eisenpimEisenpimmel stehen in meinem Plattenregal genau neben den Einstürzenden Neubauten. Das war bisher keine Erwähnung wert, außer dass es Beleg für die Ausgewogenheit meines Musikgeschmacks oder meiner inneren Zerrissenheit sein kann. Mit diesem monumentalen Album rücken die Universen in künstlerischer Hinsicht aber zusammen, denn auch die Neubauten haben ja einen gewissen Hang zu Hörspielproduktionen mit Niveau. Außerdem kann ich mir kaum vorstellen – genauso wenig wie bei den Neubauten –, mit dieser Besprechung einem epochalen Werk wie diesem gerecht werden zu können. Von 2012 – 2015 haben Siggi, Bärbel, Wolle, Mütze, Karl, Addi und Bobo Pfandgeld für das Studio gesammelt, an dieser Rockoper gebastelt und ihr Ziel verwirklicht, etwas völlig Neues zu machen. Und das ist ihnen gelungen, sie haben ein Album geschaffen, das unglaublich verspielt ist und musikalisch keine Grenzen kennt. Immer wieder gibt es Anleihen an große Momente der (Punk-)Rockgeschichte, wie es Eisenpimmel ja schon immer gerne gemacht haben. Sie waren schon immer mehr als nur eine Asipunkkapelle. So kann ich auch jetzt blind in die neue Wundertüte reingreifen, ziehe immer einen Treffer und bekomme immer was Anderes: Kinderlieder wie ‚Kleiner Punker ´Käsebrot‘, Rap wie ‚Im Wurstparadies‘ und natürlich jede Menge Punkrock wie beispielsweise ‚Auf der Suche nach Problemen‘. Zusammengehalten wird das durch die beliebten Hörspielelemente mit Anekdoten aus der Duisburger Trinkerszene. Das ist oft ziemlich lustig, aber im Untertitel heißt das Album nicht umsonst „Eine wirtschaftspolitisch angepisste Rockoper in 35 Akten“, denn es geht um die weltwirtschaftliche Schieflage, die auf das Eisenpimmel-Universum projiziert wird. Und das ist leider kein Spaß, sondern so absurd, dass beim genaueren Hinhören ein bitterer Beigeschmack bleibt. Erstaunlicherweise funktioniert das als Gesamtkunstwerk trotzdem richtig gut und ist im Vergleich zur ‚Befreit Abu Bimbel‘ Single ein wahrer Schritt nach vorne geworden, den ich den Jungs und der Jungin vor zwei Jahren, als ich mit Siggi darüber beim Waldspaziergang sprach, nicht zugetraut hatte.
Geholfen haben auch unglaublich viele Duisburger Prominente wie Max Nuscheler (Telemark), Tassilo (Operation Semtex), Beatmartin (Beatmartin), Dicken (Slime), Zepp Oberpichler (Zepp Oberpichler), Bela B. (Lee Hazelwoood – Duett-Partner) und Guildo Horn (weiß nicht), um nur einige zu nennen. Es ist also gewissermaßen ein Duisburger Gesamtprojekt. Offbeat, Stadionrock à la Queen, Rap im Stile der 80er Beastie Boys, Asipunkrock vom Schlage Eisenpimmel, Country und Progrock, hier findste einfach alles. Jetzt wünsche ich mir nur noch millionenschwere Subventionen, mit denen das auf die Bühne gebracht werden kann. Dieser Meilenstein hat das tausendmal mehr verdient als das schreckliche Fat Mike-Musical. Und selbstverständlich kaufst du, lieber Leser, dieses Album, sonst gibbet auf die Fresse, wie es lang nicht auf die Fresse gab! (www.kaputtejugendrecords.de) -Swen-

hier gibt es das gute Stück...