54952 Stahlschwester freier fall

Fick dem Papst ins Essen, sind die geil! Hamburger Deutschpunk der so brutal gut ist , dass es Erich Mühsam eine Freude gewesen wäre, Stahlschwesters Texte zu klauen und sie Slime unterzujubeln. Stahlschwester sind ein verdammtes Deutschpunk-Monster, dass aus deinem Kleiderschrank gepogt kommt und dich und deine Freunde in die Eiserne Lunge boxt. Mal ohne Scheiß: Das schlimmste an Deutschpunk ist eigentlich die Rechtfertigung des Musikgenres vor „Früher war alles besser“ Nostalgikern, die glauben das alles was jenseits der 80er rausgekommen ist und nicht RazziaSlimeToxoplasmaNeuroticArseholes heisst, belächelbarer BUMS/DÖDELHAIE „wirsingenübersachendiewirselberniemalsmachenwürden“ Punk ist. Das Problem mit euch durchaus witzigen Freax ist, dass ihr der Musik vermutlich genau an diesem Punkt den Rücken gekehrt habt. Kann ich verstehen, 30 Jährigen Trotteln die den Geschmack von Asphalt und Nazi Schlägereien nur aus ihren eigenen Songs kennen, kauft man die Revolution nicht so ganz ab wenn's um die Festgage für ihr nächstes Konzert geht. Doch wooo hooo sind es nicht genau die alten Bastarde die ihr Helden schimpftet, die ihre schwammigen Körper nochmal auf die Bühne kegeln, um wie eine Reunion einer Reunion zu klingen? Seit ich denken kann gab es geilen Deutschpunk, der genau die richtige Mischung aus Wut und Liebe für diesen Sound aus alten Tagen hatte. Verranzte Stinkmorcheln + Pennerinnen, die sich in feuchten Kellergewölben den Hass und die Verzweiflung herrausbrüllen, in einer Welt zu exestieren die Scheisse ist. Eine Welt in der das Zwischenmenschliche versagt hat, in der mal wieder Krieg ein gutes Geschäft ist, Rassismus eigentlich an der Tagesordnung steht, in der es nur um Leistungszwang geht, in der man sich möglichst gut verkaufen muss um anzukommen im Beruf, im Leben, im Zwischenmenschlichen, eine Welt in der alles was seit Generationen aus alternativen Ideen entstanden ist weggentrifiziert wird. Wer glaubt das es diesen Punk seit den 80ern nicht mehr gibt hat offensichtlich seit den 80ern nichts mehr mit deutschem Punk zu tun. Es gab sie schon immer und zu jeder Zeit, ob sie nun Chaos Z, Tin Can Army, Circus of Hate, Korrupt, T.O.D., Neue Katastrophen, Strohsäcke oder Pestpocken heissen. In den Orkus gekotzt wird seit eh und jeh die Frage ist ob ihr vergessen habt hinzuhören. Das Punkrockballett wird immer noch in Stiefeln getanzt. Und genau da sind wir bei Stahlschwester angekommen. Ihr Song Sandmann spricht mir, wie eigentlich das gesammte Album aus der Seele: Weck mich doch, damit es endlich vorwärts geht... Sich aufraffen. Raus aus dem Einheitsbrei, dem Nest das man sich gebastelt hat. Raus auf die Strasse. Leben erleben. Frei sein, sich mit Leuten treffen die genauso denken. Einfach durchdrehen, sich die Klamotten vom Leib reissen ohne dumm angequatscht zu werden. Chaos ohne Ketten! Zusammen gegen den Egokleinkrieg. Das ganze Album kommt mir vor, wie eine Achterbahnfahrt durch mein eigenes Leben und die einzelnen Songs sind Stationen an denen vermutlich 99% meiner Freunde mit einsteigen würden. Peppels Gesang fräst sich mal schön, mal brutal durch die Ohrmuscheln das es nur so eine Freude ist. Der Sound den die drei Stahlbuben dazu liefern, regt den unteren Bereich des Bauchnabels zu wildem Pogogezwitscher an, als wären beide Beine zwei verstrittene Alkoholiker die nix mehr mit einander zu tun haben wollen. Wer Bock auf den Sound der 80er hat und dachte der Drops ist seit 35 Jahren gelutscht, sollte  unbedingt mal die Ohren spitzen! Stahlschwester sind Punks von HEUTE und spielen auf den Ruinen der alten Helden eine desaströse Zukunftsmelodie aus Wut und Hoffnung. -Ullah-

 

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