Es ist immer schwer eine Rezension über eine Band zu verfassen, mit deren Mitgliedern man befreundet ist. Und so kann ich über das neuen Album von Schreng Schreng & La La eigentlich auch nichts Negatives schreiben. Aber nicht nur aus besagtem Grund, sondern auch, weil das Album, einfach saugeil ist.
Hätte ich dieses Album als Teenager gemocht? Höchstwahrscheinlich nein. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit vor meinen Kumpels. Ich hätte es mir aber heimlich zuhause auf meinem Walkman angehört, und die äußerst guten Texte auswendig gelernt.
Wenn ich heute dieses Album höre, schmelze ich einfach dahin. Hier sind zwei Männer am Start die sich auch mal trauen, ihre weiche Seite zu zeigen. Schnell ist auch ein Schuldiger für die ganze Miesere gefunden – die Bourgeoisie. Aber gehören wir mittlerweile nicht alle irgendwie dazu? Zur Bourgeoisie? Sind wir somit nicht alle Schuld? Entscheidet selbst!

Mit dem Lied „Oberbilk“, huldigen Schreng Schreng & La La ihrer alten Heimat und all den Freunden die dort immer noch wohnen. Das ruhige „Glimmen“, ist für mich sicherlich das absolute Highlight. Tief traurig aber wunderschön... Dieses Lied hätte ich im zarten Alter als verweichlichten Scheiß abgetan. Emos würden sich heutzutage dazu wahrscheinlich ritzen. Besonders schön: die Geigen im Hintergrund.
In „Großstadt“ hat die „Generation LOL“ keine Geschichten zu erzählen. Wir werden alle älter und sind somit nicht mehr die Norm. Sänger Mechenbier fragt, ob das nun rückwärtsgewandt und selbstgerecht sei? Ich finde nicht. Denn ich empfinde genauso.
Am Ende von „Berlusconi“ werden die guten alten 1980er-Jahre gehuldigt. In „The Trooper“ weisen Schreng Schreng & La La drauf hin, dass man erst weinen soll, wenn man wirklich Grund dazu hat. Und wieder haben die beiden Musiker Recht. Was nutzt es schon, sich andauernd zu beschweren?
Mein Fazit, „Berlusconi“ ist ein super schönes Album, mit leichtem Hang zur Melancholie geworden. Und trotzdem fehlt nie das nötige Augenzwinkern. Hätte der echte Berlusconi nur ein bisschen von diesem Album, die Welt wäre ein kleines Stückchen besser.. Für die „Generation LOL“ stehen zu jedem Song Liner-Notes. Das kann sie dann „krass“ oder „mega“ finden.
Beim Schreiben dieser Kritik fiel mir noch ein Satz von Sänger Jörkk ein: „Egal wie du klarkommst: kauf IMMER MEHR Bier als die anderen!“ Wahre Worte. In Zukunft versuche ich mich daran zu halten. 10/10
Steve