Bücher

Fuer immer Cover 2bIch habe Martin Büsser nie persönlich kennengelernt, kenne aber viele geschätzte Menschen, die immer noch leuchtende Augen bekommen, wenn sein Name fällt. Grund genug, sich etwas mehr mit dem Popjournalisten – auch wenn diese Beschreibung zu kurz greift – zu beschäftigen.

 

Anlässlich seines 50. Geburtstages, den der Autor selbst nicht mehr erleben darf, eröffentlicht sein Hausverlag Ventil „Für immer in Pop“, eine Sammlung seiner besten Texte zwischen 1990 und 2010.

170128 nofx heptitisbadewanne„Das erste Mal, dass ich Pisse trank, war auf einer Feuerleiter mit Blick über Downtown Los Angeles.“ Das ist der erste Satz der NoFX-Autobiographie „Die Hepatitis-Badewanne und andere Storys“, die nun auch auf Deutsch erschienen ist. Was hat man von so einem Buch zu erwarten, dass gleich so anfängt? In jedem Fall viel Offenheit – vielleicht aber auch ein Lehrbuch der Aufmerksamkeits-Ökonomie?

Was kann man überhaupt von der Autobiographie einer Band erwarten, die man vornehmlich als Gute-Laune-Act auf Sommerfestivals kennt und die das Lebensgefühl der sonnigen Küste Kaliforniens in die Welt trägt, also von Männern, die in Chucks und kurze Hosen auf der Bühne tragen, alberne Partylieder zu performen und zwischen den Songs sich gegenseitig und das Publikum beleidigen? „NoFX are for Kids“ heißt es immerhin selbstironisch auf einem T-Shirt der Band.

B Book Cover lowresIn diesem Sommer gab es gleich zwei Filme in den Kinos, die sich mit Subkultur im Allgemeinen und Punk im Speziellen im Berlin der 80er Jahre beschäftigt haben: Den unterirdisch schlechten Spielfilm „Tod den Hippies!! Es lebe der Punk“ und die wirklich sehenswerte Dokumentation B-Movie von Mark Reeder. Zu letzterer gibt es mittlerweile ein begleitendes Buch: Das B-Book.

Als ich zum ersten Mal vom Erscheinen der Dead Kennedys-Biographie hörte, fragte ich mich sofort, warum dieses Buch erst 2015 erscheint. Immerhin ist die Bedeutung der Dead Kennedys bis heute ungebrochen und wir leben im Zeitalter der Aufarbeitung von Punkgeschichte, in der jede Band, die mal vor mehr als 30 Leuten gespielt hat, ihre Geschichte mindestens einmal dokumentiert hat.

Die Antwort lag eigentlich auf der Hand und wird direkt auf den ersten Seiten beantwortet: Bekanntermaßen sind die Bandmitglieder bis heute völlig zerstritten und die Arbeit an dem Buch gestaltete sich als sehr schwierig. Musikjournalist Alex Ogg macht auch keinen Hehl daraus, dass die Arbeit an diesem Buch aufgrund dessen kein Vergnügen war.