genpoolpartyHC Roth kommt aus Österreich, veröffentlicht seine Romane aber auf Deutsch. „Kennen gelernt“, wenn man das so sagen kann, haben wir uns in einer Facebook-Gruppe, die sich hauptsächlich mit Trash-TV-Produktionen beschäftigt. Der junge Mann hat also scheinbar meinen Geschmack.

Der überzeugte Wursthaarträger teilt sich glücklicherweise nur das Namenskürzel mit dem Chef der FPÖ. Lesern der Fachpresse ist er mutmaßlich als Stammschreiber im OX-Fanzine bekannt. Seit einigen Jahren schreibt er auch Romane, zuletzt "Genpoolparty", der nun vor mir liegt. Besagte Zugehörigkeit zu jener Facebook-Gruppe ist schon mal eine gute Referenz.

Angefangen bei den Äußerlichkeiten fällt die Cover- und auch Innengestaltung umgehend positiv auf, die AKU! übernommen hat, der unter anderem die frühen Pascow-Flyer illustriert hat. Das bringt schon einmal ein paar Haken auf der Punkrock-Checkliste. Doch auch der Inhalt dürfte dem literatur-affinen Teil der Szene ganz gut gefallen.

Allerdings ist es gar nicht so leicht zu sagen, worum es in „Genpoolparty“ genau geht. Nach Eigenbeschreibung ist das Buch ein Episodenroman, verfolgt also nicht nur eine Handlungslinie. Zunächst einmal kommen zahlreiche Personen an verschiedensten Orten vor, die alle ihre Einzelschicksale haben und zugleich auf verwandtschaftliche oder sonstige Verbindungen miteinander verwoben sind. Im Zentrum steht eine zerrüttete Familie, bestehend aus vier Personen mit einem beruflich erfolgreichen aber innerlich zutiefst zerstörten Vater, eine ehemals erfolgreiche Mutter, die nun eher dem Alkohol und ihren Affären zugetan ist, die pubertierende und gerade 16 gewordene Tochter sowie der vernachlässigte kleine Sohn. Hinzu kommen zahlreiche Nebenhauptfiguren, zu denen man ohne zu spoilern wenig in einer Rezension schreiben sollte. Kurzum: Alle haben gerade irgendeine Scheiße am Laufen.

Diese Scheiße vermengt sich schließlich gegen Ende immer mehr und verbindet sich zu einer Gesamtgeschichte. „Genpoolparty“ sollte aufmerksam gelesen werden, wenn man am Ende noch folgen will. Der Teufel steckt oftmals im Detail. Überliest man einen Nebensatz, versteht man vielleicht schon ein paar Seiten nichts mehr. Konzentriertes Lesen führt jedoch zu allerlei erfreulichen Aha-Effekten.

Dabei hat der gesamte Roman eine grundnegative Stimmung, die zu gefallen weiß. Alles in allem ein schönes kurzweiliges Buch für lange verregnete Sommertage, die man schlecht gelaunt auf der Couch verbringen muss.

Philipp

HC Roth: Genpoolparty. Und das Becken voller Tränen. Edition Subkultur, Berlin 2016. 114 Seiten. 9,99 Euro.