Im Jahr 2010 ist die neue Scheibe von Borderpaki angekündigt. Allerdings wird sie nicht auf dem bisherigen Label Nix Gut erscheinen. Grund dafür sind die Geschäftsbeziehungen, die zu Frei.Wild bestehen. Wir berichteten.

Zu dem Thema erreichte uns folgende Mail von Rübi:

"auf Grund der Zusammenarbeit von Nix Gut (in Gestalt der Subfirma Rebel Products) und der Band Frei .Wild, deren Sänger bis vor Kurzem noch Mitglied einer rechtsradikalen Partei ("Die Freiheitlichen" -original Ton: “Südtirol zuerst! Einwanderung stoppen, Heimat schützen!”, “Schutz einer Islamisierung Südtirols und Europas! NEIN zu Moscheen! Erhalt der abendländischen Identität, welche das Fundament unserer Gesellschaft darstellt!”), sehen wir uns nicht mehr in der Lage, weitere Kooperation mit Nix Gut aufrecht zu erhalten.
Wegen laufender Verträge wird das Album "Kein Platz für Poesie!" weiter über diese Plattenfirma verlegt werden- es kann aber bestimmt auch irgendwo gesaugt werden.
bP werden ihr folgendes Album in 2010 NICHT über Nix Gut vertreiben, da uns die Formel "Keinen Fußbreit den Faschisten" noch etwas wert ist und wir nicht wollen, dass Veröffentlichungen von uns durch Kohle finanziert wird, die aus Geschäften mit Nazis resultiert.
"

Diese harten Worte und konsequenz veranlasste mich doch einmal genauer nachzufragen und ein kurzes Interview mit Rübi von Borderpaki zu diesem Thema zu führen.

Rübi, ihr seid damit die erste Band auf Nix Gut, die daraus Konsequenzen zieht. Das ist in Zeiten, wo Bands schwer bei Labels unterkommen, ein harter Schnitt. Gab es da von eurer Seite keinen anderen Weg?

Nun ja, ich weiß, ohne jetzt Namen nennen zu wollen, dass wir vielleicht die erste Band sind, die sich öffentlich von einer weiteren Zusammenarbeit mit Nix Gut distanziert, aber bei weitem nicht die einzigen sind, die die gleichen Konsequenzen ziehen, bzw. ziehen wollen. Es gährt im Bandgefüge, denn die meisten Kollegen sehen die Sache ähnlich wie wir: Nämlich, dass da große Scheiße passiert ist, die so schnell nicht aus der Welt kommt. Egal, welche Begründungen von Rebel Products, der Subfirma, die das Merch für Frei.Wild druckte, da ins Felde geführt werden. Man muss aber auch sagen, dass das eigentliche Label ja in diesem Falle nicht mit der Hörnerband zusammengearbeitet hat, sondern eben nur die Subfirma. Die gehört allerdings ja auch Nix Gut.

Was für einen Weg hätte es denn geben sollen? Wegen laufender Verträge ist unser erstes Album noch an NG gebunden, wir veröffentlichen unser neues Album 2010 ganz schlicht und einfach nicht mehr bei diesem Label. Denn mit Frei.Wild Kohle müssen wir nicht subventioniert werden. Und NG juckt es doch nicht, ob ein Album mehr oder weniger in ihrem Programm ist. Da machen wir uns keine falschen Vorstellungen- so wichtig und auch effektiv wie Nix Gut für uns war, sind wir für Nix Gut nicht. Das Label hat ja auch eine ganze Menge für uns getan, deshalb wollen wir auch nicht undankbar sein. Und wenn die Zusammenarbeit wirklich dem Firmenerhalt gedient hat, ist das eine Entscheidung von Geschäftsleuten. Der einzelne NG- Mitarbeiter muss das nicht gut finden, wir allerdings auch nicht. Aber dass wir da Einfluß hätten, den Gedanken kann man sich getrost abschminken.

Und nebenbei, ein Tapetenwechsel tut ja auch mal ganz gut....

Wenn man genau hinguckt, gucken viele ja gar nicht so genau hin. Die Frei.Wildlichen spielten ja schon einige große Festivals mit verschiedensten Deutschpunkbands. Darunter auch welche mit sogenanntem politischem Anspruch. Wie denkt ihr darüber?

Naja, das ist immer so ein zweischneidiges Schwert. Viele befreundete Bands sagen ja Festivals ab, wenn irgendwelche komischen Herrschaften dort spielen und zwar konsequent und sprichwörtlich ohne Rücksicht auf Verluste. Das verdient Respekt und Anerkennung.

Andererseits kann ich auch Bands verstehen, die sagen „Ich scheiß auf die Band XYZ, wir spielen da und machen entsprechende Statements.“ Und es kommt ja häufig genug vor, dass man als Band gar nicht so richtig weiß, wer nun eine „Grauzonenband“ ist und wer nicht- mit diesem Begriff wird ja auch eine ganze Menge Schindluder getrieben.

Wo ist eure Schmerzgrenze im Grauzonenbereich?

Da nenne ich jetzt keine Namen...aber einige gibt’s da schon... Definitiv Bands, die sich, sollten sie in Gefahr geraten für rechte Machenschaften eingespannt zu werden, nicht eindeutig und glaubhaft davon distanzieren bzw. dem widersprechen. Aber dank photoshop ist so ein Gegen Nazis Button ja auch schnell auf einen Flyer gebatscht. Und ich persönlich kann dieses „Underdog der Gesellschaft und nur stolz auf mein Land“- Geheule nicht mehr hören. Das ist Mucke für Leute, die, wenn sie nicht auf harte Musik stehen würden, Peter Maffay abdudeln würden...Hahaha

Der Sänger von Frei.Wild ist ja kein Mitglied der Frei.Heitlichen mehr. Er hat seine Vergangenheit auch offenbart und gesagt, dass er die Dinge nicht mehr so sieht und mit Rechten nix mehr zu tun haben will. Was raubt ihm aus eurer Sicht die Glaubwürdigkeit?

Wenn man als erwachsener Mensch erst vor kurzem auf Druck von außen aus so einer Partei ausgetreten ist, das Parteiprogramm, so las ich, eigentlich immer noch gut findet und der Grund für einen Parteieintritt ganz klar Fremdenfeindlichkeit war (oder Probleme mit ausländischen Jugendgangs, wie auch immer), dann nehme ich so einen ad-hoc Meinungswechsel nicht ab. Das kann er erzählem, wem will, nur nicht mir. Das ist Blödsinn. Wir reden hier nicht über Dinge, die vor 10 Jahren passiert sind. Dann wäre ich der letzte, der einem Sinneswandel durch Reifeprozess widersprechen würde, ich bin ja auch keine Szenepolizist und will mich zum Moralpapst aufspielen. Gewiss nicht. Aber die ganze Geschichte ist ja noch taufrisch und sieht man sich das extrem Feature von FW mal an, dann könnte einem der Gedanke kommen, dass Management und Plattenfirma da ein Machtwort gesprochen haben. Denn es geht ja um massig Kohle, das sollte nicht vergessen werden. Textlich kann ich keine Meinung zu seiner Musik abgeben, habe mal reingehört, fand es scheiße und das war es dann...

Die Beziehung zu Nix Gut kriselt natürlich mit diesem Schritt. Gerade durch die Veröffentlichung eures Rücktritts besteht natürlich die Gefahr, Nix Gut auch auf die Zusammenarbeit mit Frei.Wild zu reduzieren. Seht ihr die komplette Glaubwürdigkeit von Nix Gut dadurch gefährdet? Schließlich haben sie mit dem Hakenkreuzprozess oder dem Taugenix Fanzine auch einiges positives getan....

Und gerade weil sie soviel Arsch gezeigt haben und sich einen guten Namen gemacht haben, verstehe ich diese Scheiße nicht. Und ich verstehe nicht, dass man sich nicht hinstellen kann und sagen kann „OK, wir haben hier kompletten Bockmist verzapft, haben nicht nachgedacht usw.“ und einen Teil der Kohle irgendeiner Organisation spendet. Nein, es werden Bands, Mitarbeiter mit in den Mist gezogen und die dürfen sich dann für den Müll rechtfertigen.

Ich weiß nicht, ob die Glaubwürdigkeit grundsätzlich gefährdet ist, gewonnen haben sie nicht. Aber wahrscheinlich kräht in einem Jahr sowieso kein Hahn mehr danach.

...und wie sieht es überhaupt mit dem Taugenix aus. Bezieht dieser Schritt auch das Heft ein?

Ach ja, das Taugenix. Ich habe immer sehr gerne dafür geschrieben und es hat sich ja auch sehr herausgemacht. Da ist es so, wie mit den Bands: reingezogen in den Mist. Herausgeber ist Jürgen Kamm und somit Nix Gut. Allerdings war das Taugenix immer weitestgehend autark, da hat der Steffredakteur schon drauf geachtet. Ich weiß, dass da was kommen soll- bin gespannt auf das Ergebnis. Wenn allerdings keinerlei Reaktion von Nix Gut auf die Frei.Wild Sache im Sinne einer Distanzierung kommt, sondern noch mal so ein peinlicher Rechtfertigungsbrief wie vom Andy, dann schreibe ich auch nicht mehr fürs Taugenix. Die nächste Ausgabe ist dann erst einmal ohne mich. Das tut mir, ehrlich gesagt, am meisten leid. Und auch die Schreiberlingkollegen sind auf jeden Fall erbost und erschüttert über die ganze Angelegenheit.

Der Teufel scheißt eben immer auf den größten Haufen.