Viele von euch haben's vielleicht schon mitbekommen: auf dem Cover der aktuellen CD-Beilage zu Plastic Bomb #90 haben wir ein Bild aus der "Egon Forever" Serie abgebildet. Als unser Kollege Lars einen Sticker auf irgendeinem JUZ-Klo fotografiert hat und Ronja das Bild so witzig fand, dass sie´s auf der CD-Beilage abgebildet hat, wussten wir noch nicht, von wem der Cartoon ist und konnten uns aus diesem Grund auf dem Backcover nur "bei dem/ bei der unbekannten Künstler*in" bedanken. Inszwischen haben wir Kontakt zu Andre Lux und wollen als Dankeschön für das Bild ein kleines Portrait von ihm und seinen Projekten vorstellen. Danke für die Antworten! Die Egon Forever Cartoons könnt ihr auf Andres HOMEPAGE bewundern.

Lux, auf der Homepage www.egonforever.de kann man eine Auswahl deiner Cartoons bewundern. Erzähl mal, wie lang du den Blog schon betreibst, bzw wann du diese Art der Cartoons für dich entdeckt hast und wo du deine Werke so veröffentlichst.

Hallo Ronja! Schön dass du dich für mein Produkt interessierst. Ich interessiere mich ebenfalls für einige Musikgruppen, die in dem Heft für das du schreibst, Erwähnung finden. So kommt zusammen, was zusammengehört. Zu deiner Frage: Ich zeichne die Egon Forever!-Cartoons seit dem Schulunterricht der 5. Klasse im Bildungszentrum Wildberg (Nähe Calw).[....]

Die Onlinevariante für Facebook, Myspace, Twitter und den dazugehörigen Blog als Hauptseite gibt es seit Ende der 2000er, also dem Zeitalter, in dem wir Punkrockfans aufgehört haben, uns für aktuelle Musik und andere Medien wie Fanzines zu interessieren. Verfolger/innen meiner Kunst entdecken meine Strichfiguren-Zeichnungen nicht nur im Internet, sondern auch regelmäßig in den Magazinen OX, INTRO und verschiedenen Lokalzeitschriften.

In der Umsetzung sind die Geschichten lustig, inhaltlich aber meist recht kritisch. Wie kommt so ein Comic-Strip zu stande, verarbeitest du Sachen, die du so um dich rum mitbekommst oder möchtest du Leute zum Nachdenken anregen?
Gerne würde ich eine adäquate Antwort geben, in der ich Dosenbier trinkend auf der Königsstraße döse und auf meinem Block herumkritzele während ich Passanten beobachte / beleidige. Leider kommen mir die Ideen ziemlich Szeneinkompatibel in den Sinn: Ich verbringe viel Zeit zu Hause vor dem Computer und höre Musik die bspw. Rüdiger Himmelsberger (Pogoradio) kalte Schauer den Rücken hinunter laufen lassen. Die Cartoons dienen als Ventil für Erlebtes und Gesehenes, für Abseitiges und Skurriles was in unser aller Köpfe vorgeht - Nur ich zeichne es halt auf. Könntest du auch, kann jeder, macht nur nicht jeder. Ich kann mir leider nicht anmaßen, dass ich irgendwas mit manchen Pointen bei den Leser/innen auslösen möchte oder gar irgendwelche Denkweisen verbiegen (wie das vermutlich Adam Angst tut), das wäre zu billig. Aber ich kann mich zumindest positionieren und das mit einer Geschichte erzählen.

Hast du bei manchen Cartoons den Anspruch, einfach nur zu unterhalten, oder soll es immer irgendwie gehaltvoll sein?
Ein Konzept steckt da ja nicht dahinter. Deshalb nehme ich mir auch nicht vor, nun irgendwas Politisches anzusprechen oder ein aktuelles Thema aus der Tagespresse aufzugreifen. Heute denkt man an UFOs, morgen vielleicht an den VfB. An Letzteren denke ich derzeit sogar ziemlich oft. Leute wie Linus Volkmann (ex-INTRO) hätten möglicherweise einen ganz anderen Anspruch an ihre Cartoons, wenn sie selbst welche zeichnen würden.

Was treibst du sonst so, wenn du grade nicht die Egon-Comics zeichnest? Welche Projekte hast du nebenbei so und auf was darf man sich als nächstes freuen?
Seit ca. 1 Monat ist mein erster Roman DRAKULA GEGEN DRACULA veröffentlicht. Darin geht es um Vampire. Die Story ist ein bisschen spannend und ein bisschen doof. Ungefähr so, wie alle Youtube-Videos, Tonträger und Literatur-Releases meiner Freunde Ferdinand und Roland, über die ja vielleicht sogar in den nächsten Monaten im Plastic Bomb berichtet wird (schick mir nachher nochmal bitte deine PAYPAL-Daten). Wenn die beiden nämlich von ihrer Rumänienreise zurück sind, wo sie einen Roman mit Tagebucheinträgen über den jeweils anderen schreiben, dann werden wir sicher wieder gemeinsam auf eine Lesetour wie im März 2014 gehen und vielleicht auch in Duisburg vorbei schauen, bei Micha Will die Schlafsäcke ausrollen und die ganze Nacht durch mit dir und ihm u.a. über die DEAD KENNEDYS, alternative Lebensformen und Printmedien sinnieren.

Auf deiner Homepage ist was von einer Egon-Live-Performance zu lesen...was darf man sich denn da drunter vorstellen?
Bei diesen Darstellungen sitze ich meist auf einer Bühne in einem betagten Jugendhaus / Kulturzentrum und zeige über einen Beamer meine Cartoons und lese diese Panel für Panel vor. Klingt mega öde, kann es manchmal auch sein. Oft ist es aber auch ziemlich witzig, wenn das Publikum den richtigen Humor besitzt - Kurzer Theorie-Ausflug: Armin von X-Mist Records besitzt den richtigsten Musikgeschmack aller Zeiten, mein Publikum, sofern es lacht, den richtigsten Humor. Diese Präsentationen führe ich selten ohne Support durch und so sind eben auch des öfteren Ferdinand und Roland mit ihrem Homestory Magazin oder auch mal irgendein derzeit total angesagter Singer/Songwriter (STUMFOL) oder Blogger (JAN HORST) dabei. Gerne würde ich auch einmal mit folgenden Künstlern auftreten: ALARMSIGNAL, ACCION MUTANTE, DIE SHITLERS und PASCOW (weil die ziehen voll Leute). Wer Bock hat, der lädt die Homestory-Jungs und mich mal zu sich ein und überzeugt sich von unserer Integrität und Bodenständigkeit.

Noch eine Story um die Brücke zum Plastic Bomb zu schlagen: Ich war einst Abonnent, so um die 2000er rum. Damals habe ich mein D.I.Y. - Label im Alter von 17 oder 18 gestartet und vor Nervosität fast eingekotet, als ich ein Review eines meiner Sampler von Helge besprochen in der Bombe fand. Damals noch ohne Internet waren Plastic Bomb und OX die einzige Möglichkeit, Zugang zur Szene und vor allem einer Musikrichtung zu bekommen, welche einem auf dem Dorf im Freundeskreis oder auf dem Schulhof leider verwehrt blieben. Diese Hefte waren Meinungsmacher für uns: Was da drin stand war die unumstößliche Wahrheit und wenn man eine eigene Band hatte, hat man die Demos natürlich zuerst ans Plastic Bomb geschickt, welches einen dann mit nur 3 Zeilen Verriss völlig desillusionierte. Kolumnen wurde verschlungen und sorgten für wichtige Denkanstöße.

 

Wäre ich damals auf dem CD Cover des Plastic Bomb abgedruckt worden und man hätte sich einen Scheiß dafür interessiert, wer hinter der Zeichnung steckt, wäre ich noch viel enttäuschter gewesen. Unser kleiner Beef ist allerdings ganz nett und ich glaube, viele Leute (Leute wie Linus Volkmann) erfreut das Ganze sogar ein bisschen. Immerhin befinden wir uns gerade in einer Zeit wo all die von mir aufgezählten Sachen nicht mehr präsent sind. Die Kids kaufen keine Hefte mehr und interessieren sich nicht für die Reputation von Bands wie den Boxhamsters, Superpunk und EA80. Schade. Und genau deshalb ist das Homestory Magazin so toll: Es ist ein liebevoller Abgesang und ein streichelndes Abwatschen unserer Generation von Punk oder Deutschpunk oder der Musik, die uns von 15 bis 29 begleitete. Geschrieben von 2 Dorfproleten, die keine der erwähnten Leute zuvor jemals kennengelernt haben sondern sich die erfundenen Bilder in Gedanken selbst zusammenbauten - u.A. durch Artikel und Interviews im Plastic Bomb.