Es wird ernst für die Dödelhaie: Am 04.10.2012 entscheidet die "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" in einer Anhörung in Bonn über die Indizierung von insgesamt 5 Dödelhaie Alben. "Angeregt" wurde die Indizierung vom Landeskriminalamt Brandenburg, bzw. des brandenburgischen Innenministers Dietmar Woidke. Im einzelnen sollen verboten werden:

"Schätzchen ich habe das Land befreit" CD (aufgrund des Songs "Radieschen auf Frischkäse")
"Immer bis zum Sieg" CD ("Gerechtigkeit")
"Die beschissenen Jahre" CD ("Gerechtigkeit")
"Live in Südtirol" CD mit Daily Terror ("Gerechtigkeit")
"Hai Alarm " CD (aufgrund des Songs "Molli Lied")

Lest die Infos, die wir von der Band bekommen haben:


Im großen und ganzen werden uns unter anderem "Gewalttätigkeit, Sadismus, Hinterlist und gemeine Schadenfreude" vorgeworfen, die "auf Jugendliche einen verrohenden Einfluss" ausüben.

Herr Woidke hatte sich auch schon beim Indzierungsprozess gegen SLIME einen Namen gemacht. ("...Der Minister begrüßte in diesem Zusammenhang die jüngst erfolgte Indizierung der CD „Slime1“ der Punkrockband Slime, auf der im Titel „Bullenschweine“ gegen Polizisten gehetzt und zu Gewalt aufgerufen wird. „Dieser Song ist ein wirklich widerliches Beispiel für Hass in der Musik. Ich bin deshalb froh, dass das Landeskriminalamt Brandenburg mit seinem Indizierungsantrag Erfolg hatte“, sagte Woidke."/ Pressemitteilung des Ministeriums des Innern des Landes Brandenburg). Das Verbot der CDs wäre der bisherige Höhepunkt von Ereignissen, die vor ca. einem halben Jahr begannen.

MÄRZ 2012:
Im März 2012 stellte das Innenministerium Brandenburg den Verfassungsschutzbericht 2011 der Presse vor, in dem die HAIE erstmals auftauchten.

Im "Neuen Deutschland" war zu lesen:
"Die linksradikalen und autonome Kräfte haben sich laut Innenminister innerhalb des vergangenen Dutzend Jahre auf eine Zahl von 250 mehr als halbiert. Doch wenn die Szene Musikbands wie die »Dödelhaie« auftreten lasse, die zum Mord an Polizisten aufrufen, dann sei sie »keinen Deut besser als die aus der rechten Ecke«. Als einzige wachsende Gruppierung der linksradikalen Szene nannte Woidke die Rote Hilfe mit 170 Mitgliedern."

In den Potsdamer neuen Nachrichten, unter der Überschrift "Wo ist die RAF wenn man sie braucht?":
"Extremisten aller Coleur setzen auf Musik: In Brandenburg gibt es 24 rechtsextreme und sechs linksextreme Bands, so der Verfassungsschutzbericht. Innenminister Dietmar Woidke (SPD) betont, dass die „linksextreme Hassmusik keinen Deut besser ist“, der Verfassungsschutz auch auf dem linken Auge nicht blind ist. So traten bei einem Festival in Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) 2011 die „Dödelhaie“ aus Nordrhein-Westfalen auf, die die Rote Armee Fraktion (RAF) trotz deren 30 Morde verherrlichen: „Auf der Suche nach der Lösung für die braune Flut habe ich von Lichterketten und von Demos längst genug. ... Wo ist die RAF wenn man sie braucht? Ich will schwarze Wagen,/die langsam durch die Städte fahren. Gezielte Todesschüsse.“

APRIL 2012:
Zu diesem Zeitpunkt war für Juni 2012 ein Festival gegen Rechtextremismus in Brandenburg ("Dahme zeigt Gesicht") geplant, auf dem unter anderem die HAIE spielen sollten. Ein paar Wochen vorher allerdings meldete sich der Sprecher des Innenministeriums Brandenburg, Ingo Decker, in der Presse zu Wort:
"... Ein Konzertveranstalter müsse „sehr genau gucken, wen er da auftreten lässt“, ganz gleich, ob die problematischen Lieder gespielt werden oder nicht. Peter Losch bereitet derweil schon das nächste Konzert „Dahme zeigt Gesicht“ vor. Die Verträge mit den Bands sind schon geschrieben. Wieder mit dabei sind „Bums“, außerdem die „Dödelhaie“ aus Nordrhein-Westfalen, die vergangenes Jahr beim Festival „Spirit from the Street“ in Niedergörsdorf aufgetreten sind und ebenfalls im Verfassungsschutzbericht erwähnt werden. „Die Band ist sogar stolz darauf“, sagte Decker."

MAI 2012:
Im Verlauf der nächsten Tage setzte das Innenministerium sowohl den Veranstalter wie auch die Stadt dermaßen unter Druck, das die Stadt Dahme die Genehmigung Festival zurückzog und das ganze Festival nicht stattfinden konnte.

"Lausitzer Rundschau" vom 25.05.2012 :
"Die Veranstalter sagen das für den 23. Juni an der Sportwelt geplante Konzert "Dahme zeigt Gesicht" ab. Die Stadt hat den Auftritt von Bands, die der Verfassungsschutz als linksextrem eingestuft hatte, untersagt. An gleicher Stelle soll als Ersatz ein Benefizkonzert mit regionalen Jugendbands stattfinden. Veranstalter laden auf Druck der Stadt Gruppen wieder aus, die der Verfassungsschutz im Visier hat. "Wir beugen uns dem Druck", sagt Peter Losch von der Gruppe "Dahme gegen Rechts" und ist frustriert. "

Märkische Allgemeine:
"Das Punkrock-Festival „Dahme zeigt Gesicht“ war eine Symbolveranstaltung gegen Rechtsextremismus. Nun wurde das Konzert abgesetzt. Da darf sich niemand wundern, wenn sich die Symbolkraft genau umkehrt. "

"..Das genügte, damit die Verwaltung in Dahme kalte Füße bekam. Sie scheut die Möglichkeit einzelner linksextremer Liedzeilen mehr als die reale Ausbreitung der Rechtsextremen vor ihrer Tür – die NPD hat erst im April eine Ortsgruppe „Dahmeland“ gegründet. "

Zur selben Zeit, in der das Festival gegen Rechts verboten wurde fand im übrigen (ebenfalls in Ostdeutschland) ein großes Nazi-Festival mit 1200 Besuchern statt, Bands wie Endstufe oder Faustrecht spielten vollkommen unbehelligt selbst indizierte Stücke.

Am 29.05.2012 erreichte uns dann das erste von mittlerweile 4 Schreiben der "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" mit dem Antrag des Landeskriminalamtes Brandenburg auf Indizierung der Dödelhaie CD "Schätzchen, ich habe das Land befreit". Vorwurf unter anderem:
"...Durch die positive Darstellung der terroristischen Organisation RAF wird bei den jugendlichen Zuhörern, die eventuell die Geschichte und Taten nicht genau kennen, der Eindruck erweckt,als seien die Handlungsweisen und Taten der RAF zu befürworten."

Hier kommt noch ein Bild, das die Band in ihrer Pressemitteilung verbreitet: