defeaterIm September hat die Modern Hardcore Band "Defeater" aus Boston eine Aktion gestartet, die Einkünfte aus einem Teil von allen ihren verkauften T-Shirts an das "Wounded Warrior Project" zu spenden und sogar ein T-Shirt, dessen Erlöse komplett an dieses Projekt gehen, rausgebracht. Ein Projekt zu unterstützen, das psychisch und körperlich angeschlagenen Soldaten hilft, ist für viele sicherlich an sich schon erstmal kritikwürdig, auch wenn ich das anhand der Suizidrate unter amerikanischen Soldaten ( (Zum Thema Suizidrate hier eine Arbeit von Streetartist Sebastian Errazuriz ) zunächst für zumindest nicht komplett verkehrt halte, immerhin sind Soldaten auch Menschen, unter denen sich zudem sicher auch einige finden, die sich von der US Army nur rekrutieren liessen, weil es ihnen an Perspektiven mangelte.


Die Art und Weise in der das geschieht, ist allerdings so oder so zum kotzen.
So wird auf der Bridge Nine Records-Website Defeater mit den Worten "This organization allows these heroes to successfully return to the life they left behind to fight for our nation's freedom." (Die Organisation erlaubt diesen Helden erfolgreich zu dem Leben zurückzukehren, dass sie hinter sich gelassen haben, um für die Freiheit unserer Nation zu kämpfen) zitiert.
Das Benefiz-Shirt selber ist auch dementsprechend an Heldenverehrung und Kriegsverherrlichung kaum zu überbieten.
Wenn man sich dann nochmal zu Gemüte führt, dass es sich hier um eine Hardcore-Band handelt, die also irgendwie etwas mit Punk zu tun hat, kriegt man doch das kotzen [...]

 



Das Label Bridge Nine Records, auf dem z.B. auch explizit linke politische Bands wie Verse und Paint It Black sind, bewirbt die Aktion auch komplett unkritisch. Desweiteren werden Defeater zitiert mit: "Whatever our political beliefs, each individual deserves to return home to a support structure that helps them heal from conflict." (Was auch immer unsere politischen Ansichten sind, jedes Individuum verdient es, nach Hause zurückzukehren, zu einer unterstützenden Stuktur die ihm hilft, von Konflikten geheilt zu werden).
Die Band scheint der Überzeugung zu sein, dass Krieg eine Notwendigkeit darstellt und dass Soldaten Helden seien und verliert kein kritisches Wort darüber, dass die Regierung offensichtlich die eigenen Soldaten ziemlich hängen lässt, wenn eine Organisation wie das "Wounded Warrior Project" überhaupt nötig ist.
Diese Ignoranz macht mich aggressiv, und so eine Scheiße hat nichts im Hardcore Punk verloren.
Ich hoffe das wenigstens einige der anderen Bands auf Bridge Nine Records sich noch kritisch dazu äußern werden oder von dem Label Abstand nehmen – das sich die Glorifizierung von Soldaten und die unkritische Hinnahme von jedem Krieg als Notwendigkeit nicht mit der Idee von Hardcore Punk und mit linken oder anarchistischen Inhalten vereinen lässt, sollte zumindest den politischen Bands klar sein – und dass es um mehr als nur Musik geht und unterschiedliche Ansichten deshalb nur zu einem gewissen Grad tolerierbar sind, ebenfalls. Das Defeater mit ihren Ansichten nicht alleine dastehen, ist leider trauriger Fakt – Bands wie Agnostic Front mit ihrem Kriegerpathos oder die Conservative Punk Kampagne vor einigen Jahren vermitteln ähnliche Werte, und auch die Kommentare unter dem Bridge Nine Artikel sprechen da eine deutliche Sprache (z.B.: "as an afghanistan veteran, its really refreshing to see this in punk." -Als Afghanistan-Veteran finde ich es sehr erfrischend so etwas im Punk zu sehen)...  
Ich finde es vielmehr schockierend so etwas im Punk zu sehen und fordere:
It´s time to bring back politics into Hardcore Punk!

Hier nochmal das Elend in seiner ganzen Pracht: