Am letzten Samstag, den 20.11.2010 sollte ursprünglich ein Konzert mit Pöbel & Gesocks, Cotzraiz und den Nazi Dogs stattfinden. "Besorgte Eltern" wussten dies jedoch zu verhindern.

Der Verein "Recht auf Zukunft e.V." (nicht zu verwechseln mit der Leipziger Neonazi-Kampagne gleichen Namens) kann nämlich Google benutzen, Youtube-Videos anklicken und zu allem Überfluss noch Briefe schreiben und macht davon gebrauch. Der besagte Brief ist in diesem Fall anonym gehalten, damit der 16-jährige Sohn wegen des Verhaltens der Eltern nicht gehänselt wird. Mutti und Vati wissen halt, was auf dem Schulhof mit dem Sohnemann passiert, wenn jeder weiß das die Eltern Oi-Punk hören.

Selbige haben sich nämlich mal hingesetzt und (hoffentlich bei einem guten Sternburg aus der Flasche) sich die Lyrics von Cotzraiz und Pöbel & Gesocks genauer analysiert. Nachdem der erste Schock überwunden war, wurde eine Art "worst of" an Texten erstellt und dem Jugendamt mit spitzen Fingern zur Verfügung zugestellt. Daraufhin wurde vollkommen richtig erkannt, dass die Band Cotzraiz wohl "anscheinend eine 'absolute Freiheit' ohne jegliche Regeln unter Ablehung jeglicher Staatlichkeit und Religion (sic!)" propagiert. Amen!

Nicht auszudenken was passiert, wenn der Verein das Grundsatzprogramm der FDP in die Hand bekommt.

Jetzt kommt die Band dran, zu der Plastic Bomb eine schon fast traditionelle Freundschaft pflegt. Damit könnte es aber bald vorbei sein. "Recht auf Zukunft e.V." hat uns die Augen geöffnet. Denn um die Empörung zu unterstreichen wird die Textzeile "Ficken! Ficken! Ficken!" gleich drei mal im Brief abgedruckt.

Obacht, Mickie Krause und Marcel Reich-Ranitzki! Datteln ist für euch und euer Schandmaul nun No-Go-Area!

Da "besorgte Eltern" aber aufgrund ihrer tiefen emotionalen Verbundenheit zu den schützenswertesten Wesen unserer Gesellschaft erstmal immer recht haben und man sich mit dieser Lobby besser nicht anlegt, ist es unnötig in irgendeiner Form zu kontern. Wir begrüßen die Arbeit des Vereins und wollen auch gar nicht relativistische Vergleiche mit dem "heutigen" Nachmittagsprogramm im Fernsehen, dem "heutigen" Angebot an Internetpornographie oder dem etablierten Angebot an junge Knaben von Seiten gerade der katholischen Kirche anstellen: Es ändert ja tatsächlich nichts an den Texten der Band. Auch auf die kontrovers diskutierte Frage, ob Musiktexte wirklich jugendliche verderben können, wollen wir hier nicht eingehen.

Nachdem man dann im vorletzten Absatz des Briefes auch noch kunstvoll eine Kurve zu den Amokläufen von Erfurt und Winnenden bekommen hat um die Dramatik der Situation zu unterstreichen (und was ist mit Counter Strike?), kommt man zu folgendem Resultat, welches wir zustimmend und heftig nickend hier abdrucken: "Jugendkultur ja, aber bitte in einem rechtsstaatlich, ethnisch und religiös vertretbaren Rahmen!" Denn für Heranwachsende ist nichts spannender als Rebellion, die von frömmelnden Eltern einen Persilschein bekommen hat.

An dieser Stelle sollte man vielleicht überlegen, ob eine staatlich kontrollierte Zulassungsstelle für Jugendkultur einzurichten wäre um weitere Wildwüchse im subkulturellen Bereich in Zukunft zu vermeiden. Aber das würde jetzt zu weit führen.

Und gerade, als wir kollektiv in den Verein "Recht auf Zukunft e.V." eintreten wollen, um uns solidarisch zu erklären, fanden wir folgendes:

Auf der Seite des Vereins wird mit dem Razorblade Festival nach wie vor ein Metal-Festival aus dem September diesen Jahres beworben. Eine stichprobenartige Überprüfung der Texte der Bands, die dort aufgetreten sind, ergab erschütterndes. Eine Band singt: "Killing! Slaying!/Crushing all those in my way/As the battle rages/Raging! Screaming!/Can you hear their helpless cries/As they drown in blood?". Dort konnten auch ungestört kirchenfeindliche Lieder gesungen werden. Eine weitere Band aus Ostdeutschland pervertiert in einem Lied namens "Abendmahl"die Bibel und stellt widerlichste kannibalistische Tendenzen zur Schau: "Komm her und sei mein Gast /Ich segne, was Du mir bescheret hast/Ein Hochgenuß ist Deine Qual/Dein Leib wird jetzt zum Abendmahl". Wiederrum eine andere Band, die auf dem Festival aufgetreten ist, rühmte sich auf ihrer MySpace-Seite damit, dass sie 100 Ausgaben der Frauenzeitschrift "Brigitte" verbrannt hätten, denn: "Mit dieser Aktion setzen wir ein Zeichen für das starke Geschlecht, in diesen schweren Zeiten von Frauenquote, naturgebleichten Bio-Tampons und Bundeskanzlerinnen..." und bedient damit sexistische und antifeministische Klischees aus grauer Vorzeit.

Wie gesagt: Diese Überprüfung war lediglich stichprobenartig. Wir mussten die Recherche angewidert abbrechen, weil wir diesen Dreck nicht mehr ertragen konnten.

Ekelhaft!

Vielleicht sollte man darüber nachdenken, den Verein "Recht auf Zukunft e.V.", wegen "Jugendgefährdung" zu verbieten, wenn sie Festivals mit gewaltverherrlichenden, antichristlichen und frauenverachtenden Bands unterstützen! Alternativ empfehlen wir ein Benefizkonzert für die Mitglieder des Vereins "Recht auf Zukunft e.V.", um diesen einen Englischkurs und/oder einen Computerkurs an der Dattelner Volkshochschule zu finanzieren. Uns würden spontan drei Punkbands einfallen, die für diesen guten Zweck bestimmt nur allzu gern auf ihre Gage verzichten.

Gezeichnet:
Besorgter Punk, der Angst um die Kinder der Mitglieder des Vereins "Recht auf Zukunft e.V." in Datteln hat.

Alles weitere auf www.neunzehn77.de!

P.s. Erziehnung ja, aber bitte in einem rechtsstaatlich, ethnisch und religiös vertretbaren Rahmen!