Da ich extrem häufig seit Erscheinen des neuen Hefts auf mein Vorwort angesprochen wurde, möchte ich dies auch den Untiefen des Internets nicht vorenthalten:

Da lieg ich ma wieder aufe Couch und tippe. Diesmal bin ich aber einen Tag VOR dem Redaktionsschluß dran. Krass, ne? Tja, das Chaos in meinem Privatleben nimmt immer absurdere Formen an, wenn Mensch aber die Dramatik als Maßstab nimmt, so ist es wohl ruhiger geworden. Daher habe ich mir für dieses Vorwort auch zwei andere Themen vorgenommen: Zum ersten das leidige Thema des Binnen-Is. Ihr wisst was ich meine, ne? Das is das Ding wo diese Klugscheißer nicht „Mechaniker“ schreiben sondern „MechanikerInnen“ und „Mensch“ statt „man“ und so n nerviges Zeuch. Das nervt doch total beim lesen. Jedes mal wenn ich das lese werde ich darauf hingewiesen, dass es von der Berufs- oder sonstwasbezeichnung eventuell auch noch eine weibliche Form geben könnte. So n Kack, ich will doch bitte in meinen verfestigten patriarchalen Strukturen weiter leben. Und zwar unabhängig davon ob ich Mann oder Frau bin. Zugegeben, die Frauen sind uns biologischen Männern in Sachen Emanzipation läppische 100 Jahre voraus, aber das is n anderes Thema. Worauf ich hinaus will: genau dafür ist dieses Binnen-I da: Es soll nerven, es soll beim Lesen von jedem Text an den Synapsen zerren und darauf hinweisen, dass es eben nicht nur ein Geschlecht gibt. Simone de Beauvoir hat bereits 1949 ein Buch mit dem treffenden Titel „Das zweite Geschlecht“ veröffentlicht. Es ist eigentlich erschreckend, dass auch heute, fast 70 Jahre später noch immer jeder weiß, dass damit wohl die Frau gemeint sein wird. Und da regen sich die Leute darüber auf, dass dieses „Innen“ etwas nervig beim lesen ist. Dann lest doch weiter die Werbeprospekte von ALDI. Eigentlich ist dieses Binnen-I tatsächlich lächerlich. Macht Mensch sich nämlich mal die Mühe über die Begriffe genauer nachzudenken, so wird schnell deutlich, dass die weiblichen Begriffe durchweg nur Verweiblichungen der männlichen Begriffe sind. So wird meist durch ein schlichtes anhängen eines „in“ an die männliche Bezeichnung daraus die weibliche. Aus dem Bäcker wird die Bäckerin, aus dem Lehrer die Lehrerin usw. Würde Mensch wirklich weibliche Begriffe einführen, so müssten die männlichen Endungen wohl durch weibliche ersetzt werden. Aus dem Bäcker würde beispielsweise die Bäckin, aus dem Lehrer die Lehrin usw. Damit würde aber immer noch nur einer Menschheit gerecht die nur zwei Geschlechter kennt. Alle anderen kucken weiterhin in die Röhre. Wenn sich also das nächste mal wieder jemand darüber beschweren will wie kompliziert das mit dem „Innen“ zu lesen is, so erinnert daran, dass dieses Binnen-I wohl nur ein lächerliches entgegenkommen einer patriarchalen Gesellschaft ist, und alles noch viel gewöhnungsbedürftiger ginge...

Damit komme ich zum zweiten Teil meines Vorwortes, nämlich der Frage, warum ich mich als Kerl überhaupt mit so nem feministischen Kram an die Öffentlichkeit wende. Haben wir keine Frauen in der Redaktion die darüber schreiben können? Nun, ich habe mir tatsächlich auch die Frage schon gestellt, und bin zu dem Schluss gekommen dass es Quatsch ist. Ich brauche ja auch kein Mensch mit Migrationshintergrund zu sein um gegen Nazis zu schreiben. Ich sehe mich als Feminist, und feministisch zu denken, handeln oder schreiben bedeutet ja nicht pauschal gegen Männer zu sein, sondern gegen patriarchale Strukturen, Denkmuster und Handlungen. Mein biologisches Geschlecht spielt dabei erst mal keine Rolle. Ich kann auch Mitglied der Gruppe der potentiellen Verursacher des Problems sein (biologisch männlich) und das Problem trotzdem Scheiße finden und etwas dagegen tun. Wie oben aber schon erwähnt sind wir männlich geborenen da den weiblich geborenen Menschen grob 100 Jahre hinterher, denn es gibt keine ernstzunehmende vergleichbare emanzipatorische Bewegung. Zugegeben, auch die Queer-Szene ist da locker 50 Jahre voraus, aber wo bleibt die Emanzipation derer die sagen „Ich bin mit dieser Definition von Männlichkeit nicht einverstanden“? Ich klammere mich da nicht aus. Ich bin zwar biologisch männlichen Geschlechts, aber im großen und ganzen wars das auch. Meine sexuelle Orientierung ist in dem Fall in meinen Augen unerheblich, denn worum es geht ist, dass ich es einem Haufen heterosexueller Halbaffen und ihrem Steinzeithirn überlasse zu definieren was „männlich“ ist. Und das gilt dann für alle Menschen männlichen Geschlechts. Unabhängig von der sexuellen Orientierung, denn eine Abweichung von dieser „Norm“ wird als unmännlich angesehen. Und ich lasse das einfach mit mir machen, indem ich sage „Ok, bezeichne ich mich eben nicht als Mann, denn diesem Bild möchte ich nicht entsprechen“. So weit so gut, aber ernsthaft widersprechen tue ich den Arschlöchern damit doch nicht. Es wird Zeit das zu ändern.

Ach ja, ich hab mich übrigens entschlossen eine Frauenquote einzuführen: Ich werde immer bei Konzertberichten drunter schreiben wie das Verhältnis Männer/Frauen auf der Bühne war. Ich möchte das bitte nicht als erhobenen Zeigefinger verstanden wissen. Aber es ist eben sinnvoll ein Problem auch mal anzusprechen und darüber nachzudenken warum Dinge sind wie sie sind. Und selbstkritisch wie ich bin fange ich mit der Plasticbomb-Party an an deren Organisation ich beteiligt war: 20 Männer, 1 Frau.

Auf dem Plattenteller dreht sich beim philosophieren:

F*cking Angry – Dancing in the streets

Kackschlacht – alles

Bambix – alles

Love A – alles