Die neonazistische BORN-Gruppe in Russland –

Hintergründe und Prozessbeobachtung

Gastartikel von Igor, What We Feel

Seit November 2014 beschäftigen sich die Geschworenen des Moskauer Landgerichts mit dem Prozess der neonazistischen Gruppe „Kampforganisation russischer Nationalisten“ (russ.: Bojevaja Organisazija Russkih Nazionalistov – kurz: BORN). BORN ist eine der brutalsten Neonazi-Gruppen in der Geschichte Russlands. Sie hat Migranten, Antifaschisten, einen Bundesrichter, einen Anwalt, eine Journalistin und einen Champion im Thaiboxen ermordet. Die Vorbereitungen des Prozesses haben lange angedauert. Unter anderem brauchte es vier Anläufe, bis Geschworene gefunden waren.

Zur BORN zählten laut den Ermittlungen in der Vergangenheit mindestens sieben aktive Mitglieder. Für die Ermordung des Anwaltes Stanislav Markelov und der Journalistin Anastasija Baburova, die in Kontakt mit AntifaschistInnen standen, wurden Nikita Tichonov (lebenslange Haft) und seine Freundin Jevgenija Chasis (18 Jahre Arbeitslager) verurteilt. Tichonov wurde Ende September 2014 außerdem zu weiteren 18 Jahren Haft für die Gründung der BORN verurteilt. Er gestand seine volle Schuld und sagte gegen die restlichen Mitglieder der Gruppe aus.

Angeklagt sind derzeit noch vier weitere Mitglieder: Maksim Baklagin, Vjatscheslav Isajev, Michail Volkov und Jurij Tichomirov.

Getrennt verhandelt worden ist der Prozess gegen Ilja Gorjatschev, Anführer der ultrarechten Organisation „Russische Ikone“. Gorjatschev wurde aus Serbien ausgeliefert und wird in den Ermittlungen als weiterer Organisator der BORN-Gruppe und ihr Komplize bezeichnet. Nikita Tichonov gehörte dabei nicht zu den Aktivisten der legalen „Russischen Ikone“. Er stand auf der Bundesfahndungsliste, nachdem er 2006 bereits mit Aleksandr Parinov den 19-jährigen Besucher eines Hardcorekonzerts, den Antifaschisten Aleksandr Rjuchin, ermordet hatte.

In seiner Aussage behauptet Tichonov, dass der Initiator der Gründung der Untergrundorganisation BORN angeblich Ilja Gorjatschev gewesen sei. BORN habe die „Russische Ikone“ durch ihren bewaffneten Kampf unterstützt. Nach Tichonovs und Gorjatschevs gemeinsamen Vorstellungen sollten alle Morde „lange wirken“ und „aus politischen Motiven“ begangen werden. Die Opfer sollen, wie Tichonov betont, ebenso angeblich in erster Linie von Gorjatschev ausgesucht worden sein. Gorjatschev habe ihm Daten mit den Adressen von Antifaschisten zur Verfügung gestellt. Als Tichonov diese Daten erhielt, soll Gorjatschev gesagt haben, dass er auch Zugang zu den Datenbanken des staatlichen „Zentrums zur Extremismusbekämpfung“ besitze.

Alle Mitglieder der BORN-Gruppe haben ihre Opfer beobachtet, besorgten sich Waffen, verübten Morde – sowohl unter Anweisung der Gruppenanführer als auch selbstständig. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft gingen sie verdeckt vor, mit Maskierungen, unter falschen Namen und auch mit falschen Spitznamen. Für die Kommunikation untereinander benutzten die Neonazis Skype in der Closed-Source-Version. Sie transportierten und benutzten Messer, Schrotflinten und Revolver, eine Maschinenpistole, eine Kalaschnikow und Sprengkörper.