Nachdem unsere Webseite ja am Wochenende leider in Trümmern lag, hoffe ich doch sehr auf die ganze Gay-Punk Sache noch ein paar Reaktionen zu kriegen, bzw euch zum kommentieren anregen zu können.

Die interviewten Jungs lesen hier größtenteils mit, ihr könnt also gern Nachfragen zu den Interviews stellen, vielleicht auch mal ne Frage stellen, die euch schon immer interessiert hat, Anmerkungen und richtig Stellungen da lassen oder einfach eure Freude bekunden, dass hier so ein großartiges Thema angerissen wird.

Sonst kommentiert ihr doch auch immer jeden Mist Huss

Interview heute mit Helge Morgentau, er ist 26 und wohnt auf einem Wagenplatz im Osten:

Wie lang hat das denn bei dir gedauert, vom Zeitpunkt wo du gemerkt hast, dass du eher auf Typen stehst, bis du angefangen hast, das deiner Umwelt mitzuteilen?
Wem hast dus zuerst erzählt und wer weiß bis heute nichts davon?

ein langjähriger prozess, der in der kindheit begann. von ignorieren, bis verdrängen. letztendlich dann das eingestehen und bewusstem nachgehen in der zeit nach dem 18 lebensjahr. spät, aber ok unter kleinstadtumständen und als einzelkind mit recht unfortschrittlichem elternhaus. das internet spielte dabei eine große rolle. dazu s. unten.
meiner umwelt fing ich an es mitzuteilen, als ich die ersten richtigen erfahrung sammelte und mich dadurch auch selbst in mir emanzipierte. das war mit 20 jahren. ich ging mit dem davon erzählen über die jahre recht unterschiedlich um. am anfang haute ich es den meisten meiner freunde mehr oder weniger offen um die ohren, was nicht immer positiv aufgefasst wurde. ein paar freunde und bekannte habe ich auch in der zeit verloren. danach ging ich dazu über es auf andere beiläufigere art und weise zu vermitteln. heutzutage ergibt es sich einfach so. ich sehe seit einiger zeit keine notwendigkeit mehr dafür. wir sind alle erwachsener geworden. solange ich es als etwas besonders erwähnenswertes ansehe, kann ich auch nicht erwarten, dass mein umfeld es einfach so hinnimmt. für mich ist es ein teil meiner selbst. so wie jegliche sexualität eines anderen auch. natürlich ist es noch etwas anders, natürlich stoße ich auch heute noch an punkte, wo ich direkt oder indirekt auf meine
sonderstellung in der sexuellen gesellschaft hingewiesen werde. aber in den meisten fällen bekommen es die leute einfach irgendwann auf den sender und damit ist gut. es ist dann (meistens) einfach so wie es ist. es ist teil von mir. so gibt es heute noch freunde welche es noch nicht offiziell aus meinem mund gehört haben. es ist einfach so wie es ist.
die einzigen menschen, welche es auch noch nicht wissen und bei denen ich auch kein interesse in nächster zeit daran habe sind meine eltern. es besteht keine vertrauensbasis.  

Hattest du damals schon was mit Punk zu tun?
Wenn ja, wie haben die Menschen auf dein CommingOut reagiert?


zur zeit meiner ersten "outings" hatte ich schon ein paar jahre "was mit punk zu tun". was auch immer das heißen mag. ich hörte punkmusik, zog mich so an und besuchte konzerte und politische veranstaltungen. doch vermehrt mit persönlicheren kontakten erst etwas später. du meinst wie damals die punk-menschen auf mein outing reagierten? die einen fanden es ok. den anderen war es egal und wieder andere distanzierten sich von mir. klassisch. einfach. punks sind auch nur menschen. heute sieht die generelle situation genauso aus bzw ist speziell eine ganz andere, da mein leben und mein lebensumfeld sich natürlich geändert haben.

Welche Möglichkeiten der Vernetzung gibts denn, innerhalb der Punkszene? Also gibts irgendwelche Foren, die allgeimein als Sammelbecken gelten?

die vernetzung. die notwendigkeit jeder minderheit. außerhalb des internets (was für die vernetzung generell heutzutage eine der wichtigsten rollen spielt) gibt es natürlich foren und sammelbecken. natürlich kann ich aber nur von jenen berichten welche ich auch kenne. vernetzungsangeboten von homosexuellen punks in süddeutschland, ffm oder dem ruhrpott sind mir mangels erfahrung fremd. generell muss ich auch sagen, dass ich kein gruppenmensch bin. mir widerstrebt der gedanke mich bei einer gruppe einzuordnen, bzw habe ich nie bewusst danach gesucht. dennoch gibt es in berlin angebote für homosexuelle punker. und auch orte wo man sich begegnen kann. (projekte und veranstaltungen in besetzten häusern auf wagenplätzen oder kneipen und partys)

Oder bist du in den allgemein bekannten Foren etc unterweg und es ist dir egal, ob die Person die du suchst, was mit  Punk zu tun hat?
Welche Rollen spielen denn da Ästhetik, Klamotten, Auftreten und Einstellung?


allgemein bekannte foren wie gayromeo und abgefuckt nutz(t)e ich auch. dort findet man ab und zu auch leute die passen und mit denen man was unternehmen kann. jedoch ist das alles nichts halbes und nichts ganzes. so wie mit allen internetforen egal für was und wen. trotzdem war es für mich der anfang. ohne das internet hätte ich den schritt "vor die tür" zu jenem zeitpunkt nicht gewagt. mir ist es generell sehr egal ob die menschen mit denen ich mich abgebe was mit punk zu tun haben oder nicht. der mensch im menschen ist für mich das relavante, nicht der punk am punk. wobei oft genug mehr punk im menschen ist als mensch im punk. es gibt überall arschlöcher. es gibt überall verdammt gute menschen. ich denke damit ist auch die frage nach der rolle von ästhetik, klamotten usw für mich beantwortet.

Wie ist denn dein persönliches empfinden, wie in der Punk/Hardcoreszene inzwischen mit dem Thema verfahren wird?

ich denke es gibt kein "inzwischen". die zeiten haben sich zwar geändert und meinetwegen auch gewisse allgemeine sichtweisen, dennoch, wie schon oben erwähnt: arschlöcher und gute menschen gibt es überall. die durchschnittliche punkszene ist nicht mehr und nicht weniger homophil oder homophob wie die durchschnittsgesellschaft. schreck lass nach, aber es ist so. in der hardcoreszene ist es genauso. vielleicht mit dem unterschied, dass in der hardcoreszene die gewaltbereitschaft und das machotum einen höheren stellenwert geniesen als in der punkerszene.
es gibt "offen" homosexuelle punkrockband und auch hardcorebands.
es ist generell heikel, gewisse soziologische verhaltens- und denkweisen szeneabhängig zu betrachten. vor allem in diesem fall.