Eines der schönsten Festivals in dieser Saison wird das Punx Picnic in Neubrandenburg. Obwohl von fast überall aus gesehen "weit weg" wird sich der Weg lohnen.

Ein super Bandaufgebot, ein spitzen-Unterhaltungsprogramm, großartige Veranstalter_innen. Hier nur für euch ein paar Insiderinformationen. Ich sprach mit "Besen", dem Pressesprecher, Offizier und Gentleman der ganzen Veranstaltung.

Besen, was lockt uns, abgesehen vom Line Up in die Mecklenburgische Einöde? Mit welchen Attraktionen
darf man rechnen, wie kann man sich die Zeit zwischen den Konzerten vertreiben?

Besen: Mecklenburgische Einöde... ´n paar Menschen wohnen hier doch noch. Zwar nicht soviel wie in Mexiko-Stadt, aber gerade gestern hab ich auf meinen langen, schwer durchkämmbaren, unwirtlichen Wegen, die ich auf meiner täglichen Jagd nach Rohkost (wir hier oben ernähren uns hauptsächlich von dem was der Wald hergibt) in meinem Lendenschurz durchstreife, zwei Rentner getroffen. Nachdem wir uns kurz beschnuppert und uns in völlig fremden Sprachen beleidigt hatten, ließen wir voneinander ab und gingen unserer Wege. Gegenseitiger Respekt ist unser zweiter Vorname...

Was allgemeines: Neubrandenburg liegt an der Mecklenburgischen Seenplatte. Der Eiszeitbagger kam bis in unsere Breiten und hinterlies uns hier die Endmoräne und einige Sander. Geographen wissen Bescheid. Demzufolge sind wir hier zugeschissen mit Seen und einer mehr oder weniger buckligen Landschaft. Ich erwähne das, weil der Dreh-& Angelpunkt des NB-PUNX PICNICs, das hiesige AJZ, eben genau an einem dieser großen Seen liegt. Im letzten Jahr zum PUNX PICNIC lungerten die faulen Punks meist nur am Strand ab, die Touripunks hingegen scherten sich auch mal in die Innenstadt und brachten etwas Farbe in die Einöde. Damit letzteres geschieht, werden wir auch dieses mal keine Mühen scheuen, die zähe Masse dahin zu zerren wo z.B. ein Punktriathlon auch von spontanen Innenstadtbummlern honoriert wird. Nur kurz ein paar Stichpunkte was sonst noch so auf´m Plan steht: ein Punkquiz, Stegkonzerte auf dem Wasser, Marktplatztreffen, hoffentlich ne Lesung auf dem Boulevard, irgendwelche Idioten wollen ne Mehlschlacht durchziehen, die nächtlichen Discos... Leider fangen die Konzerte relativ früh an, so gegen 17-18 Uhr. Ich schreibe "leider", weil so ein überbordendes Konzertprogramm eigentlich nicht der Sinn eines Punktreffens, wie dem unseren, ist. Zuviele Köche waren am Vorbereiten, deshalb freut es die Musikabgeher und der Rest, also die Vorbereitungsgruppe, kommt ins Schwitzen.  

   
Gibt es vor Ort Zelt- und Schlafmögichkeiten oder muss man sich in Hauseingängen und unter parkenden Autos
zusammen rollen?

Besen: Ja, lang her die Zeit als wir bei unseren PUNX PICNICs der Jahre 2000, 2001 und 2003 noch haufenweise Gäste in unmittelbarer Innenstadtnähe bei Unseresgleichen einquartieren konnten. Wohnen in der Innenstadt war erschwinglich und kein Thema. Neubrandenburg war ja mal ne Punkhochburg, also vor der großen Berlinflucht. Das glaubt uns kein Schwein mehr, was hier alles ging. Giessen im Westen, Neubrandenburg im Osten, ungefähr, für die Statistiker. Die Innenstadt ist mittlerweile durchsaniert, kaum jemand wohnt noch dort. Es gibt Zeltmöglichkeiten auf dem AJZ-Gelände. Wenn die ausgelastet sein sollten, wird es weitere Zeltmöglichkeiten geben. Sag ich jetzt einfach mal so. Einige Leute sind da grad dran und verhandeln mit den Drecksbehörden dieser Stadt. Diese Behörden haben allerdings ´n Ei am Wandern, was für uns heißt: Nach alter Punksitte uns einfach nehmen, was uns zusteht. Die Einöde gehört allen! Näheres wird vor Ort in einem dickdünnen Beiheft erläutert werden. 


Was unterscheidet das Punx Picnic vom Force Attack/Ruhrpott Rodeo, auf was müssen wir verzichten,
auf was dürfen wir uns besonders freuen?

Besen: Ach, das sind doch zwei ganz andere Ligen. Wir backen hier kleine Brötchen, wir spielen Brennball und kein Fußball. Das eine sind richtige Festivals mit ´ner Riesenlogistik, wahrscheinlich auch mit ´nem gehörigen Etat. Dem wollen wir uns gar nicht aussetzen. Wir ziehen hier unseren d.i.y-Scheiss durch, niemand von uns wird ausbezahlt, die üblichen Spielregeln eben. Wir versuchen ein Punktreffen in einer kleineren Stadt auf die Beine zu stellen mit den Gegebenheiten die hier vorhanden sind und welches wir auch locker stemmen können. Verzichten muss man höchstens auf ein paar tausend Punks mehr. Letztes Jahr waren wir mit ungefähr 500 Leuten am Start, was natürlich sehr geilomat war. Dadurch, dass wir kein Festival im herkömmlichen Sinne sind, müssen wir auch nicht dem "Massengeschmack" der Punkfestivals nachgehen. So bleibt uns diese ganze Sacksuppe erspart. Nie würde uns -mal als Beispiel- einfallen die NATO-Veteranen von OHL auch nur um irgendwas zu bitten. Sowas bekämpfen wir allenfalls mit ´ner ERNST BUSCH-Endlosschleife. Wir bleiben anarchistische/kommunistische Feinde der Demokratur!  


Es heißt ja, dass Harnleita sich ein einziges mal die Ehre geben werden, wobei Band-Reunions doch laut Anfrage beim
deutschen Patentamt dem Ruhrpott Rodeo gehören...wie kannst du dir selbst und uns das erklären?

Besen: Häh? Ich hab keine Ahnung was du von mir willst, alte Hupe! Mit den alten Heiopeis von HARNLEITA verbindet mich eine jahrelange Freundschaft. Die sachsophilen Sonderlinge waren seit jeher Teil des Neubrandenburger PUNX PICNICs, bevor sie sich irgendwann auflösten. Mein schöner Plan war es nun, alle Gichtknochen an einen Tisch zu bringen, damit sie sich eines besseren besinnen und mal wieder, wenigstens für einen Auftritt, ein paar schöne Weisen von sich geben, anstatt wildfremden Menschen ne Senfspur auffe einäugige Schlange zu tätowieren. Mit mir fiebern zig Kaputte aus Dresden, Erfurt, Leipzig, Berlin und Karl-Marx-Stadt dem Auftritt entgegen. Ich glaube, die Tragweite kann man bei euch in Duisburg gar nicht ermessen. Möglicherweise wird bei dieser Zeremonie ein Kind geboren!!! Die Sterne stehen günstig, also warum nicht!?

Möchtest du den Leser_innen noch was ans Herz legen, Ratschläge erteilen, sollen wir was besonders
mitbringen oder zu Hause lassen?

Besen: Hunde, so schön und gebieterisch sie auch sein mögen, haben während dieser Zeit auf dem AJZ-Gelände nichts verloren! Ansonsten: Weniger Schlaffi, mehr Touripunk! Mitbringen: a Hahnekamm, genügend Taschengeld, Kosmonautennahrung. Zu Hause lassen: OHL, Spickzettel, R´n´B, dein ganzes soziales Leben (facebook).

Hab ich noch was vergessen?

Besen: Vielleicht gibt sich während des Treffens der beliebte CDU-Bürgermeister die Ehre mit uns anzustoßen. Holt euch ein Autogramm von ihm, man sagt er sei ein guter und ausdauernder Ficker!