Uuuund noch ein Festival, das Plastic Bomb euch präsentiert: das Resist to Exist Festival in Berlin. Da gingen ja in letzter Zeit eine Menge Berichte über finanzielle Probleme und Aufrufe zur Unterstützung rum, zu diesem Thema und zu vielen Anderen habe ich Thommäs, einem der Veranstalter, einige Fragen gestellt:

Resist To Exist...zum wie vielten mal findet das Festival denn jetzt statt und aus wie vielen Leuten besteht die Orga-Crew? Sind das immer die selben Leute oder wechselt ihr mal durch?

Das Festival gibt es inzwischen seit 9 Jahren. 2013 werden wir also unser 10jähriges Jubiläum feiern! Das wird ordentlich knallen!
In der Kernorga besteht das Resistteam aus ca. 15 Leuten. Während des Festivals arbeiten rund 200 freiwillige, ehrenamtliche Helfer beim Resist To Exist Festival mit. Die Kernorga ist flexibel. Je nach Kapazitäten wandern einige Bereiche mal Hin und mal Her. Das Festival läuft letztlich neben Studium, Ausbildung, Jobs usw. nebenher. Da hat der Eine mal mehr und der Andere mal weniger Zeit zur Verfügung. Als DIY-Projekt muss und wird es am Ende auch immer flexibel bleiben.


Ihr schreibt ja, dass ihr im letzten Jahr 10.000 Euro Miese gemacht habt.
Wie kommt denn so eine unglaubliche Menge an Forderungen zusammen, habt ihr den Bands zu hohe Gagen versprochen oder was ist passiert
?


Nahezu alle Bands spielen bei uns im Sinne unseres Festivalkonzeptes zu Sonderkonditionen. An dieser Stelle daher an alle Bands, die je bei uns gespielt haben ein dickes Danke für den langjährigen Support und die Bereitschaft mit der Kohle runter zu gehen! Das Minus klingt im ersten Moment natürlich wahnsinnig mächtig. Wenn man es aber aufschlüsselt resultiert es aus einer überraschend geringen Besucherzahl, die uns gefehlt hat um auf Plus-Minus-Null zu kommen. Um das kurz zu Überschlagen: 200 Besucher x 30,- EUR Abendkasse = 6.000,- EUR. Wenn jeder dieser Besucher im Schnitt 2-4 Bier pro Tag trinkt, wären das zusätzlich rund 3.000,- EUR. Gesamt also rund 9.000 EUR. Im Schulterschluss haben uns also (nur) rund 200 Besucher gefehlt. Das sind auf einem Festival – ganz ehrlich – egtl. nicht viele. Da wir aber als Nonprofit-Festival bewusst auf Plus-Minus-Null zu kalkulieren versuchen, bewegt man sich immer auf einem schmalen Grad. Das kann manchmal halt auch nach Hinten losgehen. In diesem Fall ist es so geschehen. Um so schöner im Nachgang mitzubekommen, dass unser Ansatz bei vielen Anerkennung findet und unsere Gabe eines nonkommerziellen Festivals im Krisenfall solidarische Unterstützung erfährt. Um mal kurz Klartext zu sprechen sind 10.000,- EUR in den Gesamtkosten eines Festivals nicht wirklich viel. Das Resist frisst in der Gesamtproduktion beispielsweise rund 70.000,- EUR. Da gibt es viele Dinge die man gar nicht erst sieht, die am Ende aber enorm viel Geld verschlingen. Beispielsweise Hygieneschläuche für die Wasserversorgung, Aggregate, Diesel, Spültoilettencontainer (ausschließlich für die Futterstände – eine grandiose Auflage der Stadt!), Kosten für Bauanträge, TÜV, diverse Genehmigungen, Radlader, Müllentsorgung, Wasser und und und. ... Die Bandkosten sind im Gesamtkontext die geringsten. Allein die nötige Infrastruktur frisst ca. 25% des Gesamtvolumens. Ihr kennt das ja vlt. auch selbst.


Welchen Background hat das Festival denn überhaupt, dass ihr mit so viel Geld pokern könnt? Steht da ein Verein dahinter oder öffentliche Gelder?
Also, wer hat euch das überhaupt alles vor-finanziert und euch die Sicherheiten gegeben?



Pokern können wir im Endeffekt mit gar keinem Geld! Das Festival und dessen Vorfinanzierung trägt sich in der Regel über diverse Solikonzerte, die über das gesamte Jahr organisiert werden. In diesem Jahr ist das aufgrund der Refinanzierung vom Schuldenberg in 2011 allerdings etwas nervraubend. Hinter dem Festival steht ein gemeinnütziger Verein, den wir auch selbst verwalten. Kein externer Finanzier – darauf spielst du mit deiner Frage ja indirekt an. Öffentliche Gelder gibt es ebenfalls nicht! Wo sollten die in Berlin auch herkommen? Hier wird alles gekürzt, gestrichen und geräumt – wenn hier überhaupt in Jugendkultur investiert wird, dann garantiert nicht in alternative Szenen! Jegliche Finanzierung läuft über Soliveranstaltungen. Da sitzt niemand, der uns finanziert oder Sicherheiten gibt. Das Ding ist aus der Szene und für die Szene. Große Sponsoren oder ähnlicher Scheiß liegt nicht in unserem Interesse. Es steht ja noch nicht mal ein Label hinter dem Fest. Wir stämmen und schultern das Ding selbst. DIY – Do it yourself!


Woher nehmt ihr die Energie, den Karren jetzt wieder aus dem Dreck zu ziehen?
Habt ihr bei so viel Regen im bisherigen Sommer nicht Angst, nochmal (mehr) drauf zu zahlen?



Wo wir die Energie her nehmen wissen wir selbst nicht so wirklich. Wahrscheinlich ist es der Glaube an das Projekt und dessen Idee oder aber die Sehnsucht unser 10jähriges Jubiläum im kommenden Jahr auch wirklich feiern zu können. Eines ist es in jedem Fall: Leidenschaft und Ideologie! Für 2012 haben wir an einigen Schraube gedreht, die eine erfolgreiche Finanzierung sichern sollten. Unter anderem der (von uns nur mit knirrschenden Zähnen vorgenommene) Schritt die Eintrittskosten minimal anzuheben. Auch in Punkto der Technik können wir in diesem Jahr scheinbar einsparen. Unser Kosten für die Bands liegen unter denen vom Vorjahr. An einigen Ecken haben wir Einsparpotential geschaffen, an anderen entstehen allerdings aufgrund des neuen Geländes wieder neue Kosten. Im Endeffekt sollte es aber, wenn wir uns wieder um die 2.000 Besucher bewegen funktionieren. Wenn ihr also kein Bock darauf habt, dass euch in Zukunft nur noch kommerzielle Festivals den Sommer versüßen, dann kommt zum Resist To Exist Festival 2012 und unterstützt uns durch eure Anwesenheit!!!


Wie haben euch die Leute geholfen, außer dass sie persönlich zum Festival erschienen sind? Gab es Spendenaufrufe usw?


Die Tage nach der Abrechnung waren hart und stressig. Immerhin gab es eine Insolvenz zu verhindern. Nachdem wir uns intern nach dem ersten Schock gefangen hatten, begannen wir darüber zu debattieren ob wir diesen Umstand veröffentlichen sollen oder lieber nicht. Wir entschieden uns für den Weg der Transparenz und dokumentieren seitdem auch jeden kleinen Entwicklungsschritt für alle öffentlich ersichtlich auf unseren Webpräsenzen. Wir veröffentlichten also unsere Problematik und verknüpften sie mit einem Unterstützungsaufruf. Wir erhielten Spenden von Privatpersonen, Bands, Fanzines und Labeln, wie aus dem Nichts begannen einige Leute die wir überhaupt nicht kannten überall in Deutschland Solikonzerte für uns zu organisieren (selbst in Österreich und der Schweiz), wir stellten Spendendosen auf Konzerten auf und guter Letzt boten uns einige Berliner Läden ihre Räumlichkeiten für eigenveranstaltete Solis an. Uns begegnete eine Solidaritätswelle, die wir so gewiss nicht erwartet hätten. Mit dieser breiten Unterstützung gelang es uns (und vorallem den zahlreichen Spendern) die Schulden bis zum Jahreswechsel nahezu zu tilgen. Wenn dir ein so breiter Support entgegenweht, ziehst du daraus auch eine Form der Energie. Ohne diese Unterstützung hätten wir die Karten hinschmeißen müssen und kapitulieren. All die Unterstützung hatte am Ende nur das eine Ziel, nämlich das Resist To Exist Festival zu retten! Die Leute haben es gerettet, also müssen wir uns in diesem Sinne natürlich auch bedanken und haben für 2012 ein gut gemischtes Line Up fern ab von Kommerz und fragwürdigen Bands auf die Beine gestellt. Nicht wir als Orga sind das Resist sondern unsere Besucher!!! Mit ihnen und ihrem Support steht und fällt das Fest! Daher an dieser Stelle DANKE an alle, die uns durch die schwere Zeit gebracht und uns den Glauben an das diesjährige Resist zurück geholt haben!!!!! Ihr seid super!!!!!!


Auf welche Band freut ihr euch persönlich am meisten?



Wir freuen uns nicht auf DIE eine oder andere Band, sondern auf alle, weil auch sie unseren Ansatz tragen und unterstützen! Das Resist kann in seinem Grundgedanken ausschließlich über eine Kooperation zwischen Bands, Pubilum und Veranstalter funktionieren. Eine ideelle Symbiose – ein Glaube an alternative Strukturen!

RESIST TO EXIST!

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