Freitag, 29.Oktober 2010.
Ort: Berlin o2 Arena. 17000 Gäste, ausverkauftes Haus. PASCOW haben zur Release Party von ihrem neuen Album "Alles muss kaputt sein!" geladen.
Seit gerade erst ein paar Tagen ist ihr nun mehr vierter Longplayer im Handel. Man munkelt dass die erste Auflage schon vergriffen ist, und dass sie in den AmazonAS Charts auf Platz drei stehen.
Diese Angaben sind ohne Gewähr, aber wie sagt der Franzose : Es gibt kein Rauch ohne Feuer. Alles was Sie verehrter Leser bis jetzt gelesen haben stimmt, bis auf die Tatsache, dass wir uns nicht in Berlin in der o2 Arena befinden, sondern im Exhaus im schönen Trier. Ach und die 17 000 Leute sind nur gefühlt.
Ich hatte im Vorfeld ja schon gehört, dass viele Karten verkauft worden waren, aber die Masse an Menschen die sich im Hof des Exils tummelte, überstieg jedoch meine wildesten Fantasien. (Wie kommt der eigentlich auf Berlin? fragst du dich bestimmt. Dazu später mehr)

Erst mal rein ins gute Haus, hier und da noch mit ein paar Bekannten gelabbert, was sich bei mir labberheino immer ein wenig in die Länge zieht, und dann gings aber los.

Auf der Bühne hing ein Banner auf dem in grossen Buchstaben PRINZESSIN HALTS MAUL und drunter KONFETTI-CORE prangte. Ich hab ja schon von so manchem CORE gehört, von Crust über Hard zu Stench und wieder zurück. Aber Konfetti?
Die Band war auch sofort auf der Bühne. Ach so, das ist dem Measy seine Band. Cool! Dann bin ich mal doppelt gespannt.
Die Jungs legen mit solidem Hard-Core vor, und wissen mich von Anfang an zu begeistern. Beim zweiten Song hab ich dann auch den Begriff Konfetti-Core verstanden. Aus Kisten heraus wird massiv Konfetti über die Köpfe des Publikums verteilt.
Beim dritten oder vierten Song, kriegen Prinzessin halts Maul einen nervösen Zusammenbruch. Sollte meines Erachtens eh jede kleine Hard-core Band machen. Covert doch einfach immer als drittes Lied ein Stück von Black Flag, oder i dont wanna hear it von Minor Threat. Denn spätestens jetzt ist das Eis gebrochen, und alles hüpft, springt und tanzt. Konfetti fliegt wörtlich aus allen Rohren. I m Crazy and i am hurt, Konfetti on my shoulder. Hab ich in dieser Form auch noch nie gesehen, macht aber einfach nur herrlich viel Spass. Würd mich jetzt einer fragen ob Keith Morris oder Henry Rollins besser war, würd ich mit Measy antworten.
Man sollte Prinzessin Halts Maul mal zum Kölner Karneval einladen, da könnten die Jecken noch was lernen. Oder aber Prinzessin Halts Maul sollten anfangen Konfetti-Core zu spielen und mit Kamele werfen. Ach lassen wir das. Hat extrem Spass gemacht, und seit langem fühl ich mich mal wieder so richtig wohl in dieser Illustren Punkszene.
Wer hat die nächste Band denn eigentlich hier reingelassen? Haben die nicht HAUSVABOT. (gähn)
Die Pogopunx aus Berlin bestehend aus Andre, Fabse und Manu haben schon ne ganze Dekade auf dem Buckel, und dürften daher bei den meisten keine Unbekannten sein. Hausvabot gehen wie gewohnt mit schnellem aggressivem Punk, der Marke Rotz zur Sache. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle, die Ansagen der Band. Bevor "Verrat" den Weg zu den Gehörgängen der Anwesenden findet, ermahnt man alle einmal NICHT mit Nazis einen trinken zu gehen. Selbst wenn diese noch so nett sind. Find ich klasse, da mir vor einigen Jahren sowas ähnliches ohne mein Wissen passiert ist. Leider. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nichts von der saudummen braunen Gesinnung dieser Individuen. Und als ich es herausfand, machte ich dem Spuk schnell ein Ende. Was soll ich sagen, aus Fehlern lernt man, und der wo Fehlerfrei ist kann jetzt ruhig mit dem Glashaus werfen, oder so ähnlich. Ich schweife ab. zurück zu HAUSVABOT. Die Berliner liefern eine ordentliche Show ab. Respekt. Abpfiff, Halbzeit.

Bis jetzt bin ich äusserst positiv überrascht. Sowohl von den Bands als auch vom Publikum.
Schnell noch ein Sprudel holen, in Deutschland gibt es plattes Wasser ja nur aus dem Wasserhahn.
Gleich werden PASCOW loslegen, und deshalb such ich meinen Weg auch wieder zurück. Mit einer zweiten Flasche Sprudel unterm Arm will ich zu meinem Kumpel, der mitgereist war, doch muss ich leider feststellen, dass das nicht allzu einfach ist. Ich komme fast nicht mehr durch die Masse an Körpern, die versucht sich nach vorne zu drücken. Es scheint mir fast so als wollte jeder in der ersten Reihe stehen, um ein Stück der Pascowischen Magie abzubekommen.
Als ich mich Schlussendlich durch gedrängelt habe, ist das Wasser in der Flasche schon am kochen. Ach nee ist ja Sprudel. Ok aber es zumindest bist fast zur Hälfte verdampft, oder wieso ist sie nur noch halb voll?

Als Alex, Ollo, Swen und Flo die Bühne erklimmen gibt es kein Halten mehr. Es wird stagegedivt (autsch), gehüpft getanzt, und fast jede Zeile laut mitgesungen.
Und nun kommen wir mal zum Anfang diese miesen Berichts zurück. Könnt Ihr euch an die o2 Arena in Berlin erinnern? Ja? Gut! Weil genau das was heute Abend hier abgeht könnte auch in einer viel VIEL grösseren Arena abgehen. Wenn, ja wenn Pascow es zulassen würden. Ich kann die Beweggründe vollends verstehen warum man lieber auf der momentanen Grösse bleibt. Nur würde ich nur zu gerne sehen was mit dieser Band passieren würde, würde man einen Videoclip auf einem Musiksender laufen lassen. Ein radiotaugliches Lied den Äther rauf und runter spielen würde. Im Sommer auf dem ein oder anderem grossen Festival spielen würde. Ich kanns mir vorstellen. Pascow würde sowas wie die Die Ärzte werden. Aber wie gross soll Punkrock sein? Soll man Stadien füllen und sich Ausverkauf vorwerfen lassen, so wie es The Casualities ständig geht, oder soll man stets nur vor zwanzig Leuten in irgendwelchen versifften Clubs, Garagen, oder Badezimmern spielen? Pascow gelingt es sich irgendwo genau dazwischen zu platzieren, und das steht ihnen gut zu Gesicht. Schweisstreibend geht die Show weiter. Keinem fällt auf, dass das Konzert beinahe gekippt wäre. Einer der Pascow Jungs hatte zuvor am Tag ein Autounfall, und ein zweiter musste länger malochen, und kam direkt von der Arbeit zur Show gefahren. Soviel Pech an einem Tag reicht aus. Dafür läuft das Konzert umso besser. Später werden viele behaupten Pascow hätten noch nie so gut gespielt wie an diesem Abend. Irgendwann spielen sie The Strongest Of The Strange, was jetzt schon mein neues Pascow-Lieblingslied ist. Hier muss ich nun aber leider abbrechen. Sorry. Könnt ihr mir jetzt gerne ewig vorwerfen, aber das Gedrängel und die ungefähr 200 Grad Celsius werden mir zuviel. Kondenswasser läuft die Wände des Kellergewölbes herunter, und ich muss raus. Erst mal was trinken, Luft holen, Wunden lecken. Aber egal, denn solange wird nach meiner Desertation nicht mehr gespielt. Gross, grossartig, Pascow. Wer nicht da war hat definitiv was verpasst. Punkt.

HORRORCOMBO haben dann die undankbare Aufgabe Rausschmeisser zu spielen.
Sie tun mir schon irgendwie leid. Zwanzig bis dreissig Leute tummeln sich nur noch vor der Bühne, als die Band aus der Hölle (laut myspace) auftritt. WOW!!! Die Misfits. Zumindest sind fast genau soviele Orginal Mitglieder bei der Horrorcombo am Start wie in der momentanen Besetzung ihrer Vorbilder.
Als die Horrorshow beginnt sind plötzlich alle 138, jeder beisst, fliegt auf der Waspqueen, und will, dass sein Darling stirbt.
Die Band liefert gut ab, das muss man ihnen lassen. Trotzdem sorgt der Sänger ungewollt für den "FAIL" des Abends. Kann bitte einer bei nächster Gelegenheit dem guten Mann sagen dass sein Mikro nicht wie ein Knochen, sondern nach einem Penis mit zwei dicken Klöten aussieht. Daher sieht singen nicht nach singen aus, sondern nach einer sexuellen Praktik. Cocksucking Monster from outer space oder so ähnlich. Texas ist dann nicht bloss der Grund dass der Präsident tot ist, sondern auch dass ich noch ein letztes Mal an diesem Abend das Tanzbein schwinge.

Rückblickend kann ich nur von einem absolut gelungen Abend berichten.
So sollte Punk sein, und nicht anders.
Kann man bei Gelegenheit wiederholen.
Steve (aus Luxemburg)