Take Shit aus dem Schwabenland haben ihr Label Nix.Gut aus aktuellem Anlass verlassen.

Grund für mich, ein paar Interviewfragen rüber zu schicken, die mir innerhalb kurzer Zeit von Mirko, Taube, Swen und Alex beantwortet wurden. Ihr erfahrt näheres zu ihrer Entscheidung und zu ihrer Meinung zur aktuellen Grauzonendiskussion.

Danke dafür!!

Im Anschluss an das Interivew gibt es auch noch das offizielle Statement der Band zu lesen, auf das sich natürlich auch die ein oder andere Interviewfrage bezieht.


Ihr verlasst NixGut, weil ihr nicht mit den gleichen Leuten Geschäfte machen wollt wie Frei.Wild und Krawallbrüder. Was denkt ihr denn, in wie fern kommt denn ein Mailorder/Label in Zeiten der wirtschaftlichen Schieflage noch aus, wenn er sich 100% PC korrekt verhalten möchte?

Alex: da gibt es doch meiner Meinung nach gar keine Frage. Ich bin seit über 10 Jahren auch selbständig;  zwar in einer ganz anderen Branche aber ich würde trotzdem mit irgendwelchen Affen keine Geschäfte machen. Irgendeine Option findet man immer. Das ist zumindest meine Meinung.


Mirko: Gut, um von einem Punk-Mailorder oder -Label leben zu können, muss man sich eben den marktwirtschaftlichen Gesetzen anpassen, auch wenn man versucht möglichst 'unkommerziell' zu bleiben, aber trotzdem wirtschaftlich zu sein, keine Frage. Politik ist aber was anderes als Wirtschaft, und meine politischen Ansichten stehen über der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Taube: Also ich bin kein Ökonom, und kann nicht sagen ob das möglich ist; aber auch wenn dies nicht der Fall sein sollte, bin ich der Meinung, dass die minimale Prämisse Antifaschismus ohne wenn und aber sein sollte und muss, auch wenn es das Überleben des Mailorders kostet. Lieber Arbeitslos und Spaß dabei, als diese Penner salongfähig gemacht. Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung, dass muss jeder selbst für sich entscheiden. Und es sei noch gesagt, es gibt ja genügend Beispiele für Label und Mailorder, die eine Zusammenarbeit mit diesem Klientel bewusst verweigern und trotzdem auskommen. Also scheint es ja durchaus möglich zu sein.

Sven: Ich denke dass man sich selber, auch in der Wirtschaftskrise, treu bleiben kann. Andere Label und Mailorder haben es bisher ja auch geschafft. Antifaschismus sollte nicht nur im Sortiment sein sondern auch im Kopf.  

Wie findet ihr denn die Grauzonen-Diskussion die derzeit läuft? Es gibt ja jede Menge Menschen, die sich ihre eigene Meinung bilden und sich dabei auf dem aktuellen Stand halten. Doch es gibt auch viele, die gern veraltete Meinungen nachplappern... wie soll man sich da noch trauen was öffentlich zu sagen, ohne Gefahr zu laufen, dass es auch Monate später, wenns vielleicht garnicht mehr aktuell ist, zitiert wird?

Mirko: Na, das is grad mal wieder so'n ein Schwelbrand. Es hat schon lange gebrodelt und nun scheint die Diskussion zu eskalieren und es werden zum Teil auch Bands mit reingezogen, die damit auch wieder gar nix am Hut haben. Jeder kleinste Verdachtsmoment wird zum Futter für Hetzer. Klar kann ich 'Grauzonen'-Bands nicht akzeptieren, aber man muss schon etwas genauer hin schauen, wen man wie beschuldigt, bevor man was öffentlich rum posaunt..

Taube: Ich finde es jetzt erstmal prinzipiell richtig und gut, dass es überhaupt eine Diskussion gibt, da ich in den letzten Jahren das Gefühl hatte, dass dieses Thema fälschlicherweise eine komische Toleranz genossen hat, nach dem Motto „if the kids are united“ auf Teufel komm raus. Es geht für mich nicht nur um Leute, die kein Problem damit haben mit verfickten Nazis abzuhängen, sondern auch um Leute die sinnlos Gewalt praktizieren, sexistisch,  homophob, etc.  sind, egal ob Iro, Rastas, Glatze, schönen Hut  oder was weiß ich auf dem Kopf; also Leute die ich genauso gut auf dem Oktoberfest treffen kann;  haben sie einen noch so schönen „Gegen Nazis“ Patch. Da beginnt die Grauzone für mich persönlich, da ich nicht umsonst bunte Haare (logischer Knick!) habe und diesen Menschen  sowenig Platz wie möglich in meinem Leben einräumen will. Habe ich bei einer Band oder Leuten das Gefühl sie bedienen dieses Schema, dann ist das für mich so, und dann habe ich keinen Bock auf die.  Ich schreibe ja nicht für ein Zine und muss dass gleich super fundiert öffentlich machen; mir ist  meine Zeit zu schade dass dann richtig zu recherchieren, indem ich die Internetseiten dieser Bauern durchforste, um dann schließlich auf eine Fanseite von Hansa Rostock verlinkt zu werden.

Sven: Es muß eine klare Linie gezogen werden. Es kann nicht sein dass sich immer mehr Faschos auf Oi Konzerten rumtreiben und manche Bands das gar nicht interessiert oder einfach wegschauen. Oder noch schlimmer, sie steigen bei den stumpfen Parolen der Faschos ein und im Publikum interessiert das auch keinen. Ich finde es gut das die Diskussion momentan wahrscheinlich ihren Höhepunkt hat und sich jetzt hoffentlich was in den Köpfen ändert. Kein Fußbreit den Faschisten.
Alex: Zur heutigen Zeit ist das ja kein Problem sich zu informieren. Im Internet findet man alles was man dazu braucht. Bei einer Giganfrage guck ich schon vorher mal nach wer da noch so alles spielt. Spätestens auf dem Konzi merkt man dann was los ist da kann man immer noch absagen und die Heimreise antreten.

In wie fern ist es fair, NixGut jetzt auf diese Frei.Wild Sache zu reduzieren?
Schließlich war das immer ein korrekter Punk Mailorder/Label die immer ausgesprochen
linke Bands gepusht haben...

Alex: Ich finde nicht, daß hier irgendjemand reduziert wird. Unsere Meinung haben wir in unserem Statement kund getan. Wir haben Nix Gut viel zu verdanken und das werden wir auch nicht vergessen.

Mirko: Kann mich nur anschließen. Ebenso haben die Jungs ja stark den Nachwuchs gefördert. Gerade deshalb kapier ich die ganze Aktion auch nicht so recht!?!

Taube:
Nix Gut hat hier in der Region einige unkommerzielle Konzerte gesponsert, für einen umsonst Flyer gedruckt und schon mal ne Anwaltsrechnung bezahlt ohne viel Aufhebens darum zu machen. Als Deutschpunkfan habe ich gerne das Taugenix gelesen. Nicht zu vergessen Sampler die auch mal für zwei drei Euro rausgehauen werden und natürlich der Einsatz bei der Hakenkreuzaffäre. Viele Bands, so auch wir, hätten ohne Nix Gut wohl nie ne andere Bühne gesehen als die des heimischen Juzes. Ich habe deswegen die Hoffnung nicht aufgegeben dass Nix Gut den Schneid beweißt und sagt, das war jetzt mal richtig Scheiße. Verzeihen gehört ja zum Mensch sein dazu. Unabhängig von der Endgültigkeit unserer Entscheidung wäre dass das Beste für alle. Im Übrigen haben Nix Gut unsere Kündigung bereits erhalten und respektieren unsere Entscheidung, und verhalten sich mehr als fair uns gegenüber.

Sven: Ich würde auch nicht sagen das NixGut reduziert wird, aber unser Handeln muss man auch verstehen.

Mal ne Grundsätzliche Frage...
In wie fern darf eine Band an ihrem Publikum gemessen werden?


Mirko:
Das is so ein symbiotisches Verhältnis. Das sieht man dann meist auf Konzerten. Wie verhält sich eine Band dem Publikum gegenüber und anders rum. Passt man sich dem Publikum an, oder anders rum, stachelt man auf oder beschwichtigt bei Ungemach, toleriert man Störer oder wirft man sie raus. Einfach an der Stimmung die auf dem Konzert herrscht und wie die Band damit umgeht. Daraus entsteht dann ein gewisses Image, was wieder ein gewisses Publikum anzieht.

Taube: Das Publikum muss ja schließlich was an der Musik und den Texten finden, und die Band am Publikum. Mir würde es keinen Spaß machen vor Leuten zu spielen die ich scheiße finde.

Alex: Wie schon gesagt merkt man das doch sofort auf dem Konzert was sich da für Leute tummeln. Man is ja nicht erst zwei Tage in der Szene um für so was ein sensibles Auge bzw. Ohr zu haben.
Natürlich sieht oder hört man so was nicht wenn man nur im Backstage abhängt.

Also welche Möglichkeiten hat eine Band, Einfluss drauf zu nehmen, wer im Publikum steht?

Mirko:
Na erstmal durch die Art der Musik. Dann natürlich die Texte und auch das Auftreten der Band, die Performance so zu sagen. Schließlich kann man ja auch klipp und klar sagen (oder auf die CD drucken), wer nicht erwünscht ist, was ja gerade wieder viele Bands für sich entdeckt haben.  Deppen kommen zwar fast immer, aber man kann damit dann wenigstens den Anteil minimieren.

Taube: Als Band hat man schließlich ein Mikro vor der Fresse und kann erstmal jederzeit darauf hinweisen wenn man Entwicklungen im Publikum, wie z.B. Hitlergruss oder Tittengrabscher,  beobachtet, mit denen man nicht einverstanden ist. Natürlich muss man dazu das erstmal überhaupt registrieren, was ja nicht immer möglich ist. Es ist jetzt auch nicht immer eindeutig, handelt es sich um einen schlechten Scherz oder ist da mehr dahinter. Aber ich denke auch  wie Mirko schon gesagt hat, die Art wie man sich als Band gibt ist  entscheident. Also wir zB. transportieren jetzt nicht, dass nur die Harten in den Garten kommen.

Sven: Als Band kann man ein klares Statement dazu abgeben (außer man ist rechts offen), was man vom Faschismus hält, wenn es nicht schon in den Texten vorkommt. Dann bekommt man auch ganz schnell einen guten Ruf und die Faschos kreuzen auf den Konzerten nicht mehr auf.  

Mirko: Wobei wir wieder bei vorheriger Frage landen. So schliesst sich der Kreis!

Hier noch das Statement der Band:

Wie weithin schon bekannt unterhält unser Plattenlabel Nix Gut mit der Band Freiwild Geschäftsbeziehungen, d.h. die Subfirma Rebel Products produziert das Merchandise dieser mehr als dubiosen Band. Wir haben hiervon wie die meisten, selbst durch den Artikel auf der Homepage von der Bombe erfahren. Wir sind nicht nur überrascht, sondern mehr als enttäuscht, zeigte sich Nix Gut bis dato immer als fairer Partner. Es scheint, dass die kapitalistischen Ambitionen die antifaschistischen überwiegen. Bei dieser Grenzüberschreitung, in der durch Geschäftsbeziehungen mit  ausländerfeindlichen, patriotischen, Böhse Onkelz Aufkleber auf dem Auto herumfahrenden Hinterwäldlern, das geschäftliche Überleben gesichert werden soll, können und wollen wir keinen Teil sein.

Die Mitglieder von Take Shit sind zu 100% antifaschistisch; und somit gibt es nur eine logische Konsequenz: Take Shit bedankt sich bei Nix Gut für die letzten Jahre, beendet aber aus den genannten Gründen jegliche Zusammenarbeit.

Die Frage ist nun, warum muss jetzt Take Shit auch noch öffentlich seinen Senf dazu geben, haben doch schon einige andere Bands öffentlich Position bezogen und die Argumente dargestellt. Würde es nicht reichen die Verbindung mit Nix Gut zu beenden ohne dies öffentlich zu machen? Unserer Meinung nach nicht; sicher erhaltet ihr durch dieses Statement keine neuen Weisheiten, jedoch ist es uns einfach ein Bedürfnis diesen unseren Schritt aufgrund logischer antifaschistischer Konsequenz darzustellen.

Wir können an dieser Stelle bestätigen; bei den Betreibern von Nix Gut handelt es sich um Menschen die sich gegen Nazis positionieren und dies bereits auch öffentlich im Rahmen des Hakenkreuzprozesses getan haben. Jedoch scheint dies nicht zu schützen vor einer falschen Toleranz gegenüber der "Grauzone", also nach unserer Definition Menschen die kein Problem haben  mit Nazis rum zu hängen, oder/und vielleicht sogar mit den Gedanken der NPD oder sogar der CSU sympathisieren. Oft zeichnet sich diese vor Testosteron strotzende Szene durch latente Sympathie mit Ausländerhass, Nationalstolz, Sexismus oder Homophobie aus. So der Sänger von Freiwild der aufgrund der "Ausländerbanden" der Jörg Haider Partei beitrat. Leider hat er sich den Fahrstil von Haider nicht zum Vorbild genommen und singt heute als ehemaliges Parteimitglied Lieder über sein Südtirol. Diese falsche Toleranz gegenüber dieser Grauzone, repräsentative Freiwild begründet Nix Gut damit, dass ein Boykott dieser, diese erst recht in rechte Arme treiben würde. Unserer Meinung nach ein schlechter Versuch das eigene Verhalten zu rechtfertigen, anstatt den, nicht ohne Grund, zu verheimlichen versuchten Schritt als einen Fehler einzugestehen. Wir hätten uns dies gewünscht und eigentlich nichts anderes von Nix Gut erwartet.

Jedoch bringt es Nichts den polierten Zeigefinger auf Nix Gut zu richten, da es in unserer Szene anscheinend zur Epidemie wird, diese falsche Toleranz zu praktizieren. Nicht erst seit zwei Wochen kranken viele Plattenlabels, Mailorder, Festivals, Konzerte, Bands und Publikum an dieser Scheiße. Viele großen Mailorder führen diesen Müll. Ein Krawallbrüder T-Shirt verkauft sich wohl besser als eins von Schleimkeim?! Bleiben wir gleich mal bei, in diesem Kontext oft zitierten, Krawallbrüdern. Wir kennen deren Biographie nicht und registrieren durchaus, dass diese im Internet immer antifaschistische Lippenbekenntnisse von sich geben, haben jedoch die Ereignisse auf dem Force Attack nicht vergessen. Wir konnten uns mit eigenen Augen von dieser widerlichen Eigendynamik überzeugen und dem Amüsement der Band darüber. Wir messen für uns seither eine Band an ihrem Publikum. Sind Menschen unbehelligt mit homophoben, sexistischen, und ausländerfeindlichen Tendenzen anwesend, kann das ja nicht von ungefähr kommen. Sicher bedarf dieses Bewertungssystem einer Überarbeitung, denn eine Band kann nicht in die Köpfe ihrer Zuschauer blicken, und vielleicht auch Entwicklungen im Publikum schlicht nicht registrieren. Aber im Fall der Krawallbrüder deren Publikum: "Ein Baum, ein Strick,..." skandierte, und dafür von der Band abgefeiert wurde, verstehen wir keine Ironie oder Sarkasmus, sollte dies noch im besten Fall beabsichtigt worden sein. Wir sagen Konzerte und Festivals in deren solche Bands das Line-Up zieren ab. Große Bühnen, wie auch das Force Attack, bieten diesen Bands und deren Publikum eine Plattform. Gründe hierfür sind wohl wieder erneut ökonomischer Natur. Der Veranstalter weiß eine Band zieht Publikum, also wird sie gebucht und deren Positionen, als auch des Publikums, sind zweitrangig. Für viele wird es wohl erst ab Landser und Endstufe kritisch. Aber auch viele eigentlich großartige Bands bekleckern sich nicht mit Ruhm, indem sie mit diesem Klientel die Bühne teilen. Zuschauer verhalten sich nicht rühmlich und besuchen solche Festivals und geben dem Veranstalter damit den Input er macht alles richtig. Es fällt schwer auf ein Festival zu verzichten, als Band und Zuschauer, jedoch verhindert dies, dass ein Gewöhnungsfaktor für die Anwesenheit dieser Penner eintritt.

Es ist sicher schwer sich immer richtig zu verhalten; und vor falschem Verhalten sind wir selbst mit Sicherheit nicht gefeit und haben bestimmt schon alle mal einen Fehler gemacht, und machen bestimmt noch welche. Z.B. haben wir fälschlicherweise toleriert das Nix Gut Krawallbrüder verkauft. Also uns jetzt bitte nicht als Oberlehrer verstehen. Was wir meinen ist, dass es gilt sein eigenes Verhalten zu hinterfragen und durch Null Toleranz gegenüber der Grauzone dieser keinerlei Plattform in unserer Szene zu geben, um schließlich einer Verharmlosung vorzubeugen. Wir wollen es auf jeden Fall tun!

Punkrock ist kein Blumenkohl!
Null Toleranz gegenüber der Grauzone!
Nazis in den GEP!
TAKE SHiT