Taugenix_SchriftzugRil Rec berichtete bereits daß das Taugenix eingestellt wurde (link). Anlass dafür war, wie zu vermuten war, die Zusammenarbeit zwischen Frei.Wild und Nix Gut. Da kam die Redaktion um Steff nicht mit dem Herausgeber überein. Logische Konsequenz das Aus nach 3 Jahren. Vom Zeitpunkt her war man beim Taugenix gerade an dem Punkt angelangt, dass man als Deutschpunkfanzine ernst genommen wurde. Zum Taugenix-Ende führte ich dann dieses Interview mit Steff, dem Chefkoordinator des Taugenix Fanzines.

Steff, vielleicht erzählst du mal kurz etwas über dich. Wie alt bist du? Als Deutschpunk-Vertreter darfst du ja höchsten 17 Jahre alt sein... und was hast du vorm Taugenix so getrieben?

17 Jahre wäre ich zwar gerne noch mal, aber in meinem Personalausweis steht die traurige Wahrheit schwarz auf grün. Ich bin Baujahr 72. Vor dem Taugenix habe ich als Spediteur gearbeitet und nebenbei für das E-Zine Work Together geschrieben, welches vielleicht noch ein paar wenige kennen. Nebenbei versuche ich mich seit einigen Jahren als Musiker, habe eine nette Frau und eine bezaubernde Tochter.

 

Wie bist du dann dazu gekommen, das Taugenix zu machen?

Jürgen (Nix Gut) und ich kannten einander und irgendwann sprach er mal die Idee eines Deutschpunkfanzines aus. Ich war davon recht angetan, da ich zum damaligen Zeitpunkt oftmals das Gefühl hatte, dass Deutschpunk in vielen Fanzines nur noch eine Randnotiz war. Na ja, und um Dinge zu ändern, muss man bekanntlich selbst die Initiative ergreifen. Ich hatte schließlich die Zeit, die er nie gehabt hätte und konnte aufgrund meiner vorangegangenen E-Zine Tätigkeiten gut mit der Tastatur umgehen und er hingegen hatte die finanziellen Möglichkeiten, bzw. das finanzielle Risiko, welches man bei so einem Vorhaben immer im Hinterkopf haben muss, nicht gescheut, so dass jeder von uns seinen Teil dazu beigetragen hat, um das Taugenix schließlich ins Leben zu rufen. Nicht zu vergessen natürlich die anderen Schreiberlinge, welche auch schnell gefunden waren und das Heft entscheidend mitgeprägt haben. Vielleicht sollte man an dieser Stelle noch erwähnen, dass keiner von uns jemals zuvor für ein Print Zine gearbeitet hat und ehrlich gesagt empfand ich, rückblickend sowie selbstkritisch betrachtet, die ersten 3 Ausgaben für mich persönlich auch nicht unbedingt befriedigend. Aber ich denke, mit den Aufgaben und den Monaten ist auch das Taugenix gewachsen, und der Zuspruch und das Interesse am Heft, ist nach dem ersten, meiner Meinung nach durchschnittlichen Jahr, deutlich und stetig gestiegen.

 

Inwieweit konntet ihr denn beim Taugenix immer eure eigenen Themen machen?

Was die Themen anging, lief das immer unabhängig und mir/uns hat nie einer in irgendwas reingeredet. Klar kamen mal Vorschläge und klar wurde auch mal die Labelband, die gerade ein neues Album draußen hatte, etwas gehypt. Aber gerade letzteres ist ja eigentlich völlig normal bzw. selbstverständlich, wenn am Label noch ein Fanzine dranhängt oder umgekehrt. Da gab´s für die Neuveröffentlichung schon mal einen Platz auf der Heft CD oder ein Interview, aber anders werdet ihr das mit der Bombe und euren Labelbands ja auch nicht handhaben. Das einzige wo der Herausgeber (also Nix Gut) die Finger drauf hatte, war die Werbung. Das brachte zwar manchmal, speziell die Festivalflyer betreffend, leichte Kopfschmerzen für mich und andere Schreiberlinge mit sich, da auf diversen Festivalflyern auch Bands aufgeführt waren, denen wir im Heft nur ungern Platz einräumen wollten - auch nicht durch eine Werbevorlage, aber das war halt nicht unser Aufgabenbereich und der Deal, einander nicht groß reinzureden. Kurz zusammengefasst: Um Werbung und Herausgabe kümmerte sich Nix Gut und um die Themenauswahl wir.

 

Ich denke mal, daß man mit dem Taugenix nicht wirklich Geld verdienen konnte (kenne das ja von Plastic Bomb Fanzine zur Genüge). Aber trotzdem die Frage: Warst du Angestellter von Nix Gut oder war die redaktionelle Arbeit privates Vergnügen?

Mit dem Taugenix wurden definitiv keine Gewinne erwirtschaftet und ich denke in Zeiten, wo das Internet immer mächtiger wird, geht es anderen Fanzines ähnlich. Euer eigenes Bespiel hast Du ja gerade schon angesprochen. Ich war zwar kein Angestellter von Nix Gut, aber ich müsste Lügen, wenn ich für meine Dienste nicht in irgendeiner Form entschädigt worden wäre. Natürlich stand dass in keinem Verhältnis zu den Stunden, die ich ins Heft investiert habe, aber das empfinde ich auch als zweitrangig, denn die redaktionelle Arbeit wurde, trotz unzählbaren stressigen Minuten, größtenteils mit Vergnügen erledigt.

 

Das Fass für viele Menschen zum Überlaufen gebracht, hat die Frei.Wild - Geschichte. Das ganze wurde zur Glaubwürdigkeitsprobe für viele. Inwieweit sahst du dich unter Handlungsdruck und hätte man der Argumentation von Nix Gut nicht folgen können? Ich meine, unterm Strich reduziert man Nix Gut damit doch auch auf diese Geschichte. Fehler machen doch alle mal!

Fehler machen auch alle mal und Fehler sind auch menschlich. Aber was Fehler sind und was nicht, muss jeder aus seinem eigenen Blickwinkel beurteilen. Für Nix Gut oder diejenigen, die Frei.Wild, bzw. ihrem Sänger, den Sinneswandel abnehmen, ist es kein Fehler - für mich oder andere allerdings schon. Selbstverständlich hat jeder Mensch eine zweite Chance verdient und auf den Frei.Wild Sänger bezogen, der ja angeblich schon eine rechte Vergangenheit hatte, bekommt dieser sogar noch eine dritte. Das man dem so genannten “Wiederholungstäter“ jetzt kritisch, distanziert und mehr als skeptisch gegenübersteht, ist deshalb wohl verständlich. Meiner Meinung nach kann so ein Sinneswandel auch nicht so abpruppt vollzogen werden, sondern bedarf eines längeren Prozesses, so dass mir persönlich die Glaubwürdigkeit fehlt. Auch hab ich nirgendwo in Erfahrung bringen können, dass sich jemals vom Parteiprogramm der Freiheitlichen distanziert wurde, denn bereut wurde meines Wissens nach, nur die Mitgliedschaft in einer politischen Partei. Das die Security auf Frei.Wild Konzerten angeblich überempfindlich auf rechte Tendenzen reagiert ist zwar ne´ feine Sache, aber allein die Tatsache, dass rechtsoffene Idioten solche Konzerte besuchen, zeigt ja auch auf, dass man als Band irgendwas verkehrt machen muss, denn der Konzertbesucher sollte sich ja schon in irgendeiner Form mit der Band auf der Bühne oder deren Texten identifizieren können. Gründe die dagegen sprechen, gibt’s für mich also genug, weshalb nach meiner Auffassung eine Grenze überschritten wurde und ich schon allein aufgrund meiner politischen Einstellung die Reißleine, sprich die Konsequenzen ziehen musste. Ob man Nix Gut jetzt allein auf diese Geschichte reduziert? Es macht schon manchmal den Eindruck! Das Nix Gut aufgrund ihres “Imperiums“ sicherlich einige Neider haben, spielt dabei vielleicht auch keine unwesentliche Rolle und wenn ein Gegner erstmal angeschlagen ist, fällt das draufhauen auch leichter. Vielleicht geht es bei einigen auch gar nicht speziell um die Frei.Wild Geschichte, sondern einfach nur darum “gegen Nix Gut“ zu sein. Vielleicht misst man auch einfach nur mit zweierlei Maß, wer weiß. Alles Vermutungen, die man ruhig mal in den Raum stellen kann. Trotz der Entscheidung dem Taugenix ein Ende zu setzen, sehe ich es jedenfalls als Fehler an, Nix Gut komplett auf die Frei.Wild Geschichte zu reduzieren und möchte diesbezüglich auch nicht unnötig mit Dreck werfen. Natürlich stoßen die Nix Gut / Frei.Wild Geschäftsbeziehungen bei mir auf totales Unverständnis und natürlich habe ich darüber auch Kritik geäußert, bzw. die für mich logische Konsequenz gezogen, aber auf einer fairen Ebene ohne große Streitigkeiten und ohne dabei zu vergessen, dass Nix Gut viel für die Szene, speziell für den Nachwuchs dieser Szene getan hat. Von der Hakenkreuzaffäre mal ganz zu schweigen. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass die Verantwortlichen die ganze Sache überdenken und ihren Entschluss korrigieren. Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert und ich befinde mich auch nicht in der Position, um in geschäftspolitische Entscheidungen reinreden zu können. Andy und Jürgen haben da einfach andere Sicht- und Denkweisen und so konnten wir in dieser Geschichte nicht mehr auf einen Nenner kommen. Noch mal kurz nebenbei und von ihrer Entscheidung mit Frei.Wild mal abgesehen, hab ich vollsten Respekt für das, was sie sich aufgebaut haben und schätze die beiden als nette Menschen weiterhin.

 

Aktuell gab es ja eine enorme Erwartungshaltung an den nächsten Taugenix. Gerade zum Thema Frei.Wild wurde da Klartext erwartet... war da was geplant?

Eine klare und deutliche Distanzierung war anfangs geplant und wurde als Voraussetzung zum weitermachen gestellt. Jedoch war beiden Seiten schnell klar, dass das Taugenix sich mit der Distanzierung von der Nix Gut / Frei.Wild Geschäftsbeziehung auch automatisch von Nix Gut als Herausgeber distanzieren würde. Es wäre also unlogisch, inkonsequent und unfair gewesen, Nix Gut in diesem Punkt vor die Tür zu scheißen, sie aber auf der anderen Seite für die Herausgabe des Taugenix zu missbrauchen. So blieb letztendlich nur der Weg der Trennung übrig.

 

War die Einstellung des Taugenix in beidseitigem Einvernehmen, wie man so schön sagt? Was sagen die anderen Schreiber dazu?

Tja, natürlich ist bei einigen vielleicht eine kleine, mittlerweile vertrocknete Träne im Knopfloch, denn immerhin war es ja eine harmonische Zusammenarbeit von fast 3 Jahren, aber den Entschluss einen Schlussstrich zu ziehen, konnte jeder nachvollziehen. Ich würde mal behaupten, so gut wie alle Taugenix Schreiberlinge (bzw. ehemaligen Taugenix Schreiberlinge) sind politisch interessiert, teilweise auch politisch aktiv und vertreten einen klaren politischen Standpunkt, so das wir alle ungefähr auf einer Linie waren und sind. Auf die Frei.Wild Sache haben eigentlich alle mit Unverständnis reagiert, nur halt jeder auf eine Art und Weise. Rübi ist aufgrund seines hohen Blutdrucks sofort an die Decke gegangen (wie man ja bei Euch an andere Stelle nachlesen kann) und Chris, der ja anfangs noch versucht hat Schadensbegrenzung zu betreiben, hat auch einiges interessantes zu dem Thema kundgegeben. Auch die anderen äußerten ihre Enttäuschung, jedoch auf anderem Wege. Eine zeitlang sah es auch so aus, dass wir uns noch mit einer Ausgabe verabschieden wollten, da die meisten Berichte und Interviews ja schon im Kasten waren, aber wenn du schon im Vorfeld weißt, das es eh die letzte Ausgabe sein wird, ist es auch schwer sich selbst noch zu motivieren, finde ich zumindest. Ich denke, die meisten Schreiberlinge hatten den Gedanken vom endgültigen Ende des Taugenix schon 1-2 Wochen im Hinterkopf getragen, weshalb es auch nicht allzu überraschend kam.

 

Da ist jetzt einiges an Porzelan zerschlagen... und viel von jahrelanger Zusammenarbeit ist auf einmal hin... aber ich höre auch oft die Einschätzung, daß es dem gemeinen Punkkonsumenten scheißegal ist... im Gegenteil, mancher kokettiert auch gerne mit ein bissken Rechts. Wie schätzt du die Mehrheit Szene ein? Unpolitische Hedonisten oder ist da doch noch was....

“Die Szene“ ist so ein großes unübersichtliches Wort, aber wenn ich es Anhand der Bespiele messe, die mir auf einen Schlag so einfallen, würde ich schon zu dem Ergebnis kommen, dass mehr als 50% der Szene gleichgültig sind, obwohl, vielleicht hält es sich auch die Waage, schwere Frage. Oftmals wird ja nur die Anzahl der Biere hinterfragt, die man in sich reinschüttet, aber dann hört es auch schon auf. Ich denke Kritikpunkte gibt´s genügend und diese anzusprechen finde ich auch wichtig, da auch Kritik zeigt, dass die Szene lebendig ist und sich einen Kopp macht. Ein Thema, mit dem man sicherlich mehrere Seiten füllen könnte und zu dem es bestimmt super viele verschiedene Ansichten gibt. Gleichgültig sind wir sicherlich in diversen Punkten alle mal, aber solange wir antirassistisch, antifaschistisch und antisexistisch denken und handeln, ist das schon mal die halbe Miete. Die andere Hälfte der Miete erreichen wir meiner Meinung nach nur, wenn wir der Grauzone den Riegel vorschieben. Genauer gesagt denjenigen, die linke und rechte Politik gleichsetzen und über einen Kamm scheren, denjenigen, die sich beim Thema Heimatliebe klar positionieren können, denen aber eine politische Festlegung verdächtig schwer fällt, denjenigen, die vor der Bühne “Ein Baum, ein Strick, ein Antifagenick“ singen und und und

 

Was hast du für die Zukunft geplant. Ein eigenes Fanzine? Das Taugenix hat ja gerade bei den letzten Ausgaben eine Menge Lob eingeheimst... es hat sich sozusagen gemacht. Es wäre ja schade, wenn das so versandet...

Schade wäre es auf jeden Fall, aber so wird’s laufen. Das Taugenix ist Geschichte und wird langsam versanden. Da ich natürlich Musik liebe, werde ich mich auf weiterhin damit beschäftigen. Ich werde mir im nächsten Monat wieder ein E-Zine aufbauen und 2-3 ehemalige Taugenixe werden vielleicht auch mit am Start sein. Dort soll es dann weiterhin Interviews, Berichte, News und Besprechungen geben. Auch die, die eigentlich für die kommende Taugenix Ausgabe geplant waren, werden dort veröffentlicht. Das Gesamtbild wird dann vielleicht einen etwas kleineren Rahmen haben, aber dafür wird’s geschmeidiger und stressfreier und blickt auch über den Deutschpunktellerrand. So ist es zumindest geplant.