LeoLogoLEO & THE LINEUP gehören neben BABYLOVE & THE VAN DANGOS definitiv zu den heißesten Ska und Reggae-Importen aus dem kühlen Dänemark. Die neunköpfige Formation hat zwar ebenso wie zuvor erwähnte Kollegen ne gute Portion Soul auf Tour & Tonträgern mit dabei und die Einflüsse von LEO & THE LINE UP sind ebenfalls breit gefächert, der gesamte Ansatz ist meiner Meinung nach aber insgesamt doch etwas traditioneller. Beide Bands haben übrigens noch eines gemeinsam, nämlich dass sowohl LEO & THE LINE UP, als auch BABYLOVE & THE VAN DANGOS beide aus Kopenhagen kommen. Am 21. Januar treten die famosen Dänen übrigens auf dem großartigen „Ruhrpott Ska Explosion“-Festival in Dortmund auf, wo der geneigte Hörer die Damen und Herren auch mal wieder außerhalb ihrer Heimat livehaftig erleben kann. Das übrige Line-Up neben LEO & THE LINE UP kann sich selbstverständlich ebenfalls wieder mehr als sehen lassen. MR. SYMARIP (aka Roy Ellis) with THE HURRICANES (spielen Mitglieder der AGGROLITES mit), die RUTS DC, THE VALKYRIANS, LOS PLACEBOS, THE TALKS und einige andere (nicht minder interessante) Kapellen & Künstler spielen (bzw. spielten, wenn das Ding gedruckt ist) diesen Freitag ebenfalls im Dietrich-Keuning-Haus zum ekstatischen Tanze auf. Für ortsfremde Menschen mit einer Affinität für karibische Klänge ist die Leopoldstraße übrigens die U-Bahn-Haltestelle der Wahl, hält quasi direkt vor der Tür des Veranstaltungsortes dat Teil...

PLASTIC BOMB: Ihr habt ja bei LEO & THE LINEUP ein ziemlich großes Line Up, wie schwer ist es denn mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammen auf Tour zu sein?

Mikkel: Das geht ehrlich gesagt um einiges einfacher, als es die meisten Menschen erwarten würden. Echt jeder packt mit an und wir wechseln uns auch beispielsweise auf längeren Fahrten am Lenkrad ab.Wir sind außerdem ziemlich glücklich, dass uns Freunde der Band ständig begleiten, wenn wir auf Tour sind, Fotos machen und mit uns einen heben. Die Kalender aller zu synchronisieren, kann allerdings schon recht herausfordernd werden, als Band mit so vielen Mitgliedern. Gottlob gibt es Doodle (Anmerkung: Doodle (vom Englischen to doodle für „kritzeln“) ist ein kostenloser Online-Dienst zur Erstellung von Terminumfragen oder einfachen Online-Umfragen. (Wikipedia))! Hm, mal sehen, wie das dann soist, wenn unsere neueste Leonette mit Namen Barbara mit uns die nächsten Monate zusammen auf Tour ist, vielleicht hat sie danach darauf eine ganz andere Perspektive, wenn sie uns erst mal ausgehalten hat, wenn wir alle die ganze Zeit über Vollgas geben! :-)

PLASTIC BOMB: Seid ihr denn insgesamt ziemlich organisiert als Gruppe, oder benehmen sich auch einige Bandmitglieder eher chaotisch, wie sieht das denn mit nervigen Angewohnheiten aus, wenn man mit so vielen Leuten auf meist ziemlich wenig Platz zusammen so viel Zeit verbringt?

Mikkel: Organisiert!... Mehr oder weniger :), selbstverständlich gibt es da einige nervige Angewohnheiten, aber wenn man schon so viele Jahre gemeinsam unterwegs und zusammen ist, lässt du einfach nicht zu, dass dir solche Kleinigkeiten wirklich was ausmachen. Maja ist auf jeden Fall unsere Band-Mama, diejenige die sich immer kümmert und für alle auch immer irgendwelche „Erste-Hilfe-Gesundehits-Kästen“ dabeihat. Das ist wirklich lebensrettendes Zeugs und echt eine GROßARTIGE ANGEWOHNHEIT.

PLASTIC BOMB:...und wie steht es um die Chemie innerhalb der Band, wenn es um so Sachen wie das Aufnehmen eurer Sachen geht, wer schreibt bei euch denn die Songs?

Mikkel: Ziemlich gut. Wir haben schon alle möglichen Arten ausprobiert, um unsere Songs aufzunehmen, aber am Ende landen wir immer wieder dabei, dass unsere Rhythmus-Sektion zuerst zusammen die Sachen live einspielt und danach kommen dann die Vocals, Leonettes und verschiedene Over-Dubs. Manchmal kommt Kevin mit einem kompletten Song in den Proberaum und bisweilen aber auch nur mit einer Idee, wo wir dann alle unseren Teil dazu beitragen, dass am Ende dabei der besondere LTL-Sound rauskommt.

PLASTIC BOMB: Gab es da bei euch so etwas wie eine Art von Masterplan, habt ihr gezielt geplant eure spezielle Mischung aus Ska, Reggae und Soul zu kreieren, oder is LEO & THE LINEUP quasi einfach so passiert?

Mikkel:Als wir damals angefangen haben, hatten wir bereits eine ziemlich schwierige Entscheidung getroffen, nämlich keine Bläsersektion in unsere Band aufzunehmen. In der Welt des Ska und Reggae ist das wahrlich kein leichtes Unterfangen. Tatsächlich war es die Idee von Kevin, drei Girls bei uns vorsingen zu lassen und wir haben uns ehrlich gesagt auch sofort verliebt. Wir alle teilen nämlich die gleiche Liebe zur Soul-Musik und das beeinflusst auch definitiv unseren Sound.

PLASTIC BOMB: Die meisten Menschen auf der Welt werden wahrscheinlich nicht zuerst Ska, Reggae & Soul ins Gedächtnis kommen, wenn sie an Dänemark denken, wie bist du denn mit dieser Art von Musik in Berührung gekommen?

Mikkel:Für mich hat die ganze Sache im Teenageralter mit dem ganzen 2-Tone Zeug aus Schweden angefangen. LIBERATOR, SKALATONES etc., aber auch Bands aus Dänemark wie DUCKSOUP und NAPOLEON SOLO waren dabei.

PLASTIC BOMB: Ihr habt ja zusammen mit NAPOLEON SOLO auch eine Split gemacht. Wer hatte denn die Idee zu der Sache und warum ist es eine 7“ zum Thema Weihnachten geworden?

Mikkel Chuck von Jump Up Records hat unser letztes Album („Hit The Streets) auf Vinyl veröffentlicht. Er hat uns gefragt, ob wir daran interressiert wären eine 7“ Single mit unseren, auch aus Dänemark stammenden, Kollegen von NAPOLEON SOLO zu machen. NAPOLEON SOLO hatten übrigens ihren Song „Merry Christmas Everbody“ in digitaler Form bereits 2015 releast, deshalb haben sie auch sofort zugesagt.Christian Ki Dall hatte unser aktuelles Album zuvor gemischt und wir mochten wirklich seinen oldchool Ansatz, also haben wir uns gedacht, dass das Ganze ne prima Gelegenheit wäre, nicht nur dort was zu mischen, sondern die Sachen gleich in seinem Studio aufzunehmen. Wir mussten uns dazwischen entscheiden, entweder ein Cover aufzunehmen, oder einen völlig neuen Song zu schreiben und einen „neuen“ Song zu schreiben, schien uns zunächst deutlich einfacher, aber hat uns in Wirklichkeit fast getötet. Wir haben "Christmas Without You" bestimmt auf 1000 unterschiedliche Arten probiert zu spielen, bevor die Version zu entstand, die auf der Single zu hören ist. Der Song hat echt Blut, Schweiß und Tränen gekostet, aber bevor wir uns alle gegenseitig die Köpfe abgerissen haben, sind wir schließlich bei der finalen Version gelandet und wir sind wirklich sehr happy mit dem Endergebnis.

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PLASTIC BOMB: Würdet ihr sie als musikalischen Einfluss bezeichnen, obwohl der Sound von NAPOLEON SOLO ja eher in die 2 Tone Ecke geht, als eurer eher traditioneller und Soul beeinflusster Ansatz und wie wichtig war ihre Musik in den Augen, wenn es darum geht ursprünglich jamaikanische Töne in Dänemark populärer zu machen?

Mikkel:NAPOLEON SOLO haben und hatten in Dänemark eine RIESEN Einfluss auf die Szene in Dänemark. Ich werde immer noch ein bisschen von der Aura der Stars aus der Bahn geworfen (für „starstruck“ finde ich momentan keine bessere Umschreibung), wenn wir zusammen abhängen, oder wir uns auf Konzerten sehen. Ich meine, dass sind irgendwie schon die Großväter des dänischen 2-Tone. Ich habe wirklich zu den Kerlen aufgeblickt, als ich angefangen hab zu spielen und tue das auch noch immer.

PLASTIC BOMB: ...und wie steht es heutzutage um die Ska- und Reggae-Szene in Dänemark? Gibt es irgendwelche frischen & neuen Talente bei euch, die du guten Gewissens weiterempfehlen könntest?

Mikkel:Nein, traurigerweise nicht, nur wir alten Typen und noch ältere Typen, zumindest nicht, wenn es um die Genres Ska und Early Reggae geht.

PLASTIC BOMB: Ihr habt ja auch letztes Jahr auf dem „This Is Ska“-Festival in Rosslau gespielt, wie hat euch denn die eher besondere Atmosphäre mit dem Wasserschloß und so gefallen?

Mikkel:WIR LIEBEN DAS THIS IS SKA! Wir haben das große Glück gehabt bereits das 2. mal dort zu spielen, beides mal absolut FANTASTISCH. Ich liebe die gesamte Szenerie und auch die Crew, wir haben immer eine höllische Party auf diesem Festival und außerdem packen sie ja auch anscheinend und sehr kontinuierlich wirklich große Namen auf ihre Liste.

PLASTIC BOMB: Weil wir gerade von Konzerten sprechen, ihr spielt ja auch demnächst auf dem Ruhrpott Ska Explosion, der Teil der Stadt wo der Konzertort ist, sieht nicht gerade wie ein Wasserschloß aus, die Nordstadt wird von irgendwelchen rechten Politikern und Journalisten, die da selbstverständlich nicht leben, gerne fälschlicherweise als sogenannte No Go Area bezeichnet, was sind denn da so eure Erwartungen?

Mikkel:Wenn ich mir Liste der Bands anschaue, die auf dem Festival spielen, würde ich auf jeden Fall behaupten, dass wir in bester Gesellschaft sind .Ich hab einfach Bock auf ein Festival, das einen so guten Ruf genießt wie das „Ruhrpott Ska Explosion“ und mit einem Line-Up wie in diesem Jahr, wird das auch definitiv fantastisch.

PLASTIC BOMB: Wenn LEO & THE LINEUP ein Film und kein Band wären, wer wäre denn der Regisseur, zu welchem Genre würde der Film gehören und wer würde euch spielen?

Mikkel:Das ist aber echt ne harte Frage, Ich hätte gerne, dass Anthony Hopkins einen 60er Jahre Polizei-Aktion-Film drehen würde und das Peter Falk (er möge in Frieden ruhen) alle Mitglieder der Band spielen würde.

PLASTIC BOMB: Abschließend noch eine der unbeliebtesten Fragen, die man einer Band angeblich stellen kann, wie sieht es denn mit interessanten Tour-Geschichten aus, irgendwelche seltsamen Begegnungen, oder besonders beschissene Veranstaltungsorte, welche ihr bisher in eurer Bandlaufbahn zusammen erleben durftet?

Mikkel:Gut... einige unserer Tour-Stories sind auf unserem You-Tube Profil dokumentiert (Roadmovies -> youtube.com/thelineupdk), während andere wohl gehütete Geheimnisse sind, so wohl gehütet, dass sie noch nicht mal in irgendwelchen KGB-Unterlagen auftauchen! Seltsame Begegnungen und beschissene Veranstaltungsorte... gab es VIELE, aber anstatt hier irgendjemanden an den Pranger zu stellen, würde ich viel lieber die Gelegenheit nutzen, einige Orte zu nennen, die wirklich in positiver Hinsicht herausstechen: C-Keller (Weimar), Ilvers (Erfurt), Supamolly (Berlin), Cross Club (Prague), Kasablanca (Jena), Park Club (Fürstenwalde) und noch einige mehr...

PLASTIC BOMB: Irgendwelche letzten Worte?

Mikkel:Danke fürs lesen! Checkt mal, wie bereits oben schon erwähnt, unser You-Tube Profil aus und folgt der Band auf Facebook und Instagram #leoandthelineup! Passt auf euch auf!

PLASTIC BOMB: Danke fürs Interview!

-Interview von Basti via E-Mai, geantwortet hat Mikkel Wind-Pedersen (Drums)l-