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Vor zehn Jahren hätte man ihren Sound wohl Emo genannt. Heute wohl am ehesten Post-Punk. Oder doch Indie Rock? Oder auch einfach… Punk? Wie auch immer. Die Richtung, in die Turbostaat gehen, ist derzeit ziemlich angesagt. Allerdings spielen sie ihren emotionalen Punkrock schon seit 15 und nicht erst seit zwei oder drei Jahren. Aus der Post-But Alive/Dackelblut/Muff Potter-Generation der 90er Jahre haben sie den verkopften und gefühligerem Deutschpunk als einer der ersten in die Nullerjahre rüber gerettet und damit wohl viele Kids in Studenten-WGs in meist mittelgroßen Unistädten inspiriert, ihre eigene Band zu starten, die statt Shirts Jutebeutel als erstes Bandmerch druckt.

Geplant war das sicher nicht. Turbostaat reagieren eher verwundert und norddeutsch bescheiden, wenn man sie nach ihren Plänen oder Zielen fragt. Vielleicht neben ihrer Freundschaft auch ein Grund, warum sie nach 15 Jahren immer noch Musik machen. Und weil sie immer noch irgendwie die unprätentiösen Punker aus Flensburg sind.

Am 29. Januar kommt ihr neues Album raus. „Abalonia“ heißt es und anlässlich dessen trafen wir sie beim Punk im Pott-Festival mit Marten und Jan zum Interview. Hier gibt es schon mal einen Ausschnitt. Das ganze Interview ist dann in der nächsten Plastic Bomb.

Philipp

Fangen wir ganz vorn an. Beim Titel: Nach einer aufwändigen Internetrecherche mittels Google habe ich festgestellt, dass Abalonia eine kleine Pension im US-Bundesstaat Maine ist. Warum war euch die so wichtig, die zu besingen?

Marten: Es ist eigentlich ein Wort, dass Frank Black von den Pixies immer als Füllwort verwendet hat und ich fand das eben interessant. Es ist außerdem noch eine Sandbank vor Kalifornien, auf der mal eine Monarchie ausgerufen werden solle. Aber es kommt eigentlich von gar nichts. Ich dachte mir, wenn es nichts bis auf eine Pension gibt, ist das doch schon mal gut. Eigentlich sollte man nichts ergooglen können. Aber erst einmal werden die Liedertitel gemacht und dann ist uns aufgefallen, dass es vielleicht auch ein guter Plattentitel wäre.

Mir ist aufgefallen, dass ihr wieder, wie bei einigen Platten zuvor, das Album nach dem letzten Lied benannt habt. Bei euren letzten beiden Alben habt ihr das nicht gemacht. Warum habt ihr diese Tradition wieder aufgenommen?

Jan: Wir könnten jetzt was behaupten und wilde Geschichten dazu spinnen…
Marten: …aber tatsächlich ist das purer Zufall. Eigentlich gibt es wenig Konzept. Wir hatten immer Freude daran, unseren Liedern Quatschnamen zu geben. Jetzt haben wir uns an normalen Namen versucht, weil wir mal dazu Lust hatten. So eine richtige Agenda oder einen Plan hatten wir nicht.
Jan: Im Endeffekt heißen die Lieder sie so, damit sie nicht Lied 1, Lied 3, Lied 3 und so weiter heißen müssen.

ts abalona coverEinige Lieder, wie „Die Arschgesichter“, sprachen eine relativ deutliche Sprache und der Adressat ist klarer als bei anderen Liedern. Würdet ihr so weit gehen, euch als politische Band zu definieren?

Jan: Jeder ist ja politisch.

Naja, manche streiten das ja auch vehement ab.

Jan: Selbst damit sind sie ja wieder politisch und haben eine Haltung. Aber Politik findet bei uns eher im privaten Bereich statt. Klar spielt sowas in die Musik und in die Texte mit rein. Aber wir haben uns nie als Band verstanden die auf die Bühne geht und Zeigefingeransagen macht. Das können andere Bands besser. Aber da jeder Mensch politisch ist verstehe ich mich auch als politischer Mensch in einer politischen Band. Es ist wie es ist: Alles, was du machst, hat Auswirkungen.

Auf der anderen Seite gibt es dann auch Lieder die wieder eher persönlich sind. Gut, ihr habt jetzt schon gesagt, dass ihr euch um vieles gar nicht so große Gedanken macht aber ich frage trotzdem: Haltet ihr bewusst eine Waage zwischen den Texten?

Marten: Man schreibt halt über das, was einen so begegnet und was man verarbeitet. Manchmal sind das politische, manchmal persönliche Sachen, manchmal ist es beides zusammen. Meistens ist es beides zusammen. Halt gesellschaftliche Dinge.

Beim Hören von Abalonia fand  ich, dass es weniger treibend, aber wütend klingt. Täuscht das?

Marten: Wir sind immer noch sauwütend, haha. Es passieren ja jeden Tag so viele Sachen, über die man wütend wird. Also kann man immer noch wütende Musik machen.

Ihr habt das Album mit Moses Schneider aufgenommen, der für seien ungewöhnliche Liveaufnahmen bekannt ist. Warum bevorzugt ihr diese Art, Platten aufzunehmen?

Marten: Wenn man die Lieder so aufnimmt, muss man die vorher fertig haben. Das ist super. Es ist ja erst mal komisch, wenn man ins Studio geht und da ist dann alles zunächst fremd und es klingt auch anders wie im eigenen Proberaum. Wenn man live aufnimmt, macht man halt alles, wie man es die ganze Zeit geübt hat. Ich halte das für einen guten Weg. Und es günstiger. Außerdem gerät man nicht in dieses Tal der Optionen, wie Moses immer sagt. Man macht nicht aus Versehen ein Album, was man live nicht umsetzten kann.

Euer Albumcover korrespondiert ja immer mit dem, was auf dem Album ist, sehr korrespondiert. Wie passt das Cover von Abalonia zum Albuminhalt?

Jan: Das hat ein Freund von uns gemacht und wir fanden es sofort super. Wir fanden das mit dieser zerbrochenen Linse und diese Unschärfe super, weil das was auf der Platte drauf ist, ja auch oft sehr unscharf und diffus ist. Viel mit Hall und viel Delays. Viel Unklarheit.
Marten: Normalerweise macht Tobi unsere Cover, aber der hat so viel um die Ohren, dass er es nicht geschafft. Dann haben wir jemanden namens Stefan gefragt und der erste Entwurf von Stefan war super. Das kommt nicht so häufig vor, dass fünf Leute in einer Band auf Anhieb sagen: Wie geil! Aber das war so ein Moment.

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Den Rest des Interviews gibt es dann in der Plastic Bomb #94.

Die Fotos sind von Andreas Hornoff

Zum Titel: Nach einer aufwändigen Internetrecherche mittels Google habe ich festgestellt, dass Abalonia eine kleine Pension im US-Bundesstaat Maine ist. Warum war euch die so wichtig, die zu besingen?

Marten: Es ist eigentlich ein Wort, dass Frank Black von den Pixies immer als Füllwort verwendet hat und ich fand das eben interessant. Es ist außerdem noch eine Sandbank vor Kalifornien, auf der mal eine Monarchie ausgerufen werden solle. Aber es kommt eigentlich von gar nichts. Ich dachte mir, wenn es nichts bis auf eine Pension gibt, ist das doch schon mal gut. Eigentlich sollte man nichts ergooglen können. Aber erst einmal werden die Liedertitel gemacht und dann ist uns aufgefallen, dass es vielleicht auch ein guter Plattentitel wäre.

Mir ist aufgefallen, dass ihr wieder, wie bei einigen Platten zuvor, das Album nach dem letzten Lied benannt habt. Bei euren letzten beiden Alben habt ihr das nicht gemacht. Warum habt ihr diese Tradition wieder aufgenommen?

Jan: Wir könnten jetzt was behaupten und wilde Geschichten dazu spinnen…

Marten: …aber tatsächlich ist das purer Zufall. Eigentlich gibt es wenig Konzept. Wir hatten immer Freude daran, unseren Liedern Quatschnamen zu geben. Jetzt haben wir uns an normalen Namen versucht, weil wir mal dazu Lust hatten. So eine richtige Agenda oder einen Plan hatten wir nicht.

Jan: Im Endeffekt heißen die Lieder sie so, damit sie nicht Lied 1, Lied 3, Lied 3 und so weiter heißen müssen.

Einige Lieder, wie „Die Arschgesichter“, sprachen eine relativ deutliche Sprache und der Adressat ist klarer als bei anderen Liedern. Würdet ihr so weit gehen, euch als politische Band zu definieren?

Jan: Jeder ist ja politisch.

Naja, manche streiten das ja auch vehement ab.

Jan: Selbst damit sind sie ja wieder politisch und haben eine Haltung. Aber Politik findet bei uns eher im privaten Bereich statt. Klar spielt sowas in die Musik und in die Texte mit rein. Aber wir haben uns nie als Band verstanden die auf die Bühne geht und Zeigefingeransagen macht. Das können andere Bands besser. Aber da jeder Mensch politisch ist verstehe ich mich auch als politischer Mensch in einer politischen Band. Es ist wie es ist: Alles, was du machst, hat Auswirkungen.

Auf der anderen Seite gibt es dann auch Lieder die wieder eher persönlich sind. Gut, ihr habt jetzt schon gesagt, dass ihr euch um vieles gar nicht so große Gedanken macht aber ich frage trotzdem: Haltet ihr bewusst eine Waage zwischen den Texten?

Marten: Man schreibt halt über das, was einen so begegnet und was man verarbeitet. Manchmal sind das politische, manchmal persönliche Sachen, manchmal ist es beides zusammen. Meistens ist es beides zusammen. Halt gesellschaftliche Dinge.

Beim Hören von Abalonia fand  ich, dass es weniger treibend, aber wütend klingt. Täuscht das?

Marten: Wir sind immer noch sauwütend, haha. Es passieren ja jeden Tag so viele Sachen, über die man wütend wird. Also kann man immer noch wütende Musik machen.