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BABYLOVE & THE VAN DANGOS sind in den Augen des Schreibers dieser Zeilen einfach eine Klasse für sich und zwar sowohl in musikalischer als auch textlicher Hinsicht. Nicht nur, dass die Herrschaften doch einige Klischees weniger in ihren Songs verbauen als viele Kollegen, sondern auch die schiere Vielzahl von Stimmungen, welche in der Musik von BABYLOVE & THE VAN DANGOS zum Tragen kommen, sucht einfach schlichtweg ihresgleichen. Eine ganz große Band, für die das Etikett Ska eigentlich schon fast zu klein ist. Die Kollegen sind übrigens im November hierzulande unterwegs, wo ihr euch dann selbst ein Bild von der Güte der Band machen könnt, wenn ihr denn möchtet. Wer solange nicht warten möchte oder kann, sollte zum aktuellen Album der Dänen greifen, hilft auf jeden Fall gegen die ärgsten Entzugserscheinungen. Textlich sind Songwriter Daniel und Kollegen übrigens grundsätzlich eher persönlich unterwegs. Wobei die Band, die übrigens mit den Polit-Mods von THE MOVEMENT befreundet ist, aber zu wichtigen Themen auch definitiv kein Blatt vor den Mund nimmt.

PB: Warum habt ihr euch denn den relativ martialischen Beinamen „die Soldaten des Reggae und Ska“ gegeben, bloß um die Hippies von euren Konzerten abzuschrecken, oder um die VAN DANGO (dänische Folk, Jazz, Skiffle und Blues Kapelle aus den 70ern) Reminiszenz in eurem Namen ein wenig auszugleichen, oder steckt da gar eine tiefere Bedeutung hinter dieser selbstgewählten Bezeichnung?

 Daniel: Das ist wirklich eine gute Frage, wir arbeiten in einem Genre und einer Welt, welche wirklich als „Underground“ bezeichnet werden können. Bands, die ich schon seit Jahren kenne und liebe, werden niemals das bekommen, was sie eigentlich verdient hätten und bloß weil hinter ihnen niemand mit Geld steht. Wir lieben, genauso wie diese Bands, was wir tun und betreiben unser „Kriegshandwerk“. Meilen auf der Autobahn, Stunden im Proberaum und höllisch schlechte Chancen es jemals ins Mainstream-Radio zu schaffen, was uns aber dennoch alle eint, ist eine starke Verbindung untereinander und zu unserem Publikum. Es ist harte Arbeit, aber wir erledigen das. Deshalb fühlen wir uns auf eine Art fast wie in einem Krieg gegen die Menschen, die im Musikbusiness das Geld kontrollieren und den Leuten dadurch vorschreiben möchten, was sie zu hören haben. Ich kann es echt nicht fassen, dass du die dänische Band VAN DANGO kennst! Es ist uns aber wirklich egal ob du ein Skinhead oder Hippie bist, gute Menschen sind gute Menschen und wir tun wirklich unser bestes uns ausschließlich mit dieser Art von Menschen zu umgeben! Ach so, die VAN DANGOS sind übrigens hervorragend!

PB: Habt ihr denn schon jemals ein Konzert gespielt, auf dem ein paar ältere Herrschaften anwesend waren, die euch für eine VAN DANGO-Coverband gehalten haben?

Daniel: Ich wünschte mir ehrlich, das wäre schon mal passiert, aber leider ist bisher nicht derartiges vorgefallen. Wir haben aber auch schon vor älteren Leuten gespielt und bis jetzt sind wir auf jeden Fall ein Hit bei den Senioren.

PB: Die Rückseite des Digipacks eures neuen Albums legt nahe, dass jemand in eurer Band kürzlich Vater geworden ist. Was ist eure Antwort auf Leute, die keine Kinder mögen und Fragen stellen wie: „Wie kann man in diese Welt nur Kinder setzen?“ Davon mal abgesehen, wie viel Nachwuchs hat denn eure Kapelle inzwischen schon?

Daniel: Meine Antwort wäre wahrscheinlich, wie kann man in dieser Welt keine Kinder haben wollen. Wir haben inzwischen insgesamt 6 und da kommen hoffentlich auch irgendwann noch viel mehr. Ich persönlich glaube, dass ein Problem, was viele Leute haben, damit zusammenhängt, dass sie zu sehr darüber nachdenken, was sie ihren Kindern beibringen sollen und nicht genug drüber, was sie von ihren Kindern lernen können. Ich glaube wirklich, dass ich inzwischen mehr von meiner Tochter gelernt habe, als mir alle meine Lehrer zuvor im Leben beigebracht haben. Es ist wirklich so, wie dieses alte Sprichwort sagt, dass man die Wahrheit aus dem Mund von Betrunkenen und Kindern erfährt.

PB: Auch wenn „einige Songs für eine Person jenes bedeuten und die gleichen Lieder etwas völlig anders für den Nächsten ausdrücken“ und eure Texte insgesamt auch eher persönlicher und abstrakter Natur sind, jedenfalls verglichen mit vielen Leuten, die einen ähnlichen Stil spielen. Habt ihr nicht vielleicht doch so etwas wie eine Message, welche ihr mit BABYLOVE & THE VAN DANGOS unter die Menschen bringen wollt?

Daniel: Du hast tatsächlich recht, dass alles was wir tun, auf jeden Fall persönlich ist. Aber wenn du wirklich jemand bist, der seine Rüstung komplett fallen lässt und den Menschen alles zeigst, was du bist und was dich ausmacht, kommen dabei selbstverständlich nicht nur deine guten Seiten zum Vorschein, die du den Menschen gerne zeigen möchtest. Dann erkennen sich die Leute ein Stück weit wieder in dir und in dem, was du tust. Ich glaube unserer Message ist einfach: „Ich bin so wie du und du bist so wie ich.“

PB: Dänemark hat im 2. Quartal des Jahres 2015 einen der größten Anstiege von Menschen zu verzeichnen gehabt, die im Land Asyl suchen. Nimmt aber insgesamt nur 1% von allen Menschen auf, welche Zuflucht in Europa suchen. Gibt es in der Bevölkerung so etwas wie ein gestiegenes Gefühl der Sympathie für Flüchtlinge? Nimmt das Mitgefühl eher zu, oder unterstützt die Mehrheit der Bevölkerung so Maßnahmen wie beispielsweise die Kürzung der finanziellen Unterstützung für Asylbewerber um diese „abzuschrecken“. Wie würdest du die Atmosphäre in deiner Heimat beschreiben?

Daniel: Ich bin in Schweden in den 80ern aufgewachsen und habe wirklich schon meinen Anteil an Neonazitum und rassistischen Schwachköpfen abgekriegt. Ich bin in einem Gebiet der Stadt aufgewachsen, welches schon immer viele Einwanderer und Menschen unterschiedlichster Nationalitäten beherbergte. Was momentan in Europa und auch Dänemark passiert, ist meiner Meinung nach das Beste, was überhaupt passieren konnte (jedenfalls was uns passieren konnte, selbstverständlich nicht den Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen). Die Debatte in Dänemark zu diesem Thema war so ermüdend und festgefahren und hatte bis dahin auch keinerlei Platz im alltäglichen Leben der meisten Menschen. Diejenigen, die sich am lautesten über die Probleme der Integration beschweren, kommen aus Gegenden, wo es fast keine anderen Ethnien gibt, nur Dänen. Die Menschen aus Syrien, welche jetzt nach Dänemark kommen, zwingen die Leute dazu sich zu einer Seite zu bekennen. Einige schreiben hasserfüllte Facebook-Kommentare und andere füllen ihre Autos mit Essen und fahren an die Grenze. Das Gute an der Sache ist auf jeden Fall, dass die Leute, provoziert durch die ganze Situation, jetzt endlich ihre wahres Gesicht zeigen.

PB: Was hat es eigentlich mit dem „Babylove Boogaloo Bash“ auf sich und plant ihr in näherer Zukunft noch ähnliche Projekte?

Daniel: Der „Babylove Boogaloo Bash“ war ein Fund Raising Event, den wir gemacht haben, um ein Dorf in Ghana namens Dzogadze zu unterstützen. Unser Drummer hat dort sehr viel Zeit verbracht. So viel Zeit, dass er sogar seinen Sohn nach dem Meistertrommler von Dzogadze benannt hat. Wir haben sowohl viele lokale Musiker beteiligt, als auch einige gute Freunde und andere dänische Kostbarkeiten der Musikwelt. Der Song „Boogaloo on brown ale avenue“ wurde auch extra für diesen Event aufgenommen. Wir haben dazu noch unser eigenes Bier aus ghanesischen Kräutern gebraut und verkauft. Alle Einnahmen wurden verwendet um eine Bücherei und Toiletten im Dorf zu bauen. Wir haben es sogar tatsächlich geschafft weitaus mehr Geld einzunehmen, als wir für unser ursprüngliches Projekt eigentlich eingeplant hatten, sodass wir zusätzlich noch eine vernünftige Straße von Dzogadze zur nächsten Autobahn bauen konnten. Wir haben gerade eben mit den Planungen zum nächsten „Babylove Boogaloo Bash“ begonnen. Höchstwahrscheinlich wird das Ganze diesmal zu Gunsten des Lawton-Viertels in Havanna sein. Wir haben viele gute Freunde, die dort leben und es ist auch eine Gemeinde Havannas, wo die Menschen zusammenhalten und wirklich hart daran arbeiten ihren Mitbürgern zu helfen. Inshallah („so Gott will“) wird es in 2016 einen Boogaloo Bash in Havannah geben.

PB: Irgendwelche letzten Worte?

Daniel: Wenn du das hier liest, dann bist du höchstwahrscheinlich eine ganz besondere Person. Mach einfach weiter was du machst und wir machen das weiter, was wir tun. Entschuldigung dafür ein wenig wie ein Hippie zu klingen, aber je älter wir werden, desto wichtiger erscheinen uns die Dinge, die man nicht für Geld kaufen kann. Wir machen das für euch und ohne euch wären wir nicht hier. Danke und holt euch ein Umarmung ab, das nächste mal, wenn wir in eurer Nähe spielen.

PB: Danke für das Interview.

Interview von Basti

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