EA80 – man liebt sie, oder man hasst sie. Im besten Fall kann man nichts mit ihnen anfangen. Ein Dazwischen gibt es auf alle Fälle nicht, und das hat sich mit der neuen Platte „Reise“ auch nicht geändert. Um herauszufinden, wohin die Reise geht, habe ich Junge, Hals Maul und Oddel im EA80 – Proberaum getroffen. Nico kam später dazu, aber da war alles schon gelaufen. Das Interview stammt aus PLASTIC BOMB #61.

PB: Wie zufrieden seid ihr mit der Reise an sich und dem Reiseverlauf?
Junge: Bisher habe ich mir echt da keine Gedanken gemacht. Aber ich denke, es ist okay. (….pause…) Auf Punkstelle.de (www.punkstelle.de) gab es eine gefakte Nachricht, dass unsere neue Platte draußen wäre, unter dem Titel Reise. Auf dem gefaktem Cover war auch ein Koffer drauf. Tja, da konnten wir doch gar nicht anders, als die neue Platte echt Reise zu nennen. Der Typ von Punkstelle konnte sich nicht einigen, ob er sich geehrt oder verarscht vorkommen sollte. Jedenfalls, wir hatten unser Grundkonzept, total super, hat mir absolut Spaß gemacht.
Oddel: Mir auch. Wir sollten jetzt öfter unvorbereitet ins Studio.
PB: Warum gibt es die Platte in einer „normalen“ und einer „deluxe“ Ausgabe?
Junge: Ich mag eben schöne Sachen. andern ist es vielleicht egal. Slowboy, die uns unterstützt haben, wollten unbedingt was mit Siebdruck machen. Gefiel mir gut. Dazu kommen noch die echten Fotos, das sind allerdings keine Unikate, sondern Abzüge von irgendwelchen Schnellschüsse.
Oddel: Genau wie das Cover der Schweinegott, wo einfach auf Martins Schuhe draufgehalten wurde.
PB: Ich finde, kaum eine andere Band hat derart persönliche Texte. Wie entsteht ein EA80 – Song?
Oddel: Das ist unterschiedlich. Eher zu Hause.
Junge: Es ist eher so, dass eine neue Platte gemacht wird, wenn genug Lieder da sind. Wir arbeiten nicht auf ein bestimmtes Erscheinungsdatum hin. Allerdings wird, wenn wir genug Songs haben, auch nicht mehr groß gesiebt, da wird dann genommen, was da ist.


PB: Eure Texte sind oft so vertrackt, wollt ihr überhaupt verstanden werden? Habt ihr nicht Angst, fehlinterpretiert zu werden?
Junge: Ich will nicht verstanden werden! Die Texte entstehen nur für mich selber, als etwas, das rausgeschrieen werden will. Dass Texte eine gewisse Außenwirkung haben, ist klar -  aber mir eigentlich nicht wichtig. Allerdings sind auf der neuen Platte 2 Texte extra nicht abgedruckt, weil die gelesen blöd klingen. Dafür sind sie aber gut zu verstehen.
PB: Wie ist die Resonanz auf die neuen Songs?
Junge: Auf den Konzerten in Mönchengladbach und in Oberhausen wurden sie jedenfalls begeistert aufgenommen. es gibt natürlich immer Leute, die mit einer neuen Platte von uns ihre Probleme haben.
PB: Oddel hat einen Song geschrieben, soweit ich weiß, ist das die Bassistenpremiere bei EA80. Wann folgt der Drummer?
Junge: Er arbeitet dran. Deshalb ist er heute nicht hier.
Oddel: Die letzten Worte des Schlagzeugers: Jungs, ich hab ein Stück geschrieben….
Hals Maul: Jedenfalls, es soll ein sehr souliges Stück werden, wir sind schon sehr gespannt.
PB: Soweit ich weiß, ist die Platte erstmals nicht von euch selbst rausgebracht. Auf der Platte findet sich aber kein Hinweis, von wem denn dann. Aufklärung bitte.
Junge: Die Platte entstand in Kooperation mit Slowboy. Aber unser Eigenanteil ist so hoch, dass man echt nicht sagen kann, Slowboy hat die Platte rausgebracht.
Was ist an Konzerten für 2007 noch geplant?
Oddel: Wir spielen am 27.10. in Wermelskirchen auf den Heartcoretagen. Und im Dezember spielen wir in Köln unsere 2 Weihnachtskonzerte.
PB: Machen wir mal einen kleinen Rückblick. Gibt es irgendwo in der Bandgeschichte einen Punkt, an dem ihr aus heutiger Sicht etwas lieber anders gemacht hättet? Wenn ja, was ?
Oddel: Für mich nicht.
Hals Maul: Nein, das war bisher alles okay so. Manches Studio hätte man vielleicht besser nicht genommen.
Junge: Das ist der Preis des alles selber machen Wollens. Zum Beispiel unbedarfte Studios.
Hals Maul: Vielleicht haben wir zu wenig Platten gemacht.
Oddel: Aber das kriegen wir noch hin.
Hals Maul: Ja, wenn ich 50 oder 60 bin. Dann habe ich wieder Zeit für so etwas.

PB: Warum gibt es bisher keine Liveplatte?
Junge:  Es gibt so viele Aufnahmen von uns, die uns hinterher sagen, dass es gut ist, dass es keine Liveplatte gibt.
Hals Maul: Ich habe ganz viele Konzerte gemacht, wo ich bis zu einem bestimmten Punkt gesagt habe, dass wäre jetzt die ideale Liveplatte und kurz darauf passiert etwas, dass es doch nicht die ideale Liveplatte ist.
Junge: Sollte es mal ein Konzert geben, das in allen Belangen passt, dann würden wir das auch raus bringen. Es gibt sehr viele Leute, die das sehr gerne hätten. Auf irgendeinem Sampler gibt es ´Innenraum´ als Livestück. Das klingt fast wie im Studio und das ist ja auch nicht der Sinn der Sache. Aber damit sich dein Interview lohnt: Nächstes Jahr gibt es eine Liveplatte in Form einer Ein-Song-Single.
PB: Welches ist eure EA80-Lieblingsplatte?
Junge: Keine.
Hals Maul: Die 202. An die ist bisher keine dran gekommen. Die hat sehr viel Atmosphäre. Ich durfte mit viel Hall spielen und es ist eine Single dabei.
Oddel: Ich würde die ´Licht´ nehmen.
Junge: Ich halte das so wie Status Quo: Die neue Platte ist immer die beste Platte.
PB: Ihr wart als Band immer ´ansprechbar´. Wie hat sich das entwickelt? Ist das noch möglich? Versucht das eigentlich noch jemand? Bekommt ihr noch normale Briefe?
Junge: Es ist sehr wenig geworden.  Kann sogar sein, dass unbekanntere Bands sogar deutlich mehr bekommen. Im Zeitalter von eMail ist das halt so.
Hals Maul: Och, ich find Briefeschreiben nicht schlecht.
Oddel: Das krasseste, das wir je zugeschickt bekommen haben, war eine lange Unterhose, die wir signieren sollten. Das fanden wir aber doof und haben stattdessen den Flur vor dem Proberaum mit der Hose gewischt. Der Typ, der sie bekommen hat, hat sie sich dennoch an die Wand gehängt.
PB: Wie demokratisch ist EA80 so als Band?
Hals Maul: Also auf keinen Fall basisdemokratisch. Entweder alle sind für etwas oder keiner. Es gibt schon mal das Problem, dass manche Mitglieder der Band gerne mal Open Air spielen würden; andere das gar nicht gerne machen. Das wird dann ausgehandelt.
Junge: Aber nicht erpresserisch, so auf die Tour: Wir spielen mit dir ein Krachkonzert – Du spielst mit uns ein Open Air oder so.

PB: Habt ihr einen aktuellen Bandtipp für die Leser?
Junge: Action Beat aus England. Die spielen am  01.02.08  mit uns im AJZ Mülheim. Die Band besteht aus fünf Gitarristen, drei Schlagzeugern und einem zupfenden Geiger. Das war das absolut größte Konzert dieses Jahr.
Oddel: Da musst du nicht viel drauf geben. Martin mag alles, was Krach jenseits der Schmerzgrenze macht.
Junge: Stell dir drei Mal Sonic Youth vor. In einen Raum gesperrt und zum Musikmachen gezwungen. Das Geile ist, so wie Action Beat ihre Gitarren behandelt, verstimmen die sich während eines Auftritts immer mehr und das immer mal fünf.
PB: Gibt es eine Frage, die ihr noch nie gefragt wurdet und auf die ihr schon lange wartet?
Junge: Warum gibt es Heidschi-Bumbeidschi nicht als Single?
Oddel: Eigentlich nicht. Ich lass mich eigentlich immer überraschen.
Junge: So viele Interviews haben wir ja auch noch nicht gemacht.
Hals Maul: Verzichtbar sind so Fragen, wie uns die neue Platte gefällt. Wenn sie uns nicht gefallen würde, hätten wir sie nicht gemacht. Aber vielleicht wäre die Frage bei der neuen Platte, warum der Bassist auf einmal spielen kann, angebracht.

Na, das war doch mal ein schönes Schlusswort. Ich blieb noch ein wenig zum inoffiziellen Plaudern und trat zufrieden meinen kurzen Heimweg an.
Häktor