Februar-Aktion beim PLASTIC BOMB. Ab jetzt gibt es in jedem Monat eine Aktion im PLASTIC BOMB SHOP, kombiniert mit Infos auf unserer Homepage. Den Januar haben wir euch unterschlagen, unser Kalenderjahr beginnt mit dem Februar ;-)

Der Februar steht unter dem Motto: "25 Jahre OX-Fanzine". Im Shop findet ihre alle OX-Kochbücher sowieso die Platten der Bands vom OX-Festival zum Teil zu vergünstigten Preisen. Vom 1.-28.Februar 2014. Es handelt sich um Platten von RUTS (D.C.), ASTA KASK, VITAMIN X, GENERATORS, LOVE A.  Ihr findet sie HIER
Es lohnt sich also immer zu Monatsanfang einen Blick in den Plastic Bomb Shop (www.mailorders.de) zu werfen. Und natürlich nicht nur dann ;-)

Wer in Deutschland mit Punk und Hardcore zu tun hat, kommt früher oder später mit dem OX-Fanzine in Berührung. Joachim und Uschi sind seit 25 Jahren aktiv. Ich habe mal ein paar Interviewfragen rübergeschickt und mich gewundert wie leicht es mir von der Hand ging mir diese Fragen auszudenken. Bis mir auffiel, dass es fast alles Fragen sind, die ich mir selbst auch ab und zu stelle. Unter Fanzinerkollegen teilt man halt viele Gemeinsamkeiten ;-) Am Ende des Interviews findet ihr noch ein paar Links.
Micha.-

In 25 langen Jahren findet mit einem selbst ja ein Veränderungsprozess statt. Es bleibt ja nicht alles so wie es einmal war. Man selbst ist nicht mehr derselbe, der man mal war. Was vermisst du? Was hat sich zum Positiven verändert?
Diese ersten Fragen beantworte ich als letztes – es sind die schwersten. Wenn ich einfach so in mich reinhöre, dann fällt mir keine andere Antwort  ein, als dass alles gut ist, wie es ist. Ich habe alles, was ich brauche und was ich will, es geht mir gut. Das meine ich nicht global oder politisch, sondern einfach für meine konkrete Lebenssituation. Und ja, es ist eigentlich alles immer besser geworden – was gibt es denn auch schöneres, als wenn man die Möglichkeit hat, seine kreativen Ideen umzusetzen? (...)




Würdest du sagen, dass Punk dich eher jung hält oder schneller altern lässt?
Das hängt von der Lebensweise ab. Wir kennen ja reichlich Bilder und Schicksale von Punks, die das mit dem "live fast, die young" sehr wörtlich genommen haben, die sich Leber und Hirn weggesoffen haben und echte Gesichtsbaracken sind, wenn sie nicht gar gestorben sind. Meine Art von Spaß war dieses extreme Leben nie, von daher finde ich, dass Punk durchaus dabei hilft geistig jung und frisch zu bleiben (Himmel, wie das klingt wenn man das als 45-Jähriger schreibt!), wobei "jung" für mich bedeutet, neugierig und interessiert zu bleiben, nicht alt, verbittert und saturiert zu sein. Außerdem lebe ich schon ewig vegetarisch bzw. vegan, und angeblich macht das ja jünger, hahaha. Ich denke, es gibt Menschen, die schon mit Ende zwanzig alles daran setzen, so zu sein wie ihre Eltern, die Sicherheit darin finden, "spießig" zu sein, und unserereins hat vielleicht auch eher Angst, alt zu sein, gibt sich bewusst jugendlich und trägt damit zu einem Jugendkult bei. Die Wahrheit liegt sicher dazwischen, man sollte sich einfach einen rebellischen Geist bewahren. Stillstand ist nie gut, und ich kenne mittlerweile auch Menschen (nicht nur aus der Punkszene), die mit über sechzig genauso wild und unzufrieden und engagiert sind wie unsereins. Alter ist, lass mich das zum Schluss schlaumeierisch sagen, eben auch ein soziales Konstrukt. Und ja, Punk hält jung.

Wo lag der Stellenwert eines Fanzines vor 25 Jahren und wo heute?
Für mich ist er natürlich genauso groß wie eh und je, ich bin ja damit "verheiratet", es nimmt einen sehr großen Teil meines Lebens ein. Für die Menschen, die bewusst Fanzines lesen, haben sie sicher einen immer noch sehr hohen Stellenwert, für Menschen wiederum, die Musik in erster Linie nur anhören wollen, sich aber nicht für Hintergründe interessieren, dürfte er gering sein. Diese Menschen gab es aber schon immer. Dass man heute über das Internet alles jederzeit konsumieren kann, ist Segen und Fluch zugleich. Gute Infos zu Bands und Szene-Themen, wie man sie in Fanzines findet, findet man im Internet aber selten – ich merke das immer wieder, wenn ich im Vorfeld eines Interviews recherchiere und oft kaum Material finde, das über Labelinfos, einen Wikipedia-Eintrag und ein kurzes Interview hinausgeht. Um "die Szene" zu dokumentieren, dafür sind Fanzines auch heute noch sehr wichtig. Wobei das eben auch nur meine Meinung ist.
Du wirst so sehr mit Musik zugeballert, bist du überhaupt noch begeisterungsfähig?
Klare Antwort: ja! Höre ich eine Platte wie das neue Album von CRUSADES, bin ich wie elektrisiert. Scheiß auf den ganzen Scheiß, den keiner braucht, den gab es schon immer.

Kommst du noch dazu Musik zu hören, die du hören möchtest oder nur zu der, die du hören musst?
Das eine bedingt das andere: Wir hören in der Redaktion fast alle der pro Ausgabe 600-700 Tonträger an oder zumindest rein, und natürlich muss man da auch viel Schrott ertragen oder Sachen, die andere begeistern, einen selbst aber nicht, aber nur so hat man eine Chance, auch neue Bands kennenzulernen, auf die man sonst nie gekommen wäre. Andererseits: ja, oft würde ich mir wünschen, die zigtausend Platten in meinem Archiv mal wieder durchhören zu können. Schrecklich, diese zellophanierten LPs, die da stehen, ungeöffnet ...

Welche Musikstile hörst du privat, wenn´s mal nicht Punk und Hardcore sein soll?
Ich mag auch sehr gerne dronige Post-Rock/Metal-Sachen, alten Wave/Goth (die Jugend) oder auch mal simplen Seventies-Hardrock.

Wenn du ein neues Ox-Fanzine zusammenstellst, wieviel Routine ist dabei, wo bleibt Platz für Kreatives und Spontanes?
Aus der Routine entsteht der Freiraum für die kreativen Aspekte, und abgesehen davon gibt es ja auch sowas wie "kreative Routine". Grundsätzlich fehlt immer Zeit und Platz, all die Ideen, die man selber hat und die die Schreiber an einen herantragen, komplett umzusetzen. Ich würde mich gerne klonen können: einer von uns macht dann den ganzen Routinekram, der andere hat Zeit nur für Interviews und Artikel.

Soweit ich das sehe machen Uschi und du das Ox-Fanzine, das Fuze-Magazine, die Zeitschrift Kochen ohne Knochen und die Ox-Kochbücher. Hab ich was vergessen?
Vergessen? Jaaa ... Alle zwei Monate machen wir einen veganen Brunch, im Oktober 2013 gab es das erste Solinger VeggieFest, so eine Art vegane Verkaufs- und Infomesse (die nächste findet am 27.09. statt), dann sind wir gerade an einer Vereinsgründung beteiligt, um hier in Solingen-Ohligs ein veganes Café eröffnen zu können, bei finestvinyl.de hänge ich auch noch drin, und dann ist da auch noch Gartenarbeit und all sowas angesagt. Natürlich haben wir für alles viele fleißige Helfer*innen, alleine wäre das ja nicht zu packen. Und Uschi hat ja auch einen ganz normalen Job "nebenher".

Wie kriegt man das zeitlich überhaupt hin?
Irgendwie! Hahaha. Also Langeweile kenne ich nicht, fände ich auch grausam.

Das hat alles sehr viel mit der schreibenden Zunft und Verlagswesen zu tun. Siehst du dich selbst als Journalisten? Hast du in dieser Hinsicht mal was gelernt?
Journalist ist keine geschützte Berufsbezeichnung, entsprechend kann sich jeder so nennen. Ich gebe nichts auf Titel und so weiter. Klar kann ich mich Journalist, Chefredakteur und Verleger nennen, was von den Tätigkeiten her der Realität entspricht, aber sehe das wie schon immer: Ich schreibe und mache ein Heft. Gelernt habe ich das "by doing", Schreiben ist wie Musizieren (das ich nicht kann!) Veranlagungssache, das kann man nur durch Übung verfeinern. Ich hab in den Neunzigern mal bei der taz ein paar Monate Praktikum gemacht, das hat mir sehr viel gebracht. Studiert habe ich einst Kommunikationswissenschaft, Politik und Anglistik, aber nie einen Abschluss gemacht – ich musste mich zwischen Ox und Uni entscheiden. Geholfen hat mir das Studium dennoch, da lernte ich das strukturierte Arbeiten.

 


Kannst du dir vorstellen das Ox bis zur Rente weiter zu machen? Oder hast du den Wunsch etwas Neues auszuprobieren, dir einen neuen Job zu suchen?
Ox bis zur Rente, das kann ich mir vorstellen und ich glaube, ich will das auch. Andererseits kann ich mir auch zig andere Sachen vorstellen, etwa eher in die Buchverlagsrichtung zu gehen, oder ein veganes Restaurant, eine veganes Pension irgendwo im warmen Süden ... Wer weiß, irgendwas fällt mir immer ein, aber ich hoffe schon, dass es das Ox nochmal 25 Jahre gibt.

Welche Pläne hast du für die nahe und ferne Zukunft?
Vielleicht ein kleines bisschen weniger arbeiten, mehr Zeit zum faul in der Sonne liegen, für Urlaub, Garten und all sowas. Ein weiteres Kochbuch vielleicht? Keine großen Pläne, ich wünsche mir einfach, dass ich das, was ich aktuell so mache, noch möglichst lange machen kann – denn es macht mir Spaß!

Welche sind aktuell deine 3 Lieblingsplatten?
Meine Top-Platten 2013 waren MODERN LIFE IS WAR Fever Hunting, ANNA VON HAUSSWOLFF Ceremony und COLISEUM Sister Faith. Aktuell das CRUSADES-Album.

Danke fürs Interview und weiterhin viel Spaß.
Micha.-


Infos:

OX-Aktion im Plastic Bomb Shop: www.mailorders.de

OX-Fanzine: http://www.ox-fanzine.de/

OX-Festival: http://www.ox-fanzine.de/web/ox25.1567.html