Refpolk (Foto: Michael Volkert)
Politischer Rap nimmt im Plastic Bomb eine kleine aber wachsende Nische ein. In der aktuellen Ausgabe hat sich Kadda sich ausgiebig mit Rapperin Sookee unterhalten. Im Frühjahr vergangenen Jahr habe ich mich mal mit Refpolk über die Gemeinsamkeiten von Punk und Rap und/oder Hiphop auseinander gesetzt.
Refpolk tritt solo und mit seiner Band Schlagzeiln auf, tritt viel in linken und autonomen Läden auf und kann sicherlich einiges von dem unterstreichen, was der informierte Politpunker auch sagen kann und umgekehrt. Sookee, Refpolk und ein eine ganze andere Menge Rapperinnen und Rapper sowie sonstige Künstlerinnen und Künstler haben sich 2012 zu TickTickBoom zusammen geschlossen um linken Hip Hop, den sie auch Zeckenrap nennen, zu machen und zu feiern.
Dies tun sie unter anderen auf den Zeckenrap-Galas, die bald wieder anstehen:

 

24. Januar 2014 - Hamburg - Uebel & Gefährlich
15. Februar 2014 - Berlin - SO36 (Achtung! Nur noch wenige Karten!!)

Hier nun das Interview aus der Plastic Bomb Nr. 83:

Refpolk, was wahrscheinlich bisher wenige Rapper gefragt wurden: Welche Assoziationen hast du zu Punk? Was verbindest du damit?

Ich muss zunächst einmal sagen: Punk hat mich echt wenig geprägt. Ich war als kleines Kind Anfang der 90er in Berlin öfter in einem besetzten Haus, in dem es viele Punks gab. Dort stank es, es gab viele Hunde und eigentlich habe ich das mit Punk assoziiert. Kann sein, dass mich das so ein bisschen abgeschreckt hat. Dann bin ich Mitte/Ende der 90er politisiert worden und für viele Jugendliche spielt dann ja Punk eine Rolle. Es kann sein, dass jetzt auch linker Rap eine Rolle spielt ist aber damals war Punk noch eine wichtige Sache. Für mich nicht so. Vielleicht hing es auch mit diesen Erfahrungen zusammen.

Wie würdest du dem Durchschnittspunker, der nur „seine“ Musik hört und mit Rap maximal Sido und Bushido verbindet, Hiphop erklären?


Wenn ich etwas länger Zeit hätte, würde ich anfangen mit der Entstehung von Rap und erst einmal aufzeigen, dass es eine Musik ist, die aus rassistischer und sozialer Ausgrenzung und Ghettoisierung entstanden ist um erst einmal klar zu machen, dass das Ganze einen sehr politischen Rahmen hat. Und von da aus kann man auch einen großen Bogen zu Leuten wie Bushido spannen weil Rap bis heute von Leuten geprägt werden, die gesellschaftliche marginalisiert sind. Und ich würde auf jeden Fall erwähnen dass es einige Leute gab, die schon immer politisch aktiv waren und politische Raps gemacht haben. Und es gab ja auch einige Features mit Punkbands. Ich würde also das Politische zuerst betonen. Es gibt viel Sexismus und Homophobie im Gangsta-Rap und das ganze Gepose: Statussymbole, Kapitalismusverherrlichung aber es gibt auch viele politische Aspekte und die sollte der Punker am Ende auch sehen.

Aber die Richtung im Rap ist ja häufig: Du kommst von unten aber du musst dich durchbeißen und dabei Arschloch sein, also dich eher anpassen an die Scheißgesellschaft statt sie zu verändern. Nach meinem Eindruck ist das die Kernaussage vieler Raptexte. Macht es die Mehrheit aus? Ist der politische Rap in der Minderheit, obwohl es nach deiner Aussage daher kommt?

Rap war sicher nicht von Anfang an explizit politisch. Angefangen hat es als Party-Ding aber auch deshalb, weil Menschen nicht in die Disco reingekommen sind und sich ihre eigenen Partys aufbauen mussten. Da haben sie dann keine politischen Raps gemacht sondern eher um die Party aufzulockern – sicherlich auch mit einem sexistischen Spruch. Ich meine eher diesen Kontext, wenn ich politisch sage. Es gab dann aber bald sehr viele  Richtungen von Rap, grob unterteilt in politische aber auch Gangster-Sachen. In den letzten 10 Jahren in Deutschland und davor in den letzten 20 Jahren in den USA hat sich vor allem Gangsta-Rap durchgesetzt. Auch im Zusammenspiel mit der Kommerzialisierung von Rap. Und wenn man nach den dominantesten Formen von Rap geht, stimmt das Bild, was Du gezeichnet hast schon. Explizit politischer Rap spielt auf jeden Fall eine kleinere Rolle.
 

Ich habe das Gefühl, für Rapper ist die Herkunft sehr wichtig und das bedeutet nach Möglichkeit eine klein- bis großkriminelle Karriere hinter sich zu haben, also authentisch zu sein.  Ist das wirklich so oder trifft das nur auf den Gangsta-Rap-Teil der Szene zu?
Im Rap ist die sogenannte Credibilität zu einer krassen Phrase geworden. Über Rick Ross, einen bekannten Gangsta-Rapper in den USA, kam sogar heraus, dass er früher Gefängniswärter war. Inzwischen haben sich im Rap die Sachen so verselbstständigt, dass sich Leute krasse Kunstfiguren schaffen. Auch dadurch, dass Ironie und Zynismus zunehmend eine große Rolle spielt. Das können sich einige erlauben. KIZ produzieren auch Kunstfiguren. Da hat sich was geändert. Aber trotzdem würde ich sagen, dass es gerade im Gangsta-Rap wichtig ist, dass der Bezug zu einer eigenen Biographie da ist, und dass man an der Haltung des Künstlers oder in Interviews merkt, wie nahe das an der Wahrheit ist. Unauthentisch zu sein wird vielen Rappern schnell zum Vorwurf gemacht.

Wir haben im Plastic Bomb vor zwei Jahren mal KIZ interviewt und gefragt, was sie denn von politischem Rap halten würden und sie sagten, dass sie solchen Rap nicht machen würden, weil der immer so oberlehrerhaft daher käme. Ist das ein Vorwurf, den Du aus der Szene öfter hörst?

Nicht direkt an mich aber allgemein ist das auf jeden Fall ein Vorwurf. KIZ sind aber auch ein sehr spezielles Beispiel. Die haben ja auch eine punkige Attitüde. Es passt schon ganz gut, dass ihr die interviewt hat. Es gibt ja diese Zusammenarbeit von KIZ mit Punks, was eher über so eine Fickt-euch-Alle- und Rumpöbel-Attitüde läuft. Die leben ja von ihrer eigenen Ironie, nichts ernst nehmen und auch so ein nihilistisches Weltbild haben. Was aber auch widersprüchlich ist, weil du einige politische Aussagen findest. Es gibt Videos, in denen sie gegen Neonaziaufmärsche mobilisieren. Wobei mein Eindruck ist, dass ihnen vor allem die Kritik an Sexismus zu oberlehrerhaft ist. Leider hat der Vorwurf insgesamt ein Bild von politischem Rap geprägt. Teilweise auch zutreffend. Aber insgesamt besteht in der regulären Rap-Szene selten die Bereitschaft, sich insgesamt mit dem auseinander zu setzen, was gerade passiert. Ich glaube, auch linker Rap ist inzwischen auf einem Level, dass sich andere Leute in der Rapszene mal anhören können.

Du trittst ja auch gemeinsam mit Punkbands auf. Welche Probleme hast du da als Hiphop-Musiker auf quasi doch fremdem Terrain?

Ich bin letztens aufgetreten mit Feine Sahne Fischfilet und Forgotten Sportbags und es war eher ein punkiges Publikum und wir hatten Technikprobleme. Die Techniker waren nicht auf Rap eingestellt. Die haben meinem DJ, DJ KaiKani, einen Dual-Plattenspieler zum scratchen hingestellt. Wir hatten ziemliche Probleme und ich wollte das mit einem Spruch auflockern und sagte: „Ist vielleicht etwas chaotisch aber ist ja Punk“. Der Spruch kam gar nicht gut an!Ein Klassiker ist auf jeden Fall das Feedback: „Eigentlich stehe ich ja gar nicht auf Rap, aber deine Texte finde ich ganz gut!“ Und, wenn wenig Leute zu meinem Konzert gekommen sind: „Oh, hier stehen die Leute doch noch eher auf Punk als auf linken Rap...“
 

Mit Slime bist du auch schon aufgetreten im letzten Jahr in Mülheim. Wie war das für dich?
Ich habe mich auf jede Fall sehr gefreut, mit denen auftreten zu dürfen und denen hat, welch Wunder, „Arbeit ist scheiße“ von mir auch gefallen. Ich fand die sehr sympathisch. Ich war aber sehr überrascht. Ich dachte mir: OK, die sind bekannter, die spielen das nur kurz runter und hauen wieder ab. Aber denen hat's echt Spaß gemacht und die waren sehr freundlich.
Ihr habt mit Schlagzeiln bei „Deutschland ist ein Athlet“ auch Samples von Slime und Deutschland muss sterben genommen. Warum?
Am Anfang sind wir ja häufig mit Punkbands aufgetreten und hatten ein Punkpublikum aber wir waren auch so bei vielen linken Demos und Slime war da Standard. Als wir das Lied gemacht haben, wurde auch diskutiert. Aus musikalischer Hinsicht gab auch den Standpunkt, dass es keinen Sinn ergibt, dass Sample zu verwenden und musikalisch passt es ja wirklich überhaupt nicht. Es ist immer ganz komisch, wenn wir das live machen und in den Electrobeat auf einmal dieses Geschrammel kommt. Aber die Leuten gehen unglaublich drauf ab. Insofern war es auch eine populistische Entscheidung. Ich mag auch so Verweise, wenn Bands schon vor 20 Jahren zu diesem Thema gearbeitet haben. Ein Stück weit ist es auch eine Art linker Musikgeschichte. Ich rappe auch „Guns of Brixton“ von The Clash, ich habe auf meinem Album auch ein Ton Steine Scherben-Sample. Ich will aufzeigen: Das haben auch schon andere gesagt. Daher war es naheliegend Slime zu nehmen.
 

Das ist ja schon alles etwas her. Welche Bedeutung hat Punk heute noch für die linke Szene?
Bei dieser Frage finde ich, sind Feine Sahne Fischfilet ein gutes Beispiel dafür, was noch so geht. Feine Sahne spiegeln für mich ein Lebensgefühl wieder. Dann ist Musik auch gar nicht mehr so wichtig, wenn eine bestimmte Emotion getroffen wird. Das kriegen die gut hin. Ich wohne ja nicht in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Land aber ich stelle mir das Leben dort genau so vor, wie die es besingen. Und auch wie die ihr Video inszeniert haben. Ich glaube, da sind die auch sehr verwurzelt und für viele Kids in McPomm krass wichtig. Die bewegen richtig viel.

Warum habt ihr als Schlagzeiln mit Twisted Chords auf einem Punk- und Hardcore-Label veröffentlicht? Warum nicht auf einem Hiphop-Label?
Es gibt mehr inhaltliche Schnittpunkte, die eine große Rolle gespielt haben, bei Punk- und Hardcorelabels. Leute wie Neonschwarz oder Johnny Mauser sind auf Audiolith, Schlagzeiln und Pyro One auf Twisted Chorts. Wir haben als Schlagzeiln lange versucht, etwas mehr Respekt in der Rapszene und bestimmten Zusammenhängen zu bekommen, was aber nicht klappte. Es gab immer mal wieder inhaltliche Streitigkeiten. Wir waren zu diesem Zeitpunkt aber auch einfach nicht so gut. Und dann haben wir angefangen, eigene Strukturen aufzubauen und die Zusammenarbeit mit Twisted Chords gehört auch dazu. Wir haben versucht, dann nicht krampfhaft in die Rapszene reinzukommen, sondern unser eigenes Ding zu fahren.

Auch wenn man es sicherlich nicht pauschal beantworten kann:
Was sind deiner Meinung nach die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede von Punk und Hiphop?

Die rebellische Attitüde gegen die Gesellschaft, das auf alles scheißen, die Möglichkeit der politischen Nutzung sind auf jeden Fall Gemeinsamkeiten zwischen Punk und Hiphop. Ob Marginaliserung und Ausgrenzung eine Gemeinsamkeit ist, weiß ich nicht. Ich weiß zu wenig über Punk, um sagen zu können, ob es aus einer sozialen Ausgrenzung heraus entstanden ist. Da sind die Informationen widersprüchlich. Es gibt ja Leute, die sagen, die ersten Punks waren Kunststudenten und damit nicht sozial ausgegrenzt.
Provokation ist auch noch eine Gemeinsamkeit. Die Hakenkreuze auf den Lederjacken von Punks zum Beispiel. Gut, bei Rap sind es dann andere Sachen aber Provokation ist eine Gemeinsamkeit.
Außerdem fällt mit noch ein: Arroganz. Ich war einmal bei einem Punkkonzert und die Band war sehr arrogant und mir wurde gesagt, dass das nun mal so sei. Ich weiß nicht mehr wie die Band hieß aber die haben einfach ihr Programm durchgezogen, auch nicht mit dem Publikum kommuniziert und keine Zugaben gegeben sondern sind einfach von der Bühne gegangen. Arroganz ist im Rap ja auch ein wichtiger Teil. Vielleicht kann man zusammenfassen: Rebellion, Provokation und Arroganz sind die Gemeinsamkeiten.
Ein zentraler Unterschied ist wohl schon die gesellschaftliche Ausgrenzung. Vielleicht nehme ich Punk da auch falsch wahr aber ich würde sagen: Leute im Rap sind heute noch eher ausgegrenzt und müssen damit umgehen während ich bei Punk den Eindruck habe, dass es auch eine Entscheidung ist. Das ist jetzt aber nicht abwertend gemeint. Ich selbst bin ja auch in vielerlei Hinsicht nicht ausgegrenzt.
Was ein wichtiger Unterschied zwischen Punk und Rap ist und was es den Leuten im Punk oft schwer macht, mit Rap klar zu kommen, ist auf jeden Fall das Battlen und Dissen. Es gibt halt sehr viele Tracks, wo man sich gegenseitig abwertet und ich glaube, dass spielt in anderen Subkulturen keine Rolle. Das verstehen viele Punks nicht – ich da haben sie auf jeden Fall was mit mir gemeinsam.
Als letzten wichtigen Unterschied würde ich auch noch einmal Rassismus nennen. Rassismus spielt im Rap eine wichtige Rolle, aber im Punk wahrscheinlich weniger. Wenn ich auf eine Antifa-Demo gehe, treffe ich dort zwar viele Punks und wenige, die sich dem Hiphop zuordnen lassen. Aber die Lieder, die sich viel mit Rassismus, nicht allgemein mit Neonazis befassen, finde ich eher im Rap. Das finde ich interessant, weil man zunächst denkt, dass Punk doch politischer ist, von außen betrachtet. Ehrlich gesagt habe ich aber durch Rap sehr viel gelernt über Rassismus, egal ob die Leute mir etwas beibringen wollten oder nicht.

In der Punkszene gibt es zahlreiche Bands, die umstritten sind, weil sie zur sogenannten Grauzone zwischen unpolitischer und rechter Politik, mal zu recht und mal zu Unrecht, gezählt werden. Auftritte der Bands werden oft heftig und kontrovers vor allem im Netz diskutiert. Gibt es im Rap etwas Vergleichbares?

So etwas wie die Grauzonendiskussion gibt es im Rap eigentlich gar nicht. Ich weiß nicht, ob du das Buch „Fear of a Kanak Planet“ von Murat Güngör und Hannes Loh kennst? Untertitel: „Zwischen Weltkultur und Nazi-Rap“. Durch das Buch begann eine Diskussion aber die wurde in der Rapszene nicht wirklich breit geführt. Aber immerhin haben Rapper in Interviews mal auf die Frage, ob es so etwas wie Nazirap geben könnte, geantwortet. Und es gibt ja auch inzwischen so etwas wie Nazirap. Eigentlich gibt es auch so etwas wie eine Grauzone. Zum Beispiel der Rapper Dissziplin. Über den ist auch länger bekannt, dass er was mit Label 23 zu tun hat, dass einem Neonazi gehört. Dann gibt es eben Rapper, die mit Dissziplin zusammen arbeiten und dann bist Du ganz schnell bei Leuten, die total anerkannt sind in der Rapszene und damit sozusagen „Kontaktschuld“ auf sich geladen haben. Das findet sich schon aber es ist kein so großes Thema. Es gibt nicht so viele. Aber Rapper haben die Möglichkeit, dass Underdog-Ding aus einer explizit deutschen Ecke, der unterdrückt wird, zu besetzen und das dann verbunden mit Patriotismus.

Ist Fler dafür ein gutes Beispiel? Der schwenkt in Videos ja auch Deutschlandfahnen?
Bei Fler ist das noch einmal etwas anderes, weil der sich ein Image konstruiert hat. Bei Dissziplin gibt es persönliche Kontakte nach rechts. Ich möchte nicht sagen, dass es bei Fler völlig anders war aber der kommt schon aus anderen Zusammenhängen und hängt mit ganz anderen Leuten ab. Das macht ihn nicht immun gegen Neonazismus aber er muss damit anders umgehen, wenn er mit Kumpels aufgewachsen ist, von denen die meisten einen Migrationshintergrund haben. Ich habe zusammen mit Johnny Mauser nen  Track gemacht, der auf einem Anti-Grauzone-Sampler und seinem neuen Album erscheinen wird und da nennen wir Dissziplin als ein Beispiel für Grauzone. Aber im Rap kann man über ganz andere Sachen diskutieren: Sexismus, Homophobie, bestimmte Männerbilder, das ganze Konkurrenz- und Einzelkämpfer-Ding, die ja auch Aspekte einer faschistischen Ideologie sind. Diese Diskussionen werden aber eher von außen herangetragen. Im Punk sind die Diskussionen ja eher in der Szene und in Bezug auf Rap steht es dann in der Süddeutschen. Es gab auch 2012 eine Debatte um Antisemitismus im Rap. Der Auslöser war ein Artikel in der WELT. Sinngemäß: Hat deutschsprachiger Rap ein Antisemitismusproblem? Es ging um eine Äußerung von Haftbefehl der rappte „Ich verticke Koks an die Juden von der Börse“ und es ging auch um ein paar Anti-Israel- und Antizionismus-Aussagen. Markus Staiger hat dazu einen sehr differenzierten Artikel in der Spex geschrieben, wo er das einerseits etwas relativiert aber auch sagt, dass auf jeden Fall Antisemitismus vorhanden ist. Früher haben Brothers Keepers auch wichtige Diskussionen angeregt. Zum Beispiel über das N-Wort im Rap. Mit Curse hat sich sogar mal ein deutscher weißen Rapper nachträglich für die Benutzung des N-Wortes entschuldigt.

Gibt es eigentlich Bands, die Punk und Rap verbinden?

Es gibt Gruppen, die sich als Punkrap bezeichnen. Kurzer Prozess oder Radical Hype zum Beispiel. Die haben einen sehr dreckigen Sound und auch einen Track, wo sie zusammen Punkrap abfeiern.
 

Wie hat sich die politische Rapszene in den letzten Jahren entwickelt? Gibt es mehr politischen Rap als früher? Sind inzwischen Strukturen gewachsen?
Seitdem ich 13 bin, höre ich politischen Rap. Aber damals gab es relativ wenig in Deutschland. Als ich vor 10 Jahren bei HipHop Partisan war, einem politischen Hiphop-Projekt, waren wir alle auch noch nicht so weit mit unseren Skills. Wir waren einfach noch ziemlich jung. Klar gabs in den 90ern auch schon Anarchist Academy aber das spielte vor 10 Jahren keine große Rolle mehr. Wenn ich das jetzt vergleiche mit Ticktickboom, was jetzt gerade gegründet wurde als Hiphop-Kollektiv, dass sowohl in der linken als auch in der Rapszene Einfluss nehmen will, ist das was ganz anderes. Wir sind auf einem anderen Level und haben andere Kontakte. Wir haben zwei Konzerte gemacht, einmal im SO36 und in der Flora, die beide überfüllt waren. So etwas wäre vor 10 Jahren undenkbar gewesen. Da hat sich viel getan, auch wenn es immer noch eine Subkultur der Subkultur ist. Die entscheidende Frage ist halt, ob linke Bewegungen in Deutschland nun einfach mehr Rap hören als früher oder ob tatsächlich darüber hinaus das Interesse an linker Musik größer geworden ist.

Um abschließend noch einmal die Frage vom Anfang aufzugreifen und umzudrehen: Was würdest Du Dir im Gegenzug von dem Punk über Punk erklären lassen, was Du ihm über Hiphop erklärt hast?
Ich dachte früher mal, dass alle Punks Lederjacken mit Nieten tragen und einen Iro haben. Aber Du zum Beispiel: Du passt ja auch nicht so in das Bild. Du hast vielleicht ein paar Tattoos, die auf eine frühere Zeit hindeuten. Ich würde glaube ich nach so ein paar Unterscheidungen fragen. Also was es dafür Spaltungen gibt und was ich beachten muss, damit ich nicht gleich ins nächste Fettnäpfchen latsche.

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