TTonkTom Tonk ist sicher der stilsicherste Autor im Punkbusiness. Mit scharfer Zunge entlarvt er Blender und Langeweiler, um vermeintliche Rohrkreppierer in den Olymp des guten Geschmacks zu schreiben. Da er dies mit dieses Tun mit seiner Person und seinen Erlebnissen in seiner Welt verknüpft ist dies glaubwürdig und schlechterdings überzeugend.

Sein neuestes Buch "Raketen in Feinripp" (im Plastic Bomb Shop) ist genau aus diesen Gründen momentan der Bestseller weit über subkulturelle Horizonte hinaus.

Da wir in schlechten Zeiten auch das Hullaballoo verkauften und über Insiderwissen zu Toms sexuellen Präferenzen verfügen, gestand uns der Meister selbst eines seiner überaus seltenen Interviews zu.

Und am Ende des Interviews gibt es sogar zwei Hörproben aus "Raketen in Feinripp", die Tom Tonk selbst im Duisburger Stadtwald gelesen hat.

 

Woher rührt deine offene Kritik gegen Bands der Hamburger Schule? Kettcar, Tomte u. Ä. scheinen in dir Beißreflexe auszulösen. Bands wie Oma Hans und Turbostaat scheinen dir eher egal zu sein, obwohl deren Musik zusätzlich noch Kopfschmerzen auslöst. Gibt es da persönliche Erlebnisse, die du bisher noch nicht in Worte gefasst hast?

Verdammt, du hast Recht - wahrscheinlich war ich da mit meiner Kritik etwas voreingenommen, da ich ja Musiker mit Rollkragenpullover, Seitenscheitel und Vollbärten unerträglich finde, es sei denn, die Klangästheten stopfen sich auch noch ihre Hemden akkurat in die Hose, da kotz ich sofort! Und dann immer dieses Selbstbezogene, nee nee, Vorurteile bringen ja keinem was, muss man auch mal einsehen da oben. Das sind alles bestimmt ganz zauberhafte Menschen, aber die Message muß man auch rüberbringen, irgendwie. Wie sehr würde ich es begrüßen, wenn man mal was mit Substanz liefert, vielleicht sogar mit Intelligenz, etwas, wo das vielleicht sogar vorher schon wie so´n Etikett draufsteht, damit man auch weiß, daß das intelligent ist und als Doofmann nicht aus Versehen ´n Witz verpasst. Die beiden anderen Kapellen, die du mir so warm empfiehlst, kenne ich nicht, ich mein, ich hör ja Little Feat und so´n Scheiß, da müßte ich vielleicht erstmal ein Bandfoto sehen, ob es überhaupt lohnt, sich ganz losgelöst von der Optik damit auseinanderzusetzen. Im Gegensatz zu Leuten, die vor Vorurteilen nur so strotzen, will ich mich ja ganz unbefangen mit solchen Dingen befassen.

Du bist ja mit der Punkszene eher mangels anderer alternativer Szenen zwangsverheiratet.  Was müsste passieren, damit du dich von ihr trennst?

Ich glaub, das wird nicht passieren. Im Gegensatz zu Dir find ich Punk ja gut (teilweise) und wichtig (gelegentlich), sogar die Musik (von früher). Da gibt´s leider bis heute keine Alternative für einen Mann um die 50, außer Heavy Metal vielleicht. Ich steh ja auf Jeanskutten mit AC/DC hinten drauf, genau wie auf Frauen mit schiefen Zähnen und ich finde es gut, wenn alle besoffen in den Matsch fallen.

Was mir aufgefallen ist, dass in deinen Ausführungen sehr viele Namen genannt werden, die mit real existierenden (lebend und tot) Personen in Verbindung gebracht werden. Wie bist du zu der Entscheidung gekommen, auf erfundene Namen zu verzichten?

Weil ich ein durch und durch guter Mensch bin. Ich möchte weder mit Plattenkritiken und Konzertberichten, noch mit Episoden aus dem Schlafzimmer Geschichtsfälschung betreiben. Die Sachen, die ich aufschreibe, sind alle so passiert und wenn man dazu steht, daß man seine Gurke mal in den Toaster gesteckt hat, ist so ein Artikel darüber ja auch eine Art von Ehrerbietung. Zumindest würde ich das so deuten, wenn mal einer sowas über mich schreiben würde. Manchmal, gerade bei den Büchern, frage ich aber auch vorher mal nach, ob es den Leuten eventuell peinlich wäre, wenn man die Wahrheit vor 0,0003 Millionen Lesern  ausbreitet. Bis auf eine Person hat auch nie jemand Probleme damit gehabt. In dem betreffenden Fall mußte ich den Namen ändern. Die Story war aber cool, keine Kotzgeschichte, und stellte den Protagonisten in einem gar nicht mal so üblen Licht dar, was dazu führte, daß im Laufe der Jahre Mister X immer den anderen Leuten erzählen mußte, daß ER derjenige war mit dem geänderten Namen. Bei Bands hingegen hat das eher pragmatische Gründe. Es hat sich inzwischen herumgesprochen, daß beispielsweise der Sänger von NO FX Jürgen Kabulski heißt - da kann ich nicht einfach irgendwelche Namen erfinden.

Du bist durch und durch Duisburger. Wie beurteilst du es, wenn ein Götz George sich dazu berufen fühlt, Duisburg dafür zu kritisieren, dass es eine austauschbare Innenstadt hat, die sich kaum von Düsseldorf unterscheidet, und dazu noch sagt, dass es unglaublich viele hässliche Flecken in Duisburg gibt?

Das hat er Recht, aber das ist ja kein reines Duisburger Problem, daß sich die Innenstädte immer mehr angleichen. Ekelhaft. Berlin zum Beispiel verspielt mit dem neuen Kack-Bahnhof und dem Bürohaus am Alex alle Sympathiepunkte. Da kann ich mich als Duisburger richtig drüber aufregen, weil in Berlin - im Gegensatz zu Duisburg übrigens- ja mal alles okay war mit dem Stadtbild. Das hätte man ruhig so lassen sollen, am besten auf dem Stand von 1980, einfach mal an Gebäuden 50 Jahre nix machen, oder sagen wir besser: Nur das nötigste. Sanierung ist okay, die Leute sollen ja auch kein Schimmel einatmen, aber dann natürlich nur innen, sodaß man davon auf der Straße nichts mitbekommt. Nichts abreißen, nichts streichen - Pfoten weg von natürlich gewachsener Bausubstanz! Apropos Berlin: Duisburg geht halt den Weg anderer Städte. Es gibt Veränderungen und Veränderungen sind meistens scheiße. Was soll das Volk mit Möbelhäusern und Factory Outlet-Centern in seelenloser Zweckbau-Architektur? Wellblech Fuck off! Vielleicht kann man ja mal zwischendurch auch einen Park bauen anstatt noch eine Rabatttempel eines Billig-Discounters? Oder einfach mal alte Fabrikhallen stehen lassen und seltene Frösche ansiedeln! Ich als rational denkender Bürger kann nur hoffen, daß Duisburg Charakter zeigt und sich die "unglaublich vielen hässlichen Flecken" erhält.

Was wünscht du dir zu Weihnachten?

Irgendwas witziges, etwas, wobei sich die Leute schlapplachen, wenn in einem Interview mal einer danach fragt. Vielleicht ´ne Kettcar-Platte.

Vielen Dank für das Interview.


Raketen in Feinripp gibt es hier

Die letzte Kettcar Platte hier.

Hörprobe Nummer Eins

und

ein Gedicht zum gratis Download.