Die Popperklopper haben ein neues Album raus. "Wenn der Wind sich dreht" heißt es und die Jungs waren so nett, mir ein paar Interviewfragen zu beantworten. Danke dafür!

"Wenn der Wind sich dreht" heißt eure neue und inzwischen 7. Scheibe. Was sagt uns denn dieser bedeutungsschwangere Name? Dass ihr jetzt was ganz anders macht? Oder dass sich seit eurem letzten Album einiges geändert hat...?
Lars:
Der Titel bezieht sich in 1. Linie auf den gleichnamigen Song. Aber im gewissen Sinne auch auf uns, bzw die Songs. Ich denke die Platte ist die logische+konsequente Weiterentwicklung von der "Was lange gärt..." bzw. von Popperklopper an sich+ einem Grad der Rückbesinnung wieder mehr zu den Anfangstagen (musikalisch).
Carsten: Wir haben den Song als Albumtitel genommen, weil wir denken dass das Thema des Songs ziemlich aktuell ist und viele Menschen beschäftigt. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die ganzen Arschlöcher in den Führungsetagen, Politiker, Firmenbosse etc meinen sie könnten mit uns machen was sie wollen. Man sieht aber gerade auch in den letzten Jahren, dass es den Menschen langsam reicht und es vermehrt Widerstand gibt. Und dazu wollen wir auch aufrufen, dass man sich Gedanken macht und eben nicht einfach alles so akzeptiert. Bezogen auf die Bundestagswahl hat man leider wieder gesehen dass der Wind sich nicht grossartig drehen wird, was aber auch klar war weil da eh alle das gleiche labern. Das tut sich ja alles nicht viel.

Fällt einem denn beim 7. Studioalbum noch was neues ein? Woher nehmt ihr eure Inspirationen, seid ihr auch so ne Band deren neue VÖ nach dem klingt, was die Bandmitglieder grade privat hören?

 


Lars:
Ja, das würde ich schon sagen. Ich denke man hört bei jedem PK-Album die favorisierte Musik die wir hören! Beim neuen Album kommt allerdings noch ein "Retro-Effekt" dazu.
Carsten: Wir haben seit ein paar Jahren eine ziemlich kreative Phase was neue Songs betrifft, da hatten wir diesmal jede Menge Musik und Texte zur Auswahl. Das muss ja auch nicht unbedingt immer was neues sein, wer macht schon was neues? Wollen wir auch garnicht, höchstens mal ein paar kleinere Stiländerungen. Man will ja auch nicht jahrelang immer genau das gleiche machen. Wir sind zufrieden wenn die Songs gut sind und auch ne Aussage haben. Der private Musikgeschmack fliesst bei uns natürlich auch immer mit ein, aber nur in dem möglichen Rahmen wie wir halt klingen wollen/können. Wenn ich mir da überlege was ich mir sonst noch so alles an Kram reinziehe...naja...wäre jetzt nicht unbedingt so Popperklopper, und auch nicht umsetzbar..aber Inspirationen (musikalischer Art) finde ich da schon bei den unterschiedlichsten Richtungen. Und wenn geklaut wird, dann immer so dass es keiner merkt..oder halt so offensichtlich, dass es als Hommage durchgeht..

Ist der Sound bzw sind die Aufnahmen so geworden, wie ihr das gern hättet? Gibts bei Deutschpunk eurer Meinung nach eine Grenze, an dem der Sound nicht mehr weiter ausgefeilt und gemastert werden darf, weil sonst die Stimmung flöten geht?
Lars:
Im großen und ganzen ist der Sound so wie ihn wir uns vorgestellt haben! Es gibt in jedem Musikbereich "überproduzierte" Alben die dann nicht mehr authentisch klingen. Bei Deutschpunk ist dieser Punkt vielleicht schneller erreicht als bei anderen Musikrichtungen...
Carsten: Für uns ist es wichtiger dass der Sound authentisch ist als dass er einfach nur fett ist. Man versucht natürlich dass es möglichst fett wird, es sollte aber auch noch zum Stil passen. Und da sind wir ganz zufrieden. Es gibt immer noch irgendwelche Kleinigkeiten die man z. B. beim Mix hätte anders machen können. Ist im Endeffekt halt auch ne Preisfrage. Aber für die Möglichkeiten die wir hatten ist es ganz gut geworden. Wie Lars schon sagt gibt es teilweise so extrem überproduzierte Alben, die klingen dann null authentisch und irgendwie klingt das alles immer gleich, keine Dynamik, einfach nur fett und steril. Eine Aufnahme muss halt auch „leben“. Ich persönlich stehe auf Vintage Equipment und einen schönen alten klassischen Sound wie in den 70ern. Wir machen uns mittlerweile auch viel mehr Gedanken um den Sound als früher auf unseren ersten Alben. Da hat man jetzt schon ne bessere Vorstellung wie etwas zu klingen hat.

Ihr spielt auch echt noch oft live. Bei welchen Bands freut ihr euch besonders, wenn ihr den Namen auf dem gemeinsamen Flyer lest?
Lars:
Slime,Toxoplasma, Mollis und alte englische Bands (PTTB etc.) sind für uns natürlich immer Highlights, aber es gibt auch "jüngere" deutsche Bands mit denen wir gerne spielen:zB Hausvabot, Cut my skin und einige mehr.
Carsten: Ja, mit den genannten wirds immer ne schöne Party...für uns war und ist es immer ein besonderes Highlight wenn man mit seinen alten Helden die Bühne teilen darf, und wenn man sich dann noch gut mit ihnen versteht umso mehr. Das hätte man sich früher nie träumen lassen und dann ist es plötzlich ganz normal und manchmal entstehen sogar Freundschaften. Tony Slug schrieb letztens so was wie wenn du mit deiner Punkband noch nicht mit den UK Subs auf einer Bühne gestanden hast, hat deine Scheiss Band nix zu melden...hat er irgendwie recht...

Inhaltlich gehts ja auf der neuen Scheibe mal wieder politisch zu. Woher nehmt ihr die Kraft, euch immer wieder mit aktuellen Themen auseinander zu setzen und diese in eure Texte zu packen, um am Ende sehen zu müssen, dass es in Prinzip doch nicht besser wird und die Menschen auch nicht gescheiter? Oder ist grade DAS das Geheimrezept, dass ihr noch nicht durchgedrehtseid, WEIL ihr eure Texte als Ventil nutzen könnt?
Lars:
Ja, wir nutzen die Musik+die Texte als Ventil :) aber wir haben unsere Musik immer schon als Sprachrohr genutzt und verstanden. Und es gibt immer Zustände bzw Misstände die uns ankotzen. Wenn wir irgendwann nichts mehr zu sagen haben, machen wir auch keinen Punkrock mehr.....
Carsten: Politisch oder eher noch gesellschaftskritisch, was ja meistens auch irgendwie politisch ist. Unpolitisch ist ja auch der dämlichste Begriff überhaupt. Wie eben schon erwähnt gibt es immer genügend Themen die uns beschäftigen und ankotzen. Da gibt es immer was zu sagen. Klar, manche Themen sind nicht neu, aber wenn mir was richtig aufn Sack geht will ich das auch mitteilen wenn ich eh schon Songs schreibe, und zumindest versuchen Leute zum nachdenken zu bewegen. Ich denke es gibt auch schon genug Musik ohne wirkliche Aussagen bzw mit Schwachsinnstexten, da wollen wir doch lieber auf den ganzen Scheiss aufmerksam machen der uns täglich umgibt anstatt zu denken OK, es ändert sich eh nix, also lasst uns Spasstexte machen...obwohl, eigentlich könnten wir langsam auch mal ausnahmsweise ne Spassnummer bringen (falls wir so was überhaupt können...)

Letzte Frage: Wie war´s mit Tommy Molotow im Studio?
Lars:
Tommy ist ja ein guter alter Freund. Mit ihm was zusammen zu machen sei es auf der Bühne oder woanders ist immer ein Vergnügen. Diesmal jedoch war das nicht ganz so persönlich.....Wir haben für ein Tribute-Projekt für den verstorbenen Schwabe der Razors 2 Songs rausgesucht die wir covern wollten. Die haben wir dann im Studio in Essen aufgenommen. Tommy hat dann seinen Gesang im Studio in HH aufgenommen und dann wurde der Kram später zusammengemischt und Chöre drüber gemacht. War also eine Kooperation auf Entfernung.
Carsten: Genau, der Coversong war eigentlich für den Schwabe-Tribute Sampler gedacht, der schon seit längerem in Planung ist. Als wir Tommy fragten war er sofort dabei und da war es naheliegend dass wir auch „Tommys Gang“ covern. Da sich bei dem Projekt aber nicht allzu viel tut haben wir den Song nach Absprache mit Tommy mit aufs Album genommen. Für den Sampler, wenn er dann mal rauskommt haben wir aber noch einen 2. Song mit Tommy aufgenommen. Schade war eigentlich nur dass wir aufgrund der Entferung nicht alle zusammen im Studio sein konnten, wär bestimmt ein Spass gewesen.