broilers_logotype_2009_Die BROILERS haben ja schon seit einiger Zeit ihr aktuelles Album „Santa Muerte“ (alias Doña Sebastiana oder  La Santisima Muerte ist eine okkulte Figur, meist dargestellt als weibliches Skelett mit Sense in seidenem blauem und oder rotem Gewand oft auch mit güldener Krone, welche hauptsächlich in Mexiko und Kuba verehrt wird. In der Regel  bitten Gläubige in Form von kleinen Opfergaben wie Kerzen, Rosen, Tequila und Zigarren um Glück, Liebe, Gesundheit oder Schutz) raus.  Dürfte sich ja inzwischen herumgesprochen haben, dass dat gute Stück mal locker aus der Hüfte auf Platz 3 der Albumcharts geschossen ist. Was garantiert nicht daran liegt, dass die Düsseldorfer neuerdings (wie manch ein Schreiberling entweder böswillig oder aufgrund fragwürdiger musikalischer Sozialisation bereits fantasierte)  nach den garstigen Sauerstoffdieben von REVOLVERHELD

 

 

klingen. Die LOFI fand ich damals ganz groß, die „Vanitas“ hatte auch durchaus ihre positiven Ansätze und Momente, war mir allerdings vom Songwriting her insgesamt doch etwas zu überladen (wenn man böse wäre, könnte man behaupten manche Songs des besagten Tonträgers wären so vollgepfropft mit Ideen wie ne französische Stopfgans mit Brei aus Mais und Schweineschmalz).  Die „Santa Muerte“ hingegen versöhnt für mich in perfekter Weise die  Eingängigkeit und den Charme der „Lofi“ mit dem Ideenreichtum und der Detailverliebtheit der „Vanitas“ und dem zielsicheren Gefühl dafür was ein guter Song wirklich braucht.  Mann muss wirklich kein Veterinär sein um zu der Diagnose zu kommen, dass die BROILERS sich mit der „Santa Muerte“ garantiert kein Ei gelegt haben. Das folgende Interview wurde per Telefon geführt. Wollte das Gespräch eigentlich ursprünglich mit Hilfe der mächtigen PLASTIC BOMB Telefonanlage im  Duisburger Hauptquartier aufzeichnen. Allerdings wollten die Akkus des einzigen Telefons mit Laststelltaste nicht mitspielen (unvollständig entladenen Akkus tun es irgendwann leider einfach nicht mehr, selbst wenn sie die ganze Nacht über auf der Ladestation lagen...), weswegen  letztendlich mein Handy zu Kommunikationszwecken herhalten musste. Kennt ihr diese debilen Talkshows und Serien wo irgendwelche esoterischen Okkult-Schwachmaten vor ihren Radiogeräten sitzen und versuchen zwischen Rauschen und Störgeräuschen die Stimmen von Geistern auszumachen? Recht ähnlich habe ich meinen letzten Samstag verbracht, nur nicht mit eingebildeten Geistern. Dafür hatte ich aber die geistreichen Antworten von Sammy in absolut gruseliger Tonqualität. Schuld daran war allerdings nicht Ronjas famoses Aufnahmegerät (mitnichten meine Fragen wurden, im Gegensatz zu den Antworten des BROILERS Sängers, in perfekter Tonqualität konserviert), sondern eher mein vorsintflutliches Handy. Wie auch immer, wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß mit dem folgendem Interview....

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PB: Muss gestehen, dass ich mit dem Vorgängeralbum „Vanitas“ nicht wirklich warmgeworden bin, fand die Songs persönlich teilweise doch etwas überladen. Mochte die LOFI lieber, eure neue Scheibe versöhnt & vereinigt für mich aber auf jeden Fall sehr gut die Detailverliebtheit der Vanitas mit der Eingängigkeit der LOFI? Habt ihr diesmal irgendetwas gravierend anders gemacht?

Sammy: Die „Vanitas“ und die „LOFI“ lagen  ja doch auch fast 4 Jahre auseinander und da haben wir glaube ich einfach den Fehler gemacht, dass wir uns nicht von Liedern trennen konnten. Deshalb waren auf dem Album ja auch gleich 19 Lieder drauf und eigentlich haben wir sogar 20 aufgenommen und hätten den 20. Song damals auch noch ganz gerne mit auf die Platte gepackt. Die „Vanitas“ ist in gewisser Weise schon irgendwie unser Doppel- oder Tripple-Album. Bei der „Santa Muerte“ haben wir es zum einen irgendwie besser hingekriegt uns mehr zu beschränken und zum anderen auch unsere eigenen Ansprüche etwas höher geschraubt und gesagt:“ Gut der oder jener Song ist zwar nett, aber  trotzdem irgendwo nicht gut genug.“ Haben diesmal wirklich viele Ideen und Songs einfach nicht weitergemacht oder sofort wieder weggeschmissen...

PB: Euren Texten wird ja häufig und ganz gerne das Etikett „pathetisch“ aufgedrückt, glaubst du, dass wäre auch in dem Maße der Fall, wenn ihr auf englisch statt auf deutsch singen würdet?

Sammy: Ne, glaube ich nicht. Das gute und das schlechte an deutschen Texten ist ja, dass Deutsche die Texte verstehen und mir fallen jetzt auf Anhieb auch nicht wirklich viele englische oder englischsprachige Bands ein, die wirklich außerordentlich gute Texte haben. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich kein Nativespeaker bin und die ganzen kleinen Witze, oder besser das was so zwischen den Zeilen steht, bei den amerikanischen oder englischen Bands nicht so gut mitkriege. Diese Pathos Geschichte die ist ja eindeutig da, aber deswegen weil wir ja auch irgendwie drauf stehen. Mit Pathos kann man natürlich auch ganz große Gefühle auslösen, aber wir habe dafür auch schon schön auf die Fresse gekriegt. Wir haben immer beides geschafft, mal haben wir Erfolg damit, manchmal ist es ganz schlimm, da denkste dir rollen sich die Fußnägel hoch. Es ist auf jeden Fall ein schmaler Grad auf dem man da wandert. Letzten Endes bin ich ja auch Fan von Bands und das was so ans Herz geht und im besten Fall irgendwelche Emotionen auslöst, gefällt mir persönlich immer noch am besten.

PB: Ihr wurdet ja auch schon zu Zeiten der „Lofi“ mit SOCIAL DISTORTION verglichen und deren Texte haben ja durchaus auch einen vergleichbaren Gehalt an Pathos.

Sammy: Stimmt.

PB: Textlich sind Mike Ness und seine Jungs ja auch nicht unbedingt nüchterner oder realtätsbezogener....

Sammy: ...unsere Texte sind schon auch realtätsbezogen...

PB: ..aber in dem Sinne, wie man von einem Spielfilm zurück auf die Realität schließen kann, grundsätzlich schon eher ein künstlerischer Umgang mit Realität, oder nicht?

Sammy: Ja, auf jeden Fall der Vergleich trifft es ganz gut. Ich kann sagen, die Welt steht in Flammen, oder verfickt mir ist meine scheiß Einkaufstüte gerissen. Hm, das trifft zwar jetzt nicht ganz genau was ich eigentlich sagen will, aber im Moment hab ich leider keine bessere Umschreibung dafür.

PB: Als ihr mit den BROILERS vor 17 Jahren angefangen habt, habt ihr euch sicherlich nicht träumen lassen, dass ihr mal mit eurem neuen Album auf Platz 3 der Albumcharts einsteigt, wie erklärt ihr euch eigentlich euren derzeitigen Erfolg?


Sammy: Weil wir 17 Jahre lang, das gemacht haben was wir wollten und drauf geschissen haben, was andere sagen oder denken, aber auch irgendwie Glück hatten, dass dieser Weg, den wir selber für richtig gehalten haben, auch anderen gefallen hat. Das ist natürlich auch ne Art wie viele Bands ihren Weg gehen, aber da ist dann manchmal soviel Kopf, dass da kein anderer mehr mitkommen kann. Wir hatten halt Schwein und haben Leute gefunden, die das auch hören wollen was wir machen. Es ist natürlich auch viel Arbeit. All unsere Freizeit ist immer in die Band gegangen, aber das ist was uns Spaß macht. Ich glaube, wenn man irgendetwas mit Herzblut macht, siehe auch PLASTIC BOMB, dann hat das Bestand. Ihr macht das ja auch nicht, weil man damit reich wird und nur so kann es meiner Meinung nach auch funktionieren und mit etwas Glück verdienst du vielleicht irgendwann etwas Geld damit und dann ist es doch um so geiler.

PB: Ist irgendwie  auch schöner, wenn  man von dem Leben kann, was einem Spaß macht, als wenn man für den Rest seines Lebens irgendeinen nervtötenden  Scheißjob machen muss...


Sammy: Stimmt, auf jeden Fall... 61jDfhF0shL._SL500_AA300_

PB: ...würdest du sagen, dass die Art und Weise wie Bands wie die Hosen oder Ärzte mit ihrem Erfolg umgehen, für euch als Band in irgendeiner Form Vorbildcharakter haben könnte?

Sammy: Hm (überlegt kurz), Ärzte kenne ich jetzt nicht persönlich. Ich will da eigentlich auch nicht auf andere Bands gucken. Ich hoffe einfach, dass wir es schaffen so zu bleiben wie wir sind. Wir sind eigentlich, so meine ich zumindest, ne ziemlich gut geerdete Band und wir schaffen es auch immer wieder uns selbst ins Gesicht zu schlagen, oder unsere Freunde und Familie übernehmen das sonst für uns. Wenn das erhalten bleibt und wir nicht anfangen jetzt auf Rockstar zu machen, wie man das von ganz vielen Jungen Bands immer wieder mal hört...

PB: ...ich wollte eigentlich eher darauf hinaus, dass das Label von den TOTEN HOSEN für euch jetzt das Management macht und ihr ähnlich wie die Hosen jetzt auch Wohnzimmerkonzerte spielt.

Sammy: Gut, wir sind natürlich nach wie vor HOSEN-Fans. In der Skinhead-Zeit der BROILERS waren wir auch HOSEN-Fans, durften das aber natürlich nicht laut sagen. Die HOSEN haben uns schon auch irgendwie zu der ganzen Geschichte gebracht. Als wir 1992 als Punkband angefangen haben, da hat man geguckt wie ziehen sich die SEX PISTOLS an, was machen die TOTEN HOSEN, was machen THE CLASH? Das waren unsere Vorbilder und jetzt können wir natürlich auf das Wissen der HOSEN zurückgreifen, weil wir das gleiche Management haben und mit etwas Glück können wir jetzt einige Fettnäpfchen umschiffen, in welche die TOTEN HOSEN schon reingetreten sind. Diese „Magig Mystery“-Shows, die sonst DIE TOTEN HOSEN immer machen, fand ich allerdings immer schon geil. Wie geil ist das es denn, wenn deine Lieblingsband in deinem eigenem Wohnzimmer spielt und dabei einfach alles kaputtmacht.

PB: Euch ist der Kontakt zu den Fans anscheinend immer noch sehr wichtig.


Sammy: Natürlich, das klingt jetzt vielleicht etwas floskelartig, aber das ist wirklich das einzige Feedback was ernstzunehmen ist. Nichts gegen die schreibende Zunft,  aber Journalisten und Fanzineschreiber  die kriegen natürlich viele Sachen umsonst und sind dementsprechend auch etwas abgestumpft.

PB: Ja, da ist schon was dran, angesichts der Wust der Veröffentlichungen mit denen man sich als Schreiberling konfrontiert sieht, da stumpft man im Vergleich zum normalen Hörer wahrscheinlich auf Dauer schon etwas ab, obwohl man dadurch  in der Regel auch wieder mehr Vergleichsmöglichkeiten als der Durchschnitt hat.

Sammy: Wir sind einfach keine Band für Kritiker. Wir machen es für uns. Wir machen es für die Fans. Als Kritikerband haben wir keinen Bestand, dafür sind wir einfach auch viel zu schlechte Musiker.

PB: Finde eurer Video zu „Harter Weg“ recht gelungen. Ist ja nicht eurer 1. Clip gewesen, wie hat man sich die Arbeit zu so was vorzustellen?


Sammy: Im ersten Schritt ist es immer ziemlich unangenehm, weil du bei Videos Playback machen musst. Immer nur Playback singen und dabei musste auch noch so tun,  als ob du dein Herz auf der Zunge trägst und dir gerade deine Seele heraussprudelt. Das ist dann noch schwerer, wenn Fans irgendwie dabei sind. Für das „Harter Weg“-Video   haben wir dann ja auch unter unseren Supportern und Fans verlost. Nach dem Motto: „Ey, kommt vorbei, wenn ihr Bock habt, einfach mal hallo sagen.“ Da macht man dann zusammen schon ne ganz schöne Scheiße durch. Am Ende schwitzen alle und letztendlich sind auch alle glücklich, aber es kostet halt Überwindung dieses ganze Playback-Zeug. Das ist wirklich was, was ich auch nur für irgendwelche Musikvideos machen möchte. Der Grund für Playback bei Videos ist, vielleicht versteht nicht wirklich jeder den Grund, weil man ja immer wieder von vorne drehen muss, damit man unterschiedliche Kameraperspektiven hat und die müssen natürlich alle
synchron sein. Sonst könnte man natürlich auch sagen man macht es komplett live, aber 6o Takes live singen und immer das gleiche Lied. Puh, das will auch keiner haben.

PB: Ihr wart ja vor einiger Zeit mit den Briten von BUSTER SHUFFLE unterwegs, eine Band deren Musik ich sehr schätze. Wie seid ihr denn so mit den Jungs ausgekommen?

Sammy: Super, total nette Typen. Ich weiß nicht woran es liegt, aber irgendwie haben wir nen leichten Hang zu Londoner oder zumindest englischen Bands. Wir haben jetzt THE KING BLUES dabei, wir hatten vorher THE GRIT dabei. Keine Ahnung wir stehen auf diese britischen Vögel und BUSTER SHUFFLE sind wirklich extrem freundliche Menschen, wie eigentlich fast alle Engländer. Nicht so die typischen Mallorca Fußballprolls.

PB: In Vorbereitung auf das Interview ist mir persönlich aufgefallen, dass ihr in letzter Zeit wirklich haufenweise Interviews gegeben hast. Kannst du noch über den Daumen gepeilt sagen wie viele ihr von der Veröffentlichung der neuen Scheibe bis dato ungefähr gegeben habt.  


Sammy: Ne, irgendwie nicht. An ein paar Gute erinnere ich mich, (lacht) an Schlechte erinnere ich mich natürlich auch, aber es waren echt viele und das ist auch definitiv nicht meine Lieblingsarbeit bei der Band.

PB: Kann ich schon nachvollziehen, vor allem wenn man immer wieder das gleiche gefragt wird. Irgendwann sind alle  möglichen Fragen ja doch ausgereizt, selbst wenn man sich Mühe gibt als Interviewer nicht zu fragen, was der vorher schon gefragt hat – irgendwann ist man doch alles durch...


Sammy: Klopf dir bitte mal selbst auf die Schulter, bis jetzt hast du alles umschifft, was schon tausend mal da war.

PB: Ja, aber auch wenn man sich den Themen vielleicht etwas anderes annähert, grundsätzlich bleiben es doch die gleichen.

Sammy: Aber wie ich schon zu Anfang sagte, das ist ja im Prinzip jetzt unser Job. Wir können davon leben und wenn das schlechteste daran ist, dass ich Interviews geben muss, dann tausend mal lieber das, als am Fließband zu stehen oder im Büro am Schreibtisch zu sitzen.

PB: Das wird jeder der arbeitet glaube ich nachvollziehen können. Da waren aber, für eine Band mit einem derartigen Szenebackground wie ihr ihn besitzt, auch einige eher ungewöhnliche mit Computerzeitschriften, Stadtmagazinen und normalen Zeitungen dabei.

Sammy: Ich hab damit kein Problem, weil ich schon immer gesagt habe, dass es für uns keine Einschränkungen gibt. Wir waren nie so arrogant zu sagen du darfst und du darfst nicht. Iro, Skinheads, Rudeboys, Bootboys klar, herzlich willkommen, aber auch ganz normale Kids. Die einzige Einschränkung, die wir machen ist und das betone ich immer wieder, keine Faschos! Keine Faschos, aber ansonsten darf jeder vorbeikommen, egal ob er lange Haare hat, ne Halbglatze und nen Bierbauch, alles scheißegal. Ich freue mich sogar, wenn unser Publikum breiter wird und das kann ich deswegen alles so sagen, weil wir genau wissen wo wir herkommen. Wenn du nicht vergisst  wo du herkommst und trotzdem größer wirst als Band, das ist für mich persönlich ideal. Das ist geil!

PB: Du hast ja mal in nem Interview deine Vorliebe für Bruce Springsteen gestanden. Der Gute hat ja auch schon beispielsweise mit THE GASLIGHT ANTHEM gespielt. Ihr covert ja auch gelegentlich „I`m on fire“ und „Atlantic city“. Wenn die BROILERS die Möglichkeit hätten mit Bruce Springsteen einen Song zu performen, welcher wäre das und warum?

Sammy: Och, da haben wir einige Favoriten. Manche Dinger darf man natürlich nicht machen, weil man die versauen würde. Eigentlich hätten wir „I'm On Fire“ auch nicht machen dürfen. „The River“ darfste auch nicht machen. Der olle Brian Feldon, auf den ich natürlich sehr neidisch bin, weil er diese Gelegenheit schon hatte, hat mit ihm „No Surrender“ gesungen und das ist eigentlich eines mit der punkigsten Lieder von Bruce Springsteen. Das wäre natürlich echt ein guter Kandidat. Aber es gibt auch noch so viele andere mögliche Songs. Jetzt gibt es auf einer Sammlung von so raren Tracks, die heißt nur „Tracks“ die Sammlung,  einen Song der heißt „Brothers Under The Bridges“ und der ist der Hammer. Da stelle ich mir echt glückliche Penner vor,  unter einer Brücke mit Einkaufswagen und Zeitungen, die da son Ballett machen, das ist einer meiner Lieblingssongs.

PB: Kommen wir zum Namen der Band, wahrscheinlich der Themenbereich, der dir am meisten auf den Sack geht. Was mich aber interessieren würde, als ihr euch damals gegründet und nach nem Namen für eure Band gesucht habt, war BROILERS doch wahrscheinlich nicht das allererste was euch eingefallen ist, kannst du dich vielleicht noch an andere Namen erinnern, welche damals auch zur Diskussion standen?

news_110218_01Sammy: (Lacht) Ich weiß noch ganz genau, wir hießen früher „Die Jünger“ als Punkband und als wir uns dann die Haare abgeschnitten hatten, musste auch dementsprechend ein neuer Name  passend  zur  Bomberjacke her. Da musste unbedingt ein OI! mit rein, oder der Name sollte zumindest gleich nach Skinhead klingen und da hab ich mit Ralf von Hitsville Records gesprochen und bin mit ihm ein paar Namensvorschläge durchgegangen und er riet mir damals von meiner ersten Wahl ab. Damals wollte ich  die Band eigentlich noch THE BOOTBOIS nennen (lacht) und das fand er dann nicht so gut. Mann stelle sich vor, die BOOTBOIS spielen vor 4000 Leuten in Dortmund Oespel...

PB: Der Name BROILERS ist ja zumindest  sehr einprägsam. Ihr spielt ja immer auch ein bisschen mit diesen Mafia-Klischees, welcher ist denn dein absoluter Lieblings-Mafiafilm? Wenn du selber Produzent eines solchen Streifens wärst, welche Schauspieler würden in deinem Film mitspielen?


Sammy: Einer meiner Lieblings-Mafiafilme ist mit Al Pacino und zwar „Straßen Der Bronx“, den hat auch Robert De Niro produziert und er spielt auch eine Nebenrolle. Der hat eigentlich nur am Rand mit Mafia zu tun, sondern ist vielmehr so ne Liebesgeschichte zwischen einem weißen italienischen Jungen und einem schwarzen Mädchen. Aber der Film ist gut und ziemlich unterschätzt. Wenn ich selber etwas machen könnte? Eigentlich hat mich immer interessiert wie „Der Pate“ weitergeht.  Mario Puzo hat den Paten ja auch weitergeschrieben. Könnte mir aber auch nicht vorstellen wer das denn spielen sollte. Am liebsten hätte ich natürlich meine beiden Freunde  Al Pacino und Robert De Niro mit an Bord. Aber da wissen wir beide ja auch, dass längst nicht alles geil ist, was die zusammen gemacht haben. Der letzte Film mit Beiden, der hieß glaube ich „Righteous Kills“, der war natürlich nicht wirklich super, aber ich glaube auch die haben bestimmt keine große Lust mehr Mafia-Rollen zu spielen.

PB: Kann durchaus sein, beide haben in diesem Sektor ja auch schon einiges gemacht. Vorhin hattest du in einer deiner Antworten ja kurz mal THE CLASH und die SEX PISTOLS erwähnt. Eurer Interview wird ja in unserer Nr. 77 erscheinen, welche sich schwerpunktmäßig auch ein wenig mit altem Englandpunk beschäftigen wird. Welche der alten 77er Bands gefällt dir denn grundsätzlich besser THE CLASH oder die SEX PISTOLS?

Sammy: Das ist ganz klar. Die wichtigste Band in meinem Leben sind ganz klar THE CLASH! SEX PISTOLS waren für mich vor allem interessant, als ich  mit Punk Rock angefangen habe. Optisch natürlich und auch weil die  viel lauter waren und mehr auf die Fresse, aber THE CLASH sind schon irgendwie was nachhaltigeres.

PB: Gibt ja auch Leute die sagen, dass die PISTOLS die allererste Castingband überhaupt gewesen sind.

Sammy: Das stimmt, das ist zu 100% die Wahrheit. Leider, leider ist das bei THE CLASH auch nicht soviel anders.

PB: Einige Mitglieder hatten ja zumindest schon bei LONDON SS zusammen musiziert, wie findest du denn die späten Sachen von THE CLASH so ab der „Combat Rock“?

Sammy: Ich mag vor allem die Sachen welche in Originalbesetzung eingespielt wurden, von mir aus  auch mit  Topper. Die späten Sachen, die mag auch total gerne, die einzige Platte welche ich  nicht mag, ist wohl die „Cut The Crap“.

PB: Da ist mir persönlich auch nur eine Person bekannt, die öffentlich zugibt, dass sie diese Scheibe mag (an dieser Stelle schöne Grüße an Peter von Crucial Response).

Sammy: Ja, die „Cut The Crap“ ist wirklich schlimm. Schade, schade, schade...

PB:  In den 17 Jahren eures Bestehens habt ihr ja bereits unzählige, ganz unterschiedliche Konzerte gespielt, ob in rauchigen Clubs oder größeren Hallen oder auch Festivals, sind dir irgendwelche Gigs davon  im Gedächtnis geblieben und warum?

Sammy: Auf jeden Fall, immer wieder, ich kann jetzt keinen besonders hervorheben. Das merkt man auch ganz oft auf dieser Tour, dass wir alle die Möglichkeit lieben in ganz kleinen Clubs zu spielen, wo man die Leute wirklich direkt vor der Nase hat. Wir lieben es in normalen Hallen zu spielen und wir mögen auch diese ganz großen Hallen. Weil alles irgendwie seinen eigenen Charme hat. So lange wir diese Situation oder Möglichkeit haben noch alles spielen zu können, freut uns das total. Ich glaube längerfristig brauchst du auch einfach Abwechslung.

PB:Kannst du dich noch an das erste Konzert überhaupt erinnern, welches du je besucht hast?


Sammy: Ja, das war glaube ich 1993 oder 92 und zwar HEITER BIS WOLKIG und das in jeder Hinsicht, im Düsseldorfer Zakk.

PB: Abschlussfrage: Was hältst du persönlich denn von diesem ganzen momentan ziemlich angesagtem Deutsch Rock Kram im Fahrwasser von Bands wie FREIWILD und Konsorten?

Sammy: Gar nichts, finde ich total belanglos und unangenehm. Ich verstehe es einfach nicht, ich hab keine Ahnung davon, weil wenn es Kids gibt, die gerne Punkrock Musik hören  oder auch Deutschpunk spielen wollen, aber keinen Bock auf Skinhead oder Iro haben, dann müssen die doch nicht extra ein neues Genre gründen. Und wenn sie denn spielen wollen, sollen sie vor allem Punkrock und konservative Scheiße nicht zusammenbringen. Konservative Politik hat im Punkrock absolut nichts zu suchen. Vielleicht ist es am Ende doch gut, wenn sie es Deutschrock nennen, sollen sie alles machen, aber ohne uns!

Interview von Basti