Das folgende Interview führte ich mit TOXOPLASMA ca. 2005, kurz nach der Reunion der Band. es ist somit nicht brandaktuell, aber immer noch interessant. Micha.-

Der Bandname TOXOPLASMA leitet sich ab von Toxoplasmose. Was sich schon recht gefährlich anhört, kann in der Realität als tödliche Krankheit enden. Normalerweise besitzt der Körper eigene Abwehrstoffe dagegen, die diese Krankheit schnell und wirksam bekämpfen. Ausser man hat Aids, dann stirbt man daran. Oder man heisst Wally und geht als medizinisches Wunder in die Geschichte ein. Denn er ist einer von ganz wenigen Menschen auf der Welt, die diesen Abwehrstoff nicht bilden können. Und die trotzdem, nach 5 Monate langem Kampf, überleben.

Mitte Oktober machte ich mich mit den beiden Human Parasiten Philipp und Olli per Bahn auf den Weg nach Koblenz. In der Wohnung von TOXOPLASMA-Sänger Wally, der uns vorher netterweise am Bahnhof abholte, trafen wir später mit Toxo-Bassist Stefan und Schlagzeuger Harry zusammen, die direkt einen Kasten Bier anschleppten. So musses sein. Der blieb natürlich nicht lange unberührt, und in der Folgezeit entwickelte sich zwischen uns ein interessantes Gespräch über TOXOPLASMA heute, die Gründe für die Reunionen, eventuelle Ziele und die Verbindung zwischen TOXOPLASMA und CANALTERROR. Die gemeinsamen Konzerte mit den BAD BRAINS und DEAD KENNEDYS wurden ebenso thematisiert wie das Punkrock-Leben mit 40, die Wiederveröffentlichung der ersten TOXOPLASMA LP/CD auf WEIRD SYSTEM und auch die ein oder andere Anekdote aus der Vergangenheit. Die 3 Toxos (Gitarrist Uwe konnte leider nicht) sind verdammt nette Leute, das steht fest. Eine gemeinsame Basis war schnell gefunden. Das sind keine verstockten Typen, die kaum die Zähne auseinander kriegen, und auch keine Schwätzer, keine eitlen Selbstdarsteller. Offen und ehrlich gaben sie breitwillig Auskunft. So war es im Endeffekt eher ein Gespräch unter Gleichgesinnten, die aufgrund des gleichen Alters zum Teil ähnliche Erfahrungen in der Vergangenheit gesammelt haben, als ein Interview nach festem Schema. Und die Zahl der leeren Bierflaschen auf dem Tisch wuchs derweil schnell auf Armeestärke an.

Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ein TOXOPLASMA-Interview für mich ein Interview wie jedes andere wäre. Ihre erste LP gehörte zu den ersten Scheiben, die ich mir in den frühen 80ern gekauft habe. Sowas prägt. Und die Platte ist eigentlich bis heute zeitlos gut und längst ein Klassiker. Die erste CANALTERROR-LP, diverse Sachen von SLIME und O.H.L., die erste DAILY TERROR... das waren seinerzeit ganz entscheidende Einflüsse für mich. Umso schöner ist es, dass ich nun die Gelegenheit bekam mich mit 3 von 4 Originalmitgliedern zum Interview zu treffen. Deshalb kreisten die Gesprächsthemen auch hauptsächlich um die erste Phase der Band sowie die Gegenwart. Auch wenn dass gegenüber den Mitgliedern aus der zweiten Bandphase von 1989 bis 1998 vielleicht etwas ungerecht sind. Denn auch diese Bandbesetzung hatte zweifellos ihre Höhepunkte.

Eigentlich sollte das Interview noch für die geplante TOXOPLASMA DVD gefilmt werden. Der Kameramann konnte aber nicht, so dass 2 eigene Kameras im Raum platziert wurden, die den Abend dokumentierten. Das war mir auf jeden Fall lieber als irgendein Typ, der ständig mit einer Kamera nervend um den Tisch rennt. Mal abwarten wie´s geworden ist. Vielleicht ist ja der ein oder andere Satz für die DVD verwendbar. Man wird sehen.

Die fett markierten Sätze sind von mir, Philipp und Olli. Ich hab da nicht gross unterschieden. Here we go...


In welchen Jahren hat es TOXOPLASMA bisher gegeben?
Wally: 1980 bis 1985. Und 1989 bis 1998.
Jetzt taucht ihr plötzlich aus dem Nichts wieder auf. In Originalbesetzung. Gab es da einen konkreten Anlass? Oder war das Zufall, dass ihr euch wieder getroffen habt?
Harry: Der konkrete Anlass war eigentlich eine Geburtstagsparty von einem alten Weggefährten, der Anfang der 80er-Jahre die ganze Punkzeit mitgemacht hat. Der hat uns drauf angesprochen zu seinem 40.Geburtstag ein paar Stücke zu spielen.
Stefan: Der hatte sogar die ÄRZTE gefragt. Die hatten damals in den 80ern ihre ersten beiden Konzerte ausserhalb Berlins in Neuwied gespielt. Das war damals lustig.
Harry: So ist das jedenfalls entstanden. Durch die Geburtstagsfeier.
Es war also so, dass ihr vorher keinen Kontakt mehr hattet zu den jeweils anderen Bandmitgliedern...
Harry: Das ist unterschiedlich gewesen. Zu Wally hatte ich viele Jahre keinen Kontakt gehabt, zum Stefan hatte ich eigentlich fast immer Kontakt. Und zum Uwe hatte ich auch einige Jahre keinen Kontakt. Man wusste aber immer so ungefähr wie es dem anderen geht. Wann hatten wir uns zum letzten Mal gesehen? Das muss 1994 gewesen sein, ist also rund 10 Jahre her.
Und dann habt ihr auf dieser Party gespielt...
Wally: 3 Songs haben wir gespielt.
Welche?
Wally: „Ordinäre Liebe“, „1981“, und „S.O.S.“. (lacht) Danach ist dem Harry beim Schlagzeugspielen der Arm abgefallen.
Harry: Wir haben dreimal vorher geprobt. „1981“ haben wir zweimal gespielt, weil wir uns beim ersten Mal nach der Hälfte verspielt haben.
Stefan: Wenn man die Songs 20 Jahre nicht mehr gespielt hat, dann ist das klar. Dann geht das nicht mehr so gut.
Harry: Das ging echt nicht mehr. Ich hab auch richtig konditionelle Probleme gehabt.


Hast du lange vorher nicht mehr Schlagzeug gespielt?

Harry: Ja, ungefähr 10 Jahre vorher hab ich das letzte Mal gespielt.
Und auf der Party hat euch das dann so gut gefallen, dass ihr gesagt habt: „Hey, warum nicht? Machen wir mal weiter...“?
Harry: Wir haben verabredet, dass wir uns im Proberaum treffen wollen und nur so zum Spass mal ein bisschen weitermachen. Denn es hatte jeden irgendwie ein bisschen angefixt. Es hatte jedem Spass gemacht.
Stefan: Auslöser dafür, dass wir wieder Kontakt zueinander aufgenommen haben, war aber auch die erste TOXOPLASMA LP, die irgendwo beim AGR-Nachfolger SANCTUARY rumdümpelte. Karl Walterbach, der früher AGR gemacht hat, hat sein ganzes Labelprogramm irgendwann komplett an SANCTUARY verkauft. Drei spätere TOXOPLASMA-Platten, die „monsters of bullshit“, „ausverkauf“ und die „gut & böse“ waren ja auch noch auf AGR rausgekommen. Die erste TOXOPLASMA dümpelte in irgendwelchen Backkatalogen – ganz billig aufgemacht, also nur noch das Titelblatt schlecht fotokopiert als CD-Version, das Ganze war auch noch schlecht überspielt... Und es kam von denen überhaupt nichts mehr. Es wurde nichts mehr verkauft, wir haben überhaupt keine Nachrichten mehr von denen bekommen.
Harry: Doch, ich hab die regelmässig angemahnt.
Stefan: Dann kam mal wieder eine kurze Nachricht, dass 50 oder 100 Stück verkauft wurden und weiter nichts.
Harry: Man muss aber sagen, dass die schon noch einige verkauft haben solange der Wally in den 90ern mit seiner TOXOPLASMA-Besetzung getourt ist.


Wie habt ihr das mitbekommen? Über GEMA-Abrechnungen?
Harry: Anfang der 90er gab es ja „Toxo alt“ und „Toxo neu“. Da haben wir uns noch mal hingesetzt und so geeinigt, dass die alten Sachen über mich abgewickelt werden und die neuen über den Mitch.
Stefan: Das war als wie die beiden Singles mit den alten Demos (Anm.: 2 verschiedene EPs mit Demoaufnahmen von 1981 und 1982) bei GET HAPPY, einem alten Freund von mir aus Frankfurt gemacht haben. Das war prozentual gesehen unser bester Deal. Wir sind in Stückzahlen bezahlt worden (Anm.: statt wie´s sonst aufs Geld der Labels warten zu müssen). Insofern sind wir sofort ausbezahlt worden. Mittlerweile sind die Teile Sammlerstücke. (lacht) Und ab und zu verkaufe ich mal eine bei eBay für 30 Euro.
Wally: Bei mir ist ein ganzer Karton davon mit 30 Stück aus dem Keller geklaut worden ! Ich hab keine einzige davon.
Stefan: Da gab´s 1000 Stück von, und wir haben direkt 500 gekriegt.
Harry: Auf der einen stand zwar drauf, dass es 2000 geben soll. Es wurden aber nur 1000 gemacht, weil der Joachim von GET HAPPY keine Zeit und keinen Nerv mehr hatte wegen eines anderen Jobs.
Stefan: Das war also 1994/1995, wo wir uns das erste Mal nach sehr vielen Jahren wieder getroffen haben. Ab da gärte eigentlich die Idee, dass wir mit der ersten LP noch mal was machen und die aus den Klauen von AGR befreien könnten. Wie gesagt, das war halt unbefriedigend, das schleppte sich, da kam nix mehr bei rum.
Wisst ihr denn wie viel da insgesamt von verkauft wurden?
Wally: Man sagt über 100.000 mal.
Das ist ´ne Menge...
Harry: Die ist ja überall in der ganzen Welt verkauft worden. Polen, Schweiz, Amiland, Italien, Brasilien...
Waren das denn offizielle Pressungen oder Bootlegs?
Stefan: Meines Wissens nach waren das offizielle Pressungen. Ich bin da immer sehr hinterher gewesen damit es davon keine Bootlegs gibt. Bootlegs sind Scheisse ! Bootlegs sind was für Arschlöcher. Das sind Leute, die meinen Kohle machen zu müssen mit dem Können von jemand anderem. Das ist ´ne unfaire Sache. Das halt nix mit Coolness oder Punk zu tun. Das ist einfach Scheisse.

Das Konzert bei Höhnie´s Party in Peine war dann aber der erste Auftritt vor grossem Publikum für euch. Wie gefiel euch der Auftritt?
Wally: Geil ! Das war richtig gut.
Harry: Für mich ist das absolut witzig. Eine richtige Zeitreise. 20 Jahre zurück.
Stefan: Das war´s für uns alle. Das war halt Punkrock-Publikum. Und kuck uns an... Wir haben halt alle keinen Iro mehr.
Harry: Ich bin auch weiterhin immer auf vielen Punkkonzerten gewesen. Aber seit dem Weggang von Toxo 1985 hab ich sie, glaub ich, nie mehr live gesehen. Wally hat dann irgendwann auf ´ner Probe erzählt, dass er zusammen mit DRITTE WAHL in Essen in der „Zeche Carl“ spielt. Also hab ich ihm gesagt: „Setz mich mal auf die Gästeliste. Ich muss mir das mal antun“. Dann bin ich mit dem Stefan zusammen dahin gefahren. Das war so witzig... Wir hatten schon unterwegs... wie früher... eine Pulle nach der anderen gezogen, kommen dann auf dieses Gelände, und dann hab ich zum Stefan gesagt: „Ich glaub ich muss Sicherheitsschuhe anziehen“. Millionen von Glasscherben lagen da !!! Ein Iro nach dem anderen kommt uns entgegen. Das war eine absolute Zeitreise zurück zu TOXOPLASMA. Und das hat mich dann auch wieder angefixt.
Stefan: Halt, stopp... einen Unterschied zu früher gab es doch. Früher gab es auf Einwegflaschen kein Pfand. Früher konnte man Einwegflaschen wirklich zerschmeissen. Heute kriegt man da Pfand für. Ich gehe da durch einen halben Meter Glasscherben, das kostet doch alles Kohle. Ich frage mich: „Haben die soviel Kohle, die Kids??“ Das ist etwas was ich nicht verstanden hab. Also ich hab die Kohle nicht.

Ich hab letztens mal jemanden von VORKRIEGSJUGEND mit interviewt, der schon Ewigkeiten nichts mehr mit Punk zu tun hatte. Und der ist jetzt durch die Wiederveröffentlichung der VKJ-Platte auf WEIRD SYSTEM erneut mit seiner Vergangenheit konfrontiert worden. Der erzählte, dass er auf die alten Tage wie auf ein anderes Leben zurückkuckt. Ist das bei euch ähnlich?
Harry: Moment, wir sind ja nie von Punk ganz weggewesen. Aber da muss ich immer an die Worte von Wally denken, als wir mal ein Interview für eine Radiostation gegeben haben: Du asselst mit 40 nicht mehr ab. Du hast in den Jahren zwischen 20 und 40 gewisse Lebenserfahrungen gesammelt. Irgendwann fängst du an für dich eine Verantwortung zu finden. Du musst deinen Arsch – auf Deutsch gesagt – am Kacken halten. Das macht natürlich jeder für sich individuell verschieden. Der eine macht das mit seinem Tonstudio wie der Wally, der Stefan macht das mit Jura, und ich bin halt selbstständig in der Bierbranche. Und die 20 Jahre betrachtest du irgendwie aus der Vogelperspektive. Für mich ist das jedenfalls so. Ich seh mich da in anderen Leuten selber. Genau dasselbe hab ich ja auch mitgemacht.
Wally: Es ist einfach Scheisse wenn du mit 40 noch vollgeknallt auf dem Luisenplatz liegst. Das war ´ne zeitlang cool. Es war cool sich die Birne zuzuknallen und tagsüber im Coma in der Fussgängerzone zu liegen. Aber das macht man doch keine 20 Jahre. Das ist langweilig.
Stefan: Und wenn du das überlebst, dann bist du ´n Penner.


Campino hat das letztens auch in einem Interview gesagt. Wenn du mit 17, 18 besoffen durch die Strassen ziehst, dann bist du wild, jung, cool. Wenn du das mit 40 machst, dann bist du nur noch mitleiderregend. (Wobei ich persönlich gestehen muss, dass ich das immer noch ab und zu ganz gerne mache. Aber mit Würde, na logo...)
Harry: Ja klar, WENN du es überlebst.
Stefan: Mit 18 oder 20 ist man unzerstörbar. Und so haben wir uns auch gefühlt. Du hattest ´ne Dauerlatte und kannst die Welt aus den Angeln heben. Saufen und Kiffen bis zum Umfallen, kein Problem. Und das kann ich heute nicht mehr.

Bei vielen Leuten ist das im Leben so, dass da irgendwann diese Schwelle kommt: Entweder ich mach so weiter wie bisher, sauf mich runter, nehm ´ne Menge Drogen... Oder ich schaff den Absprung. Gab es bei euch auch mal so einen Zeitpunkt oder eine Zeitphase, wo das so war?
Wally: Was meinst du jetzt mit Absprung? Bedeutetet das jetzt einen Knick in deinem Leben, wo du sagst: „Halt ! Das ist der falsche Weg. Ich seh zu, dass ich ´nen guten Job kriege, eine Familie und 30 Tagen Urlaub im Jahr.“?
Das muss ja nicht zwangsläufig so sein. Du kannst dich ja auch in diesem Punkding weiterentwickeln...
Wally: Man kann echt nicht sagen, dass man irgendwann da steht und sagt: „Halt, da muss sich jetzt was ändern“. Zumindest nicht bei mir. Es gibt halt gewisse Lebensumstände, die machen einen zufrieden. Und andere machen einen unzufrieden. Und wenn dich etwas unzufrieden macht, dann überlegst du wie du es besser machen kannst ohne dabei deine eigenen Prinzipien zu verlassen. Ich bin mit meinem Studio seit 15 Jahren selbstständig. Ich krebse seit 15 Jahren rum. Aber ich hab auch seit 15 Jahren keinen Wecker mehr gehört. Ich muss zumindest nicht woanders knechten gehen. Damit käme ich nicht klar.


Es gab also nicht irgendwann mit 25 mal ein Schlüsselerlebnis, wo du super abgestürzt bist und am nächsten Morgen überlegst, dass sich gewaltig was ändern muss?
Wally: Das kommt erst jetzt mit 40, wo ich mir denke: „Scheisse Alter, jetzt bist du 40 und hast deine Schäfchen immer noch nicht im Trockenen!“ Denn da dachte ich all die Jahre, das kommt irgendwann automatisch.
Stefan: Das geht doch vielen so. Viele leben mit dem Gefühl, sie haben irgendwo ein Reserveleben im Rucksack.
Harry: Der Break war bei mir 1985 gewesen. Ich hab zu exzessiv gelebt, nichts mehr gepeilt gekriegt, gar nichts mehr... Mein Alter hat mich dann aus meiner Bude rausgezogen und gesagt: „Du hast 2 Möglichkeiten. Entweder das oder das“. Da war ich auf der einen Seite ultra gefrustet, hab die Jungs im Stich gelassen. Auf der anderen Seite wusste ich nicht mal mehr ob ich Männlein oder Weiblein bin. Mein Vater hat mich dann eine zeitlang auf einen anderen Weg gesetzt, mit dem ich eine gewisse Zeit gut gefahren bin, dann aber absolut unzufrieden wurde. Das war keine Befriedigung. Irgendwann kann man das nicht mehr, diese geregelte Schiene laufen. Da zerbricht man dran.
Stefan: Manche leben ihr ganzes Leben in diesen geregelten Bahnen...
Harry: Die waren aber nie in der Situation wie wir. Wir sind ganz andere Wege gegangen. So als kleine Revoluzzer, mit anderem Outfit, mit Musik, bei der sich jeder an den Kopf gepackt hat...
Stefan: Es ist schon so, dass Leute, die Ende der 70er-Jahre in wirklicher Weise mit diesem Punkrock-Ding zu tun hatten, wahrscheinlich ihr ganzes Leben auf die ein oder andere Art an diesem Knochen zu kauen haben. Wenn die Nadel einmal gesteckt hat, dann hat die Nadel gesteckt. Wenn einer Ende der 70er Punkrock als sein Jugendding erlebt hat, und das war unser Jugendding, dann...
Wally: ... dann war das auch eine ganz einschneidende Zeit für einen. Auch in der eigenen Entwicklung, in der eigenen Persönlichkeit.
Stefan: Wir haben gewusst, dass wir ein Teil von etwas sind, dass jetzt ganz neu ist und das sich gerade neu bewegt.


Harry: Wir hatten aber auch schon davor gesagt, dass wir auch diese ganze Disco-Szene, John Travolta und so, überhaupt keinen Bock hatten.
Stefan: (lacht) Ich finde BONEY M heute geiler als früher. Damals haben wir das gehasst.
Zumindest kann man heute drüber lachen...
Stefan: Klar. Punk war damals unser Jugendding. Nichts, wofür man sich selbst entschieden hätte. Wenn man damals auf harte Musik stand, dann war man Punk.
Die Szene gesucht, die Szene gefunden.
Stefan: Die Szene geworden.
Wally: Zumindest hast du dich solange als Individualist gefühlt bist du einer warst. Auch durch den Punkrock.
Harry: Wenn du Punkrock-Musik gemacht hast, dann ist das noch viel tiefer verwurzelt als wenn man nur Konsument ist. Es gibt 100%ig viele Leute, die damals Punk gehört haben und heute genauso spiessig zuhause sitzen wie die Leute, die keinen Punk gehört haben.
Wally: Du lebst das viel intensiver.

Seid ihr von dieser positiven Resonanz auf eure Konzerte (zum Beispiel bei Höhnie) überrascht gewesen? Oder habt ihr das so erwartet?
Wally: Ich war sehr überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet.
Harry: Ich bin da erst mal ganz unvoreingenommen hingefahren. Der Spass sollte einfach im Vordergrund stehen. In einem gewissen Alter wird das immer schwieriger Leute als seine Freunde zu bezeichnen als das vielleicht mit 20 ist. Wir haben uns wieder getroffen und versucht unsere Freizeit zusammen zu gestalten. Und die Resonanz, die dort war, war unglaublich. Das war ja wirklich wie eine Party. Es gab überhaupt keinen Stress. Keiner von uns hat irgendetwas von dem anderen erwartet. Jeder sollte einfach nur locker sein und seinen Spass haben. Und genauso ist das dann auch rübergekommen. Und deshalb war es auch so geil.
Erwartet habt ihr die grosse positive Resonanz der Leute nicht?
Alle: Nein.
Ende der 90er bei der letzten TOXOPLASMA-Besetzung, sah das ja teilweise etwas anders aus. TOXOPLASMA waren nie ein Flop, aber manchmal kamen auch nicht mehr so viele Zuschauer.
Wally: Die Resonanz, die wir im Moment haben, hatten wir in dieser Form schon lange nicht mehr.
Harry: Das liegt auch immer an dem Gefühl, was du rüberbringst. Wenn du mit Herz und Seele dabei bist, dann ist manchmal auch egal wie du es spielst oder was du spielt. Das ist Teamwork. Das ist wie eine Uhr, deren Zahnräder ineinander greifen. Und deshalb ist die Resonanz auch so gut.
Stefan: Wir spielen ja auch endlich wieder „unsere“ Lieder. Es geht uns nicht so wie vielen anderen Bands, die dann denken: „Och, schon wieder diese alten Kamellen...“ Im Moment macht es mir richtig Spass die alten Sachen zu spielen.
Harry: Man muss ja ganz ehrlich sagen, dass TOXOPLASMA in der letzten Phase absolut perfekt waren, was ich von mir zum Beispiel überhaupt nicht behaupten kann. Ich bin froh wenn ich das überhaupt auf die Reihe kriege. Ich denke mal, dass geht den anderen auch so.
Stefan: (lacht) Ich bin froh, wenn ich dabei nicht umfalle.
Harry: Wenn man aber Spass dabei hat, wenn man das „lebt“, dann ist es egal ob man mal was schlecht spielt. Die Zuschauer wollen Spass haben, die wollen nicht irgendeine Platte hören. Die wollen ´ne Beziehung kriegen zu der Combo, die da oben steht.
Stefan: Ich hab jahrelang in einer Hardcoreband getrommelt. Wir haben uns den Arsch abgeprobt und waren bestimmt musikalisch sehr viel besser als unsere jetzige TOXOPLASMA-Besetzung. Aber du hast dann vor 10 Leuten gespielt. Du warst perfekt, du warst gut, aber es hat niemanden interessiert.

Die grosse Resonanz liegt aber zum Teil sicher auch darin begründet, dass ihr euch sehr rar macht und nur wenige ausgewählte Konzerte gebt. Wenn ihr regelmässig spielen und touren würdet, hätte jeder irgendwann TOXOPLASMA mal gesehen, und die Zuschauerzahlen gehen dann wieder zurück.
Stefan: Exakt das ist es.
Wally: Das Problem an der Sache ist, dass es für dich dann irgendwann nur noch ein Job ist. Du setzt dich damit selbst unter Druck und verlierst damit deine Kreativität...
Harry: ... und deinen Spass.
Wally. Ich hatte auch in den 90ern immer meinen Spass. Das Problem ist nur, dass in mir keine neuen Sachen gewachsen sind. Das dieses Feuer, diese Leidenschaft am Leben gehalten wird, indem du Altes reproduzierst, aber nicht indem du Neues weiterentwickelst. Dann verliert das für mich an Sinn.

Betrachtet ihr euch jetzt eigentlich wieder als feste Band oder als ein paar Leute, die gelegentlich wieder zusammen proben?
Stefan: Von 4 verschiedenen Leuten kriegst du da an verschiedenen Tageszeiten wahrscheinlich 8 verschiedene Antworten.
Harry: Im Grunde genommen sind wir aber eine Einheit. Alle Informationen (zum Beispiel Konzertanfragen) gehen zum Wally. Und er fragt uns dann ob wir da Lust und Laune zu haben. Ich für meinen Fall sehe uns schon als Band, die auch noch ein bisschen was bewegen will.
Stefan: Eine feste Band schon. Aber Wally hat Mitte der 90er mal gesagt, er ist mit dem Gedanken an TOXOPLASMA aufgewacht und mit dem Gedanken an TOXOPLASMA eingeschlafen. Das geht mir nicht so.
Harry: Wir arbeiten nicht an der Goldenen Schallplatte.
Stefan: Okay, wir sind TOXOPLASMA, wir machen im Moment TOXOPLASMA, weil wir unseren Spass an TOXOPLASMA haben, und wir proben regelmässig. Wir werden auch noch ein paar Konzerte geben. Aber es ist nicht geplant, dass wir zum Beispiel noch ´ne Europa-Tournee machen.

Es sieht ein bisschen so aus als würdet ihr mit euren Gebieten so ziemlich alle Gegenden Deutschland abdecken wollen: Peine, Berlin, Hamburg, demnächst Nürnberg, Essen... fehlt noch der Osten...
Harry: Das ist Zufall.
Es steckt also kein Plan dahinter, damit vielleicht jeder in Deutschland noch mal die Chance hat TOXOPLASMA zu sehen...
Wally: Das mit Berlin war auch ganz anders geplant. Ich hatte ja gelegentlich mit DRITTE WAHL zusammen diese Auftritte. Und dann hat mich Marc von MAD angerufen und gefragt ob ich Lust hätte auf dem Festival in Berlin für ´ne Viertelstunde ein paar Nummern zusammen mit DRITTE WAHL zu spielen. Da hab ich gesagt: „Ich kann dir was viel besseres anbieten. Wir proben gerade in der Original-TOXOPLASMA-Besetzung. Damals hatten wir auch gerade ein Programm für eine Viertelstunde zusammen. Wir sollten dann mal eben so zwischendurch spielen. Das Ende vom Lied war, das wir dann auf den Plakaten als Top-Act draufstanden. Natürlich hatten wir nur ´ne Gage für ´ne Viertelstunde ausgehandelt. Das Konzert stand als allererstes fest. Dann hat Höhnie davon Wind gekriegt und mir ein Ohr abgekaut, dass wir bei ihm spielen. Und so hat das eine das andere ergeben.

Probt ihr eigentlich auch neue Lieder ein oder nur alte?

Harry: Auch neue. Also von den neueren TOXOPLASMA-Liedern. Wir haben die erste LP eingeprobt und auch für uns neue aus der zweiten Bandphase. Sowas wie ein „Best of..“
Wally: Ich liebe Stücke wie „Schwarz-rot-braun“ oder „Leben verboten“. Die find ich genauso geil wie „asozial“.
Wie kommt ihr (Harry und Stefan) mit den neueren Liedern klar?
Harry: Immer besser.
Am Anfang seid ihr nicht so richtig damit warm geworden, weil´s doch ein anderer Stil ist?
Harry: Das wird runtergerechnet.
Stefan: Wir spielen die Dinger schon anders als die Besetzung Mitte der 90er.
Harry: Aber nicht schlechter. Ich sag mal punkiger.
Probt ihr auch ganz neue Lieder ein?
Alle: Im Moment nicht.
Denkt ihr vielleicht auch über eine „Best Of...“-Platte nach, wenn ihr die Lieder schon alle neu einprobt?
Stefan: Soweit denken wir nicht.
Wally: Es rufen auch viele Leute an wegen Konzerten und Touren. Denen sag ich konsequent ab, weil´s einfach zuviel wird.
Stefan: Wir planen solche Sachen nicht.
Harry: Wir kucken nicht weiter als bis zum nächsten Konzert.
Wally: Das ist auch das Problem, das ich gerade hab. Solange wir nur von Probe zu Probe und von Konzert zu Konzert denken, fühle ich mich nicht als feste Band. Ich habe 10 Jahre lang von der Band gelebt. Wir standen 5 Mal am Tag im Proberaum. Und wir hatten unseren festen Plan, wussten wann Touren und Platten anstanden.
Filtert ihr denn zum Beispiel auch Bands aus, mit denen ihr nicht spielen wollt.
Stefan: Ich für meinen Teil schon. Ich werde jetzt keine Namen nennen. Aber es gibt ganz sicher ein paar Bands, mit denen ich nicht spielen möchte. Auch deutsche Bands. Mit denen ich auch nicht unbedingt einen Abend verbringen möchte.

Wally, du bist derjenige gewesen, der als einziger in allen TOXOPLASMA-Besetzungen dabei war. War es für dich schwer zu verdauen als die Band sich Ende der 90er auflöste?
Wally: Nein, denn ich hab das Ende selbst eingeläutet. Mir sind keine Texte mehr eingefallen. Und ich hab kein Fortkommen mehr gesehen. Für mich ist Musik immer ein kreativer Prozess gewesen. Ich hab aber auch von der Musik gelebt. Und da bedeutete das für mich, dass ich mich immer kreativ weiterentwickeln muss. Immer neue Songs, immer neue Texte. Irgendwann kam der Punkt: Ich hatte keine Lust mich zu wiederholen, aber auch keine neue Inspiration. Weder für Musik, noch für Texte. Da gab es für mich keine Zukunft mehr. Die Kreativität war erst mal gestorben. Ich hab immer so Phasen gehabt von 4-5 Jahren, in denen das so war. Und ich hoffe, dass das wieder vorbeigeht.
Es ist also nicht so, dass du in den letzten Jahren neue Texte geschrieben hast für den Fall, dass es TOXOPLASMA eines Tages wieder geben wird?
Wally: Nein.
Harry: Aber Gitarrenriffs hast du schon geschrieben. Songs hat er schon.
Wally: Gitarrenriffs, klar. Ohne Ende.

Könnt ihr euch noch an den letzten Gig erinnern, den ihr in den 80ern in Originalbesetzung absolviert habt?
Stefan: Ja klar, sicher.
Wann und wo war das?
Stefan: Ich bin als erster aus der Originalbesetzung raus. Das war am Ende der Tour mit den BAD BRAINS, im Mai 1983 in München. „Schwabinger Bräu“ hiess der Saal. Da bin ich nachts mit dem Harald nach Hause. Das war´s für mich.
Was ist da passiert?
Stefan: Wir hatten damals unsere Differenzen. Ich mit den Jungs. Die Jungs mit mir. Dann hab ich lieber bei CANALTERROR angefangen zu trommeln.
Gibt´s eigentlich noch eine Platte von CANALTERROR, auf der du mitgespielt hast? Die „Zu spät“-LP erschien ja vorher. Sogar noch vor der ersten TOXOPLASMA (AGR 016 und AGR 017).
Stefan: Auf dem 2. „Underground Hits“-Sampler (AGR 027) sind 2 Lieder von CANALTERROR drauf, bei denen ich mitgespielt habe: „Roter Sand“ und „Chaot?“. Die Stücke sind sogar beide von mir. Dann noch was auf diesem holländischen Sampler „Babylon bleibt fahren“.

Hatte denn TOXOPLASMA auch nach eurem Ausstieg für euch noch irgendeine Bedeutung? Habt ihr das Bandgeschehen noch ein Stück weit verfolgt?
Harry: Ich persönlich bin damit konfrontiert und darüber informiert worden, weil ich mit Uwe in ein und derselben Firma gearbeitet habe. Noch viele Jahre lang. Ich hatte zu der Zeit keine schlechten Gefühle gegenüber der Band.
Stefan: Ich hatte schon ein schlechtes Gefühl, das muss ich ehrlich sagen. Wir sind ja auch im Stress auseinander gegangen. Dadurch, dass ich anschliessend jahrelang bei CANALTERROR dabei war und später bei TARNFARBE und immer Punkrock gemacht habe und wir auch getourt sind, habe ich immer noch den Namen TOXOPLASMA gehört. Aber irgendwann heilt die Zeit alle Wunden, das ist halt so. Ich hab´s jedenfalls noch verfolgt, aber mir die Platten nicht mehr gekauft. Ich hab sie mir zwar angehört, es war aber auf den ersten Blick nicht unbedingt mein Sound.

Früher war es teilweise so, dass die Zuschauer bei Bands wie SLIME mit 10-Markscheinen gewedelt haben wegen „Ausverkauf“ und „Kommerz“. Heute sind andere Zeiten, und so was kommt in der Regel nicht mehr vor. Wie war das bei euch früher? Gab es da auch diese unsäglichen Kommerzvorwürfe?
Alle: Nein. Noch nie.
Wally: Doch, Moment, einmal hatten wir Diskussionen. Damals an der Startbahn-West. Weil wir eine AGR-Band wären.
Harry: Da sind viele damals nicht drauf klargekommen.
Stefan: Das wäre ein Kommerzlabel. Und wegen der anderen Band aus Hamburg, bei denen damals diese Kommerzvorwürfe ziemlich laut wurden. Das wurde alles in einen Topf geworfen.
Harry: Du hast dann mehr oder weniger die Schelte für die anderen Bands mit abbekommen. Man muss aber sagen, dass wir die ganze Sache von Anfang an anders angegangen sind. Wir haben in vielen Jugendzentren gespielt, in besetzten Häusern. Und zwar wirklich nur für Benzinkohle, Übernachtung, gut zu Essen und ´nen guten Pott. Und für sonst nichts. Das konnten andere Bands damals nicht von sich behaupten.
Stefan: Im Grunde genommen war das bescheuert. Denn als Band machst du den Laden voll. Der Veranstalter kann sich ausrechnen was die Band, die P.A. und die Halle kostet. Er verdient ausserdem am Bierverkauf und am Eintritt. Warum kriegt eine Band nur 300 Mark, wenn da 500 Leute sind, die jeweils 5 Mark Eintritt bezahlen?!? Wieso?
Harry: Das war für uns aber eine ganz andere Geschichte gewesen. Das hatte für uns was mit Idealismus zu tun. Für uns war es wichtig, dass wir ein komplett finanziertes Wochenende hatten. Wir haben Leute kennen gelernt, Spass gehabt an der ganzen Geschichte, und um was anderes ging´s bei der Sache gar nicht.


Wally: Und wir waren sozial abgesichert. Wir sind nach Hause gekommenen in eine Wohnung, die den Eltern gehört hat, die den Kühlschrank voll gemacht haben.
Harry: Wir kamen alle aus Familien, die gut im Job drin standen. Jede Familie hatte ihr Einfamilienhaus, ein Auto vor der Türe... Sozial gesehen ging´s uns nicht schlecht. Aber das war ja nicht das, was wir wollten. Damit haben wir uns nicht zufrieden gegeben. Für uns war es einfach witzig so ein Wochenende zu erleben, während sich andere tot gelangweilt haben in irgendeiner Scheiss-Disco. Wir haben wirklich was erlebt... in Berlin, Freiburg, Tübingen... Unser Ding war ja immer mehr der süddeutsche Raum.
Die Norddeutschen waren immer etwas unterkühlt...
Harry: Ja genau. Ich weiss, dass wir mit TOXO zum Beispiel nie in Hamburg gespielt haben. Wir haben aber zum Beispiel 10x mit demselben Programm in Berlin gespielt. Die Berliner Szene war uns immer wohlgesonnen gewesen. Immer. Vom Anfang bis zum Ende. Wir haben die Berliner auch gemocht, weil sie natürlich gewesen sind, nicht überdreht. Egal ob das DTJ (DEUTSCHE TRINKERJUGEND) waren, FRAU SUURBIER, die ÄRZTE... Mit denen sind wir damals um die Häuser gezogen, haben mit ihnen zusammengespielt. Die haben ja damals auch alle in besetzten Häusern gespielt.
Stefan: Meinen alten Pass von damals hab ich noch. Der ist von vorne bis hinten mit alten DDR-Stempeln übersäht.
Stefan: Den „Inzucht“, den Sänger von DTJ, haben wir jetzt in Hamburg wiedergetroffen.
Der hat also trotz der ganzen Saufexzesse auch überlebt...
Harry: Der ist echt ein netter Kerl.
Stefan: Der war unser erster Kontakt damals in Berlin. Der kam direkt mit einer 7-Liter-Flasche Asbach an.
Ich hab DTJ mal auf irgendeiner Wiese in Borken gesehen. 1983 oder so bei einem Open Air. Die sind mit ihrem Auto mitten durch die Zuschauer direkt vor die Bühne gefahren. Die Türen gingen auf, und es fielen nur Flaschen und Menschen raus. Unglaublich !

Wenn ihr heute Lieder spielt wie „Asozial“, „Polizeistaat“, 1981“ oder „SOS“, dann sind das Lieder mit knallharten Texten. Wie seht ihr die Texte heute? Wie steht ihr im Nachhinein dazu?
Stefan: Die haben ihre Bedeutung. Und ihre Berechtigung. Mehr denn je.
Also regiert da keine Nostalgie...?
Stefan: Nein.
Wally: Damals 1981 sind wirklich harte Sachen passiert. Okay, ich gehe jetzt nicht mehr auf die Strasse. Und ich schmeisse keine Steine mehr. Aber ich komm damit klar das zu singen. Und Texte, mit denen ich nicht klar komme, die singe ich auch nicht.
Gibt´s die?
Wally: Ja, die gibt´s.
Welche sind das?
Wally: Zum Beispiel „Rüttel mich, schüttel mich, fick mich auf dem Küchentisch“. Das ist mir einfach zu blöd.
Harry: Manche Texte sind zeitlos. „Asozial“ zum Bespiel.
Stefan: Oder „Ordinäre Liebe“.
Harry: Die kann man immer noch so spielen wie vor 20 Jahren ohne sich damit lächerlich zu machen.

Gab´s für den Text zu „1981“ konkrete Anlässe? Oder war das mehr so ein allgemeines Wutgefühl aus dem Bauch raus?
Wally: Das war ein konkreter Anlass. Ich war mit ein paar Kumpels in Berlin, und da war eine Demo. Auf einmal prescht ein Mannschaftswagen der Polizei vorbei. Und alles haut ab. Nur ich nicht, denn ich hab ja nichts gemacht. Ich hab die Fresse voll gekriegt. Aber so richtig. Es war für mich die Revanche, die Wut so einen Text zu schreiben. Die Ohnmacht und die Wut.
Das war wie bei den Punks auf den Chaostagen in Hannover 1984. Als die Bullen ankamen, ist die Hälfte weggerannt, und die andere Hälfte blieb auf dem Rasen liegen. Man hatte ja nichts gemacht. Die sind dann auch richtig zusammengeschlagen worden.  Nun ja... Ihr steht also weiterhin hinter euren Texten.
Wally: Ja klar. Es gibt gute Texte und weniger gute Texte. Aber es gibt definitiv nur einen Text, bei dem ich sagen würde, dass er falsch ist. Und das ist „Heile Welt“. Dieser Satz: Das grosse Geld bringt mir kein Glück, und wenn ich´s hab, geb ich´s jedem zurück. Schwachsinn ! Das würde ich nie tun. Das ist definitiv falsch, und das würde ich nicht mehr singen.

Jetzt kommt eure erste Platte wieder neu auf WEIRD SYSTEM raus. Warum gab es sie so lange Zeit nicht mehr?
Stefan: AGR hat immer behauptet, sie hätten die Rechte. Und ich hab ihnen dann klar gemacht, dass es nicht vertraglich abgesichert war. Die haben dafür überhaupt nichts gemacht.
... auch früher nicht?
Stefan: Bei all dem Geschwätz über den Karl Walterbach von AGR muss man sagen, dass er sich früher sehr für seine Bands eingesetzt hat. Karl ist mit der Geschichte reich geworden. Aber okay, was spricht dagegen? Wenn ich die Chance hätte mit ´ner coolen Sache, mit coolen Bands Geld zu verdienen, dann würde ich das auch machen. Sicher, der hat später Kack-Sachen gemacht. Diesen Metal, HALLOWEEN und so was...  Aber egal. Ich hab irgendwann bei der verantwortlichen Person in Berlin angerufen, und die wollte von uns Kohle haben dafür, dass sie uns „laufen lässt“. Das war schon merkwürdig. Ich habe ihr dann begreiflich gemacht, dass es eher anders herum ist. Die Platte ist von Label zu Label weitergegeben worden. Und es war eigentlich nie so richtig sattelfest, wer da jetzt die Rechte dran hat. Zum Beispiel gab es nie einen Vertrag über die CD. Früher gab´s ja noch keine CDs. Wir hatten nur einen Schallplattenvertrag. Und niemals einen Vertrag über CDs.
Die Rechte liegen aber jetzt bei euch?
Stefan: Es ist zum ersten Mal überhaupt der Fall, dass wir selbst die Rechte besitzen.

Wie kam der Deal mit WEIRD SYSTEM zustande? Erst hiess es, die Platte erscheint dort, dann nicht, dann wieder doch. Was gab es für Komplikationen?
Wally: Wir konnten uns zuerst nicht über die Konditionen einigen. Die sind auf uns zugekommen, weil sie die Platte machen wollten. Wir haben verhandelt, sind aber zu keinem Ergebnis gekommen. Dann fassten wir den Entschluss das Teil selbst rauszubringen, was für uns aber finanziell nicht möglich war.
Harry: Nicht nur finanziell. Es war einfach von der Zeit zu aufwendig. Man muss auch Promo dafür machen, den Vertrieb und so was. Also warum geben wir das Ding nicht in die Hand von einem Profi, zu dem man auch ein gewisses Vertrauen entwickelt hat. Wenn man Vertrauen hat und die Konditionen stimmen, warum nicht? Wir haben uns über WEIRD SYSTEM schlau gemacht und eigentlich nichts Negatives gehört.
Stefan: Letztendlich denke ich, dass wir mit WEIRD SYSTEM auf einem vernünftigen deutschen Label sind.
Harry: Wenn man sieht was die in den letzten Jahren für deutsche Punksachen gemacht haben...
Obwohl das ja zum Teil auch nur alte Kamellen gewesen sind...
Stefan: Okay, aber wer macht das ausser denen? Und die machen das mit viel Liebe.
Und die bringen die wirklich guten Sachen wieder raus. SLIME, VORKRIEGSJUGEND. Nicht jeden Scheiss.
Harry: Die Aufmachung ist auch immer super. Die geben sich richtig viel Mühe und wollen auch damit Informationen an die Käufer weitergeben. In unsere Platte kommen viele Bilder, die niemand kennt. Eine offizielle Bandhistory, die von uns geschrieben worden ist. Bonustracks gibt´s...
Welche Bonustracks?
Stefan: Ich weiss es noch nicht, wenn ich ehrlich bin. Samplersachen wahrscheinlich. Von der alten „Mutti´s Muntere Melodei“-Compilation, dem „Underground Hits“-Sampler und so was.
Harry: Auf die CD kommt noch ein Videotrack von 1983.

Wenn man bedenkt, dass die erste TOXOPLASMA-Phase von 1980 bis 1985 reichte, dann habt ihr in den Jahren nur eine einzige LP zustande gebracht. Seid ihr so unproduktiv gewesen? Oder spielten die Besetzungswechsel eine Rolle?
Wally: So viele Besetzungswechsel gab es da gar nicht. Wir haben halt viele Samplertracks gemacht. Aber es war auch eine unproduktive Zeit. Das war auch wieder so eine Phase, in der mir keine Texte einfielen. Ich stand im Proberaum und hatte eigentlich keine Lust, weil keine Texte da waren. Unser Drummer hatte einen ganz bösen Arbeitsunfall. Bei dem auf der Arbeit ist ein Kessel explodiert, und der sah aus wie eine Currywurst. Unser Proberaum wurde ausgeraubt und leer geräumt.
Harry: In der Zeit von 80 bis 84 waren jedes Wochenende auch 1-2 Auftritte. Jedes Wochenende. Da hatte man gar keine Zeit mehr für neue Stücke.
Stefan: Wir waren auch nie begnadete Musiker. Wir waren froh als wir 20 Stücke hatten, die alles aussagten, was wir meinten. Und danach war einfach die Birne leer. Es gab bestimmt viel bessere Musiker als uns. Eine kleine Anekdote fällt mir da noch ein. Als wir erfahren haben, dass wir mit den BAD BRAINS zusammen auf Tour gehen können, kam ich mit dem BAD BRAINS Tape in den Proberaum und schlug vor ein Stück zu covern. „Die nageln wir an die Wand !“, hiess es. Wir nahmen dann „Big takeover“ und hatten vor das zum Soundcheck zu spielen. „Die BAD BRAINS“ werden sich wundern !“ Dann kamen wir nach Hannover in die „Korn“, und Gott sei dank haben die BAD BRAINS vor uns Soundcheck gemacht. (lacht) Meine Fresse, waren die gut !!!
Harry: Ich weiss noch wie du zu mir gesagt hast: „Am liebsten würde ich meinen Bass zertrümmern !“.
Stefan: (lacht) Ich glaub der Busfahrer von denen war besser als jeder von uns ! Das war unfassbar.

Es gab mal eine Single in 1000er-Auflage mit euren Demos von 1982. Darauf steht der Satz: „Es hätten damals, im Frühjahr 1982 in unserem Proberaum, richtig gute Aufnahmen werden können, doch dann kam GOTTFRIED !“. Was bedeutet das? Wer war Gottfried?
Wally: (lacht) Des Rätsels Lösung findest du, wenn du die Auslaufrolle rückwärts laufen lässt.
Stefan: (lacht) Ne, man kann´s selbst da nicht verstehen.
Wally: Gottfried kam und hat uns einen Riesenklumpen Haschisch auf den Tisch gelegt.
Stefan: Und auf der Auslaufrille singen wir „Gottfried kam mit Drogen“.

Stimmt es, dass einer von euch auf einen Felsen hoch oben über dem Rhein mal mit Farbe ganz gross das Wort TOXO angemalt hat?
Wally: Ja, das stimmt. Hoch überm Proberaum, direkt hier um die Ecke. Das war der Mitch. In einem riesengrossen Steinbruch. Auf der Hälfte auf dem Weg nach oben hatten wir unsere Grasplantage stehen. Mit einer Spraydose hat er da in riesigen Buchstaben TOXO hingesprüht. Das konnte man Jahrzehnte sehen. Das war so hoch. Da kam keiner dran um das weg zu machen.

Als Mitte der 80er Hardcore in Deutschland aufkam, da gab´s so was wie eine neue Szene mit Leuten, die zum Teil auch etwas elitär waren, die andere Ideen hatten. Punk hatte in ihren Augen etwas Rückständiges. Punks, das waren die ständig Besoffenen, die Dupus (Dumm-Punks). Hatten TOXOPLASMA damals auch damit zu kämpfen? Alles, was aus der Iro-Ecke kam, auch die England-Bands, hatte es teilweise etwas schwer.
Wally: Wir hatten ganz böse Kritiken im „ZAP“. Als Assis mit Oberlippenbart und Cowboy-Stiefeln wurden wir da tituliert. Dass kann ich bis heute noch nicht verstehen. Aber das hat mich nie berührt. Und ansonsten hatten wir so was auf Konzerten nie zu spüren bekommen. Wobei mir damals schon aufgefallen ist, dass wir teilweise vor sehr fertigen Leuten gespielt haben. Das war schon nicht mehr lustig.
Es war also nicht unbegründet, dass sich Hardcore damals entwickelt hat um sich von den fertigen Leuten abzugrenzen...
Wally: Genau. Das war zum Teil mega-megastumpf. Wir hatten einige Konzerte, die waren richtig finster. Auch als wir um 1990 rum in den Osten kamen. Das war nicht mehr lustig. Aber um noch mal auf Anfeindungen aus dem Hardcore zu sprechen zu kommen. Ich weiss nicht ob wir jemals richtig damit zu kämpfen hatten. Jedenfalls haben wir nie darunter gelitten. Wahrscheinlich weil wir das eh ignoriert haben und unser Ding gemacht haben, egal was der Rest der Welt davon hält.
Stefan: Als wir Anfang der 80er angefangen haben, da gab´s all die Unterscheidungen in Deutschpunk und Hardcore gar nicht. Wenn wir nun als eine DER Deutschpunkbands gehandelt werden, dann kann da von uns wahrscheinlich keiner was dazu. Nur weil unser Englisch zu schlecht war, sind wir nun eine Deutschpunkband. Das ist doch Kappes.

1989 nach der Reunion haben die Friseure in Koblenz nicht viel Geld an euch verdient, oder?
Wally: (lacht) Ne, das haben die aber noch nie.
Da gab´s auf einmal ja schon ein ziemlichen Metal-Einschlag bei TOXOPLASMA...
Wally: Ja, aber das war nicht geplant.
Harry: Keine Kohle um zum Friseur zu gehen, was?
Wally: Ich war mit 16 zum letzten Mal bei Friseur.
Was gab denn den Ausschlag für die Reunion 1989?
Wally: Das ist eine ganz merkwürdige Geschichte. Ich lag im Krankenhaus, bin operiert worden und hatte Langeweile. Dann bin ich nach Hause, hab meinen Drumcomputer geholt und mir „asozial“ und das „Föhnlied“ in den Computer einprogrammiert. Ich sass dann nachts im Wartezimmer, weil ich nicht schlafen konnte, und hab in diesen schlaflosen Nächten einfach aus der Erinnerung raus Songs programmiert. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, bin ich nach Hause und hab mir gedacht: „Jetzt machste ´ne neue Toxo-Scheibe. Eine mach ich noch.“
Da haben wir wieder die Nähe zu BONEY M.  Frank Farian hat ja bei denen auch alles alleine gemacht.
Wally: Die Songs hatte ich bis auf 2 alle einprogrammiert. Aber das mit dem Bass und der Gitarre hab ich nicht hingekriegt. Also bin ich zum Mitch gegangen, der 1983 nach dem Stefan eingestiegen ist und hab ihn gefragt ob der Lust hat Bass zu spielen. Uwe und George wollten Gitarre spielen. Dem Walterbach von AGR gefiel das, der wollte die „monsters of busshit“ dann rausbringen. Wir wollten auch auf Tour gehen, aber mit einem Drumcomputer ist das Scheisse. Also haben wir uns nach einem Drummer umgekuckt und hörten von jemandem, der bei einer anderen Band das Fusspedal kaputt getreten hat. Der schien uns qualifiziert.
Eine Platte mit Drumcomputer ist aber schon eine komische Sache. Hätte man da nicht warten können bis man einen geeigneten Drummer gefunden hat?
Wally: Sicher. Aber es war ja so gar nicht geplant. Ich bin ja nicht mit dem Gedanken an die Sache gegangen eine neue Platte zu machen, sondern am Anfang stand der Drumcomputer.

Für eine richtige LP hätte man dann aber doch noch das Schlagzeug richtig einspielen können. Man muss doch wissen, dass die Kritik nicht lange auf sich warten lässt.
Wally: Das haben bis heute die wenigsten gemerkt.
Stefan: (lacht) Eigentlich kann der Harry auch nicht richtig trommeln. Wir haben da im Hintergrund immer einen Drumcomputer laufen.
Ist also alles Playback...
Stefan: Ich beweg mich ja im Endeffekt auch nur zum Bass. Die Musik kommt von woanders.
Das ist ja wie früher bei Ilja Richter´s „Disco“ im Fernsehen. „Disco 05“ mit Toxoplasma und dem Drumcomputer.
Wally: Aber wie gesagt, da hat eigentlich keiner mit gerechnet, dass sich das so entwickelt. Ich hab´s eigentlich zu Anfang nur für mich gemacht.

Lasst uns noch was über die DVD reden. Kommt die dann auch auf WEIRD SYSTEM?
Wally: Wenn sie kommt, dann ja. Das ist noch nicht entschieden.
Was habt ihr für Material?
Harry: Aufnahmen von der BAD BRAINS-Tour 1983 in Osnabrück.
Stefan: 2 alte Aufnahmen aus Berlin. SO36 und Metropol.
Harry: Aus Hamburg noch was. Aus den 90ern gibt´s auch noch was. Insgesamt ist aber bezüglich des Materials noch alles offen.
Es gibt aber genug Material um die DVD kurzweilig zu gestalten?
Wally: Klar. Es ist aber auch immer eine Frage wie man das schneidet. Ich hab die SLIME-DVD gesehen und hab die nicht zu Ende gekuckt. Das muss ich dir ganz ehrlich sagen.
Harry: Eine Doppel-DVD ist auch etwas übertrieben.


Wally: Zumindest mit dem Material, was da zur Verfügung stand. Aber es ist natürlich auch schwer Aufnahmen aus den 80ern zu kriegen. Als in Berlin und Osnabrück eine Videokamera war, da war das eine Sensation.
Stefan: Auf der BAD BRAINS-Tour in Berlin sind wir mit 3 Kameras gefilmt worden. 1983. Wer hatte zu der Zeit eine Ausrüstung mit 3 Kameras?!?
Wally: Impact hat ja auch noch Material von uns. Ist nur die Frage wie das rechtlich aussieht. Wir haben in den 90ern auch einen professionellen Videoclip zu „Stillstand“ gedreht. Das war auch eine peinliche Aktion, mein Gott ! Wir haben in Düsseldorf gedreht, in der Nähe einer Schule, wo auf einer Wiese so riesengrosse Uhren sind. Da musste ich Playback singen. Eigentlich sollte ich nur so tun als ob ich singe. Aber das war mir zu doof. Also hab ich richtig gesungen. Also stand ich da ganz alleine auf der Wiese und hab gesungen. Und da war gerade Schule aus. (lacht) Das war peinlich. Aber das ging noch. Und dann gingen wir ins „AK47“, und ich hab da gesungen. Da standen dann die ganzen Punks, und ich sollte so tun als ob ich singe. Und da hab ich auch richtig gesungen, ohne alles. Die haben vielleicht alle blöd gekuckt. War das schlimm !! Aber der Clip ist nicht schlecht geworden. Dann haben wir noch ein paar Atombomben reingeschnitten, dann ging das.
Klar, das zieht immer.
Wally: Auf jeden Fall.
Stefan: Also die DVD ist noch ganz am Anfang der Planung. Das ist noch nichts Konkretes. Wir lassen uns Zeit, denn es soll ja auch was Vernünftiges werden. Nicht irgendwelche pumpenden Halsschlagadern, von der Decke hängende Ketten, wo irgendwelche Punkmacker... na ja, du weißt worauf ich anspiele...?
Auf das „Schweineherbst“-Video von SLIME?
Harry: Das ist so schlimm...

Ihr habt auch mal mit den DEAD KENNEDYS gespielt, stimmt das?
Wally: Ja, unter anderem in Osnabrück, im Hyde Park. Da waren nur Skinheads.
Was? Wieso das denn?
Wally: Keine Ahnung. In der ersten Reihe waren nur Skinheads. Das weiss ich noch ganz genau. Das sieht man auch auf dem Video. Ultra-viele Glatzen. Das waren alles Engländer.
Stefan: Das 2.Konzert mit den DEAD KENNEDYS war in Bad Honnef. Nachmittags haben wir einen Anruf von Karl Walterbach erhalten. „Ihr wohnt doch in der Nähe von Bad Honnef. Fahrt da doch mal abends hin. Die DEAD KENNEDYS brauchen noch ´ne Vorband.“ Wir haben dann da gespielt, und die fanden uns geil. Das war nett. Da gibt´s noch Fotos von uns und Jello Biafra. Nette Jungs. Die waren so souverän und entkrampft, genau wie die BAD BRAINS. Die hatten alle keine Starallüren.
Wally: Obwohl der Soundcheck von den BAD BRAINS schon schlimm war. Die haben nachmittags um 3 angefangen und waren abends um 8 immer noch dran.
Stefan: (lacht) Die haben dabei aber auch ungefähr ein Kilo geraucht.
Stefan: Ich weiss noch, dass wir für das DEAD KENNEDYS-Konzert in Bad Honnef alle Eintrittskarten hatten, denn das ist gerade mal 40 Kilometer den Rhein hoch. Dann hatten wir ja gehört, dass wir da spielen sollen, haben unsere Eintrittkarten verschenkt und sind da hingegangen: „Hallo, wir spielen hier heute“.
Wally: Der eine Rocker von den Ordnern hat Stefan dann am Kragen gepackt und gemeint: „Ihr spielt heute nicht hier“. Dann kam der Zeltinger und hat das klar gemacht. Der hat dann den Walterbach angerufen und danach ging das okay. Dann haben die Rocker uns endlich durchgelassen. Das war so geil. Das Konzert war im Kursaal. Da waren rote Vorhänge drin, vor denen so ein Butler mit schwarzem Frack und Tablett in der Hand stand. (lacht) Der lag hinterher mit ´ner eingeschlagenen Fresse irgendwo in der Ecke. Das Publikum ist dann in die Küche von diesem Hotel rein und hat alles demoliert ! Die haben die roten Vorhänge runtergerissen. Die haben an die Wand gepisst. Das sah vielleicht aus...
Stefan: Das war das erste und letzte Konzert in dem Kurhaus.
Wally: ... und draussen standen Bullen ohne Ende.


Das Gespräch dauerte anschliessend fast noch eine ganze Stunde. Es wurde eine lockere Plauderei, und der zunehmende Bierkonsum liess die Gespräche ausufern, so dass ich das Interview hier stoppe. Aber ich denke es kam auch so eine Menge Persönliches rüber. Anschliessend haben wir uns noch gemeinsam einige alte Fotos, die ihr hier zum Teil im Layout wiederfindet. Und irgendwann später legten wir uns gut angeheiert in einem angenehm temperierten Raum zum Pennen ab.

Ich hab´s mir ein bisschen bei der geschätzten wie geliebten Kollegin Sarah K. abgekuckt, Bands und Einzelpersonen zuhause zu besuchen und das Interview dort zu führen. Es ist unterm Strich viel persönlicher und informativer als ein Interview auf einem Konzert, wo jeder was von der Band will, wo der Soundcheck ansteht, das Essen fertig ist, jemand den Busschlüssel braucht und so weiter. Ganz zu schweigen von e-mail-Interviews. Deshalb werde ich demnächst wahrscheinlich öfter mal Leute zuhause aufsuchen und sie beim Bierchen mit Fragen löchern.

Ach ja: Wer ´ne Band hat und mal eine Platte einspielen möchte, der kann sich gerne mal bei Wally melden. Er hat ein Tonstudio, in dem ihr in familiärer Runde zu fairen Preisen eure Songs aufnehmen könnt. Den Kaffee gibt´s gratis. Genauso wie bestimmt die ein oder andere alte Anekdote von TOXOPLASMA. Meldet euch bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder kuckt unter www.toxomusic.com

Micha.-