ALTONA, KEVIN KEEGAN UND SCHLAGER

NO LIFE LOST, Skapunker aus Hamburg, sind mit einem neuen Album am Start. Seit fast 2 Dekaden ist die band schon Unterwegs und werden immer noch als Geheimtip und Newcomer gehandelt. Leider konnte ich dem Konzert in Lübeck nicht beiwohnen und wir mussten Das Interview  per Telefon machen. Ich hätte mal eine frische Batterie in das Aufnahmegerät legen sollen. Der Sound war teilweise schon sehr strange. Mit viel Mühe und einem ausserordentlichen Gehör, habe ich es dann doch noch geschafft. Das Interview führte ich mit der Yoko Ono der Band, Tim. Er kam gerade von seinem Bed-In mit John Lennon aka Ronnie, Basser der band und einigen vielleicht noch als Mucker bei den Alien Boys und Prollhead bekannt. Die Frage nach der Konstellation konnten wir nicht mehr beantworten. Wir warten also auf Beweismaterial vom Bed-In.

PB: Fangen wir doch mal mit einer provokanten Frage an. Altona 93 und auf der letzten CD war ja viel St.Pauli drauf. Seid ihr die Billigversion von Lotto King Karl?
Tim: Das ist in der Tat sehr provokant.
PB: Tja das hab ich mir gedacht. Aber zwei „Bands“ aus Hamburg, die für Unterschiedliche Aussagens stehen. Stadionrock mit Lotto und dem HSV und Ska und Punk  für Altona 93.
Tim: Na wir stehen nun nicht für einen bestimmten Verein. Das mit der Altona-Hymne hat sich so ergeben. Der Verein ist ja an uns heran getreten. Und ich gehe ja auch gerne dort ins Stadion. Wir haben eigentlich gesagt wir machen keine spezifischen Vereinsgeschichten. Es gibt einfach immer noch Leute, die das nicht unterscheiden können. Und wir wollen ja auch keinen Stress. Altona ist da einfach mal ein Ausnahme gewesen.
PB: Aber in jedem Fall, da gehe ich mal von aus. So wie ihr auch als Band funktioniert, die Kleinen sind euch auf alle Fälle lieber als die Großen?
Tim: Naja, Altona ist ja nun auch nicht mehr so klein. Die haben ein anständiges Stadion. Aber das wir den reinen Fußball mehr lieben als die große Show, ist schon richtig. Der kommerzielle Fußball fängt ja heute schon viel früher an als in der Bundesliga. In der Kreisliga ist das vielleicht noch anders.
PB: Wenn überhaupt noch. Denn selbst da werden ja schon Handgelder verteilt,  wo sich Spieler ihre Häuser mit finanzieren.
Tim: Das fängt ja auch schon früher an. Im Jugendfußball haben die ja schon kein vernünftiges Verhältnis mehr zum Fußball. Sich auf den Boden schmeissen und erstmal jaulend rumliegen. Das gucken die sich natürlich auch in der Bundesliga ab. Das kann mit Spass ja nicht mehr soviel zu tun haben.
PB: Sicher hat sich das schon ordentlich verschoben. Um den Spass allein geht es den wenigsten noch. Die sind in der E-Jugend schon Beckhams und Ronaldinos und wollen, wenn sie groß sind, alle in der Bundesliga spielen, weil es da ja ordentlich Kohle gibt.
Tim: Woran ja auch die Vereine nicht ganz unschuldig sind. In Eppendorf haben die eine ziemlich große Jugendabteilung und da schauen sich die großen Vereine und natürlich auch der HSV schon um. Da werden Kindern nach möglichen Talenten gesichtet und für die kleinen Vereine bleibt dann nur noch das was übrig bleibt und die bleiben dann natürlich auch klein.
PB: Tja das Profitum im Fußball und das ist in der Musik ja ähnlich. Ihr seid zwar noch nicht ganz soweit, aber ihr habt da jetzt auch einen großen Schritt gemacht. Vor fast 18 Jahren, wo ihr ja fast nur für euch Musik gemacht habt ohne große Promotion-Arie, müsst ihr jetzt plötzlich, weil es vielleicht auch euer Label sagt, Sachen machen wozu ihr vielleicht gar keine Lust habt.
Tim: Zum Beispiel Interviews wie dieses. Ja teilweise stimmt das. Bestimmt mehr als zu der Zeit als wir angefangen haben. Aber Erfolg ist das sicher noch nicht. Eher mehr Zustimmung. Das wir davon nicht leben können ist mir schon klar. Aber ein bisschen professioneller arbeiten ist schon die Vorrausetzung um mehr Platten zu verkaufen und das will Matzge (PorkPie- und Flat Daddy Rec.) sicher auch. Das ist natürlich anders als alles selbst zu machen, einen eigenen Verlag ein eigenes Label zu gründen. Das haben wir ja auch gemacht und war ja auch schön. Da haben wir dann die Studiokosten rein bekommen und das war’s dann. Aber Konzerte organisieren, den ganzen Merch und so. Das ist schon eine menge Arbeit. Jetzt wird das einfach auf mehrere Schultern verteilt. Mal sehen was passiert. Soviel wird sich aber sicher nicht ändern. Wir werden hoffentlich mehr auf Tour sein.

PB: Auf eurem ersten Album habt ihr ja auch in Englisch gesungen. Das habt ihr jetzt völlig aus eurem Programm raus gestrichen.
Tim: Nein, teilweise singen wir live immer noch auf Englisch. Gerade bei den Covers. Originale hören sich dann einfach besser an und bei einigen trauen wir uns auch gar nicht die zu übersetzen. Wir haben als normale Punkband angefangen und irgendwann ein paar deutsche Songs gespielt. Das kam ganz gut an. Vor allem bei Fußballfans ist das in Deutsch nicht so problematisch. Und so hat sich das dann weiter entwickelt.
PB: Man braucht schon ein bisschen Fußballverständnis um eure Texte zu verstehen. Wer weiß denn schon wer Sparwasser ist, über dessen Trikot ihr ja einen Song gemacht habt.
Tim: Ja ist schon nicht unwichtig. Wir singen ja aber nicht nur vom Fußball. Ist aber sicher ein  wichtiger Einfluß
PB: Was ist das für eine Situation mit Kevin Keegan über die ihr auf eurer neuen CD singt.
Tim: Das ist eine wahre Geschichte. Eine Freundin von Ronnie, unserem Bassisten, die war in der Zeit tatsächlich mal bei einem Trainingsspiel vom HSV und hat dann den Ball von Kevin Keegan an den Kopf bekommen.
Mighty Mouse ist für mich ja immer noch, ich meine was er heutzutage so alles sagt, würde ich nicht immer unterschreiben, aber als Jugendlicher hat er mich stark beeindruckt. Als Achtjähriger stand ich drei Stunden für ein Autogramm an einer BP-Tankstelle an. Ich wollte ihn auch noch was fragen, habe mich aber nicht getraut. Das Autogramm habe ich heute noch.
PB: Ich kann mich erinnern, dass es damals so’ne Werbung gab mit Kevin im Superman-Kostüm.
Tim: Kevin packt den Tiger ein!
PB: Genau.
Tim: War schon geil damals.

 

PB: Für euch steht dann in nächster Zeit viel an. Muttie bucht ordentlich für euch, sicher dann auch mal nach Süddeutschland.
Tim: Ja das wird sicher etwas mehr werden und dich denke mit Mutti ist das ganz gut. Die wissen was wir für Leute sind, halt so’n ganz chaotischer Haufen. Ist schon besser, wenn wir das nicht mehr selbst machen müssen.
PB: Ihr bringt die Scheibe ja auch auf Vinyl raus bei RatraceRecords, zusammen mit der Altona-Single, die es bislang ja auch nur auf CD gab.
Tim: Mit einem You never walk alone cover in Deutsch auf der B-Seite. Der Beste Rausschmeißer den es gibt. Also wenn da keiner geht. Dann  weiß ich auch nicht. Richtig schöner Schlagerschmalz
PB: Also ganz anders als Nachtklub oder Fähre nach Finkenwerder. Das sind ja zwei richtige Knaller geworden. Exrem Tanzbar. Spiel ich gerne auf Schlagernightern. Wie kommt man auf Fähre nach Finkenwerder?
Tim: Im Sommer fahr ich ja gern mal nach Finkenwerder. Aber das geht eigentlich gar nicht. Vollbesetzt mit Touris und so. Du kriegst da nicht mal einen Sitzplatz nachdem du schon eine halbe Stunde angestanden hast. Da musste ich mal was drüber machen. Night boat to cairo wollte ich schon immer mal machen. Hat sich dann angeboten

 

PB: Welcher Song mir am besten gefällt auf eurem neuen Album ist „Hauptsache Italien“. Da habt ihr das Thema ja konsequent durchgezogen. Respekt. Und mit „Ich fühle Sex“ ist ja auch ein bisschen Soul mit rein gekommen.
Tim: Das ist echt interessant. Die Feedbacks auf die Platte die wir erhalten, da findet jeder einen anderen Song gut. Es ist wirklich schon jedes Stück genannt worden, aus den unterschiedlichen Gründen. Das hatten wir noch nie. Immer gab es ein paar Favorites, die einfach geil rüber kamen. Aber mit dieser Platte. Das ist für mich auch ein Zeichen, das wir alles richtig gemacht haben. Für jeden was dabei und uns gefällt sie auch noch. Bestens.

Danach gab es noch einiges an Geplauder. War aber nicht mehr extrem wichtig um hier ein Erwähnung zu finden. Dann schauen wir mal, wie weit No life lost kommen. Vielleicht demnächst auf dem Radiosender eurer Wahl.

Stanley Head