Jeder der in irgendeiner Art und Weise mit Punk verwurzelt ist, und zumindest ein bisschen mit dem Internet vertraut ist, kennt wohl die größte deutschsprachige Punk-Community „Abgefuckt liebt Dich“. Das ist hier auch gleich die Gelegenheit für ein öffentliches Geständnis: Ich hab doch tatsächlich meine Freundin über diese Seite kennen gelernt! Angemeldet hatte ich mich ja eigentlich nur, weil ich die Idee einfach witzig fand, außerdem laufen einem in der Community immer wieder Leute über den Weg, die mal irgendwann irgendwo bei einem Konzert oder Festival kennen gelernt hat. Also einfach eine gute Möglichkeit in Kontakt zu bleiben.
Als ich mit meiner Freundin Bine im beschaulichen Münsterland bei ihrer Schwester war, packten wir gleich die Gelegenheit beim Schopf, und besuchten Abgefuckt liebt Dich-Erfinder und -Programmierer Jan Rakete in Osnabrück im Abgefuckt liebt Dich-Büro.
Bevor ich Euch jetzt hier zum Interview mit Jan Rakete entlasse, möchte ich Euch noch auf die PLASTIC BOMB-Gruppe auf „Abgefuckt liebt Dich“ hinweisen, wo ihr über alle Angelegenheiten betreffend dem PLASTIC BOMB diskutieren könnt.

 

J: Jan Rakete
L: Latti

L: Stell Dich mal der allgemeinen PLASTIC BOMB-Leserschaft vor…
J: Ich bin Jan Rakete, Gründer und Ideengeber von „Abgefuckt liebt Dich“.
L: Wie waren die Anfänge von „Abgefuckt liebt Dich“? Wie kamst Du auf die Idee so eine Dating-Seite für Punks zu machen? Und gab es diese ominöse Band ABGEFUCKT tatsächlich? Wenn ja, erzähl auch ein bisschen von der Band.
J: Die Gründung von „Abgefuckt liebt Dich“ war natürlich Verzweiflung… sexuelle Verzweiflung… Ich war derjenige halt, der vor vielen Jahren ganz alleine im Zimmer gesessen hat. Der sich gedacht hat: „Wie lerne ich jetzt am besten Leute kennen?“ In einer normalen Internet-Singlebörse halt, das war mir aber ein bisschen zu oberflächlich. Ich dachte, dass sollte man ein bisschen auf die Zielgruppe richten. Und so habe ich die Punk-Szene-Singleböse gegründet. Die Band ABGEFUCKT gab es tatsächlich, die Seite war auch so ein bisschen für die Fans der Band ABGEFUCKT. Deshalb auch der Name… Der wenn man die Geschichte nicht kennt, ein bisschen abstrus wirkt… Aber der tatsächlich dadurch entstanden ist. Es war halt auch die Idee, ein bisschen Werbung für die Band zu machen. Wir waren halt total schlecht… Wenn uns heute noch gäbe, wären wir noch immer schlecht…
L: Hast Du auch mitgespielt?
J: Ja, ich war Sänger, Songschreiber und Gitarrist auch. Mit der Band hat es allerdings am Anfang nicht so gut geklappt, wir hatten keinen Schlagzeuger… Aber ich fand den Namen so gut, und ich dachte, man muss ganz schnell dieses Feld besetzen. Einfach ABGEFUCKT. Und wir müssen so viel Merchandise mit dem Namen machen, dass niemand anderer herkommt, und sagt: „Ich habe auch eine Band, die heißt ABGEFUCKT.“ Deshalb habe ich mir auch ganz schnell den Domainnamen gesichert. Und dann aber schnell gesagt:“ Ok, kein Schlagzeuger – Machen wir erstmal was anderes.“ Und so kam dann „Abgefuckt liebt Dich“ zustande. Die Idee, halt so einfach Leute kennen zu lernen ist doch recht praktisch. Auch wenn ich es selber nie gemacht habe, aber scheint ja doch zu klappen. Die anderen Singlebörsen fand ich blöd, die waren zu steril, und kosteten teilweise auch Geld.
Das war zu einer Zeit, da gab es die ganzen Communities noch gar nicht. Da gabs kein studiVZ, MySpace gabs in Deutschland auch noch nicht. Und auch kein Facebook.
So kam dann diese Idee zustande. Man kann sagen, aus Langeweile und ein bisschen Verzweiflung halt. Ich dachte: Vielleicht klappts ja, vielleicht lernst Du doch ein Mädchen kennen…
Dass es dann so gewachsen ist, das hat mich dann auch ein bisschen überrascht. Aber die Idee war gut.
L: Hättest Du je erwartet, dass „Abgefuckt liebt Dich“ mal so groß wird? Wie war aus Deiner Sicht der Werdegang von einer kleinen Punkdating-Seite zu einer richtigen, fetten Punk-Community?
J: Nee… Also ich hab von meinen Eltern gelernt: Wenn Du mal was anfängst, musst Du es auch zu Ende bringen. Als dann „Abgefuckt liebt Dich“ auch größer wurde, hätte man auch sagen können: Kein Bock mehr… Wir haben halt kein Geld damit verdient, die ersten zwei Jahre haben wir es einfach so gemacht. Wir hatten zwar Kosten – Server und das Programmieren an sich – aber das Programmieren in der Freizeit hat auch Spaß gemacht.
Und es war auch nie abzusehen, ob man irgendwann auch damit Geld verdienen kann. Auf jeden Fall ist ja das Klientel „Punk“ sehr konsumkritisch, und noch seltener breit, was zu bezahlen – vor allem in dieser Internet-Gratis-Kultur, die zustande gekommen ist. Davon war ich nie ausgegangen, dass wir so stark wachsen.
Am Anfang haben sich einfach die Leute normal angemeldet, da waren es dann so 6000 bis 7000. Und dann – ich weiß nicht, ob es Segen oder Fluch war – hat sich das Fernsehen bei uns gemeldet. RTL hat ein Pärchen von einer extravaganten Singlebörse gesucht. Da war dann „Schwarzes Glück“ dabei, „MetalFlirt“, eine Singlebörse für Behinderte, für Leute die Hunde haben – und auch „Abgefuckt liebt Dich“.
Wir haben dann auf die Startseite geschrieben, dass sich Leute die Interesse haben ins Fernsehen zu kommen, sich melden sollen. Darauf hat sich der  Fichli von Impact gemeldet. Der war schön öfters im TV, bei so Talkshows halt. Da kam dann ein Beitrag, wie er dann Leute kennen lernt im Fernsehen. Da wurde unser Namen mehrmals genannt, und innerhalb von Stunden hatten sich 1000 Leute mehr angemeldet.
L: Weißt Du noch, wie die Sendung hieß?
J: Planetopia. Das ganze wurde auch noch wiederverwertet, so kam einige Tage später noch was bei Focus-TV, das war nachts um 22:00 Uhr oder so. Und dann noch wieder paar Tage später bei Taff, in Pro7. Und da ging dann wirklich gar nichts mehr.
Planetopia bei RTL war irgendwann nachts nach 23:00, da dachte ich, dass da keiner mehr guckt. Ich musste mich da richtig irgendwie wach halten…
Und die neuen Leute haben das dann wohl auch ihren Freunden erzählt, so hatten wir dann zwei Monate später ca. 15000 Mitglieder. Mit dem Wachstum musst Du erst mal zurecht kommen. Es gab dann nur die zwei Möglichkeiten: Lassen wir es sein, oder versuchen wir damit irgendwie Geld zu verdienen. Da kam dann Idee mit den kostenpflichtigen „Superpunk“-Modus. Das war eine Notlösung, weil wir es einfach nicht mehr bezahlen konnten. Wir brauchten einen neuen Server und bessere Programmierung. Wir hatten Kosten von 500 Euro monatlich, und das ging einfach nicht mehr. Ich war ja damals Student, und konnte mir das absolut nicht mehr leisten. Spenden hätte wohl nicht funktioniert, das weiß ich. Dann lieber einen freiwilligen Bezahl-Account. Es hat weiterhin jeder die Möglichkeit gratis die Seite zu nützen, und wer halt will kann um 1 Euro im Monat Superpunk werden, und mehr Features nützen. Und 1 Euro ist, denke ich, nicht so viel. Wenn ich bedenke, wie viel ein Bier auf einem Festival kostet….
Wir haben auch viel Gegenwind bekommen, von der Szene. Die Leute haben sich am Anfang drüber lustig gemacht usw. Wie wir mit der Band aufgetreten sind, haben uns dann die Leute auch kennen gelernt, und bemerkt, dass wir nicht allzu punkig auftreten. Ich habe zwar auch mal blaue Haare gehabt, habe das aber schnell wieder gelassen. Und die haben dann gefragt, was haben die mit Punk zu tun – Wir hatten ja recht nachdenkliche Texte, so in die Richtung TOCOTRONIC oder MUFF POTTER, es ging halt nicht um saufen, und damit konnten viele gar nichts anfangen. Was wir aber immer bewahrt haben, ist unser Humor. Wir haben das ganze immer einfach als Scherz betrachtet. Wir haben uns selbst verarscht, wir haben der Seite einen Scheißnamen gegeben, wir haben bis heute eine total bescheuerte Farbzusammenstellung – gelb und orange- und das ist bis heute für mich alles ein einziger richtiger Scherz. Deswegen fahr ich auch immer so auf den 1.April-Scherz ab, wenn wir einen machen.
L: Da war ja mal, dass ihr die Seite ans Spex verkauft hättet, oder so…
J: Ja, genau. Das macht mir auch immer Spaß. Manche nehmen so was todernst, das kann ich nicht so verstehen. Das finde ich auch Schade.
L: Wie viele Mitglieder habt ihr zum jetzigen Zeitpunkt?
J: Es sind jetzt knapp 70.000.
Wir löschen ja auch immer wieder Profile, von Leuten die sich nicht mehr einloggen. Und auch von Leuten, die Blödsinn machen – also starken Blödsinn. In dem Punkt sind wir auch ein bisschen moderater geworden. Wir haben früher auch immer stark aussortiert, und gelöscht. Das war auch Scherz, ja, wir wollten auch so ein bisschen provozieren. So in der Art: He, du hast die falsche Hose an, Du kommst hier nicht rein. Wir hatten so ein bisschen diese Türstehermentalität. Aus Jux. Hat ja eigentlich niemanden gestört, wir dachten: Was wollen die Leute bei uns… Aber als es etwas ernster wurde, mussten wir ein bisschen aufpassen in dem Sinne. Wir haben halt keine Kunden, denen wir es irgendwie recht machen müssen. Wir haben halt jede Menge Kunden, die monatlich einen Euro bezahlen. Und wenn wir es mit einem verscherzen, ist es nicht so schlimm. Das ist halt einfach ein Euro weniger. Wenn wir es aber mit Impact oder Nix Gut irgendwie verscherzen, die schon jeden Monat etwas mehr bezahlen, dann wäre das schlimmer – da muss man etwas freundlicher sein. Freundlich… Weiß nicht, will ich nicht so gern…
L: Am Anfang konnte man im Profil noch einstellen, ob man Freundschaften, eine Beziehung oder einfach nur schnellen Sex sucht. Warum habt ihr das entfernt?
J: Das war eben der Wechsel von Single-Börse zur Community. Aber ich bin immer noch der Meinung, dass „Abgefuckt liebt Dich“ weiterhin immer eine Singlebörse und Datingseite sein sollte, aber die Leute haben halt immer mehr nachgefragt, ob da sich auch Bands vorstellen können, können wir Foren und Gruppen machen usw. Da haben wir quasi den Anfragen nachgegeben, und gesagt: Ok, machen wir es halt. Und im Zuge dessen, sind dann die ganz speziellen Datingsachen raus gefallen. Das ist auch Schade, und wir versuchen jetzt auch wieder ein bisschen zurück zu gehen. Wir haben eben festgestellt: Communities findet man überall, aber spezielle Singlebörsen findet man nur auf besonderen Seiten, und da gehört „Abgefuckt liebt Dich“ dazu. Einfach wieder mehr Potential aus der Liebe schlagen, und nicht nur einfach Community.
L: Ich hab mal in einem Interview von Euch gelesen, dass Profile von Leuten, die nicht mit der Szene zu tun haben, gelöscht werden. Wo ist da die Toleranzgrenze? Meint ihr nicht, dass bei Leuten außerhalb der Szene „Abgefuckt liebt Dich“ eine gute "Einstiegsdroge" sein könnte?
J: Wie gesagt, wir haben das damals auch aus Scherz gemacht, weil wir uns das einfach leisten konnten.
Bei ein paar Tausend Leuten, die da angemeldet sind, sind auch immer wieder Leute dabei, die einfach nur schnellen Sex suchen, und da versuchen wir ein bisschen gegenzusteuern. Weil das macht die Seite irgendwie kaputt. Und die kommen halt selten wirklich aus der Punkszene. Ein klassischer Fall ist einer, der sich immer wieder anmeldet, und anbietet, dass er für 50 Euro jemanden die Schuhe leckt. Seit Jahren meldet der sich an, und wir kommen dagegen nicht an. Wir haben nun versucht einen Filter einzubauen, und seitdem geht es einigermaßen. Keine Ahnung ob der Punk ist oder nicht, wir schmeißen den aber einfach raus. Der spricht auch Minderjährige an – da nehmen wir uns die Freiheit raus, zu löschen.
Als wir am Anfang noch diese Türstehermentalität hatten, haben wir auch Leute gelöscht, die die „falsche“ Musik gehört haben. Es ist eben einfach so, dass man übers Thema Musik gut Leute kennen lernen kann, und es auch bei „Abgefuckt liebt Dich“ um Musik geht. Wenn da dann einer SARAH CONNOR bei Musik stehen hat, dann passt das nicht so richtig. Die fallen eben dann raus. Das machen wir jetzt nicht mehr, „Abgefuckt liebt Dich“ ist jetzt in der Szene so bekannt, dass sich eh nur diese Leute anmelden. In diesem Jahr wollen wir uns ein bisschen öffnen, und auch Konzerte wie BUSTERS präsentieren, die auch alternative Leute anspricht, aber nicht zu festgefahren auf eine Musikrichtung sind. Momentan verändert sich die Bandlandschaft schon gar nicht mehr, auf den Festivals spielen jedes Jahr die gleichen Bands. Das ist ein bisschen Schade. So kommen eben keine neuen Leute.
L: Du hast das Thema ja schon angeschnitten, was muss man anstellen, um bei „Abgefuckt liebt Dich“ gelöscht zu werden?
J: Man muss ja gar nichts anstellen, wenn Du am Anfang nicht reinpasst, hast Du ja nichts angestellt und bist kein böser Mensch, wirst aber trotzdem rausgeschmissen.
Und wenn einer einen anderen beleidigt, dann sperren wir den für ein paar Tage. Wir müssen uns dann quasi in die Person rein versetzen, die beleidigt wurde, und feststellen, wie schlimm ist das für die. Für mich ist es zum Beispiel schwierig, wenn z.B. ein Mädchen als Schlampe bezeichnet wird, weil für mich ist es ja nicht schlimm, wenn ich als Schlampe bezeichnet werde. Auf mich trifft es eben selten zu. Mädchen empfinden diese Situation viel schlimmer, die fragen dann: „Könnt ihr den nicht löschen?“ Und wir sagen dann, dass wir ihn für fünf Tage sperren. Weil wir die Situation einfach nicht kennen. Weil wir so was schwer beurteilen können, sperren wir eher, als löschen. Löschen tun wir auf jeden Fall Neonazis, bei rechtsradikalen Bands im Profil und Belästigung von Minderjährigen. Und halt Leute, die länger nicht online waren.
L: Bei den Beschimpfungen tut ihr echt jeden Fall einzeln prüfen?
J: Ja, wir müssen das wirklich. Wir versetzen uns da rein, aber es ist klar, dass da eine subjektive Meinung entsteht. Meistens ist es so, dass sich eine Person angegriffen fühlt, die wurde halt ganz stark beleidigt. Da ist oft schon was im Freundeskreis vorher vorgefallen, das ist bei 90% der Fälle so. Häufig ist es der Ex-Freund, oder Eifersucht, manchmal schuldet einer jemanden Geld… also ganz profane Dinge, die halt auch vor der Punkszene nicht Halt machen. Da müssen wir uns eben in diese Person rein versetzen, und urteilen wie stark die das empfunden haben könnte. Und dementsprechend muss auch irgendwie die Strafe ausfallen. Andererseits müssen wir uns auch in dem der beleidigt hat rein versetzen. Beispielsweise sperren wir dann möglicherweise jemanden der einmal in der Woche online ist, für zwei Wochen, und wenn jemand jeden Tag online ist, dann reicht es, wenn wir den für zwei Tage sperren. Weil der ja viel stärker davon betroffen ist. Das verstehen aber Leute oft nicht. Ist ein bisschen schwierig alles. Aber was willst Du machen, kannst ja nicht jedes Mal eine Abstimmung mit 1000 Leuten machen. „Hier ist die eine Nachricht, da ist die andere, jetzt stimmt mal ab wer recht hat….“
Und wenn ich einen schlechten Tag hab, dann straf ich manchmal ein bisschen härter, und wenn ich einen Guten hab, dann lass ich auch mal was durchgehen…
Bine: Melden solche Sachen nur die User, oder guckt ihr auch selber durch?
J: Also, das ist nur, wenn sich die Leute bei uns melden. Wir selber sehen da nicht so viel. Nur durch Zufall höchstens, wenn wir privat auf der Seite unterwegs sind, und uns was auffällt. Dann tragen wir das selber als Meldung ein, und bearbeiten das irgendwann mal dementsprechend.
Wir können das auch gar nicht leisten, wir können nicht jeden Tag 70.000 Profile durchschauen, ob jemand z.B. eine rechtsradikale Band drinnen stehen hat. Dann darüber werten, ob er es aus Scherz oder absichtlich gemacht hat, ob er jemanden foppen möchte, oder wirklich rechts ist…
L: Aber bei eindeutig rechten Bands, würde ich es einfach löschen, ohne lang nachzudenken…
J: Ja, das machen wir auch. Aber wir wissen auch, solange die Toleranz in der Szene da ist oder möglicherweise in seinem Freundeskreis, wartet er halt ein paar Tage, und meldet sich wieder an…. Dann lädt er diesmal kein Foto hoch, und schreibt andere Bands rein, und ist wieder da….
L: Mir ist aufgefallen, dass bei „Abgefuckt liebt Dich“ auch Werbung für Konzerte und Festivals mit einigen umstrittenen Bands gemacht wird, so wie z.B. KRAWALLBRÜDER. Es gibt auch eine BÖHSE ONKELZ-Fan-Gruppe. Da es ja jetzt auch in der Szene ganz aktuell Konflikte wegen den Geschäften von Nix Gut mit FREIWILD gibt, möchte ich Dich fragen, wo bei Euch bandmäßig die Grenzen sind?
J: Bei mir gibt es auf jeden Fall keine Grauzone, ich bin schwarz-weiß-Denker… Ich bin ÄRZTE-Fan, und da hat man gegen die BÖHSEN ONKELZ einfach eine Abneigung. Ist auch nicht meine Musik, ich find die Songs auch nicht so geil…eben ÄRZTE-Fan. Ohne ÄRZTE hätte es übrigens „Abgefuckt liebt Dich“ auch nie gegeben. Der Humor, die Eigendarstellung, die Selbstverarschung…
L: Lass uns zurück zu den BÖHSEN ONKELZ kommen. Sind nicht eher deren rechte Tendenzen das Problem?
Keine Ahnung…. Ich würde jetzt die BÖHSEN ONKELZ nicht gleich als rechts bezeichnen- das weiß ich einfach nicht. Vor allem würde ich nicht jeden, der BÖHSE ONKELZ hört, als rechts bezeichnen. So habe ich früher mal gedacht, damals habe ich aber auch gedacht, dass alle Skinheads Nazis sind. Ich habe mich ein bisschen mit dem Thema beschäftigt, und für mich festgestellt, dass einige Onkelz-“Fans“ Neonazis sind, aber der deutliche Großteil der BÖHSEN ONKELZ-Fans sind keine Rechten. Heißt aber trotzdem nicht, dass ich die Musik mag.
Wenn wir jetzt was präsentieren, sowie z.B. das Force Attack, dann fragt Imre (vom Force Attack) bei uns an. Dann denk ich mir, dass ich Imre soweit vertrauen kann, dass er sich Gedanken über die Bands gemacht hat, die da spielen. Zu der Zeit stehen eh meistens noch keine Bands fest, dass ich dann sage: „Ok, machen wir gerne.“ Wenn dann da auch KRAWALLBRÜDER spielen, muss ich halt dann damit leben. Ich finds nicht gut, aber deswegen das ganze Festival nicht mehr zu präsentieren halte ich für übertrieben. Das gleiche ist eben jetzt halt mit dem Spirit from the Streets-Festival, wo z.B. PERKELE spielen.
L: Ja, und auch SCHUSTERJUNGS und TRABIREITER.
J: Die kenn ich nicht so… Aber PERKELE sind patriotisch, ich halte sie zwar jetzt für keine Neonazis, aber ich würde nie ein Konzert von denen präsentieren. Wenn ich das sehe, würde ich sagen: „Machen wir nicht!“ Haben wir auch noch nie gemacht.
Wegen solchen Diskussionen über Festivals kriegen dann auch die Bands die Aufmerksamkeit, die sie gar nicht verdient haben. Die sollen halt da spielen, und wenn der Veranstalter merkt, dass da vermehrt rechte Tendenzen im Publikum auftreten, dann soll der Veranstalter entscheiden, dass die da nicht noch mal spielen. Wir wussten ja auch nicht, dass das mit KRAWALLBRÜDER beim Force Attack Scheiße gelaufen ist. Da gab es ja den Spruch: „Ein Galgen, ein Strick, ein Antifagenick“. Das wussten wir aber erst im Nachhinein. Wir hatten letztens von einem FREIWILD-Veranstalter eine Anfrage, ob wir deren Konzert präsentieren wollen, da haben wir aber klarerweise gesagt, dass wir das sicher nicht machen. KRAWALLBRÜDER haben sich schon öfters versucht, bei uns auf der Seite anzumelden, die haben wir immer wieder rausgeschmissen… Uns passt die Band nicht, wir entscheiden subjektiv…
Aber bei großen Festivals ist es einfach schwierig.
Da gibt es ja dieses Ehrlich und Laut-Festival, das ist ja auch so ein „BÖHSE ONKELZ-Fantreffen“. Da haben letztes Jahr auch FREIWILD gespielt. Da wurde uns vorgeworfen, dass wir das präsentiert hätten. Dabei haben wir das gar nicht gemacht, wir haben nur die Tour von einer Band, die da gespielt hat, präsentiert, nämlich MASSENDEFEKT. Da hätten MASSENDEFEKT sagen müssen: „Wir spielen da nicht…“ BETONTOD, WILDE ZEITEN und DIMPLE MINDS haben da auch gespielt… Die hätten alle sagen sollen, dass sie da nicht spielen. Das hätte den Festivalveranstalter unter Druck gebracht…. Ingesamt natürlich vorausgesetzt, die wussten über FREIWILD im Vorfeld Bescheid, was ja auch nicht klar ist.
Also, wir schauen sehr genau an, was wir präsentieren. Ein PERKELE-Konzert würden wir nie präsentieren. Wenn die auf einem Festival mitspielen, dann ist es mir zwar nicht egal, aber wir nehmen den Flyer auf unsere Seite. Und wir beobachten dann auch genau, was da dann im darauf folgenden Jahr so spielt. Im Prinzip entscheiden ja die Zuschauer, weil wenn keiner hingeht, dann gibt es das Festival nicht mehr…
Wir sind jetzt nicht die Meinungsmacher, die Leute sollen sich und Szene selber steuern. Wir könnten mit „Abgefuckt liebt Dich“ so viele Leute erreichen, dass wir ein Festival in Grund und Boden stampfen könnten, wenn wir wollen würden. Man muss auch sehr vorsichtig sein, wenn man eine gewisse Größe erreicht hat. Da muss man aufpassen, weil es könnte ja auch passieren, dass man eine Band an den Pranger stellt, wo es einfach falsch ist. Das könnte auch passieren, ist aber noch nie passiert.
Zum Thema FREIWILD und Nix Gut wollte ich noch sagen, dass ich Andy und Jürgen kenne, und die sicher neuerdings keine Neonazis sind, auch keine Rechtssympathisanten, oder irgendwas. Es lag wohl die Überlegung dahinter, ob man aufgrund fehlender Aufträge Leute entlässt, oder den Deal halt eingeht.
L: Man muss aber trotzdem sagen, dass sie da ziemlich in ein Fettnäpfchen getreten sind…
J: In diese Situation möchte ich eben gar nie kommen, deshalb haben wir hier bei „Abgefuckt liebt Dich“ auch ganz viele kleine Kunden. Das empfinde ich als ganz angenehme Situation. Warum sich Nix-Gut so entschieden hat, weiß ich nicht… Ob es der letzte Strohhalm war um da raus zu kommen, weiß ich auch nicht…. Das letzte Jahr war ja ein schlechtes Jahr für Mailorder, vielleicht haben die sich gedacht, bevor wir Leute entlassen, müssen wir es so machen. Die haben ja auch einige Behinderte als Mitarbeiter, die nicht so leicht was Neues finden.
Ich glaube nicht, dass da ein böser Hintergedanke war, und habe keine Ahnung wie rechts der Sänger von FREIWILD ist, und ob die ganze Band richtig rechts ist. Ich war da nicht dabei, und möchte diese Entscheidung auch gar nicht treffen. Muss sie ja auch nicht treffen, da bin ich ganz froh drüber.
Vielleicht weißt Du als Österreicher mehr über FREIWILD?
L: FREIWILD sind ja aus Südtirol, das ist in Italien.
J: Ja ich weiß, aber Du bist da ja näher dran bei Tirol.
L: Ja, also der Sänger war Mitglied bei den Freiheitlichen in Südtirol, die sind ganz eindeutig rechtsradikal. Der hat die Partei erst auf Druck des Plattenlabels verlassen, aber sich nie vom Parteiprogramm distanziert.
J: Wollen da in Südtirol nicht alle die Wiedervereinigung Tirols?
L: Nein, so kann man das nicht sagen. Das trifft auf eine kleine rechtsextreme Minderheit zu(so wie die Freiheitlichen), die wollen Tirol wieder vereinigen, und am allerliebsten auch noch gleich mit Deutschland. Aber der Großteil der Bevölkerung ist höchst zufrieden, wie es ist, Südtirol hat nämlich einen Autonomiestatus, alle Steuergelder bleiben im Land. Und der Autonomiestatus hat Südtirol nicht nur zur reichsten Provinz Italiens gemacht, sondern zu einer der reichsten Gegenden Europas.
J: Ok, abschließend zu dem Thema Grauzonenbands: Bei den einzelnen Bands suchen wir genau aus, wen wir präsentieren. Bei Festivals ist es einfach eine schwierige Situation.
L: Habt ihr Euch vielleicht auch schon überlegt, „Abgefuckt liebt Dich“ zu internationalisieren, also Englisch als zweite Sprache zu installieren, damit sich Punks aus der ganzen Welt anmelden können? Wäre doch eine interessante Sache...
J: Wenn die Menschen von sich aus alle gute Menschen wären, dann wäre das alles kein Problem. Aber so könnten sich beispielsweise polnische rechte Skins anmelden, und deren Parolen auf Polnisch verbreiten. Und da ich kein Polnisch kann, könnte ich das auch nicht unterbinden. Da müssten wir halt sagen, dass verpflichtend nur Englisch und Deutsch erlaubt sind. Da würden sich nur die wenigsten drauf einlassen, die sollen sich ja auch in Ihrer Muttersprache unterhalten können. Aber das können wir nicht organisieren. Wir könnten höchsten einen englischsprachigen Support anbieten, aber was dann die Leute aufs Profil schreiben, könnten wir gar nicht kontrollieren. Ich weiß nicht, wie das andere Seiten wie MySpace machen.
L: Die sind ja in jedem Land vertreten…
J: Ich glaub gar nicht in jedem, denen geht’s ja ziemlich schlecht… Die haben ja viele lokale Büros geschlossen, und bieten in vielen Ländern auch nur einen englischsprachigen Support an. Wie  die mit rechtsradikalen Bands umgehen wenn die die Sprache nicht können, keine Ahnung. Das kommt ja aus Amerika, da ist sowieso alles ein bisschen erlaubter….
Ich kenn auch Leute aus Finnland und Italien, die sich bei uns auch angemeldet hätten. Aber das können wir einfach nicht anbieten.
Wenn sich das lohnen würde, ok. Müsste man halt schauen, wie viele Punks gibt es in dem Land. Wie viele wären davon bereit, für Superpunk zu zahlen. Das wäre eine ganz klassische Kosten-Nutzen-Rechnung. Da müsste man eben schauen, ob es sich lohnt Muttersprachler versuchen zu bekommen, die sich auch in der Szene auskennen. Wenn die einfach nur Polnisch können, das reicht nicht, da kenn ich auch ein paar. Aber die müssen auch die Bands und Szene kennen, und beispielsweise auch welcher Fußballverein die meisten rechtsradikalen Anhänger hat und so halt. Die müssten wissen, welche Wörter verwendet werden, um Mädchen zu belästigen. Das wissen die alle nicht… Deshalb können wir das auch nicht anbieten.
Also, wenn müssten wir darauf bestehen, dass nur Englisch und Deutsch verwendet wird, aber das kannst Du den Leuten nicht antun…
L: Könnte man nicht ändern, dass man Konzerte und vor allem Festivals in ganz Europa eintragen kann? Viele richtig geile Punkfestivals sind außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Aber „Abgefuckt liebt Dich“ kennt leider nur die Länder....
J: Da sind wir jetzt auf jeden Fall dran. Das hat ein paar technische Gründe, die nicht ganz einfach zu lösen sind. Aber wir wissen natürlich, dass die Leute auch gerne auf Festivals außerhalb dieser drei Länder eintragen würden…
L: Das Problem ist wohl, dass das System nicht alle Postleitzahlen Europas kennt…
J: Genau. So ungefähr… Und zu jeder Postleitzahl gibt es eine Koordinate. Nur so kannst Du berechnen, welche Festivals in Deinem Umkreis liegen. Und wenn Du weder Postleitzahl, noch Längen- und Breitengrad hast, kannst Du auch keine Suche machen. Und da werden wir was steuern. Wir haben diese Daten erst mal nicht. Wir versuchen es so zu lösen, dass man in Zukunft nur noch Stadt und Land eingibt, aber keine Postleitzahlen mehr.
L: Wenn wir schon beim Thema Zukunft sind: Was erwartet die User in der Zukunft? Sind Änderungen geplant?
J: Wir arbeiten jetzt an einer komplett neuen Version von „Abgefuckt liebt Dich“. Erst mal eine komplett neue Grundbasis, die auch ein bisschen moderner ist. „Abgefuckt liebt Dich“ ist einfach alt. Das stammt aus meinen ersten Tagen, bevor ich studiert habe.
L: Wie alt ist jetzt „Abgefuckt liebt Dich“?
J: „Abgefuckt liebt Dich“ feiert jetzt im März den sechsten Geburtstag. Davor haben wir ja schon zu programmieren angefangen. Wir haben immer versucht zu modernisieren und Fehler zu beheben. Aber es ist halt nicht mehr sauber. Jetzt machen wir eine neue Grundbasis. Die bietet auch neue Funktionen, erstmal natürlich nur Verbesserungen. Es wird bessere Gruppen geben, mit Abstimmungen z.B. Es wird einen besseren Neuigkeitenverlauf geben, ein besseres Magazin. Man wird mehr Fotos hoch laden können, und auch Fotoalben anlegen können. Es wird auch einen neuen Kleinanzeigenmarkt geben, einen Wohnungsmarkt, Mitfahrgelegenheiten, was ja bei Festivals sehr praktisch ist. Alles halt irgendwie besser. Wo wir uns mit anderen Communities messen können, Facebook zwar nicht, aber MySpace vielleicht… Aber die neue Hammerfunktion habe ich für mich noch nicht festgestellt. Die kann meiner Meinung nach nur im Singlebereich liegen. Es gibt halt eine neue Funktion, wenn man Singles sucht, steht da in einem Kasten „Die Einsamkeit des Moments“. Da stehen dann Singles drinnen, die werden dann nach einem bestimmten Raster geordnet. Wenn man einen Mann sucht, werden nur Männer angezeigt, wenn man eine Frau sucht, werden nur Frauen angezeigt. Aber auch nur, wenn die auch wiederum einen Mann oder eine Frau suchen, die zu dem passen, der gerade eingeloggt ist. Das ist sicher ganz gut, aber die Hammerfunktion ist es auch nicht, das haben wir schon mitgekriegt. Die Funktion, wegen der sich Massen an neuen Leuten anmelden würden…  Aber aus den ganzen Singlesachen kann man bestimmt wieder mehr rausholen, funktionsmäßig halt.
Aber die Leute werden insgesamt mehr Möglichkeiten haben, wie sie es von anderen Communities her auch schon kennen. Vielleicht erzähle ich hier ja schon zu viel… Einen Punkt noch, es wird auf jeden Fall besser Privatsphäre-Einstellungen geben. Da kann man dann einstellen, wer mein Profil sehen kann, was jemand von meinem Profil sehen darf usw. Man kann dann die Freunde auch in Gruppen einordnen. Das wird alles funktionieren. Also abmelden wird sich niemand müssen, weil ihm bei „Abgefuckt liebt Dich“ zu wenig geboten wird…
Wir haben das für Frühjahr angekündigt, aber es wird wohl eher Sommer werden.
L: Mir ist aufgefallen, dass früher Werbung auf der Seite ausschließlich szeneinterne Firmen, Veranstalter, Mailorder, Labels oder ähnlichem vorbehalten war. In letzter Zeit konnte ich auch Werbung für Mediamarkt oder ganz obskuren Datingseiten mit halbnackten Frauen vorfinden. Wie seid ihr zu denen gekommen?
J: Ja, wir versuchen halt irgendwie Geld zu verdienen. Auch für die neue Version. Die wird auf jeden Fall mehrere Tausend Euro kosten. Generell wäre es auch schön, wenn man auf den Superpunk-Modus verzichten könnte, das wäre auch ein Ziel. Allerdings nur mit Werbung finanzieren reicht auch nicht… Genauso wie beim PLASTIC BOMB, man muss noch diesen kontinuierlichen Geldfluss haben. Man könnte die Werbung betrachten, als das Geld, dass man investiert, und der kontinuierlichen Geldfluss wird für den monatlichen Unterhalt verwendet, wie z.B. die Server, und die Leute, die hier arbeiten.
Andere Communities, wie z.B. MySpace oder Facebook wurden halt irgendwann gekauft oder haben Investoren, für einige mehrere hundert Millionen oder so – die haben einfach Geld. Die machen aber auch Verlust. studiVZ macht auch Verlust. Und wenn  ich für meine Seite draufzahlen muss, würde ich es irgendwann einfach lassen. Aus eigener Motivation heraus muss „Abgefuckt liebt Dich“ einfach ein Plus machen – nicht viel – aber draufzahlen möchte ich auch nicht privat.
Wir haben festgestellt, dass die Mailorder auch immer weniger Geld haben, und viele sich keine Werbungen mehr leisten können. Im letzten Jahr sowieso. Das liegt an der ganzen Musiksache, weil die Leute sich alles runterladen. Die haben bei Tonträger einen Rückgang von 50%, und müssen jetzt verstärkt Klamotten anbieten. Wenn die weniger Werbung bei uns buchen, müssten wir quasi weniger Server bereitstellen. Das würde die Seite langsamer machen.
Wenn die normalen Szenekunden die Werbung nicht mehr kaufen, obwohl sie ziemlich billig ist, haben wir überlegt, dass wir jetzt irgendwie auch andere Werbung einblenden. Wir haben beschlossen, dass min. 30% der Werbung soll der Szene vorbehalten sein, die restlichen 70% müssen wir versuchen irgendwie auszufüllen. Wenn wir einen Monat mal 50% Szenewerbung haben ist es natürlich auch gut, aber es sind normalerweise immer diese 30/70. Wir blenden auch immer wieder gerne diese AIDS-Werbung ein, das liegt uns halt am Herzen. Wir machen auch die Flyer dazu. Das sind die, wo „Gib AIDS keine Chance!“ draufsteht. Das machen wir kostenlos.
Wir müssen halt die 70% irgendwie auffüllen. Es ist ja auch irgendwie ein komisches Denken, dass Punks keine Versicherung, Wohnung, Fernseher oder Handyvertrag brauchen.
L: Die Frage ist nur, ob da dann auch ein guter Handyvertrag beworben wird…
J: Ja, aber den Fernseher kaufst Du auch vielleicht beim Mediamarkt, und selbst wenn Du den am Flohmarkt holst, hat ihn vielleicht der Vorbesitzer bei Mediamarkt gekauft. Das ist alles so eine Sache…
Das Problem ist halt, dass wir bei den 70%, die wir auffüllen, nicht kontrollieren können, was da für eine Werbung kommt. Das ist halt manchmal über Google, manchmal über andere Werbeanbieter. Die schmeißen mal so eine Million Werbungen bei uns rein. Deshalb kann es leider auch sein, dass eine Werbung die sexistisch ist, angezeigt wird. Sobald das bei uns gemeldet wird, schmeißen wir diese Werbungen raus. Die User sollen uns solche Werbungen melden, anders geht es leider nicht. Es wäre natürlich schön, wenn auch nur Szenewerbung da wäre… PLASTIC BOMB hat beispielsweise noch nie bei uns Werbung gemacht… Unsere Stammkunden sind die drei großen Mailorder, dann gibt es viele kleinere Kunden, die ab und zu buchen, und immer pünktlich bezahlen. Die haben wir auch sehr lieb gewonnen. Aber es reicht nicht, um die Seite zu füllen.
L: Zum Thema Datenschutz: Ist „Abgefuckt liebt Dich“ total sicher?
J: „Abgefuckt liebt Dich“ ist so sicher, wie das Internet. Also wenn jemand bei „Abgefuckt liebt Dich“ einbrechen will, dann kann er auch einbrechen. Genauso wie es Hacker schaffen, bei der NASA einzubrechen. Genauso wie sie es bei studiVZ geschafft haben. Und auch bei Facebook.
L: Glaubst Du, dass es genau so schwierig ist, wie bei der NASA?
J: Das natürlich nicht. Wenn es jemand will, dann kommt der da rein. Das kann man nicht abstreiten. Wenn es einer auf „Abgefuckt liebt Dich“ abgesehen hat, der sich damit auskennt, dann schafft er es auch, irgendwann. Das ist dann eine Frage der Zeit. Wenn ein Hacker will, dann kommt der da rein. Das ist einfach so, das ist allgemein das Problem bei Daten im Internet. Man sollte auch keine Daten angeben, die nicht gehackt werden dürfen. Wenn ich einen falschen Namen rein schreibe, dann kann der auch nicht geklaut werden. Also wir strafen keinen der einen falschen Namen oder ein falsches Geburtsdatum eingegeben hat. Dann muss er auch keine Angst haben, falls „Abgefuckt liebt Dich“ mal gehackt wird. Wir hatten bisher zum Glück noch nie was. Dafür, dass die Seite schon mal im Fernsehen war, und solche Leute aufmerksam werden hätten können…
Also ich kann den Leuten nur raten, wichtige Sachen stellt man nicht ins Internet.
„Abgefuckt liebt Dich“ ist eine Dating-Seite, wo die Leute nur angeben sollen, was sie wollen – dann brauchen sie sich auch keine Sorgen machen.
L:  Könnt ihr eigentlich rein theoretisch die Mails lesen, die die User untereinander schreiben?
J: Wenn wir es wollen würden, könnten wir jeden Tag die Hunderttausend Nachrichten, die geschickt werden, lesen.
Wir haben hier zwei Stufen. Ich habe das Passwort für die ganze Datenbank, andere Mitarbeiter können nur in die Profil-Daten rein. Gesendete Nachrichten müssen ja auch irgendwie vom Empfänger technisch gelesen werden können, und deshalb liegen die auch auf der Datenbank, ist doch klar. Wir dürfen  sie natürlich nicht lesen, wegen dem Briefgeheimnis. Wir machen es natürlich auch nicht.
L: Wie denkt ihr darüber, dass in Deutschland aus "Terrorschutzgründen" kontrolliert wird, welche Internetseiten ein User besucht?
J: Die Vorratsspeicherung des Staates ist so ein Ding, dass ich privat natürlich nicht gut finde, aber aus betrieblicher Sicht weiß ich, dass es Leute gibt, die sonst nicht gefasst werden könnten.
Als Betreiber IP-Adressen zu speichern ist für uns die einzige Möglichkeit, die wir haben, um gegebenenfalls Leute die auf unserer Seite kriminelle Sachen machen anzeigen zu können. Sonst könnten wir die Typen(können auch Mädchen sein, sind aber meistens Männer) nicht erwischen. Könnte ja auch ein Kinderschänder sein… Sowas passiert ungefähr einmal im Jahr, dass man mal sowas wirklich machen muss. Und da ist die IP-Adresse das einzige Mittel, um die Person zu bekommen. Als Betreiber ist es gut, als Privatperson nicht…
L: Hattet ihr schon mal Probleme mit dem Staatsschutz?
J: Nein. Wir haben auch seit zwei Jahren keine Anfrage mehr, von der Polizei bekommen. Vorher ja, das waren aber hauptsächlich vermisste Personen. Sechs von zehn Anfragen waren vermisste Personen. Da hat halt die Polizei oder manchmal auch die Mutter gefragt, ob wir nicht nachschauen können, wann die Person als letztes eingeloggt war. Dann müssen wir halt entscheiden. Bestimmte Daten dürfen wir ohne richterlichen Beschluss raus geben. Wenn jetzt die Mutter ihre Tochter vermisst, dann schicken wir ihr per E-Mail die Daten, wann sie sich zuletzt eingeloggt hat, damit sie wenigstens noch weiß, dass die Tochter lebt. Wenn die aber auch die Mails lesen will, das machen wir dann nicht. Dazu bräuchten wir auch einen richterlichen Beschluss.
Eine andere Polizeianfrage gabs mal, als ein Punk den anderen Punk geschlagen hat, und das vorher bei „Abgefuckt liebt Dich“ angekündigt hatte. Einmal wurde einer im Flohmarkt beschissen. Aber es gab noch nie was richtig Aufregendes.
Und es hat uns in den letzten zwei Jahren auch kein Anwalt mehr was verboten.
L: Gabs das auch schon?
J: Da gings meistens um Markenrechte, wenn halt Leute Bilder von anderen geklaut haben. Wir sind da zwar nicht die Schuldigen, aber die, die es löschen müssen.
L: Wie ja allgemein bekannt ist, "liest der Feind mit". Für rechtes Gesocks und Bullen ist „Abgefuckt liebt Dich“ natürlich eine willkommene Informationsquelle. Was empfiehlst Du daher, welche Angeben User in ihrem Profil machen sollen, was gehört auf keinen Fall auf ein „Abgefuckt liebt Dich“-Profil?
J: Was ich ganz schlimm finde, ist, wenn sich irgendwelche Leute zu nicht genehmigten Demos bei „Abgefuckt liebt Dich“ verabreden. Das ist das Dümmste, was man machen kann. Wirklich das Allerdümmste.
Andere Angaben: Das muss jeder selber abwägen. Wenn ich es wirklich als Single-Community nütze, und jemanden ernsthaft suche, dann sollte ich wohl ein Bild reinstellen. Dann muss ich es eben machen… Es gibt zwar Fotoregeln, dass man halbwegs erkennbar sein sollte. Aber wenn man das nicht will, dann lädt man einfach keins hoch.
Und das mit der Erkennbarkeit ist halt so eine Regel in der Single-Community-Welt – vielleicht sollte man das ja mal ändern- keine Ahnung. Es ist halt so, wenn man Leute kennen lernt, möchte man sie ja auch gerne wieder erkennen.
Also, illegale Demos oder Treffen gehören nicht auf die Seite, weder in den Planer, noch ins Profil. Man sollte auch keine Straftaten ankündigen…
L: „Heute überfalle ich eine Bank“ im Planer….
J: Es gibt Leute, die machen das tatsächlich! Das ist dann wohl hoffentlich meistens nicht so ernst gemeint, aber die brauchen sich dann nicht wundern, wenn bei ihnen dann jemand vorbeikommt…
Es wurden auch schon Punkertreffen eingetragen, wo dann schon die Polizei auf die Leute gewartet hat…
Die Leute müssen sich halt in solchen Fällen irgendwie ohne „Abgefuckt liebt Dich“ verabreden, das hat ja früher auch geklappt, bevor es „Abgefuckt liebt Dich“ gegeben hat. Die Leute sind so träge geworden, die können ohne „Abgefuckt liebt Dich“ gar nicht mehr leben…
Die Foren sind alle offen, und kann jeder lesen, auch ohne Anmeldung. Der Grund ist einfach, dass wenn es private Foren geben würde, die Leute auch mehr illegale Sachen rein schreiben würden. Und wenn da was  versteckt wäre, würden auch die Anfragen der Polizei wieder sprunghaft ansteigen.
L: Bei den Fotos im Profil, schreibt ihr, das jeder User als Fakeschutz eine bestimmte Zahl in die Kamera halten kann. Aber ein richtiger Fakeschutz ist das ja auch nicht, Du kannst Dich ja auch als falsche Person ausgeben, und trotzdem mit Nummer fotografieren....
J: Es geht eigentlich darum, dass es im Internet einfach populäre Fotos gibt, die gerne geklaut werden.
Und Leute, die beschuldigt werden, ein Fake zu sein, können ein Foto mit der Nummer, die bei jedem „Abgefuckt liebt Dich“-Profil anders ist, auf einen Zettel in der Hand reinstellen. Da kann man dann davon ausgehen, dass die Person echt ist.
L: Es gibt ja auch die „Chaotenzentrale“ von Nix Gut. Das ist ja was ähnliches wie „Abgefuckt liebt Dich“. Angeblich soll Nix Gut am Anfang für den Aufbau der „Chaotenzentrale“ die Mitgliederdatei von „Abgefuckt liebt Dich“ gekauft haben. Mich würde interessieren, wie das damals abgelaufen ist und was da dran ist.
J: Es gibt Leute, die verstehen das nicht so richtig…
Also, es gibt „Abgefuckt liebt Dich“ und den Code von „Abgefuckt liebt Dich“. Dieser Code ist so programmiert, das wenn ich bei „Abgefuckt liebt Dich“ auf die Seite gehe, die Seite gelb ist. Und wenn ich bei www.chaotenzentrale.de auf die Seite gehe, ist sie grau, genauso wie die Chaotenzentrale. Wenn ich mich bei Chaotenzentrale anmelde, wird in der gemeinsamen Datenbank „Chaotenzentrale-Mitglied“ eingesetzt, wenn ich mich bei „Abgefuckt liebt Dich“ anmelde, wird da „abgefuckt-Mitglied“ eingesetzt. So erkennen wir, ob es ein „Abgefuckt liebt Dich“-User, oder ein Chaotenzentrale-User ist. Die liegen aber alle in einer Datenbank. Das System verwendet eine Datenbank, so dass sich alle Leute miteinander unterhalten können. Das heißt, wir haben keine Mitglieder an die „Chaotenzentrale“ oder Nix-Gut verkauft, die Leute haben sich nur auf einer Seite angemeldet, und sind in eine gemeinsame Datenbank geflossen. Und für die Nutzung des Codes zahlen die Miete.
Als Beispiel könnten wir jetzt noch eine Community aufmachen z.B. Die Community der PLASTIC BOMB-Fans. Die PLASTIC BOMB-Fans würden dann jeden Monat 100 Euro zahlen, dass wir die Server bereitstellen, dass wir die Crew bereitstellen und wir würden auch schauen, dass alles funktioniert. Da könnten sich dann Leute bei der PLASTIC BOMB-Fans-Community anmelden, und würden dann auch in der gemeinsamen Datenbank landen. Die PLASTIC BOMB-Fans Community könnte selber die Profile kontrollieren, die Fotos freigeben und die Kleinanzeigen kontrollieren. Wir machen das bei unseren Mitgliedern, „Chaotenzentrale“ bei ihren. Aber alle könnten sich miteinander unterhalten. Es wäre gar nicht möglich, dass wir Daten an Nix-Gut verkaufen, weil dass setzt ja voraus, das nun zwei unterschiedliche Datenbanken existieren müssten.
L: Wer hat das alles eigentlich programmiert? Das ist doch sicher eine Menge Arbeit....
J: Das war eine Menge Arbeit… Ich hatte ja keine Freundin zu dieser Zeit… Ich habe alles programmiert.
L: Wie lange hast Du dafür gebraucht?
J: Das ist ja gewachsen. Am Anfang gabs ja noch keine Foren, da konnte man sich einfach nur unterhalten. Hat schon Schritt für Schritt ein paar Jahre gedauert. Ich hab ja gerne gemacht. Ich hab bei meiner Ausbildung angefangen, dann während meines Studiums, hab ich dann auch bemerkt, dass ich damit ein bisschen Geld verdienen kann, um mein Studium zu finanzieren. Ich kann da aber jetzt nicht in Stunden abschätzen.
L: Was hast Du denn studiert?
J: Informatik.
Ich würde gerne mal was andres machen, irgendwann einmal. Gärtner oder so. Irgendwas, was noch da ist, wenn kein Strom mehr vorhanden ist. Wenn jemand aus dem Server den Strom ausstöpselt, dann ist alles weg, was ich je gemacht habe…
Also, ich hab da eben alles programmiert, hab mir natürlich auch Tipps von Freunden geben lassen. Jetzt, wo wir die Firma hier haben, ist die Programmierleistung die kleinere Arbeit. Jetzt geht’s mehr um organisieren und kontrollieren, Supportfragen beantworten und die technischen Fragen rund um den Server.
Jetzt programmieren wir wieder etwas mehr, wegen der neuen Version.
L: Und am Anfang bist Du 24 Stunden am Tag im stillen Kämmerlein gesessen?
J: Ja, so ähnlich. Ich hatte halt Lust, und das Internet bietet gute Möglichkeiten seine Ideen schnell zu verwirklichen.
L: Wie viele Leute arbeiten bei „Abgefuckt liebt Dich“? Wie läuft da ein normaler Arbeitstag für einen Mitarbeiter ab? Wie kann man sich das vorstellen?
J: Wir haben hier ein paar 400-Euro-Kräfte, die halt nicht komplett auf 400-Euro-Basis arbeiten, sondern ein bisschen weniger. Die nehmen einen großen Teil, der organisatorischen Sachen ab, Profile kontrollieren, Supportfragen beantworten usw. Zur Zeit läuft für die Programmierer alles ein bisschen anders, weil wir die neue Version programmieren. Aber normalerweise ist es so, das ich 80% für die Firma beschäftigt bin, und 20% bei „Abgefuckt liebt Dich“, also von der Zeit her. Aber anders lohnt es sich einfach nicht. Die 20% sind dann ca. 90 Minuten, da kümmere ich mich dann um die wichtigen Sachen, wie Streitfragen oder welche Festivals wir präsentieren sollen. Ich versuche immer, dass es halt am Laufen bleibt. Aber die restliche Zeit des Tages muss ich hier den normalen Job als Programmierer nachgehen. Wir programmieren ja hier in der Firma für verschiedene Communities.
Ich bin auch der einzige Festangestellte hier, der auch bei „Abgefuckt liebt Dich“ mitarbeitet, die anderen sind alles 400 Euro-Kräfte. Und dann gibt es eben noch die Buchhaltung, die wir aber auch mit den anderen teilen. Auch die Technik, und teilweise das Marketing können wir hier mitbenützen. Sonst hätte ich Tag und Nacht durchgehend zu tun… Also alle Leute hier in der Firma wissen über „Abgefuckt liebt Dich“ Bescheid, und haben vielleicht auch schon mal was für „Abgefuckt liebt Dich“ gemacht. Also, es sind viel weniger Mitarbeiter, als man vielleicht denkt. Ich würde gerne mehr Mitarbeiter beschäftigen, das geht aber wegen dem Geld nicht.
Es sind hier auch noch Leute von der Szene dabei, die tun z.B. die Bands beurteilen.
L: Da muss ja immer 24 Stunden lang jemand hier arbeiten, oder?
J: Neee, wir haben ja auch auf unserer Seite stehen, dass z.B. am Wochenende keine Fragen beantwortet werden.
L: Könnt ihr von „Abgefuckt liebt Dich“ leben?
J: Die Frage ist ja schon praktisch beantwortet: Nein, können wir nicht.
Es mag noch alles so groß erscheinen….
Es gibt leider auch überraschend wenig Superpunks, die den einen Euro monatlich zahlen. Von dem einen Euro bleiben dann für uns eh nur noch vierzig Cent über, weil auch die Bestätigungs-SMS mit dem Code Geld kostet, und dann noch die Mehrwertssteuer.
Also von dem können wir nicht leben. Aber wir freuen uns über jeden Superpunk. Man hat ja als Superpunk auch definitiv Vorteile. Ich find e auch selbstverständlich, das ich für solche Leistungen zahle, weil da immerhin Leute jede Menge Arbeit rein gesteckt haben.
Wenn ich einen Artikel auf Spiegel-Online lese, bin ich auch dafür, dass die Leistung bezahlt werden soll. Da hat jemand viel Arbeit investiert, und Geld in die Recherchen rein gesteckt. Und wenn dafür dann Werbung auf der Seite erscheint, finde ich das voll ok.
L: Haben sich schon bei Euch Leute bedankt, die bei „Abgefuckt liebt Dich“ tatsächlich ihre große Liebe gefunden haben? Habt ihr auch schon für Nachwuchs gesorgt?
J: Also, ich dachte früher immer, dass die Leute in der Punkszene ein bisschen anders sind. Aber es ist hier leider auch nicht anders. Leute melden sich nur, wenn sie sich beschweren wollen, oder Druck ablassen wollen. Aber wenn’s ihnen gut geht, dann bedanken sich relativ wenige Leute. Wir wissen schon, dass ein paar geheiratet haben, und ein paar haben Kinder bekommen. Der Prozentsatz müsste eigentlich ziemlich hoch sein, weil immer wenn ich jemanden kennen lerne, erzählen mir die dann, dass sie ihre Partner bei „Abgefuckt liebt Dich“ kennen gelernt haben. Aber das erfahre ich nur zufällig bei persönlichen Kontakten. Aber so eine richtige Dankes-E-Mail kommt vielleicht einmal im Monat. Und jeden Tag 30 Beschwerden.
Für uns ist ja dieses Feedback auch wichtig, aber irgendwie sind die Leute alle fauler geworden… Wir möchten ja auch wissen, ob diese Seite auch was bringt.
L: Welche Gruppen bei „Abgefuckt liebt Dich“ findet ihr persönlich am lustigsten?
J: Weiß ich nicht. Ich habe bei „Abgefuckt liebt Dich“ leider schon lange nicht mehr gelacht. Man kann zwar manchmal schmunzeln, aber man schmunzelt oft über die Fehler anderer Leute. Lustig, kann ich nicht sagen. Aber interessant finde ich viele Gruppen. Ich bin halt in ein paar Poesie- und Literaturgruppen, Gruppen über Computerspiele und Kinofilme - das interessiert mich halt.
L: Bist Du selber auch bei „Abgefuckt liebt Dich“ als User aktiv?
Mein Profil kennen ja viele, unter jan_rakete zu finden. Mitgliedsnummer 1. Die Leute, die schon früh angemeldet waren, haben das ja so ein bisschen mitverfolgen können, und wissen auch wer ich bin. Ich leg jetzt nicht unbedingt Wert darauf, dass mich die Leute wieder erkennen.  Also wer will, kann gerne auf mein Profil schauen. Aber ich tu keine Freunde sammeln, ich lehne auch ab, wenn mich jemand hinzufügen will. Ich bin nicht, wie der Tom von MySpace, der 2 Millionen Freunde oder so hat. Ich suche mir meine Freunde schon selber aus. Als Mitglied bin ich auf einer Stufe mit allen anderen. Ok, ich bin gratis Superpunk…. 
In den Gruppen diskutiere ich dann ganz normal mit, lass mich auch mal beleidigen, so wie alle anderen Mitglieder halt. Ich versuche da dann objektiv zu sein, allerdings schaffe ich es nicht ganz, objektiv zu sein. In letzter Zeit habe ich mich deswegen immer mehr persönlich da raus gezogen. Ich versuche mich da jetzt nicht mehr zu sehr zu engagieren, weil das sonst zu persönlich wird.
L: Was willst Du zum Schluss noch loswerden? Du hast mir ja beim ersten Antwortmail geschrieben, das es „wieder mal Zeit zum auskotzen ist“…
J: Ich hab ja versteckt so alles schon ein bisschen gesagt. Mich kotzt halt an, dass sich die Leute gleich immer alle über jeden Scheiß beschweren, aber gleichzeitig über „Abgefuckt liebt Dich“ auch einen deutlichen Nutzen haben, der scheinbar vergessen wird. Leute lernen so einfach Leute kennen, das war früher nicht möglich. Aber Danke sagt selten mal jemand.
Der Ton ist auch immer so eine Sache. Ok, sind halt Punks, da kann man schon frech sein irgendwie. Aber die Leute wollen ja was von Dir, Deine Hilfe. Und da kann man nicht gleich mit Beleidigungen starten, wie „Hey ihr Arschlöcher…“. Solche E-Mails zu lesen steigert nicht gerade die Laune… 
Manche bedanken sich ja auch still, indem sie jeden Monat den einen Euro fürn Superpunk-Modus zahlen.
Außerdem fällt mir auf, dass die Leute in der Punkszene so bequem geworden sind. Jetzt haben die Leute alle Möglichkeiten, und kriegen dafür trotzdem relativ wenig hin. Könnt ihr Euch noch an die Flashmobs erinnern? Das ging ja nur über SMS und Netz. Da hab ich z.B. bei ttt gesehen, dass sich fünfzig Bioaktivisten per Internet verabredet haben, an einem Tag genau in einem bestimmten Bioladen einzukaufen, um den zu unterstützen. Solche Sachen wären supereinfach über „Abgefuckt liebt Dich“ zu organisieren. Macht aber keiner.
Wenn ich mir hier bei uns die Tagebucheinträge von irgendwelchen 17-jährigen Mädchen durchlese, die erstmal nach außen hin scheinbar  vor lauter Suff nichts mehr auf die Reihe kriegen, da steckt oft so viel Poesie und Nachdenklichkeit drinnen…  Da müsste die Energie mal gebündelt werden, und auch was organisiert werden. Aber das müssen die halt selber machen. Dazu haben sie auch alle Möglichkeiten. Die haben die Foren und die Gruppen, die können ich ruckzuck unterhalten und abstimmen. Aber die kriegen den Arsch nicht hoch…
Ich bin jetzt 28, und wenn ich früher in meiner „aktiven“ Zeit diese Möglichkeiten gehabt hätte, hätte ich vieles anders machen können.
Aber heutzutage wird man überall überflutet, man bekommt so viele Angebote, dass man sich gar nicht mehr entscheiden kann. Und die entscheiden sich dann für gar nichts mehr.


Soviel zum Interview! Also, macht lustige Gruppen bei Abgefuckt liebt Dich, und bringt den Jan wieder mal zum Lachen! Helft mit die Motivation der Abgefuckt liebt Dich-Mitarbeiter auf einen neuen Höhepunkt zu bringen, indem ihr Dankemails bei gefundenen Traumpartnern schreibt!
Übrigens spielen laut Festival-Homepage BETONTOD dieses Jahr wieder zusammen mit FREIWILD beim Ehrlich & Laut-Festival, außerdem sind da diesmal neben KRAWALLBRÜDER auch so Bands wie DAILY TERRORISTEN, KAFKAS und S.I.K. angekündigt.
Soll jetzt hier jede(r) selber entscheiden, wie er/sie darüber denkt. Auf jeden Fall dürfte man sich dieses Jahr nicht mehr so leicht damit ausreden können, dass man FREIWILD nicht kennt.
Und KRAWALLBRÜDER sollen auch wieder beim diesjährigen Force Attack spielen.


http://www.abgefuckt-liebt-dich.de

- Latti -

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