PeterHier ein Interview, welches schon zuvor in der BOMBE zu lesen war.  
Der gute Peter hat übrigens bei seinem Umzug noch einige Kontingente von Platten aufgetan, welche er eigentlich schon fast ausverkauft wähnte. NO DENIAL nicht zu verwechseln mit NOW DENIAL und ihrem eher an TRAGEDY erinnernden Sound bieten beispielsweise guten Hardcoresound, der musikalisch irgendwo zwischen Oldschool-Youthcrew und New York anzusiedeln ist. Auch  die „Break free“ LP von ONE VOICE kann was. Musikalisch das totale Brett in Sachen Youth Crew Hardcore. Wenn YOUTH OF TODAY und CHAIN OF STRENGTH heute spielen würden (frisch und jung möchte ich hinzufügen und im Fall von YOUTH OF TODAY dazu noch mit musikalischem Talent gesegnet), würden sie wahrscheinlich exakt so klingen. Der Mann am Mikro weiß auch was er tut. Stimmlich irgendwo zwischen Ray Capo und CIV von den Gorillakecksen, allerdings in angepisst und eher sauer und nicht so nölig wie der debile Krishnapansenhonsen. Auch die CRUCIAL RESPONSE Veröffentlichungen von MAINSTRIKE, EYEBALL (Hören sich an

wie hyperaktive MAINSTRIKE auf Koks),  SUBJECT TO CHANGE (Erinnern ein wenig an frühe TURNING POINT), SPORTSWEAR (Ich persönlich ziehe GYMSLIPS  natürlich SPORTSWEAR eindeutig vor. Dennoch ist das was die Band hier bietet ohne jegliche Übertreibung durchwegs hörenswert.  Hat ein wenig was von den seligen JUDGE. Aber zu der Zeit wo Mike Judge noch keine seltsamen Akustikalben aufnahm. TIEBREAK, MANLIFTINGBANNER, der Nachfolgeband DEADSTOOLPIGEON, ONWARD und IMPACT UNIT sind auch noch zu haben  Außerdem gibt der umtriebige Peter noch das VOICE OF A GENERATION Zine heraus. Trotz des Namens kein Oi! oder Streetpunkpamphlet, sondern so was wie die literarische Arche Noah für die fast vom Aussterben bedrohte SxE-Gemeinde. Außerdem möchte ich euch persönlich noch die schweinegeilen Veröffentlichungen der COMMITMENT CREW auf CR anpreisen. Supergeiler, konsequent angepisster Hardcore der NEGATIVE APPROACH, NECROS, NEGATIVE FX und POISON IDEA Schule. Textlich auch nicht sonderlich straight, sondern haben eher nen  schlechtgelaunten Zyniker gefrühstückt....

20 Jahre CRUCIAL RESPONSE RECORDS waren für mich jedenfalls willkommener Anlass, um mit dem guten Peter, dem Betreiber des gleichnamigen Labels und Mailorders, ein längst fälliges Interview zu führen. Sind ja momentan nicht gerade die rosigsten Zeiten für STRAIGHT EDGE Hardcore, aber der Gute war ja sozusagen von Anfang an dabei und wird auch in Zukunft komme was wolle, unermüdlich sein Ding durchziehen. Dabei hat er schon vieles erlebt. Er war dchon dabei, als Ian MacKaye im Schnapsladen nach seinem Ausweise gefragt wurde und aus der Not eine Tugend machte und in Ermangelung volljähriger Freunde STRAIGHT EDGE erfand. Auch die großen Zeiten der sXe-Bewegung im Ruhrpott in den 90ern und den späteren Hype, als es STRAIGHT EDGE Platten von der AOK auf Krankenschein gab, hat er live miterlebt. Lasst euch nun von Peter und mir auf eine kleine Reise durch ein nüchternes Universum entführen... (Basti)

Basti: Böse Zungen behaupten das cleane, saubere, biedere Image der Straight Edger wäre wie bei Scientology in Wirklichkeit nur vorgeschoben. Edger hätten bereits das Gesundheitsministerium und die Krankenkassen unterwandert. Das Rauchverbot in öffentlichen Räumen und Kneipen sowie die Überlegungen der Krankenkassen zur Erhöhung der Beitrage sogenannter Risikogruppen seien erste Erfolge dieser Verschwörung. Ziel dieses ominösen Geheimbundes sei der totale Zusammenbruch, welcher zwangsläufig eintreten werde, wenn der Großteil der Bevölkerung möglichst gesund lebt und der demographische Faktor verschärfter als von den Experten bislang befürchtet greift wegen dem ebenfalls postulierten „don`t fuck“ und so. Was ist deine Meinung zum Rauchverbot, der Erhöhung von Krankenkassenbeiträgen für Risikogruppen, und ist dieses ganze gesunde „don`t smoke, don`t drink“ Dingsbums nicht in Wirklichkeit ein wenig egoistisch und asozial und wäre der Slogan „live fast, die young“ als Lebensmaxime angesichts der Probleme der Zukunft nicht sozial verträglicher?

Peter: Ich war nie ein besonderer Gesundheitsfanatiker, den ganzen Drogenkonsum fand ich ab einen gewissen Zeitpunkt einfach nur Müll. Das ist nichts für mich. In öffentlichen Räumen oder auf Konzerten zu rauchen finde ich unsozial. Ich glaube da kann man aber durchaus auch bei Rauchern schnell Konsens finden, außer bei einigen Extremrauchern (Hi Keks ;-)). Im T5 z.B. ist das Rauchen in den Räumlichkeiten verboten. Das finde ich im Prinzip saucool, auch wenn sich einige Leute nicht immer daran halten. Das Risikogruppen höher belastet werden sollen, finde ich groben Unfug. Das entspricht eher einem liberalen-/ konservativen Weltbild mit dem ich mich nicht anfreunden kann. Was hältst du von dem Szenario mehr Drogen und Religion unter das Volk zu bringen. Ist doch viel perfider und bösartiger. Wer will schon die ganze Menschheit seiner Laster befreien?! Außerdem kann dann die Straight Edge Gilde den Grossteil der Bevölkerung, dann viel besser kontrollieren. Also mit mir und meinem Regime gibt’s auf jeden Fall mehr Drogen und Parties fürs Volk!

Basti: 20 Jahre CRUCIAL RESPONSE Records. 20 Jahre sind eine lange Zeit (20 Jahre sind bestimmt auch mehr als das Durchschnittsalter des durchschnittlichen Edgers). Nebenbei bemerkt der Zirkus Roncalli, der ebenfalls um eine eher jugendliche Zielgruppe bemüht ist feiert diese Jahr sein 100.). Planst du etwas besonderes zum Jubiläum, wie beispielsweise die Nachpressung einer bereits vergriffenen Veröffentlichung, oder eine Art Kindergeburtstag für alle deine Kunden?

Peter: Als Zirkusdompteur habe ich mich nie gesehen. Eine ganze Reihe von den Bands, die ich rausgebracht habe sind ähnlich alt wie ich und mit dem Label gewachsen. Der Schlagzeuger/Gitarrist von der Band ONWARD, INSURANCE RISK, ENFORCER ist mittlerweile auch schon über vierzig. Und um ganz ehrlich zu sein, ich habe ich mich nie um irgendwelche "Zielgruppen" gekümmert und alles immer frei nach Lust und Laune gemacht. Die ganze Vermarktungsschiene im Punkbereich finde ich total lame. Das es das Label nun schon seit 20 Jahren gibt ist einfach unglaublich. Die Szene hat sich immer weiter kommerzialisiert und professionalisiert und da bin ich schon stolz, dass es Crucial Response so lange gibt. Ja ich würde schon gerne einige Sachen zum Jubiläum, die momentan nur auf CD erhältlich sind, auf Vinyl nachpressen, z.B. die MANLIFTINGBANNER Sachen. Außerdem würde ich gerne eine ONWARD Vinyl-Discographie veröffentlichen. Doch zunächst arbeite ich gerade an aktuellen Releases. Auf dem Label kommt demnächst eine neue 7“ von DEFENSE und eine 12“ von COMMITMENT CREW. Die INSURANCE RISKS 12“ ist eine Discographie der beiden 7“s, großartige Band mit einem sehr schrägen Sinn für Humor.

onward_peter_bigBasti: Wenn du einen Kindergeburtstag ausrichten würdest, welche Speisen würden serviert werden und wie würde das Rahmenprogramm aussehen? Eierlaufen würde sich doch sicher aufgrund der gewiss nicht geringen Anzahl von Veganern in der Szene verbieten, oder?

Peter: Nun ganz einfach, ich würde die Kids mit einer Flasche Malzbier zu dem Song „Punk‘s not dead“ von EXPLOITED pogen lassen.

Basti: Wenn es eine Fernsehsendung mit Namen „Die 100 dümmsten Straight Edge Bands aller Zeiten“ geben würde und du deine Berufung als Fachmann in die Jury nicht verhindern könntest (Du brauchst das Geld für ne lebensnotwendige Operation oder so) , welche Band würdest du auf Platz 1 wählen und warum? Oder wärst du „true till death“ und würdest nicht ins Fernsehstudio gehen? Ich will dich ja nicht beeinflussen aber für mich wären ja EARTH CRISIS in der Favoritenrolle...

Peter: Also mein ganz großer Favorit neben EARTH CRISIS auf Platz eins ist die Band VEGAN REICH. VEGAN REICH wurde hauptsächlich bekannt wegen ihrer fanatischen Schwulenfeindlichkeit und der offen propagierten, fundamentalistischen Antiabtreibungshaltung. Die Band veröffentlichte eine 7" auf ihrem eigenen Label Hardline Records. Das Logo des Labels hat ein X als Outline mit zwei gekreuzten M16 Gewehren. Sean Muttaqui, das Sprachrohr von VEGAN REICH, soll Ende der neunziger Jahre zum Islam konvertiert sein und eine radikal-islamistische Splittergruppe namens Ahl-i Allah (The People Of Allah) gegründet haben. Als VEGAN REICH sich Ende der neunziger Jahre reformierte veröffentlichte die Band eine EP unter dem Titel "Jihad". Zu der von dir genannten Band EARTH CRISIS, die der Hardline Bewegung nahe stand, eine kurze Anekdote. Ich bekam damals die Debut 7" „All Out War“ zugeschickt mit der Anfrage ihre zweite 7" zu veröffentlichen, was ich aber dankend ablehnte.

Basti: Welche Veröffentlichung auf deinem Label war, oder ist dir am wichtigsten und warum?

Peter: Oh, das ist schwer zu beantworten. Sicherlich die wichtigste Band mit der stärksten politischen Mes-
sage ist MANLIFTINGBANNER. Die „Myth Of Freedom“ 7“ und „Ten Inches That Shook The World“ 10“ waren auf Grund der kommunistischen Botschaft wahrscheinlich die wichtigsten Releases auf Crucial Response. Ich glaube die Band war absolut innovativ, weil sie die Ideen von Marx, Engels, Lenin und Trotzki in die Hardcore Szene gebracht hat. Zwar gab es schon vorher Bands die dies gemacht haben, aber nicht so weit reichend und fundamental. Die Band THE DICKS hat zuvor schon mit diversen Images gearbeitet und auch mit den Ideen kokettiert, aber eigentlich haben sie das Hammer und Sichel Symbol bloß benutzt um zu provozieren und anzuecken. Trotzdem großartige Band, besonders die beiden ersten 7“s sind absolut genial. Mein persönlicher Favorit ist aber die ONWARD 12“ „These Words Still Pray“, weil es eine unglaublich intensive Platte ist. Auch das Layout ist nahezu perfekt. Außerdem war es einer der Platten die mich am meisten Schweiß, Blut und Tränen gekostet hat. Ursprünglich sollte die Platte als 7“ rauskommen. Die Testpressung war aber vom Sound so lausig, auch mit der zweiten Auflage der Testpressung war ich unzufrieden. So beschloss ich und die Band die Platte als 12“ mit Bonussongs rauszubringen. Das Layout für die 7“ war damals schon fertig, d.h. für die 12“ musste es komplett überarbeitet werden. Dummerweise wurde der Computer, auf der sich das fertiggestellte Layout für die 12“ befand, gestohlen (vergiss nie eine Backup-Kopie zu machen, was wir damals leider nicht taten). Lange Rede kurzer Sinn, das Layout musste also ein drittes Mal gemacht werden. Du kannst dir nicht vorstellen wie glücklich ich war, als ich die Platte in den Händen hielt und alles so aussah und klang wie es sollte!

Basti: Was hältst du von der viel beschworenen Unity? Ich persönlich mag ja die Vorstellung, dass der Edger nach dem Konzert das Auto seiner Mutti fährt, der besoffene Skin das Radio bedient und die Punker dazu auf der Rückbank randalieren...

Peter: Zu der Zeit als ich Straight Edge wurde, bin ich mit drei Kumpels oft zu Konzerten gefahren: Till und KC (Geld Her Mailorder) und eine gewisser Andy Larson (der schon damals ein Superalki und Randalierer gewesen ist). Nach dem Heimweg befanden sich immer leere Bierflaschen auf dem Rücksitz. Das Bild kommt also deiner Vorstellung ziemlich nahe, außer das noch ein Skinhead im Auto gefehlt hast. Als ich dann auf einer Show in der Zeche Carl ein X auf der Hand gemalt hatte, drohte mir damals Andy Larson Prügel an. Danach bin ich nie mehr zu einer Show mit ihm gefahren. Ich glaube fehlende Toleranz und Respekt führten schnell dazu, dass sich eine eigene Subszene innerhalb der Hardcore/Punks bildete. Trotzdem habe ich nie wirklich an „Unity“ innerhalb der Szene geglaubt. Ich wollte immer nur mein Ding durchziehen. Klingt egoistisch?! So ist die Menschheit nun mal.

Basti: Du bist ja bekanntlich großer AC/DC Fan. Würdest du die Band auf ihrer Tour begleiten wollen, wenn du die Möglichkeit dazu hättest? Der Haken wäre allerdings, dass die Band dich als Vorkoster für ihre Spirituosen engagieren würde. Würdest du dir diese einmalige Möglichkeit entgehen lassen?

Peter: Also das AC/DC Alkoholiker sind und wilde Exzesse auf ihren Touren feiern halte ich für ein übelstes Gerücht; und hatte die Band nicht auch so grandiose Titel wie beispielsweise Razors Edge?! Das lässt doch das Herz eines jeden Edgers höher hüpfen. Zumal die Band wieder an die großen alte Zeiten mit eben jenen Album anknüpft hat. Seien wir doch mal ehrlich jede Straight Edge Band wäre doch froh, wenn sie einen solch grandiosen Titel hinbekommen hätte. Aber wer war mal wieder so innovativ?! AC/DC!!! Außerdem proklamierte Malcolm Young in einen Spiegelinterview aus dem Jahre 1997: "Vergiss den Sex, die Drogen, wir wollen nur den Rock'n'Roll" (Das erklärt zumindest warum das aktuelle Album so lahm ist. War der Begriff Rock’n Roll an sich nicht ursprünglich eine Umschreibung für Geschlechtsverkehr? –Basti).  Ich glaube wir würden eine Menge Spaß zusammen haben.

Basti: Wie stehst du zum Passivrauchen? Würdest du als Besitzer einer Firma deinen Mitarbeitern Raucherpausen gestatten?

Peter: Passiv rauchen finde ich total scheiße. Deswegen, würde ich sofern ich Mitarbeiter hätte, Raucherpausen gestatten, aber bitte nur draußen. Auf Zigarettenqualm in Räumen kann ich gut und gerne verzichten.

Basti: In 20 Jahren Labelarbeit erlebt man doch bestimmt einiges an Kuriositäten. Was war das seltsamste, was dir passiert ist, welche Band hatte beispielsweise die größten Marotten, welche war am sympathischsten?

Peter: Oh ja, da gibt es sicherlich einige Marotten. Die Band TRUE BLUE (Wer ist so schlau wie ein Schnitzel? Patrick Kitzel! Anm. Basti) zum Beispiel. Weil die Band nicht mit meiner Labelarbeit zufrieden war, brachte die Band ein limitiertes Cover von der 7“ raus. Das Artwork besteht aus einem Passphoto von mir, die Band hat dazu ein Hitlerscheitel mit Bärtchen gemalt. TRUE BLUE warfen mir vor ein Diktator zu sein, was ich als Kompliment auffasste. Das Cover finde ich gleichsam amüsant und grandios.

Basti: Was hältst du von der heutigen Szene, besonders hier im Ruhrgebiet? Gibt es deiner Meinung gravierende Unterschiede zu früher?

Peter: Da hat sich einiges geändert. Mittlerweile ist die Szene riesengroß, aber auch total zersplittert in verschiedene Subgenres. Ende der achtziger/Anfang der neunziger waren es ein paar Freunde von mir, die aktiv neben dem Label Fanzines rausbrachten und Konzerte organisierten. Mit der Band SPAWN so etwa 93/94 wurde die Szene sprunghaft größer, was aber auch zu gewissen Problemen führte. Was Anfang nur ein Ding unter Freunden war, man kannte sich untereinander und half sich gegenseitig aus, wurde dann zunehmend unpersönlicher. Der Musikstil hat sich auch über die Jahre sehr verändert, waren die Ursprünge Hardcore/Punk, so veränderte sich die Szene im Ruhrpott immer mehr zum Metalcore. Die heutige Ruhrpott-Szene finde ich total belanglos und ist nicht mehr meine Welt.

Basti: Du bist doch eigentlich ein ganz netter und umgänglicher Kerl, wie wird so jemand eigentlich Sympathisant des FC Bayern? Oder ist das etwa so ne Straight Edge Sache, die Skins und Punks nicht verstehen können?  

Peter: Puh, das ist halt so eine Sache die ich auch nur schwer erklären kann. Bayern Fan bin ich schon seit meiner Kindheit (mein Bruder übrigens auch). Fan geworden bin ich unter anderen wegen der grandiosen Mannschaft aus den siebziger Jahren als Bayern München ‘74, ’75 und ’76 dreimal hintereinander den Pokal der Landesmeister holte. Das würde heutzutage keine Mannschaft mehr schaffen. Ganz groß fand ich Jupp Kapellmann, Katsche Schwarzenbeck, Sepp Maier, Bulle Roth, Kaiser Franz, Paul Breitner, den Bomber der Nation und Uli Hoeneß. Und alte Liebe rostet ja bekanntlich nie.

Basti: Und ich dachte schon weil der Hoeneß so sympathisch ist und auch ein Herz für den einfachen Fan hat, oder der Van Bommel so ein fairer Sportsmann ist... Gab es jemals eine Platte deren Veröffentlichung du im Nachhinein bedauert hast?

Peter: Nein, wirklich bereut habe ich keine Veröffentlichung, nur denke ich das einige Sachen inzwischen auch in die Jahre gekommen sind.  Würde mich eine Band wie z.B. BETRAY oder THINK TWICE heute fragen, ich würde wahrscheinlich Nein sagen. Aber vieles muss man einfach aus der Zeit heraus betrachten... Damals gab es wenige Bands und die Szene in Europa entwickelte sich erst. Mit vielen Bands war ich damals befreundet und deswegen haben sich viele Releases aus persönlicher Verbundenheit ergeben. Außerdem muss ich sagen, dass die THINK TWICE LP, durch den italienischen Akzent, auch heute noch einen gewissen Charme besitzt und der Song „Admiration“ auf der
Betray 7" ist allemal ein Ohrwurm.

Basti: Welche Scheiben, die woanders rausgekommen sind, hättest du gerne selber gemacht und warum?

Peter: Naja, da sind natürlich viele Ami-Klassiker wie MINOR THREAT, SSD, DYS, FAITH, VOID oder YOUTH Of TODAY dabei. Mit dem ganzen Zeug bin ich punkmäßig aufgewachsen. Letztendlich habe ich mich dann durch diese Klassiker inspirieren lassen und bin durch sie auch zu dem Entschluss gekommen ein Punklabel zu starten. Beam mich zurück Scotty und ich würde das beste Punklabel aller Zeiten machen.

Basti: Was war deine erste selbstgekaufte Platte?

Peter: Die ersten beiden Platten die ich mir gekauft habe?! Natürlich AC/DC, „Highway To Hell“ und „Back In Black“, die ersten sportswear_peter_bigbeiden Punkplatten DEAD KENNEDYS, „Fresh Fruit For Rotting Vegetables“ und „In God We Trust“. Beide Platten sind nach wie vor wegweisend für mich. Deswegen fand ich den gerichtlichen Streit der DEAD KENNEDYS auch völlig daneben, dadurch steht die Band für mich eindeutig nicht mehr da, wofür die Band einst gestanden hat. Die erste Veröffentlichung die ich selber rausgebracht habe, war die Chronical Diahorrea „Royal Diahorrea“ 7". Aus dieser Band ging dann später die grandiosen 7inch (deren Demo und die 7“ finde ich einfach nur genial) und Bohren & der Club Of Gore hervor.

Basti: Hast du dich jemals wegen deiner Vorliebe für Jungen in kurzen Hosen, die Musik machen (Youth Crew Hardcore) diskriminiert gefühlt?

Peter: Ein Freund von mir und ich witzeln immer rum das Hardcore homoerotisch ist. Schau dir nur alte Fotos von Boston Bands an, da siehst du das sich die jungen Kerle übereinander wälzen. Aber Spass beiseite, die Szene ist sehr male dominiert. Eine der wenigen Frauen, die aktiv in Bands gespielt hat, ist Illona von FEEDING THE FIRE und BACKDRAFT.

Basti: Ich möchte mal entgegen der meisten genre-typischen Texte behaupten, dass für die meisten STRAIGHT EDGE doch nur eine Phase ist. Allein an dem edlen naturgrau deiner Haarpracht sieht man, dass das bei dir anscheinend nicht der Fall ist. Wie lange bist du schon straight. Wie hält man das so lange durch? Machst du zum Ausgleich Sport, oder schmeißt du schwer bewegliche Gegenstände von Autobahnbrücken?  

Peter: Straight Edge bin ich seit 88, ist aber kein großes Ding. Entweder man ist es, oder man ist es nicht. Mir gehen die verdammten Vegan Straight Edge Warrior (okay ich übertreibe hier etwas, nichts gegen Leute die vegan leben) auf den Geist, die meinen sie könnten jeden ihren Glauben aufdrängen. Das brauche ich nicht. Wenn einer rauchen will, dann soll er das machen. Wenn einer saufen will, bitte schön. Solange ich nicht angepöbelt werde, oder irgendein Idiot meint mir seinen Rauch ins Gesicht blasen zu müssen, ist mir das egal. Wie sagte Ian MacKaye treffend: „Straight Edge, I think, is not a fuckin’ lifestyle. Like partying that‘s a fuckin‘ lifestyle, getting high that‘s a lifestyle.“ Boots (Anm Basti: Und ich dachte STRAIGHT EDGE Hardcore sei lediglich so etwas wie auf 2 Akkorde reduzierter, unpolitischer Agitprop für Gesundheitsfanatiker mit geringer Aufmerksamkeitsspanne). Sportmäßig habe ich früher viel, viel mehr gemacht, z. B. Laufen und Fußball spielen. Ganz früher sogar im Verein. Viel cooler finde ich es aber mit Freunden am Wochenende zu kicken. (Ganz nebenbei wäre doch cool eine Plastic Bomb Fußballmannschaft auf die Beine zu stellen, so tuniermäßig gegen andere Mannschaften aus dem Punkbereich). Heutzutage fahre ich wann immer es geht mit meinen Mountainbike. Ich glaube es geht vieles auch ohne Auto, der Umwelt zu liebe. Von schwer beweglichen Gegenständen, die ich von irgendwelchen Brücken geschmissen habe, als ich jünger war will ich lieber nicht reden. Überhaupt bin ich ziemlich ruhig im Vergleich zu früher geworden. Wie du schon erwähnt hast, das Haar wird grauer und man wird auch etwas weiser.

Basti: Gibt es irgendwelche aktuellen Bands, die du unseren Lesern ans Herz legen möchtest?

Peter: Momentan gibt es massig gute Veröffentlichungen. Hier drei davon, richtig cool finde ich die GUILTY FACES „Nightmares“ 7“. Erinnert mich vielleicht etwas an WIPERS, SUBHUMANS (Kanada) und THE FREEZE. Der Sänger klingt richtig rotzig und die Musik ist melodiös und treibend. Die SICK MORMONS 7“ aus Holland ist zudem richtig cool, aber leider an der Masse der Veröffentlichungen etwas untergegangen. Geht so in Richtung ADOLESCENTS und klingt wirklich sehr gut und äußerst leidenschaftlich. Von der kürzlich erschienen Government Warning „Paranoid Mess“ LP bin ich etwas entäuscht, aber die „Arrested“ 7“ von GW ist saucool. Allein der Titeltrack ist total der Ohrwurm. Überhaupt mag ich 7“s immer noch viel lieber. Es ist halt schwieriger gutes Material für eine komplette LP zu schreiben. Viele Bands verkrampfen da doch zu sehr und scheitern.

Basti: Hast du bei deiner Art dein Label zu führen irgendwelche Vorbilder. Welche Labels denkst du waren für die Entwicklung des Hardcore am wichtigsten?

Peter: Natürlich habe ich Vorbilder, ganz grandios finde ich das X-Claim Label, das Anfang der 80iger Jahre von dem Gitarristen Al Barile von SS DCONTROL gegründet wurde. Boston Bands SSD, The FU‘s, DYS und Jerry‘s Kids brachten unter dem Namen X-Claim Platten raus, operierte aber nie als eigenständiges Label. Jede Band presste und verkaufte ihre Platte selber. Dischord Records mit ihren diversen Klassikern: Minor Threat, Faith, Void, Dag Nasty, S.O.A., Scream um nur einige zu nennen und Touch & Go Records: Negative Approach, Necros, Fix. Ganz großartig fand ich auch Radical Records, da sind unter anderen Dicks, MDC, DRI, Offenders und Reagan Youth Platten veröffentlicht worden. Desweiteren natürlich Revelation Records: Youth Of Today,  Gorilla Biscuits... und Schism Records Judge, Project X, Wide Awake.

Basti: Muss eine Band unbedingt Straight Edge sein um von dir veröffentlicht werden? Was sind die Kriterien nach denen du die Bands aussuchst?

Peter: Nein, nicht unbedingt Straight Edge, allerdings bringe ich nach wie vor nur Bands raus, die ich schon kenne, oder mit denen ich befreundet bin. Ich habe keine Ambitionen irgendwelche momentan angesagten Acts zu signen und das Label dadurch groß und populär zu machen.

Basti: Irgendwelche letzten Worte?

Peter: Danke für das Interview.