Dies ist das Interview mit den Grafenwalder Dosenbrüdern aus der vorletzen Plastic-Bomb.  Da die Band nach ihren Songs auf der CD-Beilage und dem besagten Interview so viel Zuspruch bekam, möchten wir allen, die das Kreuzverhör in der Skinhead-Jubiläums-Ausgabe #69 verpasst haben, nochmal die Chance geben. Danke an unsere Gastreporterin Enrica Electra!

Enrica: Als ik die Grafenwalder Dosenbrüder zum ersten mal gesehen hab, hab ik ja schon mal gedacht, mich haut?s ausn Boots.
In unserer Kleinstadt passiert ja selten wat, noch seltener passiert n vernünftiges OIKonzert.
Aber wat die Jungs da neulich beimGeburtstag vom Ronny abgeliefert ham, war ja ma allererste Skinheadpflicht!
Ik dachte mia, hia, die müssn mal n bisschn bekannter werdn, weil die ja echt gutt sin...
Und weil och echt viele Punx aufm Konzert warn dachte ik mia, ik schlach die ma hia für die
Bombe vor und fürn Intaviu und füa die CDBeilage...Weil die Mukke geht ja schon ab, aba
dit hört ia ja selbst. Hat auch echt ne Weile gedauat, bis die Jungs ma Zeit hatten füa nen Intaviu Termim...aba dann hamse mich doch aufn Bier in ihrn Proberaum eingeladen! Schon ma DANKE Jungs!! A-so, wenn ihr ein persönliches Jespräch sucht findet ia uns alle in dea Commjunity! Unity!!!!

Hallo Grafenwalder Dosenbrüder, stellt euch doch mal kurz vor! Wer ist wer und wer macht was ?
Der Wirt:
Oi! Ich bin der Wirt, ich verprügel die Felle – Ein Mann für alle Felle, wa?
WorkingKlaus: Ich bin ein einfacher Arbeiter, der seine Stimme erhebt.
Broiler (leckt sich die Finger): Ich spiel an liebsten an mir selber,höhö. Nee, Lachs beiseite,
ich spiel Bass und ess’ Hähnchen.
Voll-Ker (rülpst): Ich mach Gitarre.
Schlagfaust-Stahlhammer: Es muss immer einen Mutigen geben, der die Wahrheit ausspricht. Daher habe ich mich entschieden, als
Sänger diese Band ins Leben zu rufen. Wir besingen alles, was uns Skinheads beschäftigt.
Den ganzen normalen Wahnsinn also. Wir gehen unseren Weg.

Wo habt ihr euch denn kennen gelernt? Oder seid ihr ne Castingband?
Voll-Ker: Deine Mudder wird gleich gecastet !
Broiler: Höhö, von dir oder wat ?
Schlagfaust-Stahlhammer: Das Leben hat uns zusammen geführt, Broiler und ich kennen
uns aus der Schule. WorkingKlaus und der Wirt kommen aus Clausthal-Zellerfeld, die mussten da fliehen, wegen dem Bier minus alkoholfrei, verstehse ?
WorkingKlaus und Wirt: Höhöhö
Schlagfaust-Stahlhammer: Voll-Ker haben wir im Proberaum gefunden. Der hing da immer mit so Mettlern rum, lattenstramm. Wie Du siehst, kommen wir aus einfachen Verhältnissen- die netten Jungs aus der Nachbarschaft eben...

Hat einer von euch Abitur?
Schlagfaust-Stahlhammer:
Wie gesagt, wirzwei haben zusammen in Osterode die Schulbank gedrückt. Abi hat hier keiner, die haben alle ‘ne ehrliche Ausbildung in der Tasche. Handwerk, Steine kloppen in den Salzminen, was so anfällt.
WorkingKlaus: Abitur ist auch völlig überbewertet, schau sie dir doch an, in der Krise stehen sie dumm da, weil keiner von den Schnöseln mehr weiß wie man richtig anpackt. Wenn das so weiter geht is das hier wie in Rumänien wo jeder zur Schicht kommt, wann er Bock hat, sagt zumindest der Rüttgers und der muss es ja wissen!
Wirt: Höhö, von dir oder was ? (klatscht high-5 mit Broiler)
Broiler: Sauber, High Five!

Wo liegt das Dorf denn, wo ihr wech kommt?                                                                                                                   Alle: Im Harz!
Schlagfaust- Stahlhammer: Städte am Harzrand wie Osterode haben einen Vorteil. Sie lassen sich auch in ihrer Gesamtheit überblikken.
Die „Schöne Aussicht” auf dem Ührder Berg ist ein Standort, der das möglich macht. Um 1100 n.Chr. war Osterode schon ein „blühender Ort”. In dieser Zeit stand auch schon die Burg, deren Rest eines der Wahrzeichen der Stadt geblieben ist. Sie schützte die erste Marktsiedlung die, sicher vor dem unberechenbaren Sösefluss, auf der Anhöhe des heutigen Rollberges existierte.
Ich finds schön wenn Menschen sich mit ihrer Heimat auseinander setzen!

Hat eigentlich einer von euch eine musikalische Ausbildung genossen? Könnte man bei eurer goilen Mukke fast von ausgehen...
Schlagfaust-Stahlhammer:
Ich hab in meiner Jugend Klavier gelernt, das hat mir sehr geholfen, mich in die Oi Musik einzufühlen. Töne sind für mich nicht nur Noten auf einem Blatt sondern Freunde, die gut behandelt werden wollen.
Broiler: Ich hab schon früh mein erstes Instrument gebaut. Mein erster Bass war aus Birkenholz und Ziegendarm konstruiert. Auch musikalische Ausbildung im bürgerlichen Sinne habe ich nicht genossen.
Voll-ker: Oi ! The Ausbildung? Nicht mit mir!
WorkingKlaus: Aus dem Schulchor bin ich rausgeflogen. Wegen meiner Reibeisenstimme. Ich dachte lange Zeit nicht ans Singen, aber die Grafenwalder Dosenbrüder nahmen mich mit Kusshand. Das gab mir neue Kraft und Zuversicht.

Wat sind denn so eure musikalischen Einflüsse? Wer sind eure Vorbilder, in Musik und Style?!
Der Wirt:
Ich mag Smegma die haben’s echt geblickt. [singt]
Ein Skinhead ohne Stiefel ja das wäre was dann könnt er gar nicht laufen und die Füße wären nass!!
Voll-Ker: Ich steh auf Pöbel und Gesocks, OHL, Knödel und Geschnetz, DHL und so. Halt alles wo das Bier gut fließt, eben OI!
Broiler: Von A wie Atemnot bis Z wie Zaunpfahl is alles dabei!
WorkingKlaus: Wenn mal was ruhiger sein soll, höre ich gerne Arbeiterlieder, aber mit den Jungs zusammen steh ich auf harten Oi, wie „Hoilboje“ oder „Trio mit Vier Foisten“ oder auch mal was Feines zum ab-skanken....


Hört ihr heut immer noch das Gleiche wie mit 15? Oder hat sich dit bei euch entwickelt?
Voll-Ker:
Ich bleib den Bands Troi. Schuster bleib bei deinem Leisten
Der Wirt: Bei deinen Leisten ? Nee lieber nicht, hähä! Die Leisten riechen immer am schlimmsten hehe!
Schlagfaust-Stahlhammer: Natürlich sind wir immer unseren Weg gegangen und der war immer gerade aus. Da entwickelt man sich automatisch auch weiter. Aber wir sind unseren Wurzeln immer treu geblieben. Mit dem Alter kommt auch die Arbeit, die Mädels und ein bisschen Geld auf dem Konto, mehr braucht ein Mann nicht zum Glück. Ich sag immer, ich bin kein Deutscher, ich bin Mensch...[pause] Mensch bleiben ...[blickt aus dem
Fenster] alter Spruch von mir....


Hat UNITY eurer Meinung nach funktioniert?
Voll-ker :
Wir gehen nicht auf die Uni...
[Voll-ker wird mit Bierdosen beworfen]
Broiler: JU—NIE— TIE, Punks and Skins, du Eimer!
Der Wirt: höö- deine Mudder is nen Eimer!
WorkingKlaus: Unsere Band ist das beste Beispiel, dass Freundschaft, Bier und Zusammenhalt Grenzen überwindet....

Warum habt ihr euch denn entschieden, euren Kram bei Plastic-Bomb auf die CDBeilage
zu packen? Ist das überhaupt euer Klientel, das ihr ansprechen wollt? Gibt’s da nicht
andere Fachzeitschriften?

Schlagfaust-Stahlhammer: Ich denkeOi gibt es überall und auch Menschen die ihren Weg gehen wollen, straight, ohne rechts und links vom Weg abzukommen, denn dort lauert die Finsternis. Viele Punks haben unsere Message schon verstanden. Im Oi sind wir geboren, doch auch im Punk haben wir eine Heimat. Freunde hab ich auf beiden Seiten.

Wie kriegt ihr eure Stiefel sauber? Gibts da besondere Tricks, die ihr grad vielleicht
auch den Punx näher bringen wollt?
Schlagfaust-Stahlhammer:
Da fragste am Besten den Broiler der ist doch Polier!
Broiler: Ganz einfach, Stiefelpolitur. Dann kann man eigentlich nichts falsch machen, aber frag mal Schlagfaust, der hat mal im besoffenen Kopp die Glatzenpolitur mit der Stiefelpolitur verwechselt, das war ein Bild- heehehe!
Schlagfaust-Stahlhammer: Wirst du wohl .. !?

Was haltet ihr von der Aussage: Soy-Chunks statt Oi-Punx?!
Voll-ker:
Chipmunks statt Soychunks, Altaaa!
Broiler: Ich hab gehört die können Soja jetzt täuschend echt mit Fleisch nachmachen!
Schlagfaust-Stahlhammer: Auf Tour spielen wir natürlich oft in Läden in denen vegetarisches Essen gereicht wird. Wir respektieren diese Lebensweise, ich sag immer: Probieren kann man alles, mögen muss man nichts [blickt aus dem
Fenster. schweigt]
Der Wirt: Euer Essen ißt meinem Essen das Essen weg!
WorkingKlaus: Ey Alter, ohne Mett geht die Mimi nie ins Bett...


Was ist denn euer Lieblingsbier? Was trinkt ihr, wenn ihr kein Bier trinkt?
Voll-ker:
Freibier!
Der Wirt: höhö- aus deinen Biertitten, oder was?
WorkingKlaus: Halt die Schnauze, Grafenwalder! Grafenwalder !
Alle: ...Dosenbrüder ! ..Dosenbrüder ! Alle singen unsre Lieder !
Schlagfaust-Stahlhammer: Das Bier ist das traditionelle Getränk des einfachen Proletariers. Auf der Arbeit ist natürlich auch mal ein Wässerchen erlaubt, doch wir müssen zugeben, dass der Gerstensaft bei uns hoch im Kurs steht. Schuldig im Sinne der Anklage -ahahaha!
Belebend und erquickend.

Wie steht ihr zum kürzlich eingeführten Dosenpfand und wie geht ihr damit um?
Schlagfaust Stahlhammer:
Das Einwegpfand wird oft auch als Dosenpfand bezeichnet, die
amtliche Bezeichnung aber ist Einwegpfand.
Voll-Ker: Hömma Mäuschen, das war für mich fast so als wie wenn der Herr Hitler wieder da wär! Totale Unterdrückung der Trinkkultur. Ihr da bei euch in Westfalen könnt ja immer leicht mal eben nach Holland rüber machen und euch besaufen! Aber hier im Nirgendwo is das nicht so leicht!
Broiler: Höhöhö deine Mutter ist der Herr Hitler!
Voll-Ker: Im Leben nicht
WorkingKlaus: Wir hatten uns überlegt ob wir uns in die Grafenwalder Gold PET Einwegpfandflaschen nennen, aber Schlagfaust war dagegen weil das Wort Flaschen drin vorkommt und wir sind ja eher echte Kerle!
Der Wirt [pennt]: Chhr Chhr


Wann und wo kann man euch demnäxt mal live sehen? Oder spielt ihr nur da bei euch im Dorf?
WorkingKlaus: Bei uns spielen wir regelmäßig, dann natürlich in Bad Katzlingen, im Januar, auf dem Deutschpunkrevolte Openair.
DerWirt [plötzlich wieder senkrecht]: Und natürlich Oi The Meeting in Oiskirchen!

Dann sachich ma DANKE für das Interview!!
Wir sehen uns im Wirtshaus! Prost!!!!!