EhrenbrgerIn Deutschland ticken die Uhren bekanntlich ein wenig anders. Die niederrheinische Gemeinde Schwalmtal (Kreis Viersen) hat sich dazu entschieden Adolf Hitler schlappe 65 Jahre nach der Befreiung vom Nationalsozialismus seinen Ehrenbürgertitel abzuerkennen. Der Gemeinderat distanziert sich in einem aktuellen Beschluss ausdrücklich von der 1933 verliehenen Ehrung. Allerdings sei dies, laut einer Sprecherin der Gemeinde, eher eine symbolische Handlung, da Ehrenbürgerschaften ohnehin mit dem Tod des Trägers enden würden. Tatsächlich streiten die Rechtsexperten über diesen Punkt. Wie dem auch sein, ein umtriebiger Lokalhistoriker war jedenfalls im Gemeindearchiv auf alte Dokumente gestoßen, in denen es wortwörtlich hieß: „In anerkennenden und ehrenden Worten wurden hierbei besonders gedacht des Reichspräsidenten von Hindenburg sowie des Reichskanzlers Adolf Hitler. Im Anschluss hieran fasste der Gemeinderat auf Antrag der Fraktion der NSDAP einstimmig den Beschluss, den Reichspräsidenten von Hindenburg und den Reichskanzler Adolf Hitler zu Ehrenbürgern der Gemeinde Amern St. Georg zu ernennen.“

Das ist keineswegs ein Einzelfall. Immer wieder  werden Dokumente, die Ehrenbürgerschaften Hitlers dokumentieren gefunden. Da der Städte- und Gemeindebund NRW und das  Hauptstaatsarchiv des Landes darüber keine Statistiken führen, könnte da auch noch so einiges in staubigen Stadtarchiven warten. Dass auch hierzulande ein anderer, wesentlich souveräner Umgang mit derartigen „Ehrenbürgern“ möglich ist, hat man im benachbarten Rheydt bereits früh unter Beweis gestellt. Dort wurde einst Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels zum Ehrenbürger gemacht. Eine Entscheidung, die nicht einmal sechs Wochen nach Kriegsende vom provisorischen Stadtrat widerrufen wurde. Der beschloss am 14. Juni 1945 einstimmig, das Ehrenbürgerrecht für Goebbels "für null und nichtig zu erklären".

Hitler war beispielsweise im Jahr 2007 noch  in Bad Doberan Ehrenbürger. Dies sorgte damals selbst im Ausland für einiges Tohuwabohu. Zusätzlich pikant an dem Ganzen  war, dass ausgerechnet in dem Ort (Heiligendamm ist ein  Stadtteil von Bad Doberan) an dem Anfang Juni die Staats- und Regierungschefs der acht größten Industrienationen in ihrem gut geschütztem  Elfenbeinturm zusammenkommen wollten, wurde Hitler offenbar noch immer als Ehrenbürger geführt.. Dokumentiert wurde die Ehrenbürgerschaft des Mannes, der Charlie Chaplin seinen Schnurbart stahl, im "Ostsee-Boten" vom 17. August 1932, in selbiger Ausgabe wird über einen Dringlichkeitsantrag der NSDAP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung berichtet, Hitler die Ehrenbürgerwürde der Stadt Doberan zu verleihen. Außerdem schickte die Stadt nach der Machtübernahme Hitlers ein Glückwunschtelegramm an den Reichskanzler und Ehrenbürger. Seine Ehrenbürgerschaft erhielt Hitler bereits im August 1932, einige Zeit vor seiner Machtübernahme. Bad Doberan gebührte damit die zweifelhafte Ehre die erste Stadt, die Hitler zum Ehrenbürger machte gewesen zu sein. Doch auch dort wurde nur kurze Zeit später während einer Stadtrats-Sitzung der Ehrentitel offiziell aberkannt Anders der Umgang mit der Angelegenheit in Kaiserslautern.

Bereits 1985  starteten die Grünen eine Anfrage, ob Nazigrößen wie Adolf Hitler noch Ehrenbürger von Kaiserslautern sind . Obwohl der damalige Oberbürgermeister Vondano zugab, dass diese  „nicht formell aufgehoben“ waren (Titelzeile der Rheinpfalz vom 11. April 1985), wurde die Angelegenheit allgemein heruntergespielt und als „müßig und unsinnig zugleich“ (Kommentar der Rheinpfalz, gleiche Ausgabe) abgetan. Wenn dat der Führer wüsste...