Dorfpunkmomente

 

Die Frage ob man mit 26 Jahren das meiste schon erlebt hat oder doch noch die jahrelang gesuchte Freiheit vor einem liegt, wird durch den fast täglichen Einkauf im örtlichen Supermarkt, und stundenlangem zocken irgendeines Bullshits beantwortet.

Ich habe mal vor Jahren einen Text geschrieben, den ich beim umräumen wieder in die Hände bekommen habe – und hier abdrucken lassen möchte.

„Desillusion ist kein Aufgeben.
Es ist kein klein beigeben.

Kein Rückzug, und hat nichts mit Feigheit zu tun.

Desillusion ist vielmehr die Erkenntnis,
dass in dieser kapitalistisch verfassten Welt,

kein Idealismus etwas verändern kann.

Desillusion und die damit einhergehenden verlorenen Träume

sind die Akzeptanz einer Welt in der Menschen wie wir nichts verloren haben.

Desillusion ist das was uns verbindet.

Und das was uns zerstört.“

Man möchte meinen diese Zeilen sind am Tiefpunkt einer depressiven Lebensphase entstanden, doch müsste ich sie ca. vor 5-6 Jahren geschrieben haben, ein Alter in dem wir noch auf der Strasse die Welt veränderten.

Keine Ahnung wann Punk für ich anfing statt Hoffnung auf das schöne Leben nur noch Frust über bestehende Verhältnisse zu sein.

Vor kurzem hatte ich Besuch von einer alten Freundin, die es vormacht wie es laufen kann. Sie bereist die Welt, hilft Flüchtlingsfamilien und strahlt eine Zufriedenheit aus, von der man nur träumen kann. Ich will das auch machen. Will meine Freiheit spüren. Das Menschsein.

Ich spüle meine Antidepressiva mit einem lächeln im Gesicht herunter, und weiß in dem Moment genau, dass ich mich weiterhin selbst verarschen werde, drehe Amebix auf und habe das Gefühl irgendwie doch alles richtig zu machen.