(Feine Sahne) Fischfilet im eigenen Saft

Was für eine Ehre. Bereits zum dritten mal gibt eine bekannte Band ein geheimes Wohnzimmerkonzert im so genannten „Hexenhaus“ in Gießen und dieses mal darf ich dabei sein!
Nachdem vor einigem Monaten die legendären „Auweia!“ und kurze Zeit später die etwas unbekannteren „Toten Hosen“ im ausgeräumten Wohnzimmer der 5-Mädls-und-1-Junge-WG gespielt hatten, bewarben sich die Bewohner_innen auch dieses mal wieder mit einem Video um ein Wohnzimmerkonzert und wurden unter Hunderten Einsendungen ausgelost.
Hintergrund der Aktion war, dass irgendein Mecklenburgischer Lokalpolitiker mal wieder in einem Interview über die angeblich linksradikale Band „Feine Sahne Fischfilet“ hergezogen hatte und seine Ausführungen mit der Frage „wollen Sie solche Menschen etwa in ihrem Wohnzimmer haben?“ schloss. Das brachte die Band zum Nachdenken und zu einem Aufruf, wer sie denn nun im Wohnzimmer haben wollen würde. Die Gießener Bagage hatte ihr Video zwar wohl viel zu spät eingereicht und die Entscheidung war bereits gefallen, die Band war aber so begeistert von der Einsendung, dass sie sich für einen zweiten Privatgig in Gießen entschied.




19uhr stand in der Einladung, um Punkt 19uhr waren wir da, von der Band fehlte noch jede Spur. Laut Gerüchteküche wollte sie sich in einem auf dem Weg liegenden Freizeitpark vom Vorabendgig erholen. Als Bandessen wurde irgendwas asiatisches gereicht, doch leider gibt es in Gießen wohl 2 Asialäden. In einem ist die rote Chilipaste die Milde und im Anderen die besonders Scharfe und die Information, in welchem der beiden Läden eingekauft wurde, war leider nicht bis zu den Köchen vorgedrungen. Ich hab ja mal gelesen, dass Schluckauf bei scharfem Essen ein eindeutiges Warnsignal vom Körper ist, sofort mit der Scheiße aufzuhören und nicht weiter zu essen- bei Feine Sahne wird das wohl eher als Herausforderung betrachtet. Allerdings sagt man ja, dass Menschen die oft scharf essen, heiße Temperaturen besser verkraften können und so haben die Jungs in Anbetracht der tropischen Hitzehölle, in der sie wenige Minuten später standen, wohl doch einiges richtig gemacht.

Gegen 22uhr, also die Uhrzeit in der in einem Wohngebiet offiziell spätestens Nachtruhe herrschen sollte, positionierte sich die Band an ihren Instrumenten. Sänger Monchi hatte sein, wie er sagte „gut belüftetes Konzert-Hemd“ angezogen, die Risse und abgetrennten Knöpfe halfen aber wohl bei dieser Hitze auch nicht mehr viel. Die ca 60 Gäste gingen vom ersten Song an mit und versuchten, die Affenhitze mit ausgelassenen Bierduschen auszugleichen. Der Boden war mit dickem Malerfließ ausgelegt doch für die Wände und die Decke kam jede Hilfe zu spät. Die Partydeko, die eigentlich für die „P-Party“ vor einigen Wochen gedacht war (Pink-Pirat oder so war das Motto und irgendjemand hatte pinke und schwarze Luftballons und Girlanden mit scheußlichen süßen Totenkopf-Prints bestellt, die aber zu spät eintrafen und nun einfach beim Konzert verheizt wurden) wurde ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. Es gab sogar Augenklappen aus Pappe, aber die fanden nur wenige Konzertgäste interessant.

Ich weiß nicht ob es daran lag, dass Alkohol in warmen Räumen so schnell knallt oder daran, dass Monchi den Pfeffi-Likör wie Wasser gesoffen hat, jedenfalls dauerten einige Ansagen länger als die Songs selbst und waren dank betrunkenem Gelalle und abgefahrenem Akzent kaum zu verstehen. Außerdem verteilte er vor lauter Übermut Sektduschen an die armen Trompeter, die beim Spielen nicht die geringste Chance hatten, sich wenigstens die Augen frei zu wischen. Aber mitreißend war´s in jedem Fall und die tobende Meute konnte garnicht genug kriegen. Als Monchi vollkommen erschöpft neben dem Schlagzeug in sich zusammen sackte und der Rest der Band den Bühnenbereich verlassen hatte, erbarmen sich einige Riot Brigade Typen, noch ein paar Covernummern zu improvisieren. Do auch danach wollen einige unersättliche Partyaktivisten weiter feiern und so kehren Feine Sahne nochmal zurück an ihre Instrumente und Monchi wurde an Armen und Beinen nochmal Richtung Publikum geschliffen. Mit letzter Kraft folgen noch zwei Songs, dann war das Konzert endgültig beendet. Schweiß- und Biernasse Menschen drückten sich aneinander vorbei und versutchen, so schnell wie möglich vor die Tür zu kommen. Wenn die sich mal alle nicht den Tod holen.

Die Party setzte sich nun im Hof der WG fort. Den Vogel des Abends hat wohl ein gewisser D.D. abgeschossen, der sein schweißnasses TShirt über einem Plastikbecher ausgewrungen hat und versuchte, den Inhalt über dem Kopf seines Kumpels zu leeren-hatte wohl was mit Wettschulden zu tun. Wir machetn uns gegen Mitternacht auf dem Rückweg nach Duisburg, das mit den für uns vorbereiteten Pennplätzen war irgendwie nicht bis zu uns durchgedrungen. Und wenn man solch eine Party schon mal nüchtern mitmacht, kann man auch heim fahren. Aber ich fand´s echt wahnsinnig gut und wär gern bei der nächsten Wohnzimmerparty dabei, wobei auf dem Zettel, der den Nachbarn in den Briefkasten geworfen wurde wohl stand, dass es das jetzt erst mal gewesen ist mit großen Partys--- jaja, wer´s glaubt...