Baby, eine krasse Überdosis Chili ist der Vater!

Man wird nicht jünger, schöner sowieso nicht …
Wie kommt ein Mann in der Blüte seines Lebens zu einer solchen Erkenntnis? Wer jetzt vermutet ich war auf einem Selbstfindungstrip zum Gipfel des Mount Everest oder bin durch eine trostlose Eiswüste gewandert und habe dort die erbarmungslose Seite von Mutter Natur kennenlernen dürfen, der liegt ziemlich falsch.
Was mich zu der Aussage getrieben hat, war viel heftiger, schonungsloser und härter als alles was man sich vorstellen kann!
„Halt’s Maul und sag an was Sache ist!“ … O.k. ihr wollt es ja nicht anders:
3 Tage mit meinen Expeditions- respektive Bandkollegen auf engstem Raum, extrem kurze, gas- und schnarchgeschwängerte Nächte, kleine und große Biere und etliche Kilometer durch 4 Länder!
Für viele Bands ist das sicher Alltag, für uns – Sick of Society – eine Ausnahmesituation. Schließlich hat eine notorisch, erfolglose Band wie wir nicht immer die Möglichkeit drei Shows am Stück zu spielen und darunter auch noch nach gut 17 Jahren den ersten im Ausland … so traurig das auch klingen mag.

Aber der Reihe nach … als „brothers in crime“ haben sich für die Ostertour „Terrorizing Society 2010“ mal wieder BS-finest die Daily Terroristen erbarmt und uns begleitet. Auf den ersten Blick mag das Package vielleicht nicht unbedingt passen … altgedienter geiler Deutsch-Punk-Rock meets Porn’n’Roll aber in dem Fall macht es die Chemie. Schon bei unseren ersten gemeinsamen Gigs 2009 kamen wir ziemlich schnell auf einen gemeinsamen Nenner: Strapse, Hochsteckfrisuren und dazu ein Fläschchen Sambuca! Mehr braucht es nicht, um Typen wie uns glücklich zu machen …

Bevor’s jedoch für uns Richtung Davos losging war allerdings erst mal noch eine kurze Probe angesagt, da unser Instrumentarium nach fast 6 Wochen Pause genau so eingestaubt war wie wir. Um kurz nach 15 Uhr ging’s dann endlich vom Proberaum on the road mit dem Ziel Schweiz. Nach den üblichen Vorkommnissen auf einer solchen Fahrt (Harndruck, Bier alle, tanken, Fressnapf füllen, Vignette kaufen, Unterhaltungs- und Bildungsmagazine an Board nehmen, Staustehen), kamen wir dann auch so gegen 19 Uhr endlich in der eingeschneiten, aber kultigen  Box an. Die Kollegen aus BS waren schon vor Ort, leider ohne die versprochenen Hochsteckfrisuren und Strapse … aber mal ehrlich wer will die drei schon so sehen? Brechreiz kann ich auch von anderen Peinlichkeiten bekommen …

Nach den üblichen Begrüßungs-/Beschnupperungsszenarien unter den Bands inkl. ausladen, hieß es Essenfassen und Bier abchecken. Der Magenfüller blieb ein solcher – „Gemüseschlick mit Nudeln“ so die Danielsche’ Bezeichnung – ohne kulinarisch zu glänzen. Dafür war das „Biercatering“ umso reicher gedeckt und absolut zufriedenstellend. Kurzer, aber knackiger Terroristen Soundcheck und gegen 22 Uhr ging’s dann auch mit den lokalen LINKSVORTRITT los. An den Reaktionen der 80 – 100 Punks konnte man klar sehen, dass die Jungs nicht zum ersten Mal in der Location spielten. Als wir dann endlich an der Reihe waren hat sich leider schon Freund/Feind-Alkohl (wie immer man das auch sehen will) etwas breit gemacht. Trotzdem kleiner Hindernisse und einer angeschlagenen Stimme von Fizzi haben wir das Baby einigermaßen geschaukelt. Hat in jedem Fall Spaß gemacht, vor allem der neue Song „Niemals Wie Der Rest“, den wir erstmalig unters bunte Volk ballern durften hat ganz gut gezündet … das tüchtig pogende Volk war der lebende Beweis. Einziger negativer Aspekt war laut Fizzi eine kleine Rangelei/Prügelei während unseres Sets … tja, da ich so gut wie blind bin und live immer ohne Brille spiele, kann ich dazu nichts sagen. Hab’s nämlich nicht gesehen!
Was mir aber im Anschluss nicht entgangen ist, war die Show der Terroristen. Häuptling Uwe und seine beiden Indianer haben sich ordentlich ins Zeug gelegt, was vom Publikum auch ordentlich honoriert wurde. Natürlich ließen es sich Fizzi und ich nicht nehmen ordentlich bei den Backings mitzugrölen. Hat den Set mit Sicherheit noch einmal ordentlich aufgewertet. Keine Frage!

Nach der Arbeit das Vergnügen … logisch! Kollege Steini und Uwe konnten dafür leider nicht mehr begeistert werden, aber der Opener und jeweils 2/3 von SOS und den Terroristen ließ es sich nicht nehmen noch „einen“ Absacker an der Box-Bar zu nehmen. Da wir aber alle mittlerweile Herren im mittleren Alter sind – alternativ kann man auch „alte Säcke“ sagen – ließen wir uns zu keinen Ausschweifungen hinreisen. Wir haben ganz brav noch das ein oder andere Gehopfte geköpft und über Haus, Familie, Kinder und das Wetter geredet … was auch sonst! Ach ja … der Sambuca dazu war auch nicht übel!
Im Anschluss ging’s dann auch straight in unser Quartier, das sich im gleichen Gebäude wie die Box befand und wohl mal früher eine Büro oder ähnliches war. Matratzen und fließend Wasser waren jedenfalls vorhanden und so stand einer einigermaßen ruhigen Nacht – geschwängert mit menschlichen Störgeräuschen – nichts im Weg. Dass das Erwachen trotzdem von leichten Kopfschmerzen begleitet war, lag mit Sicherheit am blauen Dunst in der furzgesättigten Luft … vielleicht war auch das letzte Bier schuld, dass ja bekanntlich immer schlecht ist. Fizzi zumindest sah zu Anfang jedenfalls wie ein ausgelutschter Kaugummi aus … zerknirscht, blas und leblos oder einfach nur zum Kotzen!

Nach der Verabschiedung von LINKSVORTITT und dem Zusammenpacken unseres Krams ging’s auch schon los auf die nächsten 350 km in Richtung Offenburg! Danke Davos, Danke Box-Team, Danke Ösi, Danke LINKSVORTRITT … hoffe wir können das irgendwann wiederholen … lieber früher, als später!

Auf der endlos scheinenden Fahrt, durch reizvoll verschneite Landschaften, die allerdings auch, wie zu erwarten, ziemlich ereignislos verlief konnten Fizzi und ich auch die Akkus wieder etwas laden. Kurze vor dem Rentenalter muss man schon etwas auch sich achten …

Nachdem das Catering am Vorabend eher im flüssigen Bereich als üppig bezeichnet werden konnte, knurrten dann auch irgendwann alle Mägen ganz ordentlich, abgesehen davon konnte ein Bier auch nicht schaden. Gesagt, getan … erster Rasthof auf deutschem Grund angelaufen und sich ordentlich Schnitzel reingepfiffen und auch gleich der Natur ihren Lauf gelassen. Perfekt!
Die letzten Kilometer nach Offenburg rissen wir dann auf der linken Arschbacke ab. Noch kurzer Abstecher in einem Baumarkt, da Fizzi am Vorabend der Gitarrengurt während des Sets gekracht ist und dann in Richtung Kessel. Tja, der gute Kessel hat sich dann auch etwas vor uns versteckt, aber letztlich haben wir das Versteckspiel gewonnen. Direkt unterm Rathaus, verwehrte uns gegen 18 Uhr eine mehr als unscheinbare Tür den Einlass. Kurzer Funkspruch an die Terroristen und schon war klar, wir sind zu früh am Ort des (Nicht)-Geschehens sind. Tja, wir sind ja flexibel und kulturell extrem interessiert, deshalb kam uns kurzerhand in den Sinn, die Sehenswürdigkeiten von Offenburg abzuchecken. Nach gefühlt 20 passierten Eiscafes in der FuZo, wurden wir schließlich fündig – der Bierbrunnen, direkt gegenüber eines „Kabinenkinos“. Die nächsten 90 Minuten verbrachten wir damit, zu erraten, welche Filmpräferenz der jeweilige Kinobesucher hat … logisch, beim Erraten allein blieb’s nicht … mit Bier geht schließlich eh alles besser. Je später es wurde, desto unangenehmer wurden dann auch die Gäste … eine Abordnung der Black-Forest-Hells-Angels war dann letztlich auch das Zeichen für uns, in Richtung Kessel zurückzuwackeln.
Dort war dann auch schon ein Großteil der Bands mit Equipment vor Ort. Alles andere lief dann ab wie üblich, wobei anzumerken war, dass es heute cateringtechnisch eine ordentliche Portion „U-Hosen-Dynamit“ gab … was soll das sein?, fragt Ihr Euch. Ich sage nur Chili!!!!
Wir durften heute von insgesamt vier Bands als zweite Combo ran. Die Leute hatten Spaß, wir noch mehr und bis auf ein paar knackige Aussetzer meinerseits waren nach dem Gig alle sehr zufrieden. Der neue Song kam auch in Offenburg extrem gut an, was uns sehr zuversichtlich für die kommende CD stimmt, da die bisher fertigen Songs alle in die gleiche Kerbe schlagen.
Nach den Lokalmatadoren TORA BORA durften dann auch Uwe uns seine Mannen zu bereits vorgerückter Stunde auf die Bühne. Und man glaubt es kaum, trotz der Uhrzeit gingen die Leute ab wie Schnitzel. Unglaublich! Ich glaub während des Sets gingen 2 Mikroständer kaputt, da das Punkvolk in Offenburg nicht zu bremsen war. Auch Fizzi und ich hatten wieder unsere Einsätze auf der Bühne, wobei ich, darf man dem Kollegen Steini glauben schenken, eher bei meinen Solos auf einem Besen geglänzt habe, als bei den Backings. Steinis Kommentar am Merchstand: „Ich hab Dich zwar nicht gesehen, aber ich hab Dein falsches Gesinge bis hierher gehört!“. Tja, was soll man dazu sagen … wer kann, der kann!

Irgendwann zwischen 2 und 3 Uhr war dann der Konzertabend vorbei, aber was jetzt folgen sollte, war speziell … sehr speziell. Daniel freute sich auf die „After-Show-Party“ schon den ganzen Tag. Bereits während des Abbaus bekam man einen Vorgeschmack auf dessen was folgen sollte … im Hintergrund liefen lautstark alte Metal-Klassiker … geil, ich war echt versucht noch einmal den Besen umzuhängen und all meine Qualitäten als Lead-Gitarrist auszuspielen … ließ ich dann aber doch besser sein.
Tja, als alles verstaut war und man an nichts Böses dachte, ging’s los!!! 90’ und 2000’er Discosound satt und oh Wunder, das Publikum blieb und mobilisierte die letzten Reserven auf dem Dance-Floor. Daniel war ab den ersten Beats nicht mehr zu halten und zeigte Alles … Michael Jackson wäre vor Neid noch blasser geworden, als er zu Lebzeiten eh schon war. Der Typ ist ein Disco-Tiger. Auch Micha und ich ließen sich von den Songs aus unserer Jugend anstecken, wobei Fizzi sich lieber mit Bier und dem Schimpfen über das infernal, infantile Treiben beschäftigte. Spielverderber! Uwe und Steini, schlummerten derweil schon seit einiger Zeit in der Veranstalter-WG, in deren Richtung wir uns erst nach etlichen schweiß-, bier- und harntreibenden Stunden später aufmachten. Nach einer kurzen Dusche (für mich), blieb Fizzi und mir anschließend leider nichts anderes übrig, als auf dem Fußboden ohne Unterlage nur mit Schlafsack bewaffnet zu pennen … die anderen waren in Bezug auf Unterlagen leider schneller. Die nötige Bettschwere, die diesen eher ungünstigen Umstand in diesem Moment erträglich machte, hatten wir uns davor aber zweifelsohne hart erarbeitet.

Nach einer eher unruhigen Nacht – die mit Sicherheit nicht einem krachmachenden Nachbarn oder unerträglichem Straßenlärm geschuldet war, als vielmehr lautstarken Ausgasungen und Power-Schnarchen von 6 mehr oder minder verschwitzten Typen auf 20 Quadratmeter – rappelten sich die ersten müden Gestalten gegen 11 Uhr auf, um sich ein Brause zu gönnen oder sich am Frühstückbuffet die nötigen Vitamine für den Tag abzuholen …

Kurze Zeit später war’s dann mal wieder soweit … hier in Offenburg trennten sich dann auch die Wege der Terroristen und uns. Die Kollegen aus BS zog’s unmittelbar in Richtung Heimat, während wir das Vergnügen hatten noch einen weiteren Gig in Heimatnähe auf der schwäbischen Alb zu spielen – Geislingen war unser Ziel!
Nach der Verabschiedung und der Absprache in diesem Jahr noch weitere Gigs zusammen zu spielen, zog es uns gegen 13 Uhr nach Straßburg um unsere kulturellen Akkus zu laden. Leider mussten wir bzw. Steinis Straßenkreuzer alias SOS-Tourbus feststellen, das französische Tiefgaragen überhaupt nichts mit denen in Deutschland gemein haben … eng, extrem abschüssig und beschissene Autofahrer sind darin unterwegs. Nach einem Aufsetzer auf einer Schwelle in besagter Tiefgarage in der Innenstadt von Straßburg, war bei unserem passionierten Autofahrer dann die Stimmung auf dem Nullpunkt. Auch das Straßburger Münster und die Aussicht, dass sich Fizzis fast in die Hose kackt, ließen seine Stimmung nicht unbedingt besser werden. Erste Anzeichen einer Stimmungsaufhellung konnte man erst feststellen, als schon kurz vor Geislingen im Board-DVD-Player ein unterwegs erworbener Spielfilm mit naturwissenschaftlich-dokumentarischem Hintergrund gespielt wurde. Schade dabei nur, den Schluss haben wir komplett verpasst … wie der Film wohl ausging?

Egal, an der Seemühle angekommen erstmal Kaffee und Kuchen … was, gibt’s nicht? Egal, wir sind flexible, dann muss es halt ein Bier sein … immerhin sitzen wir ja schon seit gut 12 Stunden auf dem Trocknen – und das ist überhaupt nicht gesund. Tja, und da wir bereits zu Anfang gleich in allerbester Gesellschaft waren – die Kollegen von den WOMBLES und die supersympathische Seemühlen-Crew waren bereits vor Ort – verdunsteten die Biere auch unglaublich schnell. Wir waren selbst etwas überrascht … und regelrecht entsetzt als wir hörten: Chili – die Zweite. Dieses Mal zwar vegan, aber trotzdem lief ich geradewegs in Richtung „Tourbus“ um meinen Vorrat an unbenutzten Unterhosen zu checken … man kann ja nie wissen. Tja, eigentlich müsste man aus Fehlern ja lernen, aber zumindest Fizzi und ich erwiesen sich in dem Fall als resistent … ohne zu zögern wurde ordentlich Chili eingefahren. Kaum dass der erste Teller weg war, ging’s dann auch schon kräftig los. Meine Gedärme kamen von dem Moment an nicht mehr zur Ruhe und sollten sich auch nicht mehr beruhigen … Fizzi ging’s wohl ähnlich – Danke Markus, hat zwar geil geschmeckt, aber ich probier’s trotzdem nie wieder!
Ach ja, irgendwann haben wir dann auch gespielt … nach ausgiebigem WOMBLES Soundcheck durften wir unseren Kram aufbauen und auch gleich eine halbe Stunde später loslegen. Der Gig verlief dann auch aufgrund der Chili-Vorbelastung etwas gehemmt. Davon abgesehen war Fizzis Stimme dermaßen am Sack, dass man sich nicht sicher sein konnte unseren etatmäßigen Sänger zu hören oder eine kastrierte Krähe … im Nachhinein muss ich sagen, lag er an dem Abend wohl näher beim Federvieh. Trotz der vielen Handicaps und eines eher gehemmt wirkenden Publikums zogen wir unseren Set komplett und unroutiniert wie immer durch.
Nach dem Einladen, unterbrochen von unzähligen Besuchen auf dem Lokus entschieden wir uns vorzeitig die Zelte abzubrechen und die Heimreise anzutreten. Schließlich mussten wir ja noch gut 45 Minuten heimgurken und unseren Kram im Proberaum verstauen. Ach ja, kleine Randnotiz … mittlerweile war auch der Headliner des heutigen Abends eingelaufen … DIE KAFKAS. Diese hatten sich ursprünglich leicht verfahren und waren zu erst im gut 100 km entfernten Geislingen eingefallen … tja, shit happens.

Nach einer ereignislosen Heimfahrt und dem Verstauen unserer 7-Sachen, waren wir im Anschluss alle recht froh wieder daheim zu sein. Meine bessere Hälfte fragte mich nur, als ich daheim aufschlug, wer mich denn in den 3-Tagen geschwängert hätte (ich sah in dem Moment echt aus, wie ein Heißluftballon)?
„Baby, eine krasse Überdosis Chili ist der Vater!“