Ein neues, altes Lüftchen im saarländischen Nazi-Sumpf.

Seit dem Jahre 2005 und der damaligen Selbstauflösungen, sowohl des Nationalen Widerstandes Köllertal als auch der Kameradschaft Saarlautern, war es scheinbar lange Zeit ruhig um organisierten Rechtsradikalismus im Saarland. Lediglich die NPD versuchte sie sich als einzig wahre Protestpartei gegen alles und jeden zu etablieren.

Nun trat im August vergangenen Jahres eine neue Gruppe strammdeutscher Jungmänner an, dieses Vakuum zu füllen – das zumindest in der Öffentlichkeit bestand – um mit der Gründung der “Kameradschaft Saarsturm” ein Sammelbecken für national bewusste Deutsche zu schaffen.
Die ersten zaghaften Schritte in die Öffentlichkeit trat die Kameradschaft im Rahmen der großspurig als “Sommerfest” deklarierten Veranstaltung der saarländischen NPD im Völklinger Stadtteil Heidstock. Jedoch besaß dieses aufgrund der Teilnehmerzahl mehr den Charakter einer gemütlichen nationalen Grillrunde, als die eines Festes.
Auch politisch stand die Kameradschaftsriege ihren Ambitionen in nichts nach, beteiligten sie sich am 8. August – das erste Mal in schicker Einheitskleidung – am Aufmarsch des Nationalen Widerstandes Zweibrücken in der gleichnamigen saar-pfälzischen Kleinstadt.
Von diesem Moment an tummelten sich die schwarz-weiß-rot gefärbten Patrioten auf jedem Szene-Event im näheren Umkreis, so an diversen schnulzig-pathetisch inszenierten “Heldengedenken” im Saarland, Rheinland-Pfalz und Frankreich.

Auch das “Weltnetzwerk” blieb vom Engagement der Jungs nicht unbehelligt, so präsentiert sich die Kameradschaft seit Beginn ihrer Gründung auf einer schicken Internet Seite, gehostet und designt vom resignierten NPD-Saar Vorsitzenden und Besitzer eines ziemlich schrottreifen Wahlkampfmobil Ungetüms, Frank Franz.
Auf dieser Webpräsenz folgen – neben recht seltenen persönlichen Ergüssen – in regelmäßiger Erscheinung ihre kruden Ansichten zum aktuellen Tagesgeschehen, sowohl bundes- als auch weltweit.
Dabei wird kein Blatt vor den Mund genommen, im Gegenteil: In tiefgehender und trefflicher Rethorik wird sich über Minarett-Bauten, die zionistische Weltverschwörung und die vergebliche Wohnungssuche armer Kameraden brüskiert, mit dialektischer Schärfe, die ihresgleichen sucht, herausgearbeitet wieso “Kommunismus keine Lösung” ist und ganz nebenbei noch verkündet das Anglizismen in der deutschen Sprache “gar nicht mal so cool sind”.

Gänzlich unbeobachtet blieb das Treiben der Saarstürmler jedoch nicht, bereits im August veröffentlichte die Gruppe “Antifa Saar / Projekt AK” einen Rechercheflyer, auf dem – neben einigen Informationen über Genese, Gruppenstruktur und Aktivitäten der Kameradschaft, auch in exzellenter Qualität eine Fotogallerie des harten Kerns und einiger enger “Sympathisanten” abgebildet ist.

Dadurch wird dem geneigten Leser / der geneigten Leserin nicht nur bewusst, welch arische Vorzeigemänner die Kameradschaft zu bieten hat, sondern besonders die bunte Zusammenstellung der Gruppe, deren Mitglieder sowohl aus altgedienten Kameraden, NPD-Klüngel als auch einer großen Anzahl von Jungspünden besteht.

Dieser Flyer blieb natürlich auch bei den Betroffenen nicht unbemerkt, sondern führte zu einer – etwas belustigenden Reaktion: Nachdem die – wohl etwas schwierige – Ausarbeitung des Antwort-Textes mit dem harten Arbeitsleben der Protagonisten entschuldigt wurde, um ganz nebenbei die ziemlich altbackene Klischee-Keule des arbeitslosen Antifa-Schmarotzers zu schwingen – verwechselten die Autoren auch noch die Herausgeber des Flyers und schmückten anstatt der Antifa Saar / Projekt AK, die Antifa St. Wendel mit deren Lorbeeren, was natürlich auch mit mehrfacher Nennung der AutorInnen auf dem Flyer selbst durchaus vorkommen kann.
Anstatt in irgendeiner Form inhaltlich auf die Anschuldigungen einzugehen, wird sich stattdessen über einen (!) Rechtschreibfehler innerhalb des Flyers amüsiert. Ihre “Genialität” stellten die brauen Kameraden dann noch unter Beweis, als sie sich über den V.i.s.d.P der Recherche Info mit staubtrockenem Humor lustig machten, nicht in der Lage zu erkennnen, was 1944 “über der Ludwigskirche” passiert ist. Das nächste mal solltet ihr vielleicht in ein Geschichtsbuch schauen, dass würde euch auch sonst nicht schaden.

Innerhalb der letzten Wochen fielen einige Teilnehmer der Kameradschaft vorallem dadurch auf, das sie, in gewohnt plumper Kameradschafts Manier, versuchten durch einige Aktionen in Saarbrücken Fuß zu fassen.
So wurden nach unserem Kenntnisstand letztlich mehrmals durch Mitglieder der KS Saarsturm, Personen, die sie wohl als Mitglieder “der Antifa” erkannten sowohl Gewalt angedroht, als auch versucht diese Drohungen umzusetzen. Hauptsächlich fanden diese Aktionen direkt im, sowie im näheren Umfeld des Saarbrücker Hauptbahnhofs statt.

Natürlich soll diese neue Gruppenstruktur nicht gänzlich unterschätzt werden. Deshalb sei der geneigten Leserschaft sowohl die Recherche Info der “Antifa Saar / Projekt AK”, als auch deren Artikel im aktuellen Antifaschistischen Info Blatt ans Herz gelegt, in dem die Gruppe nicht nur auf die Kameradschaft selbst, sondern auch auf deren Zusammenhänge innerhalb der gesamten saarländischen Nazi Szene, der NPD und anderer Organisationen bzw. Einzelpersonen eingeht.

Desweiteren soll sich jedeR nocheinmal aufgefordert fühlen die Augen aufzuhalten. Die aktivsten Mitglieder der Kameradschaft Saarsturm sind, dank der Recherchearbeit der Antifa Saar, bildlich bekannt und dürften größtenteils einen hohen Wiedererkennungswert besitzen.

Nazistrukturen offenlegen und bekämpfen!

Den Rechercheflyer über die KS Saarsturm der Antifa Saar / Projekt AK findet ihr unter:

http://saar.antifa.net/pdf/ks_saarsturm.pdf