Die Überschrift nimmt das Thema das ich hier anschneiden werde schon vorweg: das Rostocker Label Amöbenklang feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag! Nachdem ich ungefähr im Februar festgestellt hatte das Holger „Alge“ Roloff seine Zelte mittlerweile in Hamburg aufgeschlagen hat, nutzte ich die Gelegenheit und traf mich Anfang Juni mit ihm in seiner Wohnung um ihn über das Label und den Mailorder ein wenig auszuhorchen. (mit legalen Mitteln) Nach sage und schreibe 4 Stunden bin ich frohen Mutes wieder nach Hause gefahren und genau die selbe Anzahl an Stunden hab ich später dann auch durcharbeiten müssen, weil sich aus den einzelnen Fragen immer wieder Gespräche und Diskussionen entwickelt haben die leider viel zu umfangreich sind um sie im Detail hier einzubringen... Es war echt aufwendig, aber auch unheimlich interessant sich das alles nochmal anzuhören und ich glaube die MD’s werden so schnell nicht in der Versenkung verschwinden – ich bin immer noch so elektrisiert, das ich das komplette Tonmaterial nur zu gern hier veröffentlichen würde, damit jeder was davon hat – mach ich aber nicht… aklangwei3

 

Die Möglichkeit des Interviews hab ich selbstverständlich auch dafür genutzt, Alge ein paar Fragen zu stellen, die sich thematisch mit der Zeit vor der Wende befassen. Er hat damals zusammen mit seinem Bruder Harry das Trash-Tape-Rekords Kassettenlabel , eines der wenigen Underground Label der DDR, betrieben - einige der Aufnahmen findet man auch heute noch in der Amöbenklang  Liste. (was Ost-Punk-Nerds wie mir natürlich zu Gute kommt) Wer mehr über TTR wissen will, der liest sich dieses Interview hier durch.

Viel Spaß!

 

 

 

 

R: Warum der Namenswechsel von Trash-Tape-Rekords zu Amöbenklang bzw wie kommt man auf den Namen Amöbenklang und wieso kam es dazu, das ihr so kurz nach der Wende überhaupt ein(en) Label / Vertrieb gegründet habt?

A: Ich habe 1987/88 zum ersten mal „The Klinik“ gehört. Eine EBM Band die machen, wie der Name schon sagt, so einen ganz klinisch reinen Sound wo du die Assoziation hast das du in deinem weißen Kranken-Nachthemdchen durch gekachelte Flure eilst, überall Blutspuren siehst, den Geruch von Desinfektionsmittel wahrnimmst ... und die haben sich auf ihren Covern als Ärzte abbilden lassen und auch so agiert. Die haben sich dann z.B. die Köpfe einbandagiert, richtig skurril und hatten Ledermäntel wie die Stranglers an. Der Punkbezug sozusagen. Deren Stücke sind so schleppend - die fangen langsam an und bauen sich dann auf, du kommst richtig in einen Trance Rhythmus rein und du bist enttäuscht wenn das Stück dann aus ist - das hat mich inspiriert! Meine Lieblingsband ist immer noch Adam and the Ants und ich dachte mir man müsste die Songs noch mal im Stile von „The Klinik“ einspielen und weil mein Spitzname eben immer noch Alge ist, sollte die Band „Alge Und Die Amöben“ heißen. Als 90 dann die Wende richtig kam, haben wir uns alle getroffen und gesagt wir müssen was machen. Aber was machst du, wenn du tausende von Tonträgern hast und sie gegebenenfalls nicht los bekommst, weil du keinen Vertrieb hast?

R: Einschmelzen und was neues pressen?

A: Ja wahrscheinlich, deshalb dachten wir uns, wir müssen das umgedreht machen. Wir müssen erst einen Vertrieb aufbauen und dann können wir Musik machen. Dann kam die Idee erstmal einen Mailorder auf die Beine zu stellen und zu gucken das man irgendwie Vertriebswege schafft..

Das waren so parallele Ansätze. Zum einen das die Leute davon profitieren, weil wir Zeug vertreiben und zum anderen das man die Möglichkeit hat wenn man mal selber was machen möchte.

Wir haben dann gesagt, wir müssen zu irgendwem Kontakt aufnehmen. Da hat mir dann der Endie Neumann vom Suppenkazpers Noise Imperium geholfen zu dem ich dann im März 1990 gefahren bin, was gleich bedeutend ist mit der Amöbenklang Gründung. Jetzt ging das Projekt los. Der hat mir dann sehr viel darüber erzählen können und hat mir geholfen von den Lieferanten erst mal Platten zu bekommen. Ja und dann standen wir im Juni 1990 schon mit der ersten Plattenkiste bei uns im Mauclub in Rostock in der Blücherstraße, wo die ganzen großen Veranstaltungen waren. Wenn da was war, dann kamen die aus Neubrandenburg, Greifswald etc. - der ganze Norden kam da hin. Das erste Paket das damals eingetroffen ist, war von Glitterhouse. Die hatten schon Grunge-Platten – 1990 - Stell dir das mal vor! 93 ist mit Nirvana die Grungewelle erst richtig losgegangen. Wir standen 1990 schon mit den ersten amerikanischen Bands, den erstem Grungebands da.

Wir sind da dann regelmäßig hin und haben immer weiter Kontakte aufgebaut, zu immer mehr Labels. Mit dem Suppenkazpers das hat sich dann nachher so ein bisschen verlaufen, wir haben uns dann gegenseitig immer beliefert und uns auch auf der Popkomm getroffen, auf dieser großen Musikmesse, die es in Deutschland gibt. Wir haben auch immer noch Kontakt bis heute. eckigneu

R. Also Endie Neumann, hat zu gesehen dass er euch mit Platten versorgt?

Ja, die Kapitalisten haben ja alle von Joint Venture gesprochen, da haben wir gesagt, dann machen wir eben auch eins, aber ganz unten – im Underground! Wir haben gesagt was wir wollten und der hat uns dann die Platten geschickt. Wir haben die dann umgerechnet, in DDR Mark, dann kostete eine Schallplatte 35,90 oder so.

R. Im Netz hab ich gelesen „ Wir haben und den Spaß nicht nehmen lassen“. Wir heißt in dem Fall du und Torsten Wolf. Macht er immer noch mit bei Amöbenklang?

A Nee, ich hab das in Eigenregie gemacht die letzten Jahre. Er war bis 2004, 2005 aktiv dabei, jetzt hat er noch ein riesen Lager, mit tausenden Platten und CD’s Er weiß mittlerweile gar nicht mehr wohin damit. Wir sehen momentan auch noch zu, das wir das alles ab Verkaufen, es wäre einfach zu Schade das wegzuschmeißen.

R. Naja, es gibt schlechtere Situationen als zu viel Musik zu Hause stehen zu haben (lacht)

Über Torsten liest man ja nicht so viel…

A: Torsten hat sich ein bisschen ins Private zurückgezogen. Ich kann das ja auch nur noch nebenbei laufen lassen. Ich hab jetzt so viele andere Baustellen die mir im Moment wichtiger sind. Wenn die ganze Marktwirtschaft demnächst hier sowieso zu Ende geht, was soll ich dann noch große Projekte starten? Das macht irgendwie nicht so richtig Sinn für mich. Momentan läuft alles noch gut, kann natürlich sein, das ich aus Zeitgründen irgendwann mal den Stecker ziehen muss und sage es geht nicht mehr, weil andere Sachen soviel Raum einnehmen. Privatleben muss man ja normalerweise auch noch irgendwo haben (lacht) mal sehen wann ich das wieder eingetaktet bekomm, da hab ich mich erst mal total zurückgenommen in letzter Zeit. (…) Deswegen weiß ich auch nicht wie die Perspektive für das Label überhaupt aussieht. Ich weiß nicht wie andere das sehen, mittlerweile hinterfrage ich was ich tue, ich bin ja nicht mehr so naiv wie vor 10 – 15 Jahren. Da war man begeistert. Jetzt ist die Wende, jetzt geht’s los und jetzt machen wir ein Label - obwohl wir weder Geld, noch Ahnung, noch sonst was hatten - wir haben’s einfach gemacht. Das würde ich heute, so, unter diesen Umständen nicht mehr machen. Dazu weiß ich inzwischen zu viel über die ganze Scheiße hier. Heute würde ich mich wahrscheinlich lieber für die Musiker Variante entscheiden und lieber die Amöben Band gründen…

R: Wie viel Zeit beansprucht das denn im Moment?

A: Naja, ich mach schon täglich was, so ist es nicht. Das sind zwar immer nur Kleinigkeiten - in den Onlineshop reingucken, Ware nach bestellen , die Faxe schicken (zu seinen Eltern) - meine Mutter packt dann in Rostock wieder die Pakete, mein Vater bastelt das Verpackungsmaterial, das ist richtig noch Familienbetrieb. Meine Eltern sind schon im hohen Rentenalter und die machen das immer noch, eigentlich Wahnsinn, unglaublich…

R: Also das komplette Lager ist in Rostock?

A: Ja, das Lager ist bei meinen Eltern in Rostock. Deswegen hatte ich auch nicht so viele Sachen hier ( zeigt auf die Tüte die er mir mit Platten und CD’s gepackt hat, nochmals Tausend Dank dafür!!!!! )

R: Gab es denn vorher in der Amöbenklang Geschichte mal einen Moment wo du dachtest es geht nicht mehr, da Interesse lässt nach...Ich komm mit dem Absatz nicht hinterher, ich hab zu viel liegen….

A: Also in  kleinen Größenordnungen hast du die permanent, weil du immer mal was einkaufst was nicht läuft, wie gedacht. Es geht zwar alles irgendwann weg, das ist nur eine Frage der Zeit. Momentan ist es ja eher so das vom Trend insgesamt alles immer weiter abwärts geht, wie alles um uns rum. Das man so kalkulieren würde, das ich mir vor nehme so und so viel Prozent Umsatzsteigerung zu kriegen, das passiert nicht mehr. Ich meine das würde sogar gehen, wenn man Zeit investiert, da bin ich überzeugt davon. Aber da hab ich ehrlich gesagt nicht mehr die Motivation - Wozu auch? Als wir angefangen haben, da gab es in Rostock EINEN Amiga Plattenladen und die Leute hatten keine Chance irgendwie sonst an geile Punk- und Independent Musik zu kommen, obwohl sie wussten dass es die gibt.

R: Wie wichtig war denn der Verlauf der Geschichte für dich, wie wichtig war es für deine Entwicklung das du in der DDR aufgewachsen bist? Anfang der 80ger konnte man da ja nur durch Kreativität aus den gesellschaftlichen und politischen Zwängen fliehen.

A: Doch, das wird eine mächtige Wirkung auf mich gehabt haben. Ich mein die Frage ist ja, mal angenommen, mein Vater wäre irgendwann mal in den Westen gegangen und ich wäre im Westen geboren worden und aufgewachsen was wäre dann?! Ich mein das wird schon wichtig gewesen sein, denn die äußeren Bedingungen prägen dich ja wesentlich.

R: Gab es bei euch in den 80gern in Rostock auch die Situation das unterschiedlichste Szenen wie die Kunst die Avantgarde und die Punkszene miteinander abgehangen haben?

A: Ja das war tatsächlich so. In meinem engeren Umfeld in Rostock, das waren alles Punk-orientierte Leute ganz klar. Die ganze Virus X – Clique, das waren alles Punks. Aber wenn du in die Clubs gegangen bist, dann liefen da auch Waver rum und Skins, oder Avantgardeleute - das war schon ziemlich bunt gemischt. Bei der Armee haben wir einen Punk kennengelernt, der aus der Berliner Punk-Szene kam. Der berichtete uns das Anfang der Achtziger in Berlin schon immer mehr Avantgarde Leute rum liefen, die völlig verrückte Sachen gemacht haben wie z. B. alte schlabbrige 70ger Jahre Klamotten anziehen, so ganz hässliche grüne Jacken und breite Schlipse… und dann große, sperrige Dinge mit sich rumgeschleppt haben wie Bügelbretter. Total sinnlose Sachen, nur um sperrig zu  sein im Alltag – um richtig gegen zu bürsten. So wie du es als Punk optisch machst, so haben die dann Spießer karikiert.spruch2

R: Hast du mal ein TTR Tape an Lutz Schramm (Parocktikum) oder John Peel geschickt?

A: Ja. Hm muss mal überlegen ob wir John Peel was geschickt haben, das weiß ich nicht. Wir haben im Norden NDR empfangen und Radio Bremen. Und da gab es einen ganz legendären Radio DJ, der macht heute beim NDR Info auch noch Sendungen und zwar Paul Baskerville. Wir haben jede Sendung mit Begeisterung gehört. „Musik für junge Leute“ hat der auch teilweise gemacht. Der hat immer Independent und Punkmusik gespielt. Also von Punk bis Wave. Avantgarde, alles. Jahre bevor es Parocktikum gab.

R: Mit Parocktikum gings glaub ich Mitte derAchtziger los.

A: Ja stimmt, ging auch 1986 damit los.

R: Das waren dann aber schon größtenteils Bands die da gespielt wurden, die ne Fleppe, also ..

A: Genau, die ne Spielerlaubnis hatten. Die durfte er da auch spielen ohne Ärger zu bekommen.

R: Aber er hat da auch Underground Bands z. B. Schleim-Keim usw.  gespielt. Er hat eigentlich alles gespielt. (lacht)

A: Ja, er hat auch Zwecklos gespielt und wir haben ihm Sachen hingeschickt, klar. Ich hab sogar einmal einen kompletten Bericht über eine West-Band, von der ich eine Original Schallplatte hatte, hingeschickt. Die hab ich getauscht gegen Puhdy’s LP’s, ich hatte nen Typen im Westen sitzen, der war Puhdy’s Fan. Dem hab ich die Original Pressungen von Karat, Puhdy’s und so geschickt und er hat mir dafür Westplatten rübergeschickt. Dann hab ich die Bands im Westen angeschrieben und die gefragt ob die gerne ein Interview machen wollen und da hab ich damals ein Interview mit den Shiny Gnoms aus Nürnberg gemacht, das hab ich dann alles auf Kassette gesprochen, wie ne Radio Sendung und das hab ich dann damals an Lutz Schramm geschickt und der fand das so geil und hat das dann richtig als Beitrag gebracht im Parocktikum. Der hat dann meinen kompletten Beitrag da gespielt, bis auf zwei, drei Wörter  die musste er raus schneiden, die waren ideologisch, nach DDR Muster sozusagen, nicht sauber. Ich hatte da irgendwie so ein Wort wie bundesrepublikanisch drin, da hat er gesagt das verwenden wir in der DDR gar nicht, dann würde es richtig Ärger geben, wenn er das senden würde. Aber das waren nur zwei, drei Kleinigkeiten, das hat überhaupt nicht gestört. Dann hat der den kompletten restlichen Beitrag unzensiert gesendet. Hinterher, hab ich dann erst um ein paar Ecken gehört, stand natürlich sofort die Stasi bei ihm. Die sagten:„Wie können Sie von Holger Roloff ungeprüft irgendwelche Dinger spielen??? Den haben wir sowieso schon auf dem Kieker!“

R: Wahnsinn, wenn man das so hört. Ich gehe davon aus, das die Stasi von 99 % der Dinge wusste die da passiert sind.

A: Wie ich dann später anhand meiner Akte auch feststellen durfte..

R:  Immer wenn man hört was so alles durchgelaufen ist, hat man das Gefühl das dass ein reiner Glückstreffer war… Du baust Kontakt auf zu einer Band im Nicht-sozialistischen Ausland, machst mit denen ein Interview und es wird auch noch im DDR Radio gespielt….

A: Direkt interviewt hab ich die nicht. Das war ein in sich geschlossener Bericht, so ca. 20 – 30 min. ungefähr und den hat er dann komplett gespielt. Das war echt der Hammer.

R: Was immer noch aussteht ist die literarische Verarbeitung der Nord-Ost-Deutschen Punkszene, speziell Rostock, Schwerin, Greifswald.... Schließlich ist der Rest der alternativen Szenen der DDR schon ganz gut dokumentiert. Es gibt viele Leute die meinen dass DU noch mal ein Buch verfassen solltest. Wie siehst du das?

A: Ja, das hab ich auch schon öfter gehört. Es gibt schon diese kleineren Sachen, ich hab dir auch zwei Beispiele mal mit reingelegt, wo schon Interviews mit mir da sind. Aber, ich weiß nicht in welcher Form man das machen kann, dass man tatsächlich noch mal größeres schreibt. Allerdings existiert auch noch so viel Material, noch so viele geile Fotos. Ich hab Private Fotoalben, wo die Punks von Früher drin sind. Es ist irgendwie schade, das dass nur privat irgendwo existiert, da sind so kultige Sachen dabei….

R: Das muss doch öffentlich gemacht werden!!!umgedreht

A: Ich muss mal mit Torsten reden..Man vergisst ja auch viel.

R: Gerade in den letzten Jahren hat das Thema ja an Popularität gewonnen, es gibt auch einiges was zum Thema erschienen ist. Die „Too much Future“ Ausstellung, plus die DVD, plus das Buch dazu....

A: Das Buch hast du schon gelesen?

R: Jepp, das find ich richtig gut!

A: Muss ich mir auch noch mal besorgen.

R: Das gefällt mir auch von der Aufmachung her, ist mit weniger Text, dafür viel grafisches Drumherum. Dann gibt’s aus Magdeburg, vom Hasenverlag ein Buch (von Größenwahn bis Müllstation) über die damalige Magdeburger Punkszene, dann das „Satan kannst du mir noch mal verzeihen“ über Schleimkeim - aus dem Ventil Verlag… usw.

A: Ich hab neulich mal überlegt, was hab ich aus der Zeit eigentlich noch?? .. es ist leider nicht mehr alles da. Mir sind ein paar Fotovorlagen von den Kassetten-Covern weggekommen, da hab ich leider nicht mehr alle. Ich vermute auch dass sich die Stasi das irgendwann mal unter den Nagel gerissen hat.

R: Ich hab diese Woche darüber nachgedacht das die auch Aufnahmen eingesackt haben damals...

A: Ja, also der Typ bei dem ich in Rostock einen Vortrag gehalten hab, in der ehemaligen Stasizentrale (heute Museum), nach der Wende, der hat mir auch Kassetten vorgespielt die Sie in den Stasiunterlagen gefunden haben und wollte wissen was das für Bands waren – Das war hammermäßig geiler Punk und ich wusste nicht wer das ist!! Ich fragte dann ob das echt was aus der DDR Zeit ist und er entgegnete „Jaja, das haben die damals einkassiert und wir haben das hier in den Schränken gefunden“. Das hörte sich so was von geil an! Es gibt da draußen garantiert noch massenweiße so Zeug, jede Menge Leute die was aufgenommen haben und die noch die Aufnahmen haben von Früher. In der Regel ist aber die Motivation eben nicht da das irgendwie zugänglich zu machen. Ich guck schon immer mal das ich was ran bekomme, bei Ebay was kaufe und pack das dann wieder rein in die Liste. Ich hab jetzt erst von einem Tape auch mal mehrere Stück kaufen können und dann kommt das natürlich auch mit in die Liste rein.

(…) Uns kennen ja auch viele. Wenn die ihre Sammlungen auflösen wollen, schicken die uns Listen. Also ruhig regelmäßig reingucken, das wird von Zeit zu Zeit aktualisiert. Das ist ja auch der Vorteil von unserem Kundenkreis, dass man bei uns solche Raritäten finden kann -Selbstverständlich ohne, das man horende Summen dafür zahlen muss.

R: Nach der Wende ist ja von einigen Musikern rausgekommen, dass Sie IM waren. Sascha A. A. (hat damals die Aufnahmen der DDR von Unten Platte mit Schleimkeim und Zwitzschermaschine  nach West-Berlin „geschmuggelt“) angeblich jemand von M. auch bei O. ist man sich ja nicht sicher…

Wie kann man das werten?

A: Das wird immer sehr hart kritisiert, aber ich sehe das um ehrlich zu sein ein bisschen differenzierter. Zunächst mal muss man das grundsätzlich relativieren. Ein IM ist nur ein kleiner, inoffizieller Mitarbeiter, so eine Art Zu-Läufer, der denen ein paar Infos zugetragen hat, das waren ja keine wirklichen Stasi Leute. Die, die wirklich Dreck am Stecken haben, das waren die Stasileute selber – über die hörst du so gut wie gar nichts, das ist schon mal ein totales Missverhältnis find ich. Sie ziehen sich immer nur an den kleinen IM’s hoch. Nichtsdestotrotz gab es unter den IM’s welche, die ernsthaft Menschen Schaden zugefügt haben und da kann ich nicht drüber hinwegsehen - das muss ich scharf kritisieren! Insofern geb ich denen eindeutig Recht, die das kritisieren, aber bei den Leuten wie I. oder die F. , das waren ja keine überzeugten DDRler, die sind reingezwungen worden, die sind ja nicht freiwillig IM geworden. Das waren überzeugte Punks und Anarchisten, die aber gezwungen worden sind durch dieses DDR System. Das heißt die haben’s nicht so gut geschafft das zu händeln wie ich und mein Bruder - durch Strategien die wir schon früh gelernt haben, sondern diese Leute sind SO in den Macht Apparat reingeraten, die Stasi hat sie so unter Druck gesetzt, das IM zu werden der einzige Ausweg war für sie. Die waren sich dieser schizophrenen Situation ja durchaus bewusst. Einerseits durften sie das anderen nicht erzählen und sie mussten so tun als wären Sie IM  – sie haben natürlich auch versucht, möglichst nicht solche Informationen preiszugeben, mit denen sie anderen wirklich schaden. Wenn jemand das so gehandhabt hat, finde ich das völlig OK. Was hättest du denn unter den Bedingungen machen wollen? Das ist ganz, ganz schwierig… Wenn sich dann Leute hinsetzen und aus der heutigen Position urteilen, das finde ich nicht angemessen. Wenn die selber in dieser Situation gewesen wären, was hätten die denn gemacht? Das ist doch Klugscheißerei! Damals ist es schwer gewesen. Du konntest da echt im Bau landen, dann ist dein Leben unter Umständen ruiniert und zu Ende, was hättest du denn da machen wollen??? Dann renn ich eben als IM rum und trag denen vor wann das nächste Punk-Konzert ist oder wann XYZ ein Anarchie A an die Wand gemalt hat. Na und? Dann hat der vielleicht schlimmsten falls mal 3 Tage im Bau gesessen. Mich haben die Bullen ja auch mal weggefangen und ich hab mal nen Tag eingesessen. Als mein Bruder bei der Armee war und die das spitz bekommen haben mit dem Label, hat der auch mal drei Tage gesessen. Es ist ein unterschied ob du dich irgendwie anbiederst an das DDR System oder ob du versuchst diesen Spagat hinzubekommen . Ich kann den Leuten nichts vorwerfen! Ich kann denen doch nicht das DDR System vorwerfen!! Da sind die doch nicht verantwortlich für! Das ist ganz schwierig zu beurteilen aus heutiger Sicht, genauso wie einige Leute aus dem „Westen“ die ich kenne, ehrlicher weise sagen das sie sich nicht sicher sind, ob sie damals nicht auch linientreu gewesen wären. Denn aus heutiger Sicht kann jeder über die DDR urteilen, aber hab mal in der DDR gelebt und die Eier gehabt die Wahrheit zu vertreten, das zählt für mich!

(…) Jeder musste seine Strategie finden! Ich hab Glück gehabt, mich haben Sie erst ein halbes Jahr vor der Wende geschnappt und da stand glücklicher weiße gerade die Wahl vor der Tür. Das hat wahrscheinlich geholfen, dass die uns nicht eingeknastet haben. Vielleicht hätten Sie mich ein halbes Jahr später - wenn die Wende nicht gekommen wäre - vielleicht hätten Sie mich da noch mal am Arsch gehabt…Da hab ich auch ziemlich Glück gehabt! Das haben mir auch Leute bestätigt, die das aufgearbeitet haben, die meinten es ist erstaunlich wenn man die Akte von ihnen und ihrem Bruder liest, das sie nicht weggesperrt worden sind, da haben sie echt Schwein gehabt. Dann wäre vielleicht alles anders gelaufen; dann wäre es vielleicht nichts mit  Amöbenklang gewesen….

ENDE

Wer Bock drauf bekommen hat dem Amöbenklang mal einen Besuch abzustatten, findet alles Rund um das Label und den Mailorder auf www.amoebenklang.de . Veröffentlicht werden die Tonträger sowohl unter Amöbenklang als auch unter den zwei Unterlabels Sub Flora und High Society International. Bei HSI findet man Bands die dem 77ger Punk und dem Punk n Roll huldigen und diesen auch in gewohnt guter Manier rüber bringen, Bands wie Mere Dead Men, Stilletto Boys, Dog food five, the Dead City Rebels oder Sampler wie „The British Punkinvasion“ mit Kapellen wie Channel Stoopid oder den UK Subs. Der Online Shop / Mailorder bietet neben den neuesten Veröffentlichungen der PunkRock-HardCore-Trash-Oi!-EBM Szene auch noch zahlreiche Tapes aus der TrashTapeRekords Zeit und hat noch - wahrscheinlich als einer von wenigen Mailorder - eine separate Tapeliste die auch als PDF-Datei bei post@amöbenklang.de angefordert werden kann. Wer jetzt noch nicht heiß geworden ist, wird spätestens beim Hinweis auf die Kelly Family oder Abba Kassette einen Blick riskieren müssen ;-)