Da wir vom Plastic Bomb keine Lust auf Arbeiten hatten und so kurz vorm langen Wochenende lieber die Füße hoch legen, haben wir die Jungs von Hamburger Abschaum und Pöbel MC gebeten, sich einfach gegenseitig zu interviewn, um uns den Aufwand zu ersparen. Das war natürlich kein Problem, lest hier das Resultat!

Hamburger Abschaum: Zur Eröffnung etwas Naheliegendes: Der Name „Pöbel MC“: Hat der seinen Ursprung darin, dass du gerne und viel pöbelst oder zählst du dich selbst zum Pöbel? Also ein pöbelnder oder ein dem Pöbel entstammender Master of Ceremonies? (Wir nehmen einfach mal an, dass MC nicht für Mopped Club steht, oder doch?!)

 

Pöbel MC: Ich fand wohl „Pöbel MC“ sei ein ganz guter Name für einen Rapper - das vielleicht auch aufgrund der in der Frage aufgegriffenen Mehrdeutigkeit, die allerdings weniger auf meine Person bezogen ist, als die Frage suggeriert. Menschen zu bepöbeln ist ein noble, heilsame Sache, für die Rap ein sehr gutes Vehikel ist, insbesondere weil man damit viele unterschiedliche Menschen erreicht.

 

Pöbel MC: Namensfragen also... „Hamburger Abschaum“, bedeutet das, dass ihr euch zum Abschaum Hamburgs zählt oder aufgreift, dass ihr aufgrund eurer Positionen aus bürgerlicher Perspektive als Abschaum betrachtet werdet?

Hamburger Abschaunm:

Sowohl als auch, allerdings kommt noch der Fakt zum Tragen, dass Abschaum auf einer kochenden Suppe immer oben schwimmt und es nur ein bürgerliches Schimpfwort ist, da der Bürger seine Suppe gerne klar haben will und deshalb den entstandenen Abschaum entfernt. So wie er gerne auch Gesindel und Bauwagenplätze entfernen würde, um die geliebte Suppe klar zu kriegen.

 

Hamburger Abschaum: Wie kann Rap, deiner Meinung nach, diese Welt zu einem besseren Ort machen - trotz Bling Bling, schnellen Karren und einem Haufen BWL Studenten mit Gangsta Attitüde?

Pöbel MC: 42... Musik bespaßt, bewegt, transformiert Gefühle zumeist konstruktiv für Künstler und Zuhörer, und macht so - oft auch als Bling-Bling-Otto-Money-Maker-Klamauk-Rap - diese Welt zu einem „besseren Ort“ (was auch immer das genau sein soll). Hinsichtlich der musikalischen Voraussetzungen ist Rap eine vergleichsweise niederschwellige Stilistik, gibt also potentiell vielen Menschen die Möglichkeit aktiv teilzuhaben. Das mag ich. Mir scheint eines von x Problemen der heutigen Zeit ist das zunehmende Auseinanderdriften von Gesellschaftsschichten. Musik, gerade Rap, bildet vielleicht Brücken, Anknüpfungspunkte, die die sonstige gesellschaftliche Ordnung meinem Gefühl nach immer weniger bietet. Gleichzeitig kann Rap inhaltlich und ästhetisch mehr als die (vor allem auch) im Mainstream reproduzierten bzw. konstruierten öden, materialistischen, sexistischen Stereotypen und Inhalte. Das Aufbrechen und die Dekonstruktion dieser ist ein kunst-kulturelles Wechselwirkungsspiel, zu dem Rap etwas beitragen kann. Letztendlich ist Rap natürlich aber hauptsächlich dafür gedacht, orientierungslosen Spätzwanzigern wie mir dabei zu helfen ihre Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren und cooler wahrgenommen zu werden. Manchen gelingt dies, andere wiederum tun sich keinen Gefallen.

 

Pöbel MC: Wie verträgt sich das Punkerdasein und Radikalität mit dem Alltäglichen unserer bestehenden Gesellschaftsordnung?

Hamburger Abschaum: Nachdem bewiesen wurde, dass „No Future“ nicht ganz zutrifft, sondern eher „Future sucks“, hat Punkrock mittlerweile eine andere Dimension und einen anderen Anspruch als es aus den 70ern und 80ern überliefert ist. Die in den 90ern geforderte Rückverdummung der Menschheit ist zum gelebten Medienmainstream geworden, während Punx reihenweise die Bahnhofsplatte gegen die Uni Mensa getauscht haben. Die Gesellschaftsordnung ist beschissener als vor 20- 30 Jahren und die Antwort kann nur sein: Care for your people, fuck the law, squad the world! „D.I.Y. or die!“ - Denn niemand wird deine Träume für Dich erfüllen - auch nicht Jochen Schweizer.

 

Hamburger Abschaum: Was hat dich davon abgehalten, dem Musikmainstream zu verfallen und - sagen wir mal - Hip-Hop mit schlagerähnlichen Texten, oder schlimmer noch Popmusik zu machen?

Pöbel MC: Soweit noch nix. Es wird sich zeigen, ob mein kommendes Kollaboalbum mit Beatrice Egli sie untergrundiger oder mich poppiger machen wird.

 

Pöbel MC: Seid ihr als Punker mit einer expliziten Ablehnung gegenüber Rap bzw. Hip-Hop sozialisiert worden und wie seht ihr Rap Musik heute?

Hamburger Abschaum: Natürlich war für uns elektronische Musik der Teufel und Rap stumpfes Rumgelaber zu geklauten Samples. Wenn man allerdings länger im Punkrock rumkriecht, stellt man fest, dass A) sich alles mehr oder weniger wiederholt - langweilig… B) Klauen von Stücken und Samples nichts Hip-Hop spezifisches ist und C) hinter dem Tellerrand eine ganze Welt voll von geiler und hörenswerter Mucke lauert, während vor dem Tellerrand eine ganze Menge Schrott rumrumpelt. Daher können wir in weiten Teilen nicht mehr von Ablehnung, wohl aber von wohlwollendem Kopfnicken sprechen. Kurz gesagt: Mittlerweile werden unsere Plattenteller, Tapedecks und Playlists ebenso von Hip-Hop und Elektro bevölkert wie von Punkrock.

Plastic Bomb: Ok, danke an alle beteiligten für das (für uns) stressfreie Interview!! Wenn ihr Interessen an der Split-Single der beiden Bands bekommen habt, holt sie euch in unserem Shop: http://www.plasticbombshop.de/product_info.php/info/p21362_Hamburger-Abschaum---Poebel-MC---Split-7-.html