Bayern: Bedrohte Existenzen kontra verfehlte Drogenpolitik- Vorläufige Schließung des Plutonium Klub Straßkirchen nach Drogenrazzia. Ein Gastbeitrag von Lizal (Die Dorks)

Die meisten Konzertgänger aus dem Raum Südostbayern, und auch einige bekannte Bands aus dem Punkrockgenre bzw. Leser des Plastic Bomb werden schon mal den Namen „Plutonium Klub Strasskirchen“ irgendwo gehört, wenn nicht sogar in sehr positiver Erinnerung an einen tollen Konzertabend haben. Seit nun schon mehr als 3 Jahren haben ein paar junge Leute aus dem beschaulichen Niederbayern zwischen Deggendorf und Straubing eine Konzertlocation aus dem Boden gestampft, die ihres gleichen in der Region suchen muss. Mit tollen subkulturellen Events (von Punk über Metal bis Goa) und überregional bekannten, internationalen Bands die sich dort fast wöchentlich ein Stelldichein gaben, etablierte sich das Plutonium schnell zu einem der beliebtesten Konzertveranstaltungsorte im Raum Südostbayern.


Bis jetzt, denn seit der Razzia vom 13. auf den 14. Mai 2017 liegt der Club auf Eis. Dem CSU-Bürgermeister und der lokalen Politikprominenz, war dieser Gegenpol zu anderen bürgerlichen Events im beschaulichen Straßkirchen jedoch schon länger ein Dorn im Auge der Spießbürgeridylle. So ließ man 180 Beamte anrücken und führte eine Durchsuchung im Plutonium Klub durch. Insgesamt wurden dabei von den rund 400 Gästen einer Goa-Party nur 14 Personen wegen Drogenbesitzes vorläufig fest genommen.
In den letzten Tagen gab es dann natürlich um den Club jede Menge multimedialen Wirbel. Die Pressemitteilungen der lokalen Käseblätter haben sich überschlagen und in Sachen reißerischer Verlautbarungen war das Internetnachrichtenportal „idowa“ wirklich unschlagbar. Die Bildzeitung lässt grüßen. Am Freitag, den 19. Mai verordnete das Landratsamt Straubing-Bogen die Schließung des Clubs. Nur 14 Drogenfunde mögen auch für die anwesenden Beamten etwas frustrierend gewesen sein, also hat man in dem Artikel noch ein paar "Schocker" aus dem Ärmel geschüttelt, um den Club möglichst öffentlich beim naiven Leser schlecht zu machen. Ein paar Drogen werden schließlich alle paar Tage in der nächsten x-beliebigen Bauerndisco auch ausfindig gemacht.  Nur kann man ja nicht einfach die Lieblingsdisse des Otto-Normalsterblichen dicht machen.


Schwammig ist dem Artikel weiter zu entnehmen, dass Marihuana, Crystal und Heroin sicher gestellt wurden. Allerdings nicht genau, was in welchen Mengen und von wem konsumiert wurde, insgesamt wurde erwähnt man habe wohl auch Drogen beim Betreiber des Clubs ausfindig gemacht. Was von den dreien weiß man nicht, da hier alles im selben Atemzug genannt wurde. Ok das ist natürlich ein gefundenes Fressen für die Presse und die Leute, die alles daran setzen die Existenz des Plutoniums aus zu löschen. Gesetzt dem Fall es waren tatsächlich nur ein paar Gramm Gras, grenzt es an eine Lachnummer. Die nach wie vor große Rückständigkeit zum Thema "Marihuana" ist sowieso immer noch schwer begreiflich und muss hier nicht extra erwähnt werden. Lesenswert ist noch der Artikel der Jusos Niederbayern zum Thema Drogenpolitik.
Wie dem auch sei, als zugedröhnte, unzurechnungsfähige Junkies (wie sich wohl manch einer die Darstellung hier wünscht) habe ich die Plutonium Crew nie erlebt. Mehr als gute Gesprächspartner, die hinter ihrer Arbeit stehen und das mit viel Herzblut machen. Für mich schwer vorstellbar, dass hier von seitens des Clubs mehr im Spiel war. Aber wer auch immer von den Anwesenden Crystal und Heroin konsumiert hat, der muss dies letzen Endes für sich selbst entscheiden. Beides find ich persönlich auch kacke, aber darum geht es hier nicht, denn für die Therapiesitzungen gibt es andere. Das Geld wäre in jedem Fall sinnvoller eingesetzt als für den Polizeieinsatz zum Schaden des Clubs. Es geht hier mehr darum, dass versucht wird den Club für den Konsum des Publikums verantwortlich zu machen. Doch in deren Aufgabenbereich obliegt es nicht zu kontrollieren, was sein Publikum intus hat.
.Aber es geht auf "idowa" ja noch weiter: Was zur Hölle kann der Club eigentlich für irgendwelche Verrückten die sich auf die Gleise legen? Wie dem Artikel zu entnehmen ist, handelt es sich dabei um zwei Betrunkene die eine Veranstaltung des Plutoniums besucht haben (der Vorfall war von 2014). Was kann der Club für `ne in meinen Augen auch dumme Aktion einer 18-jährigen total voll mit dem Auto herum zu fahren? Klar panische Kurzschlussreaktion aufgrund der Razzia, die man aber trotzdem nicht gut heißen kann. Aber diese Entscheidung hat auch wiederum sie selbst getroffen. Also wird hier wieder potentiell das Veranstalterteam des Plutoniums als Schuldiger für die Dummheit anderer mit angeklagt, um möglichst mit allen erdenklichen Mitteln deren Ruf zu schädigen und sie fertig zu machen.


Kann man das Münchner Oktoberfest dann eigentlich auch alljährlich für zahllose Vergewaltigungen von besoffenen Sauproleten verantwortlich machen und eine sofortige Schließung erwirken?? Aber man misst ja immer mit zweierlei Maß. Und Alkohol ist meines Erachtens auch eine Droge, der eine kann damit umgehen und der andere sollte es auch besser sein lassen. Ich selbst war jedenfalls Dauergast im Plutonium und habe dort immer eine sehr, friedliche, familiäre Atmosphäre  erlebt ohne Aggressionen und betrunkene Pöbler, ganz im Gegensatz zu diversen Bierzeltveranstaltungen der Region.
Dass hier nicht nur Träume, sondern auch die Existenzen der Clubbetreiber auf dem Spiel stehen, interessiert erst mal niemanden. Auch nicht dass hier vermutlich Tausende von Euro investiert wurden und alle Beteiligten jetzt vor dem persönlichen Ruin stehen. Es wäre wünschenswert, dass sich dieser Vorfall herum spricht und auch überregionale Aufmerksamkeit erlangt, um den Betroffenen irgendwie weiter zu helfen, damit es mit dem Plutonium irgendwann wieder weiter geht. Eure Solidarität ist gefragt!


Hier der Link zum Club;
https://plutonium-klub.com/
Die "bayerische" Bild
Ganz konstruktiver Artikel zum Thema von den Jusos Niederbayern:
http://blog.jusos-niederbayern.de/?p=556

Das offizielle Statement vom Laden findet ihr HIER