Totenwald ist die Band, die ihr aus dem Plastic Bomb Zine #98 kennt, die Band war mit einem Interview vertreten und zierte unser Heftcover! Hier kommt eine "extended Version" des Interviews für alle, die noch mehr zur Band erfahren wollen oder noch nicht zum Lesen gekommen sind. Die Mädls und Jungs erzählen nochmal detaillierter, wie sie mit ihrer extrovertierten Bühnenshow ankommen und warum, bzw mit wem das schon zu Reibungen geführt hat. Am Ende gibt's noch die Rezension zur aktuellen 12" "Wrong Place, Wrong Time".

 

Wie in vielen geilen Wave- & alten Post-Punk Bands gibt es seit 2016 auch bei Totenwald ein Saxophon, welches meiner Meinung nach in genau der richtigen Dosis zum Einsatz kommt, in der es die Songs unterstützt und bereichert, statt rum zu nerven. Der Vollständigkeit halber sei hier noch „Skeletal Family“ als Referenzband genannt. Da die EP schon vorher aufgenommen wurde, ist vom Saxophon darauf nichts zu höre. Dafür müsst ihr euch die Band aktuell live anschaun!

Live fand ich besonders eindrucksvoll, wie sich die 4 ihre Bühne freundschaftlich teilen. Auch wenn bei Totenwald der optische Reiz und die eindrucksvollen Outfits keine unwesentliche Rolle spielen, findet jede_r genug Raum, um die eigene Persönlichkeit als Musiker_in auszuleben, von einem Kampf um Aufmerksamkeit oder Selbstdarstellungsfläche ist hier keine Spur, was der Band ein harmonisches, angenehmes Gesamtbild gibt. Ich bin wirklich überzeugt von Totenwald und freue mich, dass die Band Zeit für das Interview gefunden hat!! Besonderen Dank an dieser Stelle an Ruby, die alle Sprachbarrieren überbrückt hat.                                                     Ronja

Totenwald sind:
Trish (Gesang)
Janis (Gitarre)
Sergej (Bass)
Ruby (Saxophon)


Mit eurer Mischung aus Gothrock, Wave, Postpunk und Anarchopunk trefft ihr ja genau den Zeitgeist. Hört ihr diese Musik denn selbst schon lange, oder seid ihr selbst erst über die vielen aktuellen Bands auf diese Art von Musik gekommen?

 

Wir hören alle seit langer Zeit überwiegend die Musik der späten 70er und 80er. Zwar driftet jeder einzelne von uns noch einmal in unterschiedliche Genres ab – Trish hat beispielsweise einen Faible für alte Country-Musik, Sergej für Russischen Rock, Ruby liebt Jazz und Janis steht auf Progressive-Rock – aber in unserer Leidenschaft für die alten Bands des Post Punk, Goth und frühen Punk vereinen sich unsere Geschmäcker, von ihnen ist unsere Musik inspiriert. Dennoch wollen wir uns nicht auf ein Genre festsetzen und schon gar nicht wie die Kopie einer bestimmten Band klingen. Es ist schön zu sehen, dass es inzwischen immer mehr andere Bands gibt, die musikalisch in eine ähnliche Richtung gehen wie wir, dennoch versuchen wir uns musikalisch vom „Mainstream“ der dunklen Musik abzuheben, der uns meist zu eintönig und Minimal-Wave-lastig ist. Die Punk-Szene in Berlin hingegen wird vor allem von Crust und Raw Punk dominiert, Bands, die sich eher am alten 77er-Sound orientieren gibt es wenig, das kotzt uns dann auch an.

Würdet ihr sagen, ihr habt musikalisch etwas Neues geschaffen? Oder seid ihr eher gut darin, Musikalische Elemente zu übernehmen und daraus einen neuen Gesamteindruck zu kreieren?

Also wir haben jetzt definitiv nicht Amerika entdeckt. Alles gab es in der Richtung irgendwo schon mal. Wir lassen uns halt von den Bands inspirieren, die wir mögen und machen daraus unser eigenes Ding, ohne uns dabei irgendwelche Genre-Regeln aufzwängen zu lassen und versuchen, auch Elemente aus Genres in unsere Musik mit einfließen zu lassen, die man im ersten Moment nicht mit „klassischem Punk“ oder „Goth“ assoziieren würde. Wir haben da keine Angst zu experimentieren. Wir wurden anfangs oft gefragt, warum wir uns dazu entschieden haben, mit Drummmachine statt richtigem Drummer zu spielen. Uns gefällt halt der typische 80er-Sound davon, außerdem wollen wir Punk machen, der auch tanzbar ist, zu dem man auch anders abgehen kann, als nur durch pogen. Das Saxophon, das wir seit neuem in unserer Band haben, bringt nun noch ein weiteres interessantes Element mit rein.

Eure Texte sind sehr aussagekräftig, es geht um Kapitalismuskritik, Gender-Themen, Selbstbestimmung und vieles mehr. Habt ihr das Gefühl, die Menschen wirklich zu erreichen und aufgrund euer Texte gefeiert zu werden? Oder ist das beim Konzert schwierig, weil die Menschen da eher feiern und trinken wollen?

Wir wollen, dass die Leute auf unseren Konzerten Spaß haben, dass ist doch der Sinn
eines Konzertes – dass die Leute abgehen, feiern, ... kurzum: eine gute Zeit haben! Dennoch spielen die Texte in unserer Musik für uns eine große Rolle und es ist uns wichtig, dass die Message, die wir durch sie senden wollen, auch rüberkommt. Natürlich ist es schwierig, wenn nicht fast unmöglich, im Tumult eines Konzertes und vor allem mit den Effekten, die wir auf die Stimmen packen, die Songtexte zu verstehen. Deshalb geben wir vor unseren Songs oft eine kleine Erklärung dessen ab, worum es uns dabei geht und hoffen darauf, dass die Leute im Nachhinein unsere Lyrics auf unserem Bandcamp-Profil oder der Rückseite unserer Platte nachlesen. Das scheint auch ganz gut zu laufen, da wir es oft erleben, dass Leute nach unseren Konzerten zu uns kommen und mehr über die Themen unserer Texte und unsere persönlichen Erfahrungen dahinter wissen wollen.

Ihr spielt ja in vielen unterschiedlichen Läden, sowohl in klassischen Punkläden als auch an Orten, wo man eher klassische Gruftis antrifft. Gibt es unterschiedliche Reaktionen auf euch und eure Shows, könnt ihr einen Unterschied bei den Subkulturen erkennen?

Definitiv. Von unserer Erfahrung her ist das Publikum in der Grufti-Szene eher reserviert, in der Punk-Szene geht es mehr ab, nicht nur pogo-mäßig, sondern auch, indem die Leute während des Konzertes mehr Kontakt zu uns aufnehmen. Natürlich gibt es da Ausnahmen, wir wollen jetzt nicht allgemein unterstellen, dass es in der Grufti-Szene nicht auch abgehen kann und Live-Musik nicht gefeiert wird. Aber als wir zum Beispiel das erste Mal in Augsburg gespielt haben, gab es während und zwischen den Songs von Seiten des hauptsächlich aus Gruftis bestehenden Publikums fast keine Reaktion, wir dachten, es würde den Leuten gar nicht gefallen, aber nach unserem letzten Lied sind die Leute in Applaus ausgebrochen und haben uns noch zu zwei Zugaben gedrängt, was wir aufgrund ihrer Reserviertheit zuvor nie erwartet hätten.
Ein besonderes Erlebnis sind für uns immer definitiv unsere Auftritte in Polen. Dort flippen die Leute auf unseren Gigs am meisten aus, haben den größten Spaß, und so gut wie immer passiert es, dass nach unseren Konzerten Leute zu uns kommen und sich unglaublich herzlich für unseren Auftritt bedanken, Autogramme und Fotos mit uns wollen, etc. Auf dem Ultra Chaos Picknick beispielsweise kam nach unserem Konzert ein Mädel zu uns, meinte, dass sie Architektin wäre und dass unser Auftritt ihr so viel Inspiration gegeben hätte, dass sie nun das Gefühl habe, alles in ihrem Leben erreichen zu können. Solche Begegnungen sind immer sehr rührend. Aber manchmal passiert auch das Gegenteil, dass es negative Reaktionen auf unsere Show gibt: Bei unserem letzten Konzert in Warschau kam hinterher ein junger Punk zu uns und lobte unsere Musik und unseren Auftritt, beschimpfte aber unsere Sängerin und unsere Saxophonistin als „Schlampen“, weil sie auf der Bühne zu sexy aussähen und er da ja auf schlimme Gedanken gegenüber seiner Freundin käme.
Auf einem Gig von einem unter 20-jährigen Punk für die Art und Weise, wie man sich kleidet, beschimpft zu werden, das ist traurig und fast schon absurd, wo bleiben denn da die Grundsätze der Szene?! Wegen solcher Begegnungen mit Intoleranz und Sexismus einiger Einzelfällen ist es uns bei unseren Auftritten in konservativen Ländern wie Polen immer doppelt so wichtig, ein wenig mehr zu provozieren, die Leute aufzurütteln und für Selbstbestimmung und gegen Sexismus und Homophobie einzustehen.

Habt ihr manchmal Grund zur Sorge, dass ihr auf euer Äußeres reduziert werdet? Ihr wirkt auf der Bühne ja recht eindrucksvoll, habt ihr manchmal Angst, dass die Musik und vor allem die Inhalte dahinter verschwinden?

Unser Look ist kein Image, das wir künstlich nur für die Bühne herstellen, sondern die Art, wie wir auch außerhalb der Bühne aussehen, das, worauf wir eben Bock haben. Es ist dennoch ein essentieller Teil unserer Konzerte, neben unserer Musik und unseren Texten. Da uns der Show-Charakter bei unseren Konzerten sehr wichtig ist. Wir sind der Meinung, dass ein Konzert ein Allround-Erlebnis sein sollte. Das machen übrigens leider nur noch viel zu wenig Bands heutzutage, auch visuell was darzubieten, bei ihren Auftritten. Dennoch haben wir keine Angst, dass unsere Musik während der Show in den Hintergrund treten könnte, weil wir von ihrer Qualität und Kraft überzeugt sind und immer sicherstellen, dass das, was wir zu sagen haben, kraftvoll und deutlich zum Ausdruck kommt.
Abgesehen davon, uns auf der Bühne musikalisch und äußerlich frei ausdrücken zu können, ist uns auch außerhalb der Bühne unsere Freiheit, so aussehen zu können, wie wir wollen, extrem wichtig. Dabei geht es – natürlich abgesehen von persönlichem Geschmack – nicht gezwungener Maßen um Provokation. Wir möchten uns einfach nicht von gesellschaftlichen Zwängen einschränken lassen und vielleicht den Ein oder Anderen dazu anregen, seine von gesellschaftlich geprägten Vorstellungen von „Was ist schön und was ist hässlich? Was ist normal? Wie habe ich mich als Frau zu kleiden (und zu verhalten) und wie als Mann?“ in Frage zu stellen.
An dieser Stelle wiedermal ein lehrreiches Erlebnis von einem unserer Konzerte: Wie bereits zuvor berichtet, mussten Trish und Ruby in Polen schon die Erfahrung machen, dass die Art und Weise, wie man aussieht, nicht von jedem Zuschauer akzeptiert wird. Aber auch Janis, der sich grundsätzlich sehr androgyn und auf unseren Konzerten oft in Frauen-Klamotten kleidet, musste die Erfahrung machen, dass dies bei manchen Leuten aneckt. So unterhielt er sich nach einem unserer Konzerte gerade mit jemandem aus dem Publikum, als ein Typ ankam und ihn auf sexuell-abwertende Art und Weise für sein androgynes Aussehen beschimpfte, als ob ihn dies persönlich beleidigen würde. Witziger oder vielleicht auch eher trauriger Weise war es genau der selbe Typ, der zu einem späteren Zeitpunkt – diesmal weitaus alkoholisierter und in flirty mood – wieder zu Janis ankam und ihn ansprach, ob da an dem Abend nicht noch was laufen könnte zwischen ihnen. Es gibt also selbst in einer Szene wie der Punkszene durchaus noch Leute mit normierten Vorstellungen von „Normalität“ und infolgedessen Zwängen im Kopf, von denen wir uns aber nicht einschränken lassen wollen und die wir durch eine gewisse Provokation auf der Bühne zum Denken anregen möchten.

Welche Themen sind euch in euren Texten jeweils besonders wichtig, was kann man gar nicht oft genug sagen und sowohl an der Szene, als auch an der Gesellschaft kritisieren?

Es gibt viele Punkte, die uns an unserer Gesellschaft missfallen und wir versuchen, sowohl persönliche als auch politische Aspekte in unseren Songtexten aufzugreifen. Sein wir mal ehrlich – man braucht doch nur für 5 Minuten die Nachrichten einzuschalten, dann kotzt einen das alles schon so an, dass der Text von allein aus einem heraussprudelt! All die nicht enden wollenden Kriege als Resultat der Versuche heuchlerischer Großunternehmen, die Märkte und Ressourcen zu kontrollieren – ohne Rücksicht auf Menschenrechte – all die soziale Ungerechtigkeit, die zunehmende Gleichgültigkeit und Verflachung der Menschen durch die ganzen Medien, die sexistische Werbung ... die Liste findet quasi kein Ende. Die acht reichsten Menschen der Welt besitzen so viel Geld wie die Hälfte der Gesamtbevölkerung der Erde. Man muss nicht Karl Marx heißen, um zu realisieren, dass bei so viel sozialer Ungerechtigkeit in der Welt gehörig was falsch läuft. Aber die meisten Menschen sind viel zu verblendet von der Propaganda der Politik und der Medien um zu sehen, dass unsere westlichen Regierungen für das, was in Libyen, Syrien und dem Irak geschehen ist und noch immer geschieht, direkt mitverantwortlich sind, dass die sogenannte „Flüchtlingskrise“ nur das Resultat unserer Ausbeutung und Zerstörung jener Länder ist. Es ist nicht so, dass wir uns explizit als politische Band bezeichnen würden, das versuchen wir auch nicht zu sein, dennoch kann und sollte man sich einer Positionierung zu all dieser Scheiße um einen herum heutzutage nicht entziehen.

Ansonsten sind uns persönlich die Behandlung von Feminismus und Gleichberechtigung allgemein als Themen in unserer Musik sehr wichtig und persönliche Erfahrungen, wie die zuvor geschilderten zeigen, dass sich selbst in alternativen Subkulturen, in denen ja allgemein Akzeptanz und Offenheit herrschen sollten, teilweise Spuren von Sexismus und patriarchalem Denken finden lassen. Das ist der Grund, warum sich Leute aufregen, wenn sie ein Mädchen sehen, das sich provokant kleidet oder einen Jungen, der sich wie ein Mädchen anzieht.
Typische Klischees über Deathrock und andere Gruftimucke, wie Texte über Friedhöfe, Vampire, die dunkle Seite des Menschen und der ganze Scheiß, versuchen wir zu vermeiden – nur weil man „düstere“ Musik macht heißt das nicht, dass man nicht über politische, aktuelle, tiefer gehende Themen singen kann.

Würdet ihr auf einem Ladyfest spielen, wenn man euch dort hin einladen würde? Ihr kennt sicher die vielen Kritikpunkte und Diskussionen... Viele Bands lehnen Ladyfeste ab, weil sei nicht nur aufgrund ihres Geschlechts einiger Bandmitglieder eingeladen werden möchten oder kritisieren, dass auf vielen Ladyfesten keine Männer erwünscht sind... Allerdings gibt es auch das Gegenargument, dass Frauen im Punk und in der autonomen Linken (außer vielleicht in Berlin und Leipzig) unterrepräsentiert sind und auf solchen Festen vielleicht einen besseren Zugang zur Szene finden. Wie seht ihr das? Pro? Contra? Und haben Ladyfeste in 2017 überhaupt noch eine Relevanz?

Unserer Meinung nach sind Ladyfeste immer noch relevant und extrem wichtig. Dass Frauen (und sich als Frauen fühlende Personen) in der Punk-Szene unterrepräsentiert sind, ist ein Problem, das sich definitiv ändern sollte. Bisher haben wir auf zwei feministischen Festivals gespielt – dem F-Word-Festival in Amsterdam und dem Walpurgisnacht Festival in der Köpi in Berlin – und bei beiden durchweg positive Erfahrungen gemacht. Auf beiden Festivals wurden feministische, queer-positive und anti-homophobische Grundsätze vertreten, ohne jegliche Gruppen aufgrund ihres Geschlechtes oder anderer Auswahlkriterien auszugrenzen.
Ein Festival, bei dem für Feminismus plädiert wird, dann jedoch keine Männer zugelassen werden, würden wir nicht unterstützen. Wir sind gegen Exklusion. Eine Person mit falschen Grundsätzen von einem Event auszuschließen, wird ihre Meinung nicht ändern, im Gegenteil. Daher ist es uns, wenn wir ein Konzert spielen, wichtig, dass unsere feministischen Ideen vor allem auch bei unserem männlichen Publikum ankommen.

Berlin ist ja schon lange ein großer Topf mit allen möglichen Subkulturen, mit unterschiedlichsten Menschen, die alle versuchen, nach ihrer Vorstellung zu leben und sich meiste irgendwie verwirklichen wollen. Berlin ist aber auch die Stadt der hohen Mieten und der Menschen, die doch nicht das gefunden haben, was sie gesucht haben und dann nicht selten traurig darüber werden. Ihr habt euch fast alle selbst entschieden, nach Berlin zu ziehen, was dachtet ihr, was ihr in der Stadt finden werdet, was es anderswo nicht gibt? Was sind die Vor- und die Nachteile am Leben in so einer großen, bunten Stadt und was denkt ihr, wie viele Jahre man es dort aushält, bis man genug hat?

Natürlich hat sich Berlin schon sehr verändert in den letzten Jahren. Immer mehr Hausprojekte und alternative Veranstaltungsorte werden geschlossen, die Subkulturen allgemein werden von der Regierung immer mehr zurückgedrängt (oder werden von dem riesen Techno-Hype geschluckt, der momentan hier herrscht), die Mieten und das Leben allgemein werden immer teurer... Nichtsdestotrotz ist Berlin immer noch die beste Stadt der Welt und keiner von uns Vieren kann sich vorstellen, diese Stadt freiwillig zu verlassen! Die drei von uns, die nicht aus Berlin kommen, sind in diese Stadt gekommen, weil wir nach etwas gesucht haben, was wir in unseren Heimatländern nicht finden konnten – in Berlin hingegen sind wir fündig geworden. Wir spüren hier eine Freiheit in der Luft, unser Leben so zu leben zu können, wie wir es wollen. Außerdem gibt es in Berlin sehr viele junge Leute, es gibt eine sehr große und lebendige Szene für Kunst und Musik und im Vergleich zu den anderen Großstädten Europas ist Berlin immer noch „verhältnismäßig“ günstig. Man kann hier von verhältnismäßig wenig Geld ziemlich gut leben und kommt auch in gelegentlich schwierigen Zeiten immer irgendwie durch. Auch wenn man „anders“ aussieht oder sich irgendwie anders fühlt, als die meisten anderen Leute, wird man hier immer eine Arbeit finden. Man wird in dieser Stadt halt einfach in Ruhe gelassen, auch als Freak – und hier gibt es ziemlich viele Freaks... In Litauen beispielsweise herrscht nicht die Akzeptanz und Freiheit, die man hier spürt, dort wäre es für Sergej sogar gefährlich, als Punk auf der Straße herumzulaufen.
Trotz all dieser positiven Aspekte kann Berlin natürlich auch ein hartes Pflaster sein und es kommt nicht jeder hier zurecht. Es ist einfach, sich in der großen Freiheit zu verlieren und sich einsam zu fühlen, aber das sind die Abgründe einer jeden Metropole. Auch wenn sich die Szenen leider auch hier immer mehr verändern, ist Berlin trotzdem noch eine der größten Hochburgen alternativer Subkulturen heutzutage. Wenn ihr also verdammt viel Spaß haben und euch die Nächte um die Ohren schlagen wollt, als gäb’s kein Morgen mehr, dann seid ihr hier richtig!

Vielen Dank euch. Ich hoffe, ihr setzt euch bald mal in euren Riesen-Tourbus (die Band reist meistens mit dem Fernbus) und kommt im Pott vorbei!!

Totenwald - Wrong Place Wrong Time 12"   (Massmedia Rec.)

Jede Gruft-Punk-Band, bei der eine helle Frauenstimme erklingt, gleich immer mit „Siouxsie and the Banshees“ zu vergleichen, ist langweilig und oft unpassend. Im Fall der seit 2014 existierenden Band Totenwald wäre ein Vergleich zumindest in Versatzstücken angebracht, genau so passend wäre aber auch der Vergleich mit einer Reihe englischer Anarcho-Punkbands. Bisher haben Killing Joke in ihrer frühen Ära die beiden Genres „Wave- und Anarchopunk“ wohl am besten auf den Punkt gebracht, stellt euch das mit femininer Stimme vor ...oder hört euch Totenwald einfach direkt mal an!
Inhaltlich geht’s bei der Band in jedem einzelnen Song zur Sache: Da gibt es Kapitalismuskritik, Gender-Themen, Selbstermächtigung und den eisernen Willen, einen eigenen Weg zu beschreiten und sich von den Widrigkeiten, die die Menschheit zu Tage fördert, nicht unterkriegen zu lassen. Ich finde die 12" EP wirklich großartig und hoffe sehr, dass die LP noch im Laufe diesen Jahres erscheinen wird!    
Die Bandmitglieder sind international aufgestellt und kommen aus Italien, Israel und Litauen, proben und wohnen aber aktuell alle in Berlin.

Falls ihr die Scheibe kaufen wollt, könnt ihr das HIER tun