Mindestens die Hälfte von den beiden unter euch, die in unserer form- und inhaltsschönen neusten Plastic Bomb-Ausgabe den FORCE ATTACK-Festivalbericht unseres Gastautors "Murks" gelesen haben, wird mit etwas Geschick aufgefallen sein, dass auch dieser an die Grenzen des perfekten Layouts gescheitert ist. Schließlich sind alle guten Dinge drei und daher müssen wir auch hier eingestehen, dass ein paar Wörter von den famosen Bildern dieses Spektakels veschluckt wurden. Halb so wild, denn das gibt uns die Möglichkeit, euch diesen Bericht auch noch einmal komplett online aufzudrängen. Gute Reise!

 

Haha, was für Pappnasen! Da versuchen tatsächlich 2 so Typen aus Schwaben,  die mit Punk soviel zu tun haben wie meine Omma mit meinem Oppa, uns im Internetz zu erzählen, dass sie das Force Attack 2016 veranstalten. Angeblich kostet ne Karte über 100 Euro und es gibt Alkoholverbot. Der Fake fliegt aber schon nach wenigen Monaten auf. Kein Wunder, denn echte Punks wissen schon längst, dass das Force Attack aus steuerrechtlichen Gründen dieses Mal geheim stattfindet. Vernetzung ist alles, ihr Trottel! Da das alte Gelände in Klingendorf asbestversoicht ist, findet das Force Attack 2016 5,8 Kilometer nordöstlich entfernt in der 7.316 Seelen-Gemeinde Dummerstorf statt. Oi!

Hotte, Anya, Rubbel, Frinzi, Fred, die Rote Nora, Babbel, Schnippi, Fuchsi, Totte, Otti, Knifte, der blaue Klaus, Horsti, Leni, Pipi und ich machen uns früh morgens um 14 Uhr auf den Weg. Galle hat kurzfristig abgesagt, weil er von seiner Ratte gebissen wurde und das hat sich arg entzündet. Galle ist leider nicht krankenversichert , seine Ratte schon. Ganz schon bekloppt. Wir wollen ihn noch überreden, weil wir ohne ihn kein Auto haben, aber Galle zittert die ganze Zeit und ist ganz weiß im Gesicht. Ganz anders als sein Arm, wo die Ratte reingebissen hat, der ist ganz schwarz. Ich find das trotzdem voll scheiße von Galle, dass er jetzt nicht mitkommt, denn schließlich hat von uns auch keiner nen Führerschein. Also müssen wir wegen Galle jetzt einen auf Anhalter machen. Danke, Galle.

Als ich mit dem ausgestreckten Daumen auf der Autobahn stehe, raunzt die Leni mich voll an. Ich solle den Autofahrern keine Komplimente machen, sondern mich darum kümmern, dass wir hier endlich weg kommen. Leni hat Facebook und ist noch ziemlich jung und dachte, dass mein Daumen  „gefällt mir“ bedeutet, weil die Autofahrer extra nicht so schnell fahren, weil wir ja da auffem Standstreifen stehen und saufen. Als ich ihr gerade erklären will, dass man so Autos anhält, bremst schon ein großer schwarzer Bus und nimmt uns alle mit.

Als wir in Dummerstorf ankommen muss ich erstmal kotzen, weil wir natürlich auf der Hinfahrt ordentlich weiter gebechert haben. Der Zeltplatz ist schon genauso voll wie ich und deswegen muss ich auf ein Zelt kotzen, aber da kann ich ja nix zu, sondern der Veranstalter. Ein Dixie-Klo gibt es auch, aber ich bin eh Freischeißer, ist mir also egal.

Wir kriegen den letzten Platz auf dem Campinggelände. Veranstalter Imre geht rum und begrüßt jeden auf dem Platz mit Handschlag und fragt uns, ob die Hinfahrt OK war, ob es uns gut ginge und ob wir etwas trinken möchten. Bevor er sich wieder verabschiedet, gibt er uns noch seine Handynummer, für den Fall, dass wir Beschwerden oder sonstige Anliegen hätten. Hier ist das noch wie ne richtige Familie, auch wenn mindestens 5.000 Leute oder mehr gekommen sind. Oder weniger. Egal. Da gibt es keinen Stress und alle sind gleich, egal wie sie denken oder riechen. Da kann man stolz drauf sein.

Anya, die alte Petze, steckt dem Imre direkt, dass ich gerade auf das Zelt gekotzt habe. Aber Imre lacht nur und sagt, dass ihm das egal wäre, weil wäre ja nicht sein Zelt und er würde das auch immer so machen. Zwar nicht hier, aber auf dem Ruhrpott Rodeo. Der Imre ist cool.
Dann packen wir erstmal aus:  12 Paletten Fünf-Nuller-Bier (EM-Edition, sind noch übrig gewesen), 4 Kisten Berliner Luft, 10 Pullen Doppelkorn und unsere geilen neuen EM-Liegestühle. Die gab es damals im Getränkemarkt gratis, wenn man 30 Paletten von der Fünf-Nuller-EM-Edition gekauft hat und da wären wir ja schön doof wenn wir da nicht zugeschlagen hätten.

Ich hab an alles gedacht, außer an Schuhe stelle ich in dem Moment fest. Aber ist auch egal, weil es eh gerade anfängt zu regnen. Und es gibt doch nix geileres, als sich auf nem Festival-Zeltgelände zwischen den Trinkspielen im Schlamm zu wälzen und die Matsch-Schicht auf den Füßen hält meistens eh 3 Tage, um sich nicht zu verletzen, wenn man irgendwo inne Pet-Scherbe tritt.

Neben uns die Typen sind so arrogante Möchte-Gern-Alt-Punks, was wir an dem Leergut vor ihrem Wohnwagen (!!!) erkennen: Hansa, Lambrusco, Kellergeister  und ein leeres Glas mit nem Strauch Minze, ner ausgequetschten Limettenscheibe und nem Schirmchen. Ich finde das immer voll schlimm, wenn so alte Menschen nicht mit der Zeit gehen.

Neben dem Eingang kann man sich den Ablaufplan, also wann welche Band spielt, auf den Handrücken tätowieren lassen. Wir schmeißen zusammen und machen Schnick-Schnack-Schnuck, wer von uns das machen muss. Wie immer verliert Horsti, weil wir dem vorher nicht sagen, dass wir mit Brunnen machen und der hat immer Schere.

Als erste Band spielt Cotzraiz, die wollen wir unbedingt sehen, aber der Security-Arsch lässt uns nicht rein, weil wir alle noch unsere Fünf-Nuller-Dosen zu je einem viertel gefüllt haben. Als wir endlich ausgetrunken haben, sind Cotzraiz schon fertig, also gehen wir zurück zu unserem Zelt und trinken ein Bier und ein paar Schnäpse.

Dann grillen wir erstmal.  Ich hab extra viel Fleisch gekauft um die ganzen scheiß Veganer und Vegetarier hier zu ärgern, auch wenn dadurch kein Platz für Brot, Senf, Ketchup, Schuhe und Holzkohle mehr war. Eigentlich hab ich ja ne Fleischallergie, aber ich lass mir doch von die nicht vorschreiben, was ich zu essen habe!!!!!

Als nächste Band spielt Beton.Tod, die wollen wir auch unbedingt sehen und sind dieses Mal schlauer. Wir gehen eine halbe Stunde vor dem Auftritt schon zur Schloise und lassen nur soviel Bier in unseren Dosen, dass wir es schaffen, die noch rechtzeitig auszutrinken. Anya meint, wir könnten doch auch einfach noch entspannt am Zelt austrinken und dann kurz vorher die 20 Meter zur Schloise gehen. Aber Anya ist halt ne dumme Spießerin, macht dieses Jahr einen Schulabschluss und wohnt in geordneten familiären Verhältnissen. Kein Wunder, dass die nix blickt. Das hier ist die wirkliche Welt, Mädchen!! Komm mal klar!!!!!

Auf den Security-Arsch sag ich „da guckste doof, wa?“ drauf, als ich ausgetrunken habe und schon sind wir pünktlich drin. Leider hab ich mich mit der Reihenfolge vertan und auf der Bühne stehen „KIM“ (Kind im Magen).  Wir ärgern uns voll, dass man kein Leergut mit reinnehmen darf und gehen zurück zu unseren Zelten und trinken ein Bier und ein paar Schnäpse.

Danach spielen aber endlich Beton.Tod, wir sind uns aber wieder nicht einig, wie wir das mit dem trinken machen, also nehmen wir einfach ne Pulle Schnaps mit, aber das ist dem Security-Arsch auch nicht recht. Imre, ich dachte immer du bist cool und bei dir gibt das sowas nicht. Deswegen zieht Totte dem Heini die Flasche übbern Kopp und wir rennen schnell rein.

Leider hab ich mich schon wieder vertan. Von der Bühne gehen gerade Pöbel & Gesox, die wollten wir unbedingt sehen. Und als nächstes spielt so ne scheiß Hippie-Band, die sich „Kategorie A“ nennt. Als ich mich mit der Security beim Soundcheck schon mal warm pogen will, werd ich direkt mit erhobenem Zeigefinger ermahnt. Ihr scheiß Spießer! Ich geh zurück zum Zelt und trink ein Bier und ein paar Schnäpse.

Anya kommt zu mir und sagt, sie hätte gerade Horsti getroffen und Beton.Tod spielen erst morgen, aber die kann mich mal. Ich schlaf jetzt erstmal ne Runde, bin voll genug.

Am nächsten Morgen stehen wir um 15:30 Uhr auf. Ich hatte mir aber für 4 Uhr nachts schon mal den Wecker gestellt, um mein neues Smartphone an den Verstärker anzuschließen, den Knifte mitgebracht hat. Daran hängen zwei fette 300 Watt-Boxen, mit denen man das ganze Kaff bis nach Klingendorf beschallen kann. Ich mach Beton.Tod in Dauerschleife an, stecke mir Ohrstöpsel in die Lauscher und leg mich dann wieder hin um weiter zu pennen.

Ich bin voll sauer, als ich um halb 4 aus dem Zelt krieche, dass es schon so spät ist, weil ich die ganze Zeit ja nix trinken konnte, wie ich ja geschlafen habe und jetzt bin ich fast nüchtern und muss schnell alles nachholen. Das Gelände stinkt total nach Pisse und Kacke, weil die ganzen Idioten auf das Dixie gehen, was natürlich irgendwann übergelaufen ist. Es regnet noch immer, also wälz ich mich erstmal im Dreck und sehe zu, dass meine Schlammschuhe halten. Dann trink ich ein Bier und ein paar Schnaps.

Dann geh ich rein, weil Beton.Tod heute ja endlich spielen sollen. Tun sie aber nicht. Stattdessen stehen schon wieder so alte Säcke auf der Bühne und singen was von Eisbären. Total schlecht und Anya meint, das wär Grauzone. Da will ich natürlich nix mit zu tun haben, geh zum Zelt und trink lieber noch einen Schnaps und ein paar Bier.

Als nächste müsste die Band Sister Dew spielen. Von denen hab ich mal Fotos im Internetz gesehen, aber kennen tu ich die nicht, also guck ich die auch nicht.

Als ich eine halbe Stunde später wieder rein gehe, gehen Beton.Tod gerade von der Bühne. Ich schubse die Security zur Seite, wünsch mir noch schnell ne Zugabe („Stadt der Volltrottel“), aber die Band geht ohne mich zu beachten. Scheiß Rockstars!

Ich geh zurück zum Zelt, trink noch ne Mate und geh dann pennen. Morgen fahren wir wieder nach Hause, aber vorher holen wir noch Horsti vom Tätowierer ab. War geil, wie jedes Jahr.

Oi!

(Gastbericht von Murks)