In der aktuellen Plastic Bomb #97 findet ihr ein Interview, das Bäppi mit Maren vom Rohrpost Fanzine gemacht hat. Dort gibt es einen Hinweis, dass das Interview etwas gekürzt werden musste und ihr den Rest hier auf der Homepage findet.

Der der Beitrag wohl druckbedingt etwas dunkel ausgefallen ist, haben wir den kompletten Beitrag nochmal für die Homepage aufbereitet. Hier also der Artikel, Marens Statement und das Review, über das im Interview gesprochen wurde in voller Länge!

Rohrpost Fanzine
Das (R)ohrpostfanzine aus dem hohen Norden der Republik gibt es auch schon seit 2004 und bisher sind 12 Ausgaben erschienen. Hinter der (R)ohrpost standen von Anfang an Maren und Torben, wobei Marens Hauptaugenmerk weitesgehend auf politischen Artikeln und Berichten liegt, für die anderen „Standards“ wie Interviews oder Reviews ist eher Torben verantwortlich. Das Heft aus Wittmund startete etwa zeitgleich mit dem Human Parasit und 2005 haben sich unsere Wege auch erstmals beim Fanzine-Treffen in Oberhausen gekreuzt. Nach einem kräftigen Ostfriesenschluck packte mich Maren beim anschließenden Konzert, hob mich auf die Schultern und wirbelte mich so hubschraubermäßig durch die Luft. Die Ostfriesen haben schon merkwürdige Traditionen... Seitdem begleitet mich das Heft, laufen Maren und Torben mir regelmäßig über den Weg und ein Besuch in der nördlichsten Provinz steht immer noch aus... dir möchte ich auf diesem Wege das (R)ohrpostfanzine und Mitherausgeberin Maren etwas näher bringen. Von Bäppi

Moin Maren und schön, dass du dir ein bisschen Zeit für die Bombe nimmst. Eure letzte Ausgabe hat ein paar „schlechtere“ Reviews bekommen, die teilweise auch persönlich und unter die Gürtellinie gingen. Eine erste Reaktion von dir darauf war, das Heft einzustellen und die (R)ohrpost im Wattenmeer zu versenken. Sind erste Enttäuschungen überwunden, ist noch Motivation vorhanden und wird es eine Nummer 13 geben?
Zunächst einmal finde ich es schön und erstaunlich zugleich, dass du dich noch genauso gut an unsere erste Begegnung und die damit verbundene und gerade von dir beschriebene „Ostfriesland Mühle“ vor ca. 12 Jahren erinnern kannst wie ich auch. Es gibt bestimmte Momente und Augenblicke im Leben, die mich besonders geprägt haben oder die halt aus bestimmten Situationen heraus für ewig in meinem Gedächtnis eingebrannt sind – so auch das damalige Fanzine-Treffen in Oberhausen …
Aber nun zurück zu deinen Fragen … und die erste hat es ja auch schon gewaltig in sich – wenn ich das mal so schreiben darf, denn damit hast du einen wirklich wunden Punkt bei mir getroffen. Wenn wir uns nicht schon so lange kennen würden, also wenn du nun jemand fremdes oder von einem mir unbekannten Zine wärst, würde ich darum bitten diese Frage unbeantwortet zu lassen …

 

Nun wir haben für die letzten drei Ausgaben unseres Zines immer in dem Review von Fred vom Underdog lesen können, dass unsere Zine keine ansprechenden und eher langweilige Front- und Backcover hatten und er hat sich immer sehr über unsere Rechtschreibfehler ausgelassen.Die Kommentare gingen mitunter echt unter die Gürtellinie. Torben, Joe und ich haben uns darüber auch kurz ausgetauscht aber keinen Handlungsbedarf unsererseits -im Bezug auf die Bilder- gesehen. Wir haben halt immer die Fotos /Bilder für ein Cover ausgewählt, welche uns zusagten oder wo wir einen persönlichen Bezug zu hatten - z.B. wenn wir ein Foto mit Stina (der gemeinsamen Tochter von Torben und mir) und Dean (dem Sänger von Extreme Noise Terror) gemacht wurde, dann haben wir es halt für die nächste Ausgabe verwendet – oder wenn wir zum Beispiel ein Interview mit einer Band im Zine hatten, so wählten wir halt ein Foto von denen.
Das Torben und ich nicht die hellsten Kerzen auf der Torte sind, will ich gar nicht bestreiten, ja... wir machen Rechtschreibfehler …. ja, wir springen in den Artikeln zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her, vergessen es ein Komma zu setzten – oder wir setzten ein Komma da hin wo es gar nicht hingehört – Absätze fehlen und wörtliche Rede taucht auch nie auf - was soll` s ?!?
Doch diese Gründe sorgte nicht für die Entscheidung das Zine einzustellen. Warum auch.
Ein anderes Review jedoch ließ unseren Atem stocken, wir befanden uns für sehr lange Zeit im regelrechten Schockzustand und waren wirklich zutiefst verletzt. Ein Review das unsere kleine Fanzine-Welt für einen kurzen Augenblick still stehen ließ und ehrlich gesagt für schlaflose Nächte, viele Tränen und einige Gesprächsrunden mit reichlichem Alkoholkonsum sorgte. Wie sehr mich das Review immer noch aufwühlt, merke ich gerade wieder, da mein Puls steigt und ich wieder dieses bestimmte Zittern in den Händen verspüre, wie ich es auch damals verspürte, also das Review des Fanzine-Machers las.
Aber der Reihe nach …
Ein, bis dahin, guter Freund von uns schrieb in seinem Zine über die letzte Ausgabe der (R)Ohrpost, also die Nr.12, dass ich
a) bei meinem Artikel über PUSSY RIOT die Quellenangabe nicht genannt habe und machte mir daher einen Plagiatsvorwurf,
b) warf er mir vor eine Werbung über ein Buch als einen von mir verfassten Artikel artikel deklariert zu haben,
c) Torben warf er vor, das er ebenfalls ein Plagiat mit seinem Artikel über MÜLL begangen hat
d) attestierte uns beiden, dass wir nicht Herr über die korrekte deutschen Rechtschreibung (alle Fehler wurden aufgelistet) sind und das man gleich, auch als Leihe der Fanzineszene, sofort erkennen würde, dass diese Artikel nicht aus unserer eigenen Feder entsprungen seinen, da wir dazu ja einen viel zu geringen IQ hätten - wir halt geistig gar nicht dazu in der Lage seien, sinnvolle und gut recherchierte Artikel zu Papier zu bringen,
e) das Zine nicht aktuell und unattraktiv sei und es von uns immer noch im kindlich wirkendem
copy and paste-Verfahren hergestellt wurde.


Vielleicht bereiten dir, lieber Bäppi und euch liebe LeserInnen der Bombe, diese Zeilen nur ein leichtes Schmunzeln auf dem Gesicht aber uns war danach gar nicht mehr zum lachen zu Mute.
Was uns wirklich getroffen hat, war halt echt die krasse Art und Weise wie er über das Zine, unsere Arbeit am und im Zine beschrieb, wie er Torben und mich persönlich angriff. Zudem forderte ER eine offizielle Stellungnahme unsererseits – was wir auch noch angesichts der schwerwiegenden Vorwürfe gegen Torben und mich nachvollziehen konnten. Doch was dem dann noch folgte war dann erst die Spitze des Eisberges, denn er forderte und drohte uns mit juristischen Konsequenzen. Wir waren wirklich fassungslos. Das Ding ist halt auch das wir ihn persönlich kannten. Ich hätte mir gewünscht, dass er anstatt diesen Weg zu gehen, den er sich, so denke ich sicherlich reichlich überlegt hat, uns lieber persönlich kontaktiert hätte – schließlich weiß er wo wir wohnen, kannte unsere E-Mail Adresse und Telefonnummer oder wenn er uns eine Art Vorwarnung zugesendet hätte, so hätten wir ihm zumindest erst einmal alles erklären können – zumindest wären Torben und ich so verfahren, wenn wir den Eindruck gehabt hätten das eine/r unserer FanzinekollegInnen da irgendwie Bockmist gebaut hat…aber es sind halt nicht alle gleich!
Innerhalb der eigenen Szene mit Rechtsanwalt und Strafverfolgung zu drohen … da finde ich dann halt echt keine Worte mehr und wer mich kennt, weiß, das ich nur selten Sprachlos bin!

Was passierte dann?

Nun, Torben und ich informierten als erstes Joe, einem ehemaligen Mitglied der SPERMBIRDS und unseren damaligen „Praktikanten“ und Mitschreibers. Für Torben und mich stand sofort fest das wir eine schriftliche Stellungnahme veröffentlichen und sofort alle kontaktieren, die davon betroffen sind bzw. die wir kennen.
Zu den Anschuldigungen a) bis d) verfassten wir dann – hier in Kurzform aufgeführt – folgendes:

Zu a) Die Ausgabe die ER von uns erhalten hat, um ein Review über die 12. Ausgabe der (R)Ohrpost zu schreiben, war eine von den Testkopien. Wir fertigten immer ca. 5 Testkopien des Zines an um zu sehen, wo wir evtl. noch die Schriftgröße, den Hintergrund, Fettdruck, die Seitenzahlen etc. verbessern müssen. Und genau eine dieser Testkopien hatte Trben ihm nun versehentlich zugesendet und in dieser Testkopie hatte ich anstatt die ausgedruckten Quellenangaben erst einmal nur mit Bleistift, jedoch gut erkennbar, auf der letzten Seite meines PUSSY RIOT Artikels als „Platzhalter“ aufgeführt. Denn als Torben die Testkopie anfertigte, hatte ich noch nicht alles ausgedruckt und aufgeklebt. Eigentlich egal – aber die Folgen ...fatal !
Wer sich davon überzeugen möchte das dem wirklich so ist, kann gerne einmal persönlich bei uns aufschlagen und wir zeigen ihm/ihr dann beide Versionen der Ausgabe und dann werdet auch ihr erkennen, das die Quellenangabe gut lesbar ist. Warum er gegenteiliges behauptet, kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

Zu b) Ich habe in DER RECHTE RAND eine Werbung über ein Buch gelesen, welche ich so interessant fand, das ich mir dieses auch gleich beim Buchhändler meines Vertrauen bestellte und sofort verschlang. Da dieses Buch zwar sehr teuer aber so gut recherchiert und informativ war, entschieden wir den Text / die Werbung von DER RECHTE RAND 1:1 zu übernehmen. Wir haben nie für eine Werbung Sach- und/oder Geldspenden erhalten – wir haben immer für ein Projekt, eine Aktion, ein Buch oder einen Plattenladen eine kostenlose Werbung geschaltet, wenn wir es für richtig und wichtig befanden dies eine oder das andere Projekt  halt in dieser Art und Weise zu unterstützen. Ich habe nach dem Vorwurf von IHM sofort telefonischen Kontakt zu DER RECHTE RAND aufgenommen und mein Anliegen geschildert. Auch der nette junge Mann am anderen Ende der Telefonleitung war merklich geschockt von diesen Vorwürfen. Lange Rede- kurzer Sinn, man hat uns sofort beruhigt und versichert, dass DER RECHTE RAND nicht juristisch gegen uns vorgehen wird, da auch DER RECHTE RAND nur den Text vom Klappcover des Buches verwendet hat, um, genau wie wir, Werbung für dieses Buch zu machen. Der netten Mann am Ende der Leitung bemerkte dann also, dass auch DER RECHTE RAND wegen dem „PLAGIAT“ juristisch belangt werden müsste und wir mussten dann zugegeben beide etwas schmunzeln ...

Zu c) Ja, Torben verwendete die gleiche Überschrift von dem Artikel von der Frau, die auch einen sehr gut recherchierten Artikel verfasste, und der Torben zu seinem Artikel inspirierte. Ebenso verwendete Torben noch weitere Quellen aus anderen Artikeln rund um das Thema MÜLL und auch dort gab Torben die Quellen an. ER, also der Fanzinemacher warf uns jedoch „NUR“ vor einen Artikel fälschlicher Weise als seinen ausgegeben zu haben. Also hat der Fanzinemacher ja nur festgestellt, dass es sich um ein und die selbe Überschrift, jedoch nicht um den gleichen Text gehandelt hat. Unsere Rechtsanwältin, die wir daraufhin zu Rate zogen, fiel dies auf und irgendwie machte sich dann bei uns allen der Verdacht breit, dass der Fanzinemacher unsere Texte wohl in Suchmaschinen eingab um uns evtl. absichtlich zu schaden und gar nicht wirklich zu recherchieren, ob der Text denn nun wirklich 1:1 von uns übernommen wurde, denn sonst wäre ihm ja halt aufgefallen ...
Alle VerfasserInnen der von Torben verwendeten Artikel wurden ebenfalls von uns kontaktiert
und wirklich alle waren eher positiv überrascht, dass Torben Teile ihrer Artikel in seinem Artikel veröffentlichte. Allen schickten wir ein Exemplar unserer Ausgabe mit DEM besagten Artikel und keine/r von ihnen konnte auch nur annähernd den Vorwurf vom Plagiat nachvollziehen da es auch der Quellenangabe ja hervorging.

Zu d) hatte ich mich ja schon im oberen teil dieses Artikels geäußert

Zu e) Ja, es stimmt – der ein oder andere Konzertbesuch oder das ein oder andere Interview ist manchmal schon 2-3 Monate her wenn wir es veröffentlichen, doch tut es, meiner Meinung nach, der Qualität eines Konzertberichtes oder des Interviews keinen Abbruch NUR weil es später veröffentlicht wird. Wenn eine Veröffentlichung qualitativ, gut recherchiert, informativ und unterhaltend oder im besten Fall noch lehrreich ist, ist es mir persönlich völlig egal wie lange die Deadline her ist. Aber das ist halt Ansichtssache.
Wir haben unser Zine immer, wie auch in unseren Vorwörtern, immer wieder aufgelistet als Rundbrief an FreundInnen und Freunde gesehen. Das Zine haben wir beide immer als eine Art Plattform von der Region für die Region gesehen – wollten nie im Hochglanzdruck am Bahnhofskiosk oder im Supermarktregal in tausendfacher Auflage zu entdecken sein. Das sind wir nicht. Wir haben schon immer gerne Zines im copy and paste „Outfit“, wir zum Beispiel das P.A.M – Fanzine, gelesen und wollten nie eine andere Aufmachung.

Abschließend denke ich, ist es nach allem was ihr hier bisher lesen konntet durchaus nachvollziehbar warum wir die (R)Ohrpost dann mit sofortiger Wirkung einstellten …
Wir hatten in dieser schweren Zeit jedoch ganz tolle Menschen um uns, die uns auf vielfältige Art und Weise unterstützten und denen möchte ich auf diesem Wege einmal von ganzem Herzen, auch im Namen von Torben und Joe, danken. Bulli ( EMO KLOPPER, ALARMSIGNAL, DISCO OSLO und ANTIKÖRPER EXPORT) sicherte uns sogar finanzielle Hilfe im Falle eines Rechtsstreites zu.
Zu dem kam es ja nun nicht und die angefallenen Kosten für unsere Beratung bei der Rechtsanwältin berappten wir aus eigener Tasche. Wir hätten Bulli`s Angebot zwar auch nicht angenommen, aber die Geste allein hat uns wirklich sehr berührt und zu Tränen gerührt.

Das einige den Fanzinemacher, der ja vielen bekannt ist, dann auf diverse Art und Weise kontaktierten und ihrem Unmut über sein Handeln freien Lauf ließen, ihm Hausverbot in bestimmte Läden gaben und einige Bands ihm nun sämtliche Interviewanfragen verweigern finde ich persönlich auch ganz schön krass.
Wir haben ihn seit der Veröffentlichung vor über einem Jahr weder gesprochen noch gesehen …

Während dieser nervenaufreibenden Phase erschien dann auch noch ein Review im Plastic Bomb über die (R)Ohrpost welches Dirk, so glaube ich, über unser Zine verfasst hatte und feststellte
das die Luft irgendwie raus sei bei uns und einige Artikel gequält geschrieben schienen – recht hatte er! Also lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!
Aber Bäppi, ich kann dich beruhigen, Torben wird irgendwann einmal alleine die 13. Ausgabe fertig stellen und dann war` s das aber auch ein für alle Mal mit der (R)Ohrpost. Torben brütet jedoch mittlerweile schon über einem anderen Projekt, und bisher wusste das auch noch keine/r  … doch in welcher Art und Weise das sein wird und vor allem wann … das steht noch in den Sternen und bleibt bis zur Veröffentlichung geheim. Ob Joe und Wollie an dem anderen Projekt mitwirken ist bisher ungewiss - für mich jedoch ausgeschlossen.

Du hast in den letzten Jahren kaum Reviews geschrieben. Was macht denn in deinen Augen eine gute Rezension aus und welchen Stellenwert hat eine gute oder schlechte Besprechung deines Zines für dich?
Ich habe in den letzten Jahren kaum Reviews geschrieben, weil ich es ganz ehrlich gesagt abgrundtief hasse. In den 12 Jahren der (R)Ohrpost habe ich es bis auf einige wenige Male geschafft mich erfolgreich davor zu drücken bzw. mich konsequent dagegen gewehrt welche zu verfassen. Ich kann einfach keine Reviews schreiben. Das war immer Torben`s, Wollie`s, Käpt´n Horn`s und Joe`s Steckenpferd – aber nie meins. Ich fand unsere Aufteilung jedoch immer total gut auf einander abgestimmt. Jede/r von uns hat immer den Part gemacht worauf er/sie am meisten Bock drauf hatte. Bei mir war das immer der ernsthaftere-schwere-politische Part, die Rezepte, Hintergründe finden, diese dann auszuschneiden und für die nächste Ausgabe zu sammeln und hin und wieder mal einen Konzertbericht zuverfassen. Ein gutes Review ist meiner Meinung nach interessant oder sehr gelungen wenn es mich überrascht, unterhält oder neugierig auf mehr Informationen über die Band macht und ich dann im Internet recherchiere. Anekdoten oder Hintergrundinformationen über die Bands dann gekonnt im Review unterzubringen ist eine Kunst für sich – hat Torben, meiner Meinung nach, immer mit Bravour umgesetzt - und ich nie. Wie bereits erwähnt gehen mir Politartikel einfach locker und leicht von der Hand aber sobald ich da meine persönliche Meinung einfließen lassen muss – überkommen mich tausende von Emotionen und Gedanken und diese dann zu sortieren und zu Papier zu bringen bereitet mir unendlich große Mühe. Das beste Beispiel hierfür ist die Beantwortung deiner ersten Frage … so ausschweifend … schrecklich...
Jedes Reviews hat für mich einen unterschiedlich hohen oder niedrigen Stellenwert. Wenn ich ein Review zu unserem Zine lese, bin ich halt schon gespannt wie ein Flitzebogen wie es den anderen gefallt, was gefällt und was nicht - bin für jede Kritik dankbar und offen. Manchmal bin ich aber auch Beratungs- und/oder Kritikresistent … soll heißen beim eigenen Zine ist mir die Kritik aber komischerweise nicht so wichtig. Wenn es darum geht, dass ich ein Review von Tapes, Lp´s und CD´s lese, ist der Stellenwert wieder total hoch für mich.
Ich kann mich an einen Artikel in den vergangenen Ausgaben erinnern, da hatten Torben und ich schon einmal einen Bruchteil einer Sekunde darüber nachgedacht die (R)Ohrpost einzustellen. Hintergrund hierzu war, dass Torben einen Artikel über eine Band in den Staaten verfasst hat, der von vorne bis hinten erstunken und erlogen war – einzig die Stadt und das Geschäft, in dem der angebliche Sänger der Band arbeitete, war von Torben recherchiert worden. Dieser Artikel sollte ein Lückenfüller als auch als Provokation dienen, also schrieb er ein Fake-Review über diese doch sehr offensichtliche rechts offene Band und wir erhofften uns einen waren shitstorm von unseren LeserInnen- doch es folgte nichts ...keine Beschwerde, keine Nachfrage was für eine Plattform wir dieser grauzonen Band wir da bieten --- nichts!
Wenn sich die Chance bot fragten wir natürlich unauffällig bei dem ein oder anderen Fanzinekollegen nach wie ihm denn dieser EINE bestimmte Artikel gefallen hat und wir dann zu hören bekamen das es ja keine grauzonen Band oder so sein könnte, da wir (R)Ohrpost es ja  veröffentlicht hatten.
Über soviel „Blindheit“ innerhalb der eigenen Szene waren wir echt erschüttert und das mit dem Artikel haben wir bis heute auch nie aufgelöst.

In der fünften Ausgabe hast du mal einen Aufruf gestartet, das Fanzine auch als Diskussionsgrundlage zu sehen, um Meinungen und Reaktionen gebeten. Die Leserbriefe, die mich bis heute erreicht haben, kann ich an einer Hand abzählen. Dient ein Zine heutzutage nur noch als seichte Unterhaltung? Warum kommen keine neuen Hefte nach und gibt es ein Heft, dass dich geprägt hat, vielleicht sogar den Startschuss für die (R)ohrpost gegeben hat?
Leider fanden weder Meinungen noch Reaktionen den Weg der LeserInnen in unseren Postkasten.
Wenn ich hier jetzt mal in Schubladen aufteilen dürfte, würde ich sagen das die Menschen die sich schon seit mehr als 10/15 Jahre innerhalb der Fanzineszene bewegen immer noch reges Interesse haben und auch des öfteren Nachfragen wann es eine neue Ausgabe der (R)Ohrpost gibt, ob wir ein neues Zines am Fanzinehimmel gesichtet haben oder fragen uns auch nach älteren Ausgaben von anderen Zines die wir haben, wenn die nochmal bestimmte Artikel nachlesen wollen … Torben hat sich da zuhause ein kleines Archiv erschaffen und er steht da immer noch gerne mit Rat und Tat, also mit Leib und Seele beratend den Interessierten zur Seite. Andere ältere Semester haben aber auch echt kein Bock mehr auf Information, da sie durch Medien so voll gepumpt wurden und in ihrer politischen (aktiveren) Zeit soviel „harten Stoff“ gelesen, gesehen und erlebt haben, das die das für sich nur noch ganz schwer aushalten können zusätzliche Informationen oder Politartikel vorgelegt zu bekommen.
Auch hier und da mal einen kleinen Artikel aus diversen deutschsprachigen Zines vor einem Konzert zu verlesen kommt überhaupt nicht (mehr) in unserer Region an – schade auch -
habe genau diese „bunte Mischung“ immer sehr geliebt und genossen wie es z.B. auf dem ersten break-the-silence-Festival der Fall war!
Bei den jüngeren habe ich, bis auf wenige Ausnahmen, nur sehr selten echtes Interesse erleben können, meist schütteln die nur den Kopf – wissen nicht was ein Fanzine ist, dafür Geld auszugeben ist für die meisten Personen nicht nachvollziehbar. ,,Wenn ich Informationen will, dann google ich …!“  bekam ich immer wieder zu hören.
Eine Epoche stirbt aus ?!? Eventuell könnten ja durch  viele kleine Fanzine-Treffen die Faszination für diese“ alte Art“ der Kommunikation/Information neu entfachen und Neulinge für die Fanzineszene begeistert werden ...was meint ihr?
Zudem fällt mir gerade ein, das wir in der ersten Ausgaben die wir veröffentlichten Bands per Kassettenrecorder interviewten, da viele zur damaligen Zeit weder Handy noch einen Internetzugang und auch schlichtweg keinen Bock oder die Zeit hatten uns per Post zu antworten. Wir nahmen damals dann also alles wie gerade beschrieben mit dem Kassettenrecorder auf und spielten Satz für Satz zuhause vor und tippten ihn dann ab. Je nach Länge des Interviews konnte dies schon mal 6-12 Stunden dauern und dann hatte man den Text weder ausgedruckt, noch zurechtgeschnitten oder gelayoutet. Es war halt enorm zeitaufwendig aber wir haben es gerne gemacht. Viele haben aber eben auch die Geduld und die Ausdauer nicht mehr dazu. Jede/r die/der ein Zine macht (in welchem Format oder Aufmachung auch immer), weiß wie viel Liebe zum Detail in solch einer Ausgabe steckt und weiß das Zine dann auch ganz anders zu schätzen...

Gibt es Artikel oder Interviews in zwölf Jahren (R)ohrpost die dir besonders viel bedeuten? Was ist dein persönliches Highlight der letzten zwölf Ausgaben?
Natürlich gehören die Anschuldigungen von unserem Fanzinekollegen, die ich oben im Artikel in ersten Frage ausführlich erwähnt habe dazu – auch wenn dieses ein noch so einschneidendes
Ereignis war, so möchte ich diese Erfahrung die wir in dieser Zeit durchleben mussten nicht missen, denn trotz all der bitteren Tränen die wir vergossen hatten, wussten wir ab diesem besagten Zeitpunkt schon sehr genau wer zu unseren FreundInnen gehört und wer nicht – wer uns auffängt, uns beisteht oder uns fallen lässt wie ein heiße Kartoffeln und uns den Rücken zukehrt.
Das mit dem zusammen gesponnenen Artikel hat auch noch sehr lange für viel Diskussionsstoff bei Torben und mir gesorgt und wir haben so manche Hin- und Rücktour von Konzerten damit verbracht die eigene Szene zu hinterfragen …
Bitter ist dann aber auch wenn man einige Weggefährten in diesen 12 Jahren (R)Ohrpost durch den Umzug, Szenewechsel oder durch den Tod verliert, wie z.B Peter Behrends (der Schlagzeuger der Band TRIO). Ihn hatten wir mal zusammen mit Stina auf einem Foto in einer unserer Ausgaben in einem Quiz veröffentlicht und gefragt wer den dieser Herr neben Stina auf dem Foto sei – er verstarb in diesem Jahr in Wilhelmshaven im Krankenhaus.
Die schlechten Erinnerungen aus diesen 12 Ausgaben habe ich (leider auch) immer noch lebhaft vor Augen. Wenn ich daran denke wie viele Nächte ich mir in Wilhelmshaven um die Ohren geschlagen habe um zu kopieren und die Ausgaben dann meterlang im Flur zusammengelegt und getackert habe, wie viele verschiedene Probleme wir beim kopieren, den Druckereien, mit dem Computer, dem Laptop und unserem Drucker hatten fällt mir der Abschied vom Fanzine schon bedeutend leichter als die Einstellung unserer Radiosendung namens HÖRSTURZ.
 
Neben Ronja, Mareike vom Randgeschichten-Zine und deiner Wenigkeit fallen mir gerade keine Frauen ein, die sich aktiv und regelmäßig in der Zine-Szene beteiligen oder eigene Hefte veröffentlichen. Ist „Fanzine machen“ eine Männerdomäne und woran könnte das liegen?
Ich denke, dass es daran liegt das es ja leider sowieso weniger Frauen in der Punk, Ska, D-Beat, Hardcore- und Fanzineszene gibt und ich denke NICHT, dass es daran liegt das Männer dann die Frauen für weniger qualifiziert halten um ein Zine ins Leben zu rufen! Die Fanzineszene wird halt meiner Beobachtung nach immer dünner und eventuell möchten Neulinge innerhalb der Szene auch nicht, so wie wir,  mit einem kopierten Zine in Erscheinung treten sondern evtl. in der Aufmachung wie das HUMAN PARASIT Fanzine. Das Zine dann so zu präsentieren kostet ja dann nicht nur mehr Kohle die berappt werden muss, sondern auch die Erfahrung und die Entwicklung die man in der vergangenen Zeit beim HUMAN PARASIT mitverfolgen konnte fehlt Neulingen halt auch. Das Layout, die Wahl des Formates, des Papiers, etc. sind halt entweder von Emotionen gelenkt oder die Fähigkeiten und Fertigkeiten sind über Jahre hinweg angeeignet worden – das kann man halt nicht erzwingen.
Workshops oder youtube-videos für Einsteiger könnten da evtl. eine Abhilfe schaffen.
Wir haben jedoch munkeln hören, dass es im nächsten Jahr ein neues Fanzine aus dem Raum Oldenburg am Fanzinehimmel erscheint. Zudem gibt es auch noch das Reaperzine, ein Online-Metal-Zine aus Wittmund und Umgebung, welches sich einer immer breiter werdenden Fangemeinde erfreut.

Neben dem Fanzine haben Torben und du auch schon einige Radiosendungen zusammen über den Äther gejagt... wird es da noch neue Sendungen geben und wie ist es, den „Ehemann“ auch als Arbeitskollegen ertragen zu müssen?
Torben und ich hatten weder Streit bei dem Zine noch bei den Radiosendungen. Wir haben viel gelernt hatten viele Schwierigkeiten die es zu beheben habe und das hat zwar immer einige Nerven gekostet – war aber auch immer eine enorme Erleichterung für uns wenn denn dann alle Unklarheiten und Probleme bewältigt werden konnten. Wir wuchsen regelrecht mit unseren Aufgaben und je mehr Probleme auftauchten je mehr knieten wir uns in Lösungen rein und verschmolzen immer mehr mit unserer Tätigkeit. Mich spornten Probleme innerhalb der Radiosendung immer an – beim Fanzine hingegen demotivierten mich Probleme eher.
Das die Radiosendung damals auf dem heimischen Kassettenrecorder aufgenommen und später darauf abgespielten wurden und weder eine gute Tonqualität hatten und die Anpassung der Lautstärken zwischen den einzelnen Songs und der Moderation einfach miserabel war, streiten wir nicht ab.
Damals kam dann ein Auricher auf uns zu und meinte das die Sendungen ja lustig, ernst und informativ zu gleich seien aber wir eine miserable Tonqualität hätten – dem konnten wir zwar nur zustimmen, hatte im Gegensatz zu ihm aber keine Lösung dafür parat. Er bot uns dann an unsere Radiosendung in einem professionellen Tonstudio eines regionalen Radiosenders, dessen Name ich hier leider nicht erwähnen darf, aufzunehmen. Wir überlegten kurz, da wir dann einen Patzer innerhalb der Sendung nie wie bei unserem Kassettenrecorder „zurückspulen“ konnten, sagten dann aber doch zu und bereuten dies (bis auf einige wenige Versprecher meinerseits) nie.
Da der Herr aus diversen Gründen unsere Region verließ, erlosch dann auch die Möglichkeit mit den Radiosendungen und wieder „back to the kasentoaster“ wollten wir dann auch nicht gehen.   Der Zeit im Radiosender trauere ich eher gesagt schon sehr nach. Beim Radio hab ich halt immer frei weg erzählt was ich denke und meine, man hört die Stimmlage und nimmt die Information ganz anders auf als irgendwelche niedergeschriebene Zeilen in einem Zine. Das ist auch das Problem warum ich kaum eine SMS versende, man bekommt die Stimmung bzw. die Stimmlage des Gegenübers nie mit und daher kommt es, meiner Meinung nach, eher zu Konflikten – da ruf ich lieber eben kurz an oder sende eine Sprachnachricht.

Der beste Ostfriesenwitz den du kennst...
Ich kann mir ehrlich gesagt, bis auf zwei, keine Ostfriesenwitze merken, was daran liegen mag, dass ich keinen der mir bekannten Ostfriesenwitze wirklich lustig finde.
Witze wie warum ostfriesische Polizisten immer eine Schere mit sich führen – damit sie den Verbrechnern besser den Weg abschneiden können sind ja hinreichend bekannt. An zwei Ostfriesenwitze, bei denen ich ehrlich gesagt schon ein wenig schmunzeln musste, kann ich mich jedoch erinnern. Stina kam nach ihrem ersten Tag im Kindergarten nach Hause und verkündete sie:
Frage: Wie nennt man jemanden der ein Schaf auf dem Deich verhaut?
Antwort: MÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄHdrescher!
Viele Touristen verstehen diesen Witz aber auch nicht. Besonders die aus NRW nicht.
Der zweite Witz war:
Frage: Warum essen ostfriesische Vegetarier kein Huhn?
Antwort: Weil da EI drin ist!
Im Gegensatz zu den Ostfriesenwitzen konnten mich da schon immer eher die Bilder/Cartoons von
HÖSTI begeistern.
Das ist halt der schwarze Humor der Ostfriesen …

Was gibt’s bei dir zum Elführtje?
Das fängt beim Aperitif namens Astra-Rotlicht an, geht über zu Wodka-O. Dann hin zu Jägermeister-Cola und endet mit dem rauf und runter trinken der gesamten Cocktail-Karte und als sogenannten Absacker gibt`s dann zwei/drei MEXIKANER, den besten Mexikaner gibt es übrigens auf dem PUNK-A-PLATZ (von Moje) und dem „Polyester“ in Oldenburg!

Klootschießen oder Schöfeln?
Weder noch !
Kirschkernwettspucken, Teebeutelweitwurf, Strukbessen schmieten (Strauchbesen schmeißen),
Ostfriesen-Abitur und Paddstock springen ist auch nicht meins.
Krebsrennen und Kutterziehen sind aber voll mein Ding!
In Kindertagen (wir waren ca. 6-8 Jahre alt) bin ich immer zusammen mit den Jungs aus meiner Schule und unseren Jollen unter den Steg der Fähre gepaddelt und gesegelt wenn das Schiff  abgelegt hat. Da die Touristen immer ihre Fahrkarten aus ihren Taschen zückten, ihnen dabei immer mal der ein oder andere Taler aus der Tasche gerutscht ist und dann halt zwischen den Steg-Platten hinunter auf die Hafensteine gefallen ist, paddelten wir dann bei Ebbe oder wenn gerade mal wieder kein Schiff angelegt hatte unter die besagten Steg-Platten, sammelten das verloren gegangene Geld der Touristen ein, schmissen es in einen alten Blecheimer, fingen mit der Senke oder mit der bloßen Hand einen cancer pagurus (Taschenkrebs), schrieben unseren Namen mit Edding auf deren Rücken/Panzer und stellten alle Taschenkrebs in einer Reihe auf der Hafenpromenade auf und derjenige oder diejenige von uns dessen Taschenkrebs dann als erstes wieder zurück ins Meer gelaufen war, erhielt dann das gesammte Geld aus dem Eimer. Man selber bekam dann immer ein großes Eis und die anderen teilten sich eine Tüte Gummibärchen.
Beim Kutterziehen habe ich am letzten Wochenende bei den Hafentagen in Bensersiel mit der Damengruppe des Oldtimerclub H.O.F ( Holtgaster Oldtimer Freunde), bei dem ich mit zwei historischen Fahrzeugen Mitglied bin, den zweiten Platz erkämpft.
Ein Fischkutter wird an der rechten Hafenmauer waagerecht in Stellung gebracht und beim ertönen der Schiffsglocke ziehen insgesamt 5 Personen, in unserem Fall 5 Frauen, den Kutter an mehreren aneinander geknoteten Tauen senkrecht auf die andere Seite des Hafenbeckens. Wir benötigten dafür 2,02 Minuten. Es sieht zwar leicht aus ist aber wahnsinnig kräftezehrend.

Am Plastic Bomb Fanzine mag ich besonders...
Hört sich jetzt vielleicht echt stumpf an, aber nach so manchem Reisebericht taten mir sprichwörtlich die Füße weh, da ich so dermaßen in den ein oder anderen Urlaubsbericht eingetaucht war, das ich meinte ich wäre den ganzen Trip demjenigen gelaufen.
Ich mache mir jetzt sicherlich keine Freunde mit dem was ich jetzt schreibe, aber ich bin ja ehrlich und so muss ich leider gestehen, das ich das Plastic Bomb schon seit längerem nicht mehr ganz gelesen habe, sondern mir immer nur einige Highlights rausgesucht habe. Die Bombe erreicht mich irgendwie nicht mehr so wie sie es früher tat. Ob es am Zine liegt oder an mir kann ich ehrlich gesagt gar nicht nicht beantworten. Schließlich haben wir beide uns (also die Bombe und ich)  innerhalb der letzten 10 Jahre ja weiterentwickelt. Torben ist jedoch nach wie vor im magischen Bann der Bombe gefangen und wenn die Bombe dann wieder von umserem Postboten in unserer Zeitungsrolle gelegt wurde, verschwindet Torben (ohne Scheiß) direkt nach der Arbeit, der Dusche und dem Abendbrot in seinem Zimmer oder im Büro und ließt innerhalb von 4 bis 6 Tagen die Bombe komplett durch – saugt sie quasi bis zum letzten Buchstaben aus. Wenn Stina ihm dann die druckfrisch eingetrudelte Bombe überreicht sagt sie schon immer: ,, Dann bis in einer Woche Papa! Mama, Papa ist nun wieder eine Woche lang nicht ansprechbar sondern mit Haut und Haar in der Fanzinewelt versunken!“

Ahoi und bis bald …
Maren (des Turbotorben`s Seemannsbraut)