JAB im Haus der Jugend

Die Junge Aktionsbühne im Haus der Jugend ist eine Kultureinrichtung des Jugendamtes der Stadt Düsseldorf. Diese Bühne blickt seit 1985 auf eine langjährige Traditon zurück. Die Kulturarbeit der Jungen Aktionsbühne zielt darauf ab, talentierte Künstler zu entdecken, ihnen eine Plattform zu bieten und sie nachhaltig zu fördern.

Neben dem Kulturprogramm ist auch die beliebte Kindersachen- und Kombibörse beheimatet. Dieses  ist Düsseldorfs ältester und größter Flohmarkt für Kinderkleidung, -spielzeug und -accessoires. Eine riesige Auswahl für alle die günstig einkaufen wollen

Und nun folgt ein Interview mit dem Team der JAB...

Immer nur Bands interviewen ist auf Dauer ja auch langweilig. Von daher habe ich mir mal gedacht, warum nicht mal jemand mit Fragen belästigen, der, bzw. die die Bands auf die Bühnen holt? Und das sich das JAB in Düsseldorf so langsam zu meinem 2. Wohnzimmer entwickelt, lag es nahe, auch genau da mal nachzufragen. Außerdem feiert Mensch dort gerade sein 30.jähriges Bestehen, was für eine vom der Kommune abhängige Einrichtung echt mal eine Hausnummer ist, scheint man doch diverse soziale Kahlschläge irgendwie überlebt zu haben. Buchungsgöttin Sabine hat meine Fragen per Mail beantwortet.  

Vielleicht fangen wir einfach mal mit deiner Person an: Wer bist Du, was ist deine
Aufgabe in der JAB?
Mein Name ist Sabine Fleischer und meine Aufgaben bei der Jungen Aktionsbühne sind: Organisation, Projektleitung, Pressearbeit, Booking sowie Planung & Durchführung von Veranstaltungen.

 

Wie bist du an den Job gekommen? Was hast Du für eine Ausbildung?
Ich habe 1992 bei dem Düsseldorfer Verlag "Überblick" gearbeitet, dort habe ich den damaligen Chef der JAB Konrad Schnabel kennengelernt, der nebenbei als Musikjournalist tätig war. Er suchte zu der Zeit Unterstützung für die Organisation seiner Veranstaltungen. Ich hatte gerade meine Ausbildung zur Bürokauffrau abgeschlossen und dann assistierte ich auf einmal bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen. Ein Wurf ins kalte Wasser. Aber es hat sich gelohnt.

Wo sind deine Berührungspunkte zum Punk?
Schon als Kind war ich immer sehr an Musik interessiert und als meine damalig beste Schulfreundin mir die Ramones vorspielte entwickelte ich eine besondere Leidenschaft für diese Art von Musik und gefolgt von den Sex Pistols, The Clash oder Pixies begann ich mich mit den Hintergründen der Punk Musik zu beschäftigen. Zu der Zeit für mich außergewöhnlich, einzigartig und ganz wichtig: rebellisch. So blieb es nicht aus, dass ich relativ schnell in der Düsseldorfer Punkszene landete.

Du warst zwar nicht von Anfang an dabei, aber beschreibe bitte trotzdem mal die
Geschichte der JAB.
1992/93 habe ich als organisatorische Assistenz bei der JAB angefangen.  Von 1985 - 1992 hatte die JAB ihren Sitz mitten in der Düsseldorfer Altstadt. Im Anbau des Wilhelm-Marx-Hause (wo auch das Jugendamt und Sozialamt ihren Sitz hatten) wurde eine Kultur-Brücke installiert, bestehend aus Volkshochschule, Filminstitut, Black Box, JuTa (Junges Theater in der Altstadt) und eben der Jungen Aktionsbühne. In den 80er Jahren probten viele junge Düsseldorfer Bands in den Kellern der städtischen Jugendclubs, da es zu dieser Zeit nicht viele bezahlbare Alternativen gab. Hieraus entstand die Idee diese Künstler auch mal auf einer angemessenen Bühne spielen zu lassen. Punk, Rock und auch Pop war zu dieser Zeit in der Kulturszene noch nicht so salonfähig. Und so schuf das Jugendamt ein paar Auftrittsorte, auf denen die Nachwuchsbands unter professionellen Rahmenbedingungen spielen konnten. Den ersten wichtigen Schritt der JAB  machte 1985 der erste Leiter Hans Hoff. Auch wenn er aufgrund einiger Stolpersteine, die ihm die Bürokratie in den Weg warf, nach einem Jahr alles hinschmiss. Die zweite Leitung übernahm 1986 unser damaliger Chef und Szenepapst Konrad Schnabel. Der hatte ein Händchen dafür sich alles was neu, talentiert und provokativ war unter den Nagel zu reissen, auf eine Bühne zu bringen und zusätzlich mit der Bürokratie zu balancieren.
Als das Jugend- und Sozialamt aber von der Innenstadt hinter den Bahnhof umzog und einige Sparmaßnahmen die Folge waren, sah es düster aus für die JAB. Eine Petition mit über 4000 Unterschriften zur Erhaltung der JAB an den damaligen Bürgermeister und das Angebot etablierter Musiker die JAB mitzufinanzieren brachte dann wieder Bewegung in die Sache die JAB weiterhin zu erhalten. Die Stadt willigte ein und stellte der JAB ein Büro mit kleinem Etat zur Verfügung. Attraktive Spielstätten waren zu der Zeit das Haus der Jugend, das Spektaktulum, Freizeitstätte Garath und Rondell. Und nach einem gesponsorten Jahr ging es dann 1994 wieder aufwärts. Die JAB bekam einen festen Sitz mit Bühne im bereits ziemlich runtergerockte Haus der Jugend. Hier hatte es Anfang der 80er Schlachten zwischen den Skins und den Punks gegeben. Bands wie Die Toten Hosen hatten hier ihre ersten Auftritte gehabt. Die JAB wurde sesshaft, bis heute!  Düsseldorfs grösster Kinderflohmarkt wurde ins Leben gerufen, sowie unser renommierter Newcomer Contest Citybeats und wie Du weisst, viele viele Konzerte.
2008 machte Konrad Schnabel sich auf ins Bürgerhaus Bilker Arcaden, um dort die Leitung zu übernehmen. Es folgte Klaus Klöppel, der die Leitung der JAB übernahm (auch Leiter des Spektakulums), der, nach ebenso musikalisch turbulenten Jahren im Spektaktulum, zwar lieber im Hintergrund agiert, dessen Unterstützung für die Düsseldorfer Musikszene jedoch nicht wegzudenken wäre.  

Hattest Du nie das Bedürfnis, den doch sehr nach aktiver Sozialarbeit klingenden
Namen „Junge Aktionsbühne“ zu ändern?
Auf keinen Fall.  Der Name hat für mich heute Kultstatus, da wir viele Projekte haben die junge talentierte Künstler fördern und mittlerweile die Kinder der Musiker aus unseren Anfangstagen auf unserer Bühne spielen.

Die JAB ist ja eine städtische Einrichtung, und soweit ich weiß, war das auch in der
Anfangszeit immer wieder ein Problem, mit der Bürokratie klar zu kommen. Wie ist
es heute, wieviel Freiheit hat die JAB in ihrer Arbeit? Wie sehr nimmt die Stadt
Einfluss?
Wir sind ja nur eine kleine städtische Bühne in einer Stadt mit annähernd 10.000
Mitarbeitern. Dies bringt natürlich auch Vorschriften, längere Dienstwege,  etc. mit sich,
aber dass unsere Vorgesetzten Einfluss auf unsere Programmplanung oder Ausrichtungen
nehmen, kann ich wirklich nicht sagen. Vielleicht ist in der Verwaltung mittlerweile  eine
größere Toleranz entstanden, als dies noch in den Anfängen vor 30 Jahren der Fall war.  

Kann sich das JAB von den Eintrittsgeldern – und dem Bierausschank - finanzieren,
oder bestehen finanzielle Abhängigkeiten?
Nein das kann die JAB sicherlich nicht. Dazu ist unsere Location zu klein und die Kosten, für Gagen, GEMA, KSK, Technik, Werbung und unsere Projekte etc. zu groß. Ohne feste städtische Unterstützung  würden wir nicht existieren können, zumal wir ja auch junge Bandprojekte fördern und betreuen,  wo keine oder nur äußerst geringe Einnahmen erzielt werden.

Die JAB liegt ja inmitten eines Wohngebietes. Stellt das ein Problem dar? Wie
kommen die Anwohner mit euch zurecht?
Vor etwa zehn Jahren hatten wir massive Anwohnerprobleme und mussten hierauf auch reagieren,
da es ansonsten das Aus für uns bedeutet hätte. Durch Vermittlung unseres Abteilungsleiters
fanden wir Kompromisse mit den Anwohnern, die uns zwar zeitlich limitieren, aber bis heute unsere Existenz garantieren.

Dieses Interview kommt vor allem deshalb zustande, weil ich in der letzten Zeit ganz
viele meiner alten Helden in der JAB sehen durfte. Wie kommt ihr generell an die
Bands?
Zu vielen Bands besteht eine langjähriger Freundschaft die von alleine auf uns zukommen, die wiederum anderen befreundeten Bands dann empfehlen bei uns zu spielen.  In anderen Fällen gehe ich einfach auf die Bands zu, die auch meine Jugendhelden waren.  Oftmals erhalte ich Wünsche von Gästen, die mich per Mail kontaktieren, ob wir nicht diese oder jene Band spielen lassen können. Seit letztem Jahr kooperieren wir auch zwischendurch mit Beer & Music GmbH, so kamen z.B. die beiden fantastischen Konzerte mit The Untertones und Peter and the Test Tube Babies zustande.

Welches war für dich bisher das beste Konzert in der JAB?
Für mich gab es viele grandiose Konzerte, es ist schwierig sich da auf ein Konzert zu beschränken. Immer wenn ich denke, der Abend ist nicht zu toppen, gibt es schon wieder das nächste Konzert, welches noch einen draufsetzt. Eins meiner Highlights in letzter Zeit war jedoch das Cryssis Tourfinale Anfang 2014. Das Konzert war ein einziger Rausch aus Musik und Leidenschaft oder unser „Tribute to Joe Strummer „ -Event 2011 in Zusammenarbeit mit Mario Irrek.

Und welches die größte Enttäuschung?
Selbst wenn mal an einem Abend etwas schief geht oder eine Band nicht so gut drauf ist wie man es erwartet hätte, die Besucherzahl geringer ausfällt als erhofft, Gäste sich daneben benehmen, könnte ich nicht von einer Enttäuschung sprechen.  Weniger gute Abende sind bei uns zudem recht selten.


Gab es Veranstaltungen, nach denen Du alles hinschmeißen wolltest?
Veranstaltungen nicht, aber es gibt schon hin und wieder hausinterne Konflikte die unsere Arbeit unnötig erschweren, so hat z.B. der Dachverband der freien Jugendverbände, der Jugendring Düsseldorf, von der Stadt das gesamte Gebäude gemietet. Wir sind also nur die Untermieter, mit einem Büro und eingeschränkten Nutzungsrechten für das Café und die Halle, da kommt es bei der Vergabe der Termine des öfteren zu Überschneidungen. Da kann man schonmal die Lust verlieren, wenn der einzige Termin, den eine Band uns geben kann aus diesen Gründen platzt.  Hinschmeißen würde ich deswegen jedoch nichts.

Wieviel Prozent des klassischen JAB – Publikums machen die Leute aus, die schon vor
30 Jahren sich bei Euch Konzerte angeschaut haben?
Kommt drauf an, welche Art von Veranstaltnug wir machen. Bei unseren Nachwuchsförderungsprojekten wie Meets & Beats, Citybeats oder HipHop Workshop eher weniger. Bei Punkrockkonzerten bestimmt 60 Prozent. Daher lasse ich gerne gute Newcomer mit musikalischen Größen gemeinsam auf unserer Bühne spielen, bei uns im Haus der ewigen Jugend.

Welche Bands hast Du noch auf dem Zettel, die Du unbedingt mal ins JAB holen
möchtest?
So viel kann ich verraten, 2016 wird einiges von meinem Wunschzettel abgearbeitet. So werden wir ua. The Lurkers und Slime auf unserer Bühne haben.

Neben den Konzerten mit bekannteren Bands betreibt das JAB ja auch jede Menge
Nachwuchsförderung. Erzähl mal….
Neben unserem beliebten Newcomer Contest „Citybeats“, der in diesem Jahr sein 20 jähriges feiert, haben wir noch unser monatlich stattfindendes Musikcafé Meets and Beats. Es findet immer am zweiten Dienstag im Monat statt. Die Veranstaltung dient in erster Linie als Netzwerk und Förderung für Musiker und Musikschaffende aus Düsseldorf und Umgebung. Wir schaffen hiermit einen Raum wo Bands und Musiker auf Kollegen oder bereits etablierte Künstler treffen, sich austauschen, connecten und jammen können. Dann haben wir noch unseren HipHop Workshop, der jeden Donnerstag, ausser in den Ferien, in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Rapper JayJay und Düsseldorfer Schulen stattfindet. Das Schöne daran ist, dass wir alle Projekte miteinander verknüpfen können. Künstler, die bei Meets & Beats auftreten bewerben sich auch für Citybeats. Citybeats Finalisten wiederum treten bei Meets & Beats auf oder sind einfach nur Gäste. Die HipHop-Workshop-Kids haben Gelegenheit bei Meets & Beats aufzutreten und bewerben sich dann hoffentlich irgendwann bei Citybeats. Einige unserer Newcomer stehen dann irgendwann auch mit ihren Vorbildern auf unserer Bühne in der Halle, so z.B. KopfEcho (Citybeats Sieger 2013) als Support für UK Subs oder Thomas Allan (Meets & Beats Künstler) mit The Undertones oder Glen Matlock (Sex Pistols).

Können sich Bands, die Bock haben mal in der JAB zu spielen, einfach so mal melden?
Klar, sehr gerne sogar.  Wir bekommen auch jede Menge Anfragen. Besonders für Meets and Beats. Für Konzerte in der Halle müssen wir halt immer schauen wann, ob und wo es passen würde.


Du promotest die Konzerte im JAB auch über diverse soziale Netzwerke. Gab es da
auch schon mal negative Rückmeldungen von irgendwelchen Leuten?
Bis jetzt noch nicht, wenn man mal nebensächliche Kommentare wie: „dat Bier war scheisse“ oder „war zu kalt oder zu warm bei euch“ weglässt.

Punk und Karneval. Ihr macht es, aber geht das wirklich?
Komm vorbei und schau´s dir an.

Abschließende Worte?
Vielen Dank für Dein Interesse und Deinen Support. Ich hoffe, dass wir noch viele weitere Jahre das Haus der Jugend rocken können.

Häktor