best of 2015 6jpgDas Jahr neigt sich dem Ende zu und auch Punkrocker blicken, vielleicht bei einem Tetrapak Rotwein, etwas sentimental zurück auf die Ereignisse. So we do. Im Norwegerpulli gekleidet und beim Knistern des Kaminfeuers schauen Plastic Bomber noch einmal in das Plattenregal oder die mp3-Playliste und lassen die musikalischen Perlen aus dem Jahr 2015 Revue passieren. In unregelmäßigen Abständen werden wir hier bis zum Jahresende verraten, was wen bei uns aus der Plastic Bomb Familie im auslaufenden Jahr gekickt hat und warum.

Den Abschluss macht Chris Scholz

 

 

Plastic Bomber stellen ihre Lieblingsplatten 2015 vor, eine gute Idee. So gut, dass sich, als die Anfrage hereinkam, Gehirn und -dächtnis sofort an die Arbeit machten, und zusammen mit dem Geschmacksnerv auf Hochtouren drehten. Was kam einem da nicht alles in den Sinn, was man neulich noch so auf dem Trödelmarkt erworben hatte... Ach nein, Moment, die zu belobhudelnden Platten sollten ja von 2015 sein. Ersterschienen. Also wie Jesus am dritten Tag, nicht bei den vielen späteren Gottessohn-Sichtungen.

Da wird eine Antwort auf die Frage schon schwieriger. Also, da war doch "Live in Berlin" von Depeche Mode... ach nein, ist von 2014, außerdem in etwa das, was man von einer ungereinigten Latrine erwartet, und ob das Reproduzieren alten Liedguts wirklich als Neuerscheinung durchgeht, braucht man angesichts dieser Ausgangslage gar nicht mehr zu diskutieren. Außerdem sollte man der Zielgruppe vielleicht etwas bieten, was ihm eher liegt, das Plastic-Bomb-Publikum ist ja eines der wählerischsten überhaupt.

Kann man da Die Goldenen Zitronen erwähnen? Deren letzte Platte war nämlich streckenweise grandios und... Ach nein, von 2013. Und ich hatte noch gedacht, ich hätte mir die zu meinem Geburtstag 2014 gekauft. So kann man sich irren, wäre aber wohl auch zu irokeseninkompatibel gewesen.

Hm, doch alles schwieriger als gedacht. Abwärts vielleicht? Von 2014, mal ganz abgesehen davon, dass "Krautrock" kompletter Mist ist und ich mir die glücklicherweise lediglich in der örtlichen Stadtbibliothek ausgeliehen hatte. Wobei mir auffällt, dass ich die MP3s, die ich mir aus der CD gebastelt habe, mal von der Festplatte löschen könnte.

Tja, sonst so? Mal in den Keller gehen zum Nachdenken. Stapfen auf einer Treppe. Eine quietschende Tür. Geräusche eines Suchenden, erst wohlstrukturiert, dann immer wilder. Langes Schweigen. Wieder Stapfen auf der Treppe, diesmal näherkommend. Die quietschende Tür ganz vergessen, Mist. Also: Eine quietschende Tür. Stapfen auf der Treppe. Die erlösende Botschaft, verlegen stammelnd:

2015 ist keine einzige Platte erschienen, die ich auch nur gehört hätte. Erworben schon mal gar nicht. Zuletzt gekauft, meine ich, "Wolfgang Niedecken's Bap rockt andere Kölsche Lieder" (übrigens ein sehr gutes Stück Musik!).

Insofern muss ich die Anfrage wohl leider ablehnend bescheiden und am besten losgehen, schnell noch irgendeinen Schallträger zu kaufen, bevor das Jahr endet.

Chris Scholz

np: 1. kim wilde-lp

Teil 1 von Ullah gibt es hier

Teil 2 von Ronja gibt es hier

Teil 3 von Krisko gibt es hier

Teil 4 von Basti gibt es hier

Teil 5 von Phillipp gibt es hier

Teil 6 von Swen gibt es hier

Teil 7 von Daniel gibt es hier

Grammophon-Bild: Andreas Praefcke (Own work (own photograph)) [Public domain], via Wikimedia Commons, eigene Bearbeitung.