best of 2015 4Das Jahr neigt sich dem Ende zu und auch Punkrocker blicken, vielleicht bei einem Tetrapak Rotwein, etwas sentimental zurück auf die Ereignisse. So we do. Im Norwegerpulli gekleidet und beim Knistern des Kaminfeuers schauen Plastic Bomber noch einmal in das Plattenregal oder die mp3-Playliste und lassen die musikalischen Perlen aus dem Jahr 2015 Revue passieren. In unregelmäßigen Abständen werden wir hier bis zum Jahresende verraten, was wen bei uns aus der Plastic Bomb Familie im auslaufenden Jahr gekickt hat und warum.

Heute stellt Basti vor.
 

THE CARBURETORS Laughing In The Face Of DeathPlatz 1) THE CARBURETORS - „Laughing In The Face Of Death“ CD /  LP+CD
Hm, die besten Platten dieses Jahres? Weiß nicht ob die Platte eine der besten Veröffentlichungen des Jahres is, aber mir sind die Herren CARBURATORS mit ihrem neusten Opus wirklich nachhaltig in Erinnerung geblieben. Mit Punk oder dergleichen hat die Scheibe aber eher wenig zu tun. Hier regieren Metal und Hardrock und zwar ohne Gnade und das die nächsten 666 Jahre lang. Die Beteiligung des DIMMU BORGIR Frontmannes (hab jetzt kein Bock das finstere Pseudonym des Herren zu googeln und nenn den Mann der Einfachheit mal Evil Gruselzwerg ) wird die Platte sicher für manch zartbesaiteten Schöngeist von vorneherein unhörbar machen (wobei bei langhaarigen Menschen ja mancherorts für gewöhnlich doch noch eher vollständige Indemnität erteilt wird  als bei derartig vorbelasteten kurzhaarigen Zeitgenossen). Wie dem auch sei, die Platte hat mich auf jeden Fall auf meinem insgesamt 9 Wochen andauernden Renovier-Marathon über 283 qm teils 20 Jahre nicht renovierte Wohnwüste auf jeden Fall mehr als ordentlich begleitet. Besonders für eher gröbere Arbeiten wie zum Beispiel das kiloweise Abschleifen von mit Kellenputz verschandelten Decken im bajuwarischem Flair wirklich bestens geeignet das neuste Werk der Automobilliebhaber. Wobei die neue MOTÖRHEAD ebenfalls äußerst knorke is, war allerdings nicht so überraschend gut (Lemmy & Co bürgen ja eh und sowieso für ein gewisse Qualität) wie die CARBURATORS, welche  beim direkten Vorgänger doch eher noch dazu einluden, ihr eben erwähntes Werk bei laufendem Motor und geschlossenem Garagentor zu genießen, um der dort enthaltenen wahrlich sterbenslangweiligen Musik auch nur annähernd gerecht zu werden. Hier jedoch rüpeln sich die Herrschaften vor einem Großteil der wesentlich namenhafteren Konkurrenz ins Ziel. Freunde von Kapellen wie ROSE TATTOO, AC/DC und MOTÖRHEAD können dat Dingen meines Erachtens fast ungehört kaufen. Die Texte sind übrigens voll Metal und so.
 
BABYLOVE THE VAN DANGOS On My LifePlatz 2) BABYLOVE & THE VAN DANGOS - „On My Life“ LP + Downloadcode
Auch wenn Kollege Stanley in seinem Review nicht ganz so angetan war. Die neue BABYLOVE & THE VAN DANGOS is meines Erachtens einfach schlichtweg wieder ganz großes Tennis (und Aufschlag hat auch noch Fred Perry !!!). Finde den etwas erwachseneren und eher von Klischees befreiten Ansatz der Kollegen (insofern is die oben leichtfertig eingeworfene Fred Perry Assoziation eventuell etwas misleading, aber klappern gehört halt bekanntlich einfach zum Handwerk und bei der Güte und Klasse der Dänen muss ich auch wirklich kein schlechtes Gewissen haben...) sowieso  absolut sympathisch. Außerdem eine der wenigen Kapellen des Genres wo die übrigens sehr persönlichen Texte nicht bloß bloßes Beiwerk sind, sondern mindestens genauso wichtig & gut wie die ebenso verdammt gute Mucke. Eine Platte die man übrigens auch besser & lieber aufmerksam hören sollte, als über selbige zu schreiben oder zu reden und derer gar strahlend schönen Songs ich zudem auch eine ziemlich lange Halbwertszeit bescheinigen würde. In etwa so wie Plutonium nur in gesund und nicht so laut, auch wenn es hier und da auch knallt. Insgesamt braucht der Hörer aber schon eine wohlwollende Haltung gegenüber Songs und Texten, die eher Geschichten erzählen wollen und hier und da auch mal leisere Töne anschlagen. Ska ,Reggae und Soul wurden selten zu einer so feinen Mischung  gepanscht wie hier.
 
hard skinPlatz 3) Hard Skin ‎– „Do You Like Hospital Food“ MLP
Ehrlich gesagt schreibe ich diese Zeilen am 17.12 und die folgende Scheibe kam strenggenommen bereits am 16.12.2014 raus. Überzeugte Korinthenkacker, schlaue Abiturensöhne, leere Lehramtsstudenten und überambitionierte Tintenpisser könnten monieren, dass das gute Stück folglich 1 Jahr und  1 Tag alt is und deshalb überhaupt nicht in diese Aufzählung hier gehört. Eine Platte, welche viel über den Zustand der heutigen internationalen Oi!-Szene verrät, wenn eine Parodie nach all den Jahren immer noch besser als 88% Prozent der ernstgemeinten Versuche ist und das bei jahrelang gleichbleibender Grundrezeptur...
 

Platz 4 & 5) All die Kapellen und Künstler, welche die Zeichen der Zeit erkannt haben und sich gegen besorgte Bürger, „angsterfüllte“ Feuerwehrmänner, die gerne „ohne rechte Gesinnung“ Flüchtlingsunterkünfte anzünden und dich sich egal in welcher musikalischen Form gegen paranoid aggressive Unterschichts-bis-Mittelschichts-Omegamenschen mit Verlustangst und ihre eher wohlsituierten geistigen Wegbereiter aussprechen und engagieren. Wie sagte Friedrich Nietsche doch einst: „Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes, aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.“

Teil 1 von Ullah gibt es hier

Teil 2 von Ronja gibt es hier

Teil 3 von Krisko gibt es hier

Grammophon-Bild: Andreas Praefcke (Own work (own photograph)) [Public domain], via Wikimedia Commons, eigene Bearbeitung.