best of 2015 3Das Jahr neigt sich dem Ende zu und auch Punkrocker blicken, vielleicht bei einem Tetrapak Rotwein, etwas sentimental zurück auf die Ereignisse. So we do. Im Norwegerpulli gekleidet und beim Knistern des Kaminfeuers schauen Plastic Bomber noch einmal in das Plattenregal oder die mp3-Playliste und lassen die musikalischen Perlen aus dem Jahr 2015 Revue passieren. In unregelmäßigen Abständen werden wir hier bis zum Jahresende verraten, was wen bei uns aus der Plastic Bomb Familie im auslaufenden Jahr gekickt hat und warum.

Heute stellt Krisko vor.

john coffey the great news

John Coffey - The Great News LP

Die niederländische Kombo, die Punkrock / Post-HC macht und dabei aussieht wie der Mantafahrer-Club von Castrop Rauxel, geht ganz schön gut ab. Deren Album "Bright Companians" hat bei mir persönlich gut gezündet und die Livekonzerte, die ich miterlebt habe, haben meine Sympathie für diese Band verstärkt. Nun kam dieses Jahr ihr neustes Album "The Great News" heraus. Ein Haufen geiler Riffs und Ohrwürmer (insb. Broke my Neck) und ein witzige Videos zeigen mit Humor und Energie. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass Sänger Dave ohne große Absicht zum Youtube-Star wurde als ihm beim Crowdwalking ein Fan Bier bewarf und er nicht eleganter und souveräner hätte reagieren können. Wie? Na ich will nicht spoilen. ( Tipp: „John Coffey Beer catch“ bei Youtube gibt euch die Antwort). Ich hoffe, die Band lässt mehr von sich hören.  

against me live album 23 live sex actsAgainst Me - 23 Live Sex Acts LP
Ein neues Livealbum der Band um Frontfrau Laura Jane Grace. Sie ist Vorzeigefigur der Transgender-Bewegung,  seit sie sich einer Geschlechtsumwandlung unterzog. Mit dem Thema geht sie sehr offen um und hat das letzte Studioalbum diesem sehr persönlichen Prozess gewidmet. In der Plastic Bomb #88 gab es dazu ein interessantes Interview mit Laura. Mit 23 Live Sex Acts kommt eine Live-Aufnahme eines (wie ich finde sehr guten) Against Me Konzerts mit einigen neuen Songs und vielen Klassikern. Ich mag Live-Alben nicht oft, aber dieses gefällt und überzeugt.

 

fidlar tooFIDLAR - Too LP
Fidlar sind witzig. Und abgefuckt. Auf eine angenehme Weise. Dabei rutschen sie ganz und gar nicht auf die Funpunk-Schiene ab, wie es vielleicht zunächst klingen mag. Sie sind ein bisschen wie NOFX... gute Songs und witzige Attitüde, wenn auch einen Hauch zuviel Fame. Trotzdem geil. Wer sie kennt, wird wissen was ich meine. Ihr neustes Album "Too" hat das wieder bestätigt und ist ein weiteres musikalisches Highlight diesen Jahres. Leider vermisse ich im Vergleich zu ihrer ersten Platte den HC-Punk Einfluss. Die war etwas aggressiver. So oder so, die zweite hat Hits und Singalongs und macht Spaß zu hören.

 

night birds munity at the beachNight Birds - Mutiny At Muscle Beach LP
Die Night Birds mal wieder. Immer ist es das gleiche. Ich höre ein Album ein paar Mal, finde es ganz okay, und Wochen später stelle ich fest was für ein abgefahren geiler Mindfuck das eigentlich ist. So war es mit Ihrem ersten Album "The Other Side of Darkness", mit Ihrem zweiten Album "Born To Die in Suburbia", bei der ich gar nicht aufhören konnte sie zu hören, und nun schon wieder. Einzige Ausnahme: Die "Fresh Kill Vol. 1" EP war ein Sofortzünder. „Killer Waves“ kann ich sehr empfehlen. Zurück zum Thema: Die "Mutinity at Muscle Beach" ist wieder mal eine Killerscheibe und hat mit ihrer Mischung aus 80s-Hardcore-Punk mit lässigen Surfgitarren einen 100% Treffer in mein Herz geschossen. Cooler Song zum Antesten ist übrigens “Left in the Middle”. Die Night Birds, und das sage ich ohne zu übertreiben, sind meiner Meinung nach einer der besten aktuellen Punkbands, die es gibt. Checkt sie aus.

prodigy the day is my enemyThe Prodigy – The Day is my Enemy LP
Super Band, super Album. Besonders gefällt mir der Song “Ibiza”, den sie zusammen mit dem SLEAFORD MODS gemacht haben. Genious Mastermind und Kopf der Band Liam Howlett hat mal wieder tief in die Trickkiste gegriffen und mit seinen beiden Sängern eine Scheibe produziert, die nur so vor Energie strotzt. Harte Breakbeats, verzerrte Gitarren, alles was so ein Prodigy-Album braucht…Nach ihrem letzten Album “Invaders Must die” und der Compilation “Their Law” war die Messlatte für neue Prodigy-Alben hoch, doch sie haben es geschafft. Obwohl ich schon jahrelang Fan bin, habe ich es letzten Monat erst geschafft, sie endlich mal live zu sehen. Meine Fresse, was eine geile Show. "The day is my enemy, the night my friend" ist das Motto der Platte, und das nehmen die anscheinend genau. Der durchschnittliche Prodigy-Fan auf solchen Konzerten ist tendenziell eher unsympatisch, aber geschenkt. Die Band selbst hat ein wahnsinnig geiles Konzert gegeben, das so schnell mit nichts vergleichbar ist. Lange Rede, kurzer Sinn: Platte geil, live geil.

Teil 1 von Ullah gibt es hier

Teil 2 von Ronja gibt es hier

Grammophon-Bild: Andreas Praefcke (Own work (own photograph)) [Public domain], via Wikimedia Commons, eigene Bearbeitung.