Hier ein Statement von betroffenen Bands vom Kato in Berlin, die dort ihren Proberaum besaßen:

"KREUZBERGS GRÖSSTER MUSIK- UND INDIE-AMÜSIERBETRIEB SCHMEISST RAUS: KREUZBERGS INDIE-MUSIKSZENE!
Alle, die nicht mit dem Ausverkauf der Kieze in und um Kreuzberg und Friedrichshain d'accord gehen, reden derzeit davon die Stadt zu retten, gehen auf die Straße (so wie kürzlich im Juli 2010 zur Großdemo) und tun ihren Unmut kund. Es brodelt im Kiez, und die hier Ansässigen sind es leid, dass immer und immer nur etwas zum Vergnügen der Touristen und deren Geldbeutelminimierung getan wird und für die Interessen der Wirtschaftslobby und ihres grössenwahnsinnigen Media-Spree-Projekts.

IBIZA - BALLERMANN - SCHLESISCHES TOR?

"Passenderweise" findet einen Steinwurf vom Spree-Geschehen, am U-Bahnhof Schlesisches Tor, derzeit genau dasselbe mit ein paar Kellerräumen statt, ein Mikro-Lehrstück des Stadtumbaus. Die Betreiber eines bestimmten Clubs der Party-Meile mit guten und angesagten Läden wie dem Magnet, Komet, Club der Visionäre, Watergate, Lido, Freischwimmer und einigen mehr überspannen gerade den Bogen und drohen dabei einem Teil der Kreuzberger (Indie-)Szene den Saft abzudrehen.
Der pleitegegangene Kulturbahnhof Kato unterm U-Bhf am Schlesischen Tor wird saniert und von den Machern der Geschwister-Clubs Lido und Astra (beide im Handelsregister als Kultur- und Veranstaltungs GmbH gelistet) zu einem größeren und chiquen neuen Venue umgestaltet. Man könnte vermuten: im Lido und Astra rollt der Rubel wohl zu gut, und man kriegt den Hals nicht voll. Ein weiterer Laden muss her. Lido - Astra - Kato: das Indie-Rock Monopol auf dem Terrain an der Oberbaumbrücke.
Andere müssen dafür weichen, werden rausgedrängt, denn gleichzeitig wird eine kleine Nische, die für viele Jahre hunderten von Indie-/Punk-/Ska-/Powerpop-/Garage-/Hardcore-/Wave-/Folkpunk-/Alternative-Musikern als (bezahlbare) Basis zur Verfügung stand, für immer plattgemacht. Die Musiker schwitzten und kreierten bis vor kurzem im Keller des Katos, um abends unter anderem auch in den oben erwähnten Clubs ihre Interpretationen von Kultur darzubieten.

 


DER KATO-KELLER
Die 5 Kellerräume unter dem Kato beherbergten nicht nur 20 Bands u. Einzelkünstler sondern auch 3 Kindergruppen / musikpädagogische Projekte.
Die meisten der beteiligten Musiker leben und arbeiten hier im Kiez gleich um die Ecke, und ein Teil der Gruppen ist mit Touren oder Plattenproduktionen im ganzen Land und ganz Europa präsent. Es geht hier nicht nur um irgendwelche Hobbymusiker die mal am Wochenende ein paar Coverversionen spielen, sondern um Leute für die Musik ein Lebensentwurf und oft auch Existenz ist.
Die Mieten für die Keller waren für alle immer fair und bezahlbar, denn die Räume und Keller des Kato wurden vor vielen Jahren mit Hilfe öffentlicher Gelder hergerichtet. Ganze Generationen von Bands haben dort geprobt. Und wenn mal eine Band absprang standen immer sofort 3 oder 4 neue vor der Tür, die nach einem vernünftigen und bezahlbaren Raum mitten in guter Kiezlage suchten.
Überraschenderweise erhielten nun alle Bands, Kleinkünstler und Projekte vor nicht allzu langer Zeit von den alten Kato-Betreibern die Kündigung, allerdings nicht ohne gleichzeitig von den neuen Pächtern (Lido / Astra) mit dem Versprechen besänftigt zu werden, bald neue Übungsäume in der Umgebung beziehen zu dürfen. Es wäre wegen der erforderlichen Umbaumaßnahmen die Lido/Astra für das Kato planen, überhaupt nicht möglich, dass die Bands nach dem Sommer noch dort beiben könnten. Es werde aber neue Ersatzräume geben, so das Versprechen der neuen Pächter.?Bald rückte der Stichtag, an dem die zugesagten Räume bezogen werden sollten immer näher, aber das Versprechen in die Ferne.

BISHER KEIN ERNSTHAFTES ERSATZ-ANGEBOT

Irgendwann kam dann heraus, das Lido/Astra gar nicht selbst über diese versprochenen Proberäume verfügten, sondern nur als die "Vermittler" auftreten würden. Später entschuldigte man sich dann, dass das mit Vermittlung wohl bedauerlicherweise nicht so ganz geklappt hätte. Und zum Schluss hieß es, die Bands sollten sich doch jetzt besser mal selber um Räume kümmern, sie (Lido/Astra) könnten da auch nix machen. Seit Mitte Juli sitzen also über 20 Bands, Projekte und Solo-Künstler auf der Straße. 80 Musiker sollen gehen, damit die Expansions- und Geschäfts-Gelüste von wenigen Einzelpersonen befriedigt werden. Drei Bands weigern sich übrigens noch beharrlich endgültig auszuziehen und halten ihren Raum im Kato-Keller weiterhin. ?Sie werden noch "geduldet" - bis zum 30.November 2010.
Die echte / bodenständige Kreuzberger Szene muss weichen, damit der Club genau wie so viele andere Plätze in der Gegend für den neuen "In-Kiez" der Easy-Jet-Touristen um das Schlesische Tor fit gemacht werden kann.
Nun versuchten alle Bands schon seit Monaten mit den Machern von Lido/Astra verbindlich die Vergabe von Ersatzräumen zu klären, aber die Verantwortlichen lassen die Bands hängen. Und mittlerweile haben die Bands dann sogar erfahren, dass für die "nötigen Baumaßnahmen" zur Renovierung des Kato-Clubs bisher gar nicht alle ihre ehemaligen Räume benötigt wurden und seit Juli einfach leer stehen.

DER AUFRUF
Höchste Zeit also, dass wir, die Bands und Projekte des Kato-Kellers, an die Öffentlichkeit gehen und Torsten Brandt und David Gruber, die Betreiber des Lido und Astra und zukünftigen Kato hiermit aufordern: Gebt uns die versprochenen Ersatzräume! Oder lasst uns wieder in unsere alten Räume zurück! Und als ersten Schritt: Gebt zumindest schonmal den Kinder-Bands und -Projekten einen verbindlichen und langfristigen Ersatzraum!

DIE BANDS
ABOUT BLANKS - ANDRAS TIBORCZ - APPARATSCHIK - BLACK BOYS - BLOOD ROBOTS - DAISY CHAIN - DELUDED - PADRE NECTAR - FIRE FLOWERS - NAILS - NOTHING - ROCKET FUEL EXPLOSION - SALLI SALLMANN BAND - THE BOTTROPS - THE NOT AMUSED - THE OFFENDERS - TRANSYLVANIANS

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