Geschrieben von: Micha Donnerstag, den 11. März 2010 um 10:24 Uhr
Im Laufe der Jahre hat sich der Sound von DEADLINE stark verändert. Stand die Anfangsphase mit ihren beiden ersten LPs auf Social Bomb / Plastic Bomb Records noch verstärkt im Zeichen des rüden und ruppigen Oi!-Punks, so wendete sich die Band in den Folgejahren Stück für Stück einer melodischeren, poppigeren Spielart zu. Was von Anfang bis heute gleich blieb, ist die ausdrucksstarke, die gleichermaßen schöne wie auch kräftige Stimme von Sängerin Liz, über die DEADLINE oft definiert wurden. Diese Stimme hatte definitiv großen Anteil daran, dass DEADLINE aus der Fülle der Bands herausstachen und internationale Bekanntheit erlangten.Mit „bring the house down“ veröffentlichte die in England ansässige Band jetzt ist 5.Album. Wieder auf PEOPLE LIKE YOU RECORDS aus Dortmund. Nachdem das 4.Album meiner Meinung nach etwas sehr verspielt und mit Effekten überfrachtet war, ist die Band nun zu einfacheren Strukturen zurück gekehrt. Neben der wie immer herausragenden Stimme regiert hier eine Melodienverliebtheit, die teilweise klingt das wie BLONDIE auf Punk. Aber es sind auch schnellere Songs drauf. Man kann auf jeder Platte eine Entwicklung feststellen. DEADLINE verharren nicht in deinem starren Gerüst. Ob diese Entwicklung positiv oder negativer Art ist, das entscheidet jeder für sich selbst.
Wir stellten dem Gitarristen und Gründungsmitglied Hervé einige Fragen zur neuen Platte und zur Entwicklung der Band.
PLASTIC BOMB: Die neue LP/CD ist nicht mehr so überfrachtet und verspielt wie der Vorgänger. Und sie ist ruhiger, poppiger und bis auf wenige Ausnahmen langsamer geworden. Fehlt euch die Energie? Oder woran liegt das?
Keine Angst, uns fehlt in keinster Weise Energie, wir geben immer 110%...diese neue Platte ist genau so geworden, wie das was wir mit unserer fünften Platte erreichen wollten. Du kannst auf dem neuen Album immer noch vier typische aggressive und schnelle DEADLINE Nummern hören, und zwar "Fraud", "99%", "For better or for worse" und "Na Na Na", die auch auf unserer ersten oder zweiten Platte hätten sein können. Der Rest der Platte bewegt sich im Midtempo-Bereich und ist, wie ich finde, sehr eingängig. Der Grund warum wir das gemacht haben ist der, dass wir neue Songs schreiben wollten die auch Live gut funktionieren. Wir haben über die Jahre festgestellt, das wir vom Publikum die meisten Reaktionen erhielten wenn wir Midtempo Nummern spielten, wie z.B. "Last Night", welches vermutlich DER Song von uns ist den jeder auf einem DEADLINE Konzert hören möchte. Dieser Song spielen wir im Midtempo und ziemlich poppig und dazu ist es auch noch einer unserer Lieblingssongs. Daher haben wir auf der neuen Platte versucht weitere Songs wie "Last Night" aufzunehmen...Songs, die jeden in Bewegung setzen, da manchmal die alten schnellen Songs bei Konzerten nicht mehr so gut funktionieren. Vielleicht reift das Publikum in der gleichen Art und Weise wie wir.
Was die Produktion der Platte betrifft, denke ich, das es das am besten produzierte Album ist, was wir je gemacht haben, denn es hört sich unglaublich gut an. Ich bin damit sehr zufrieden, da es ein echter Fortschritt zur Vorgängerplatte ist.
Nun, kommt doch einfach zu unserem Konzert im April nach Dortmund, wenn Ihr könnt, und seht selbst ob wir live immer noch auf den Putz hauen können, wenn nicht sogar noch mehr als wie noch vor fünf Jahren.
PLASTIC BOMB: Hat sich Euer privater Musikgeschmack auch geändert? Was hört ihr zur Zeit am liebsten?
Wir hören uns immer noch alles an, von Punk bis Pop, von Country bis Hardcore, von Ska bis R´n´R...von COCK SPARRER bis ABBA, einfach jede gute Band bei deren Songs man mitsingen kann. Ich persönlich höre mir mehr Sängerinnen an als ich das noch vor 10 Jahren getan habe, aber BLOOD FOR BLOOD habe ich immer noch auf meinem Ipod wenn ich in die Muckibude gehe.
PLASTIC BOMB: Aus der Vergangenheit weiß ich, dass ihr Euch immer sehr viele Gedanken macht über die musikalische Richtung, in die Ihr gehen möchtet. Was sind Eure aktuellen Ziele für die Zukunft, die ihr mit der Band erreichen möchtet?
Wir haben keine musikalische Zielrichtung mehr wie damals, als wir noch jünger und voller Erwartungen waren. Nun sind wir älter und zynischer, ha-ha, aber mal ernsthaft... wir haben gerade unsere vollendetste Platte aufgenommen. Wir haben ein Jahr gebraucht die Songs zu schreiben und zwei Monate um sie aufzunehmen und sind nun an einem Punkt angekommen wo wir nur noch das machen, worauf wir persönlich Bock haben. Wer weiß schon wohin uns die nächste Platte führen wird? Vielleicht wird es voller aggressiver Hardcore Songs sein, vielleicht wird es auch eine halbakustische Platte sein... aber was auch immer dabei herauskommen wird, es wird so werden wie wir sie haben wollen wenn wir die Songs schreiben.
PLASTIC BOMB: Hat sich in der ganzen Zeit Euer Publikum verändert? Weniger Skinheads, mehr Rock´n´Roller...versprecht ihr Euch vielleicht auch mehr Konzerte in größeren bzw. etablierteren Läden?
Wir haben einen großen Wandel über die Jahre festgestellt, das Publikum wurde zahlenmäßig immer größer und ist auch mehr gemischt. Offensichtlich gibt es immer noch viele Skinheads und Punks, einige neue Fans und einige alte...es fühlt sich sehr gut an Leute zu sehen, die uns während der vergangenen acht - neun Jahre begleitet haben.
Wir haben in einigen größeren Clubs und Festivals gespielt, die uns geholfen haben ein größeres Publikum zu ziehen, aber wir spielen immer noch in kleinen Läden, Jugendzentren oder Bierkellern, da es für uns keinen Unterschied macht ob wir vor 1000 oder vor 100 Leuten spielen, solange die Leute ihren Spass haben und unsere Songs mitsingen. Eins meiner Lieblingskonzerte von 2009 fand in einem kleinen Punk Jugendzentrum im Norden statt, im Klex in Greifswald, wo es nur eine kleine Bühne gab. In diesem kleinen Saal mit einer Kapazität von 80 Leuten waren wohl insgesamt 120 Leute und es war ein absolut verrückter und surrealer Abend! Ich fand dieses Konzert richtig geil!
PLASTIC BOMB: Irgendwann kommt für die meisten Band der Punkt, an dem es nicht mehr höher geht, wo eine Band stagniert, wo sie immer auf dem selben Level stehen bleiben. Habt Ihr Angst vor diesem Punkt? Wenn ein größerer Erfolg nicht möglich ist?
Erfolg ist ein relativer Begriff... wir hatten die Band als ein Seitenprojekt gestartet und waren nicht sicher wie sich die Dinge überhaupt entwickeln würden. Heute sind wir glücklich darüber wie in den vergangenen neun Jahren alles abgelaufen ist! Wir waren regelrecht überglücklich als Ihr Jungs vom PLASTIC BOMB uns angeboten hattet unser Debüt Album zu veröffentlichen. Das war für uns ein Erfolg! Als wir dann bei PEOPLE LIKE YOU unterschrieben, die uns über die Jahre hinweg unterstützt haben und jedes Mal zustimmten wenn wir sie gefragt haben ob sie auch unsere nächste Platte machen wollen, dann ist das ebenfalls ein Erfolg. Nun verstehe ich auch deine Frage... was werden wir als nächstes machen? Ich denke mir, dass wir niemals eine "große" Band sein werden! Natürlich wäre es nett wenn man durch seine Musik angenehm leben könnte, aber wir sind mit dem jetzigen Zustand sehr zufrieden. Wir haben alle normale Jobs und wir haben Spass an diesem Mix aus "normalen" Arbeitsleben und dem Leben unterwegs auf Tour mit der Band, so das wir das touren als eine Art "Arbeitsurlaub" ansehen. Das empfinde ich als persönlichen Erfolg, da ich ein ausgefülltes Leben lebe. Wir haben keinen Druck und wir touren wenn wir Bock darauf haben, wir schreiben Songs, die wir machen wollen, und solange das so bleibt werden alle zwei Jahre neue DEADLINE Platten auf Eurem Tisch landen. Wenn eines Tages der Reiz und die Leidenschaft verloren gehen sollte und wir touren langweilig finden sollten oder die Leute nicht mehr zu unseren Konzerten kommen, dann werden wir mit all dem aufhören.
PLASTIC BOMB: Euer Artwork ist immer sehr ansehnlich. Überlasst ihr die Gestaltung immer derselben Person? Oder wechseln die Künstler? Oder macht Ihr das selbst?
Ich mache seit unserer zweiten Platte alles selbst, seitdem ich gelernt habe Photoshop richtig anzuwenden. Ich bin der Meinung das es so besser ist als wenn man von jemanden anderem in Bezug auf das Artwork abhängig ist. Du kannst Stunde um Stunde damit verbringen einzelne Sachen zu ändern und kannst sicher sein, dass das Artwork genau so aussehen wird wie du es haben willst. Wir haben z.B. unser letztes Album selber abgemischt. Du siehst, wir sind immer noch DIY. Wir haben außerdem noch massig Freunde und Fans die gute Live Fotos von uns machen und sie uns kostenlos zuschicken, was die Sache für uns ebenfalls einfacher macht.
PLASTIC BOMB: Es gab in der jüngeren Vergangenheit einige Bewegung bei Eurem Label PEOPLE LIKE YOU RECORDS. Labelchef Andre, den Ihr auf Platz 1 der Thanksliste Eurer neuen CD gesetzt habt, ist nicht mehr dabei. PEOPLE LIKE YOURECORDS gehört nun zu CENTURY MEDIA, der Vertrieb läuft über den Major EMI. Interessieren Euch solche Details? Was denkt Ihr über die Veränderungen?
Wir kennen nicht jedes Detail was da abgelaufen ist, aber wir dachten uns, dass es eine gute Entscheidung ist bei PEOPLE LIKE YOU zu bleiben. Andre Bahr steht natürlich als Nummer Eins ganz oben auf unserer Dankesliste, weil er uns während der vergangenen Jahre sehr viel geholfen hat und dafür sind wir ihm äußerst dankbar.
PLASTIC BOMB: Ihr hattet wahnsinnig viele Besetzungswechsel... warum hören so viele Leute bei Euch auf, habt Ihr als die letzten Gründungsmitglieder so straffe Vorstellungen?
Wie ich vorhin schon erwähnte hatten wir DEADLINE als Seitenprojekt gestartet und als die Dinge dann ins Laufen kamen, wurde es für einige Leute schwer damit umzugehen, da sie nicht gleichzeitig in zwei Bands spielen konnten. Daher mussten wir andere motivierte Musiker finden. Ein paar blieben für eine längere Zeit, andere waren nicht damit glücklich Wochen über Wochen für wenig Geld im Van auf Tour zu sein und so wieder aufhörten. Es war für Liz und mich schwierig mit den neuen Leuten klar zu kommen, da wir immer als sehr enger Familienverbund funktioniert haben. Aber das Lustige daran ist, das unsere ehemaligen Bandmitglieder immer noch sehr gute Freunde sind. Manchmal helfen sie uns aus wenn jemand aus der aktuellen Band ein Konzert nicht spielen kann, oder sie machen den Merch-Verkauf oder helfen auf der Bühne. Bislang gab es noch nie die Situation das jemand im Streit die Band verlassen hat. Wo wir jetzt darüber sprechen, möchte ich erwähnen, das wir seit nunmehr drei Jahren das gleiche Line-up haben und wir kommen so gut wie nur möglich miteinander aus! Ich hoffe das es so bleiben wird.... Daumen drücken!
PLASTIC BOMB: Ihr seid laut eigener Aussage (Infosheet) eine britische Oi!-Band...hätte der Song auf der neuen CD nicht heißen müssen "These boots are made for stomping?". Und warum habt ihr nicht "If the kids are united"gecovert?
Ha-ha, wir schreiben diese Infosheets nicht selber...das ist lustig, denn die Band kann man nicht mehr wirklich eine britische Band bezeichnen... denn es sind nur noch zwei Briten dabei, nämlich Liz und Ryan. Dazu gibt es noch drei Franzosen, ich lebe in England zusammen mit Liz, aber die anderen zwei leben in Frankreich! Da geht die nationale Identität also dahin! Was Oi! betrifft... hmm, selbst am Anfang habe ich nie gedacht das wir eine Oi!-Band wären. Wir haben schnellen melodischen Punk Rock mit ein paar Oi! und Pop Einflüssen im Chorus gespielt, dazu vielleicht noch ein bißchen Hardcore im Rhythmus. Aber diese Klassifizierung kümmert mich nicht, denn die Leute sollen sich selbst einen Eindruck verschaffen wenn sie uns hören oder live sehen. Speziell heute mit Myspace und Youtube ist es sehr einfach sich selbst ein Bild zu verschaffen. Testet uns einfach mal an und wägt selbst ab ob wir Oi! sind. Wenn wir für dich irgendetwas anderes sind, dann ist das auch cool.
Was den Coversong betrifft, war das Liz ihre Wahl. Sie liebt diesen Song, da er viel Girl Power rüber bringt. Es geht darum das Frauen Verantwortung tragen... sie liebt diese Thematik! Und als NANCY SINATRA im Original über "These boots" sang, bin ich mir sicher, dass sie hochhackige sexy Stiefel meinte, aber nicht die von Doc Martens! Wir versuchen dieses Jahr Live keine weiteren Coversongs zu spielen, nicht mal "Sheena is a Punk Rocker"!!!
Interview: Micha + Ronja
Übersetzung: Helge Schreiber

people like you typischer musikalischer einheitsbrei, nach texten wird im interview auch nicht gefragt, aber was will man von "na na na" auch erwarten?
"ansehnliche" cover beinhalten also bloß (tätowierte) frauen(verkauft sich auch leichter)?ich finde, das ist eine band die keiner mehr braucht und
totaler "unpolitischer" rotz der nur verkauft werden will..siehe:"..dass wir neue Songs schreiben wollten die auch Live gut funktionieren..."
passt in die rubrik: wenn das der führer wüsste!
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